Bestechungs-Alarm beim Afrika-Cup
Verfasst: Mittwoch 30. Januar 2008, 09:37
Zwischen Chance und Versuchung
Bestechungs-Alarm beim Afrika-Cup - Blatter prangert schwunghaften Handel mit Fußballtalenten an
Accra - Spielern aus Benin und Namibia soll Geld für eine absichtliche Niederlage geboten worden sein - solche Meldungen von Bestechungsversuchen beim Afrika-Cup lassen die Fußballwelt aufhorchen. Korruption zumindest in kleinerem Rahmen ist im afrikanischen Fußballgeschäft keineswegs außergewöhnlich.
VON OLAF JANSEN
Gut 30 Grad, ein frisch ausgepresster Orangensaft auf dem Tisch und den Swimmingpool in Sichtweite - die Beine lang ausgestreckt, sitzt Oliver Risser im tropischen Garten des Novotel in Accra und genießt den Luxus beim Afrika-Cup. Allerdings nicht mehr lange. Höchstens bis zum morgigen Mittwoch, dann ist spätestens Abreisetag für den Nationalspieler Namibias mit deutschen Wurzeln. Die Regeln des Afrikanischen Fußballverbandes besagen: Der Veranstalter bezahlt die Unterkunft und Verpflegung der teilnehmenden Teams nur bis zu 48 Stunden nach deren Ausscheiden aus dem Turnier. Die 330 US-Dollar, die ein Doppelzimmer in der Luxusherberge kostet, müssen danach von den Mannschaften selbst aufgebracht werden. "Der namibische Fußballverband wird mit Sicherheit bis spätestens Mittwoch die Abreise sämtlicher Spieler organisieren. Denn sie könnten nicht eine Nacht die Hotelkosten für unsere Spieler selbst bezahlen", weiß Risser.
Der namibische Fußballverband ist notorisch klamm - seit Jahren schon erhalten die Nationalspieler keine oder allenfalls symbolische Prämien für ihre Einsätze im Nationalteam. Für afrikanische Verhältnisse ist das nicht ungewöhnlich. Mit Ausnahme der großen Fußballnationen wie Kamerun, Ghana, Elfenbeinküste und Nigeria spielen die meisten Nationalspieler des afrikanischen Kontinents hauptsächlich für die Ehre - und für die Hoffnung, von irgendeinem Scout entdeckt zu werden, der ihren erträumten Wechsel ins gelobte Fußball-Land, nach Europa, ermöglicht.
Als Benins deutscher Nationaltrainer Reinhard Fabisch vor wenigen Tagen vom Bestechungsversuch gegen sein Team berichtete, erklärte er: "Es ist typisch, dass diese Betrüger an die Spieler der kleinen Verbände gehen, die nicht viel Geld verdienen. Sie glauben, dass diese Jungs noch am ehesten mit ein paar Dollar zu ködern sind." Aber sind die heutigen Profis in Afrika wirklich bestechlich? "Auf keinen Fall", meint Oliver Risser: "Wer glaubt, dass ein afrikanischer Nationalspieler seine Mannschaft für Geld verrät, hat keine Ahnung vom ungeheuren Stolz dieser Spieler. Die würden eher ihr Leben geben, als ihr Land zu verraten."
Auch Tony Baffoe, als Profi einst in Afrika und Europa (unter anderem bei den Stuttgarter Kickers) unterwegs, heute als Direktor für internationale Beziehungen einer der wichtigsten Männer im Organisationskomitee des Afrika-Cups, kann sich keine Spiel-Manipulationen vorstellen: "Wie soll das gehen? Das Turnier hier wird von vielen Millionen Leuten beobachtet. Es würde doch sofort bemerkt, wenn irgendwo getrickst würde." Auch an die These von den anfälligen finanzschwachen Spielern glaubt er nicht. Baffoe: "Gerade für diese Jungs ist der Afrika-Cup die große Chance, mit starken Leistungen auf sich aufmerksam zu machen. Die spielen doch für ein paar Dollar nicht extra schlecht!"
