Ein bisschen Fortuna-Nostalgie
Verfasst: Montag 24. September 2007, 09:39
KULTCLUB FORTUNA KÖLN
Scharfe Speise und Schumachers Rauswurf in der Pause
Von Philipp Köster
Ein richtig großer Club war Fortuna Köln noch nie, aber immerhin ein unterhaltsamer. Inzwischen ist der Verein in der Verbandsliga Mittelrhein angekommen. Das Fußball-Magazin "11 FREUNDE" erinnert an die tollsten Momente der Fortuna.
Beginnen wir, bei aller Tristesse, mit den größten Spielen der Kölner Fortuna. Als da wären: jenes 5:0 gegen Borussia Dortmund im Halbfinale des DFB-Pokals 1982/1983, das die Kölner Südstadt erzittern ließ. Und natürlich die beiden Derbysiege (3:0 und 4:2) gegen den FC in der Saison 1998/1999. In der Saison 1991/1992 war Fortuna sportlich bereits aus der zweiten Liga abgestiegen, doch durch den Lizenzentzug von Blau-Weiß 90 Berlin zog der Club doch noch in die Relegationsrunde ein. Dort setzte Fortuna sich souverän gegen 1860 München und den TSV Havelse durch und blieb somit zweitklassig.
Wer hat nicht alles bei der Fortuna gespielt und trainiert: Wolfgang Fahrian, Hans-Jürgen Gede, Hans Krankl, Hannes Linßen, Dirk Lottner und Karl-Heinz Mödrath, Hans-Günter Neues, Wolfgang Rolff, Bernd Schuster, Harald "Toni" Schumacher, Tony Woodcock und Dieter Schatzschneider. Immerhin einen ersten Platz hat die Fortuna vorerst sicher: In der ewigen Zweitligatabelle führt die Fortuna mit stolzen 26 Spielzeiten, 1276 Punkten und 371 Siegen. Der Club wird die Führung allerdings wohl auf längere Zeit nicht ausbauen können. Von der Verbandsliga Mittelrhein ist ein weiter Weg zurück in den Profifußball.
Gerne wird die Fortuna als untergegangener Traditionsclub bezeichnet. So wirklich weit her ist es mit der Vereinsgeschichte allerdings nicht. Fortuna enstand erst am 21. Februar 1948 durch eine Fusion der Vereine Bayenthaler SV, Sparkassen-Verein 1927 Köln und SV Victoria 1911 Köln.
Spieler Charles Akonnor machte schon beim Bewerbungsgespräch Bekanntschaft mit dem Kölschen Humor. Präsident Hans "Jean" Löring lud ihn zum Mittagessen in die Vereinsgaststätte ein. Serviert wurde allerdings ein höllisch scharfes Gericht, das Akonnor schon beim zweiten Bissen die Tränen in die Augen trieb. Initiator Löring, von den Fans auch "Der Schäng" genannt, lachte sich scheckig über den Scherz. "Da wusste ich, der Mann ist gefährlich", konstatierte Akonnor später.
Ganz anders erinnert sich Hans Krankl, einer der glücklosen Trainer der vergangenen Jahre, an Löring: "Bevor ich nach Köln ging, hat man mich vor ihm gewarnt, aber er war einer der nettesten Menschen, die ich im Fußballgeschäft kennengelernt habe: Ein wirklicher Patriarch, aber im positiven Sinne. Der war für alle da, sogar für die Kinder der Spieler. Er war wie ein Großvater, sehr großmütig." Krankl selbst hatte Pech bei der Fortuna und war vielleicht auch zu ehrlich. Das Publikum im Südstadion charakterisierte er im "Kölner Stadt-Anzeiger": "Wir haben nur ein paar Hanseln, und die pfeifen dann auch noch."
Keeper Jacek Jarecki, der sich mit Löring nicht über einen Vertrag einig wurde, ließ sich auf eine Partie Fußball-Tennis auf Lörings Schloss in Nideggen ein. Der Sieger sollte seine Forderungen erfüllt bekommen. Löring gewann, Jarecki kommentierte fassungslos: "Dann kam dieser kleine dicke Mann und hat mich abgezogen. Woher sollte ich denn wissen, dass der so gut Fußball spielen kann?" Er hätte vielleicht mal in den "Kicker"-Almanach schauen sollen: Löring hatte unter anderem in Aachen gespielt.