Fakt ist aber: Auch die Spieler Namibias wurden am Wochenende von einem Agenten der Wettmafia aufgesucht, der versuchte, sie für Geld zu einer unsauberen Niederlage zu bewegen. Die geschockten Spieler meldeten dies indes umgehend ihrem Verband, der auch gleich an die Öffentlichkeit ging. "Ich hoffe, dass die Täter gefasst werden. Wir müssen diese Dinge im Keim ersticken, um Afrikas Fußball zu retten. Korruption wäre in der Lage, unseren schönen Sport total zu zerstören", fürchtet Ghanas französischer Nationaltrainer Claude Le Roy.
Im Grunde ist es allerdings nur logisch, dass Wettbetrüger in Afrika ihr Glück versuchen. Denn die Erfahrung zeigt, dass ehrgeizige Spieler, die es noch nicht zu Starruhm gebracht haben, kleineren illegalen Geschäften durchaus aufgeschlossen gegenüberstehen. So beziehen nigerianische Reporter kleine finanzielle Aufmerksamkeiten von Spielern für positive Geschichten. "Die Spieler brauchen gute Beurteilungen in der Presse, um Karriere machen zu können. Und dafür sind sie bereit zu zahlen", berichtet ein nigerianischer Journalist am Rande des Afrika-Cups.
Dass es auch andersherum gehen kann, wird aus dem Lager der Elfenbeinküste berichtet. Weil die Verbands-Funktionäre den Spielern abseits der offiziellen Pressekonferenzen Interviews untersagt haben, soll sich vor dem Teamhotel Takoradi Beach ein regelrechter Markt mit Angebot und Nachfrage entwickelt haben. Nur wer bereit ist, dafür zu zahlen, erhält ein Interview.
Ganz andere Dimensionen erreicht die Korruption in Afrika immer noch, wenn es um den Handel mit Talenten geht. "Die illegalen Spielervermittler sind eines der größten Probleme im afrikanischen Fußball", klagte dieser Tage Fifa-Chef Sepp Blatter. Was er anprangerte, ist der schwungvoll betriebene Transport afrikanischer Fußball-Jugendlicher nach Europa. Dort sollen die Nachwuchskickers auf ihre Fähigkeiten hin getestet werden. Die Eltern der Kinder unterschreiben gern die Papiere der korrupten Fußballhändler, weil sie hoffen, ihr Kind werde in Europa jenen Vertrag erhalten, der mit einem Schlag die komplette Familie in Afrika ernähren könnte. Wenn der Traum vom Profi dann platzt - und das ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel -, werden die Talente sich selbst überlassen und enden als Sozialfälle. Von ihren windigen Beratern hören sie nie wieder etwas.
Quelle: Stuttgarter Nachrichten
Bestechungs-Alarm beim Afrika-Cup - Blatter prangert schwunghaften Handel mit Fußballtalenten an
Accra - Spielern aus Benin und Namibia soll Geld für eine absichtliche Niederlage geboten worden sein - solche Meldungen von Bestechungsversuchen beim Afrika-Cup lassen die Fußballwelt aufhorchen. Korruption zumindest in kleinerem Rahmen ist im afrikanischen Fußballgeschäft keineswegs außergewöhnlich.
VON OLAF JANSEN
Gut 30 Grad, ein frisch ausgepresster Orangensaft auf dem Tisch und den Swimmingpool in Sichtweite - die Beine lang ausgestreckt, sitzt Oliver Risser im tropischen Garten des Novotel in Accra und genießt den Luxus beim Afrika-Cup. Allerdings nicht mehr lange. Höchstens bis zum morgigen Mittwoch, dann ist spätestens Abreisetag für den Nationalspieler Namibias mit deutschen Wurzeln. Die Regeln des Afrikanischen Fußballverbandes besagen: Der Veranstalter bezahlt die Unterkunft und Verpflegung der teilnehmenden Teams nur bis zu 48 Stunden nach deren Ausscheiden aus dem Turnier. Die 330 US-Dollar, die ein Doppelzimmer in der Luxusherberge kostet, müssen danach von den Mannschaften selbst aufgebracht werden. "Der namibische Fußballverband wird mit Sicherheit bis spätestens Mittwoch die Abreise sämtlicher Spieler organisieren. Denn sie könnten nicht eine Nacht die Hotelkosten für unsere Spieler selbst bezahlen", weiß Risser.