Für eine Stadionzeitung hübsch anarchisch kam mitunter die offizielle Postille "Kickeriki" daher. Als Eintracht Frankfurt mit dem zuvor wegen Autoschiebereien angeklagten Maurizio Gaudino im Südstadion vorstellig wurde, präsentierte die Gazette einen hochpreisigen Ferrari auf dem Cover, der Claim dazu: "Na, wie wär's Mauri?"
Schiedsrichter waren nie Lörings Freunde. Einmal signierte der Präsident einen bereits ausgefüllten Schiedsrichterbericht mit dem schönen Einzeiler: "Alles gelogen". Ein anderes Mal pöbelte er im Eifer des Gefechts einen Linienrichter derart heftig an, dass der Fußballbund ihn für ein Heimspiel mit einem Stadionverbot belegte. Löring kam dennoch ins Stadion: als Weihnachtsmann verkleidet, auf der Stehplatzgeraden.
Was sagte Löring selbst zu solchen Aktionen? "Jedes Jahr habe ich drei- oder viermal Mist gebaut. Ich habe auch schon mal einem gegnerischen Spieler die Schuhe ausgezogen, weil er zu lange Stollen hatte. Doch ich ändere mich nicht. Ich entschuldige mich dann immer beim lieben Gott, nicht beim DFB."
Eingang in die Fußballgeschichte fand der Rauswurf Harald "Toni" Schumachers in der Heimpartie der Kölner Fortuna gegen Waldhof Mannheim. In der Halbzeitpause beschied Löring dem Coach: "Hau aaff in die Eiffel. Du maachst minge Verein kapott. Du hast hier nichts mehr zu sagen, du Wichser", und setzte sich selbst als Interimscoach auf die Bank. Später gab Löring zu Protokoll: "Ich als Verein musste ja reagieren."
Lesen Sie morgen im zweiten Teil, wie es die Fortuna schaffte, drei Insolvenzen zu überstehen und was aus dem heimischen Südstadion werden soll.
http://www.spiegel.de/sport/fussball/0, ... 08,00.html
Scharfe Speise und Schumachers Rauswurf in der Pause
Von Philipp Köster
Ein richtig großer Club war Fortuna Köln noch nie, aber immerhin ein unterhaltsamer. Inzwischen ist der Verein in der Verbandsliga Mittelrhein angekommen. Das Fußball-Magazin "11 FREUNDE" erinnert an die tollsten Momente der Fortuna.
Beginnen wir, bei aller Tristesse, mit den größten Spielen der Kölner Fortuna. Als da wären: jenes 5:0 gegen Borussia Dortmund im Halbfinale des DFB-Pokals 1982/1983, das die Kölner Südstadt erzittern ließ. Und natürlich die beiden Derbysiege (3:0 und 4:2) gegen den FC in der Saison 1998/1999. In der Saison 1991/1992 war Fortuna sportlich bereits aus der zweiten Liga abgestiegen, doch durch den Lizenzentzug von Blau-Weiß 90 Berlin zog der Club doch noch in die Relegationsrunde ein. Dort setzte Fortuna sich souverän gegen 1860 München und den TSV Havelse durch und blieb somit zweitklassig.
Wer hat nicht alles bei der Fortuna gespielt und trainiert: Wolfgang Fahrian, Hans-Jürgen Gede, Hans Krankl, Hannes Linßen, Dirk Lottner und Karl-Heinz Mödrath, Hans-Günter Neues, Wolfgang Rolff, Bernd Schuster, Harald "Toni" Schumacher, Tony Woodcock und Dieter Schatzschneider. Immerhin einen ersten Platz hat die Fortuna vorerst sicher: In der ewigen Zweitligatabelle führt die Fortuna mit stolzen 26 Spielzeiten, 1276 Punkten und 371 Siegen. Der Club wird die Führung allerdings wohl auf längere Zeit nicht ausbauen können. Von der Verbandsliga Mittelrhein ist ein weiter Weg zurück in den Profifußball.
Gerne wird die Fortuna als untergegangener Traditionsclub bezeichnet. So wirklich weit her ist es mit der Vereinsgeschichte allerdings nicht. Fortuna enstand erst am 21. Februar 1948 durch eine Fusion der Vereine Bayenthaler SV, Sparkassen-Verein 1927 Köln und SV Victoria 1911 Köln.
Spieler Charles Akonnor machte schon beim Bewerbungsgespräch Bekanntschaft mit dem Kölschen Humor. Präsident Hans "Jean" Löring lud ihn zum Mittagessen in die Vereinsgaststätte ein. Serviert wurde allerdings ein höllisch scharfes Gericht, das Akonnor schon beim zweiten Bissen die Tränen in die Augen trieb. Initiator Löring, von den Fans auch "Der Schäng" genannt, lachte sich scheckig über den Scherz. "Da wusste ich, der Mann ist gefährlich", konstatierte Akonnor später.
Ganz anders erinnert sich Hans Krankl, einer der glücklosen Trainer der vergangenen Jahre, an Löring: "Bevor ich nach Köln ging, hat man mich vor ihm gewarnt, aber er war einer der nettesten Menschen, die ich im Fußballgeschäft kennengelernt habe: Ein wirklicher Patriarch, aber im positiven Sinne. Der war für alle da, sogar für die Kinder der Spieler. Er war wie ein Großvater, sehr großmütig." Krankl selbst hatte Pech bei der Fortuna und war vielleicht auch zu ehrlich. Das Publikum im Südstadion charakterisierte er im "Kölner Stadt-Anzeiger": "Wir haben nur ein paar Hanseln, und die pfeifen dann auch noch."
Keeper Jacek Jarecki, der sich mit Löring nicht über einen Vertrag einig wurde, ließ sich auf eine Partie Fußball-Tennis auf Lörings Schloss in Nideggen ein. Der Sieger sollte seine Forderungen erfüllt bekommen. Löring gewann, Jarecki kommentierte fassungslos: "Dann kam dieser kleine dicke Mann und hat mich abgezogen. Woher sollte ich denn wissen, dass der so gut Fußball spielen kann?" Er hätte vielleicht mal in den "Kicker"-Almanach schauen sollen: Löring hatte unter anderem in Aachen gespielt.
Für eine Stadionzeitung hübsch anarchisch kam mitunter die offizielle Postille "Kickeriki" daher. Als Eintracht Frankfurt mit dem zuvor wegen Autoschiebereien angeklagten Maurizio Gaudino im Südstadion vorstellig wurde, präsentierte die Gazette einen hochpreisigen Ferrari auf dem Cover, der Claim dazu: "Na, wie wär's Mauri?"
Schiedsrichter waren nie Lörings Freunde. Einmal signierte der Präsident einen bereits ausgefüllten Schiedsrichterbericht mit dem schönen Einzeiler: "Alles gelogen". Ein anderes Mal pöbelte er im Eifer des Gefechts einen Linienrichter derart heftig an, dass der Fußballbund ihn für ein Heimspiel mit einem Stadionverbot belegte. Löring kam dennoch ins Stadion: als Weihnachtsmann verkleidet, auf der Stehplatzgeraden.
Was sagte Löring selbst zu solchen Aktionen? "Jedes Jahr habe ich drei- oder viermal Mist gebaut. Ich habe auch schon mal einem gegnerischen Spieler die Schuhe ausgezogen, weil er zu lange Stollen hatte. Doch ich ändere mich nicht. Ich entschuldige mich dann immer beim lieben Gott, nicht beim DFB."
Eingang in die Fußballgeschichte fand der Rauswurf Harald "Toni" Schumachers in der Heimpartie der Kölner Fortuna gegen Waldhof Mannheim. In der Halbzeitpause beschied Löring dem Coach: "Hau aaff in die Eiffel. Du maachst minge Verein kapott. Du hast hier nichts mehr zu sagen, du Wichser", und setzte sich selbst als Interimscoach auf die Bank. Später gab Löring zu Protokoll: "Ich als Verein musste ja reagieren."
Lesen Sie morgen im zweiten Teil, wie es die Fortuna schaffte, drei Insolvenzen zu überstehen und was aus dem heimischen Südstadion werden soll.
http://www.spiegel.de/sport/fussball/0, ... 08,00.html