Der namibische Fußballverband ist notorisch klamm - seit Jahren schon erhalten die Nationalspieler keine oder allenfalls symbolische Prämien für ihre Einsätze im Nationalteam. Für afrikanische Verhältnisse ist das nicht ungewöhnlich. Mit Ausnahme der großen Fußballnationen wie Kamerun, Ghana, Elfenbeinküste und Nigeria spielen die meisten Nationalspieler des afrikanischen Kontinents hauptsächlich für die Ehre - und für die Hoffnung, von irgendeinem Scout entdeckt zu werden, der ihren erträumten Wechsel ins gelobte Fußball-Land, nach Europa, ermöglicht.
Als Benins deutscher Nationaltrainer Reinhard Fabisch vor wenigen Tagen vom Bestechungsversuch gegen sein Team berichtete, erklärte er: "Es ist typisch, dass diese Betrüger an die Spieler der kleinen Verbände gehen, die nicht viel Geld verdienen. Sie glauben, dass diese Jungs noch am ehesten mit ein paar Dollar zu ködern sind." Aber sind die heutigen Profis in Afrika wirklich bestechlich? "Auf keinen Fall", meint Oliver Risser: "Wer glaubt, dass ein afrikanischer Nationalspieler seine Mannschaft für Geld verrät, hat keine Ahnung vom ungeheuren Stolz dieser Spieler. Die würden eher ihr Leben geben, als ihr Land zu verraten."
Auch Tony Baffoe, als Profi einst in Afrika und Europa (unter anderem bei den Stuttgarter Kickers) unterwegs, heute als Direktor für internationale Beziehungen einer der wichtigsten Männer im Organisationskomitee des Afrika-Cups, kann sich keine Spiel-Manipulationen vorstellen: "Wie soll das gehen? Das Turnier hier wird von vielen Millionen Leuten beobachtet. Es würde doch sofort bemerkt, wenn irgendwo getrickst würde." Auch an die These von den anfälligen finanzschwachen Spielern glaubt er nicht. Baffoe: "Gerade für diese Jungs ist der Afrika-Cup die große Chance, mit starken Leistungen auf sich aufmerksam zu machen. Die spielen doch für ein paar Dollar nicht extra schlecht!"
Fakt ist aber: Auch die Spieler Namibias wurden am Wochenende von einem Agenten der Wettmafia aufgesucht, der versuchte, sie für Geld zu einer unsauberen Niederlage zu bewegen. Die geschockten Spieler meldeten dies indes umgehend ihrem Verband, der auch gleich an die Öffentlichkeit ging. "Ich hoffe, dass die Täter gefasst werden. Wir müssen diese Dinge im Keim ersticken, um Afrikas Fußball zu retten. Korruption wäre in der Lage, unseren schönen Sport total zu zerstören", fürchtet Ghanas französischer Nationaltrainer Claude Le Roy.
Im Grunde ist es allerdings nur logisch, dass Wettbetrüger in Afrika ihr Glück versuchen. Denn die Erfahrung zeigt, dass ehrgeizige Spieler, die es noch nicht zu Starruhm gebracht haben, kleineren illegalen Geschäften durchaus aufgeschlossen gegenüberstehen. So beziehen nigerianische Reporter kleine finanzielle Aufmerksamkeiten von Spielern für positive Geschichten. "Die Spieler brauchen gute Beurteilungen in der Presse, um Karriere machen zu können. Und dafür sind sie bereit zu zahlen", berichtet ein nigerianischer Journalist am Rande des Afrika-Cups.
Dass es auch andersherum gehen kann, wird aus dem Lager der Elfenbeinküste berichtet. Weil die Verbands-Funktionäre den Spielern abseits der offiziellen Pressekonferenzen Interviews untersagt haben, soll sich vor dem Teamhotel Takoradi Beach ein regelrechter Markt mit Angebot und Nachfrage entwickelt haben. Nur wer bereit ist, dafür zu zahlen, erhält ein Interview.
Ganz andere Dimensionen erreicht die Korruption in Afrika immer noch, wenn es um den Handel mit Talenten geht. "Die illegalen Spielervermittler sind eines der größten Probleme im afrikanischen Fußball", klagte dieser Tage Fifa-Chef Sepp Blatter. Was er anprangerte, ist der schwungvoll betriebene Transport afrikanischer Fußball-Jugendlicher nach Europa. Dort sollen die Nachwuchskickers auf ihre Fähigkeiten hin getestet werden. Die Eltern der Kinder unterschreiben gern die Papiere der korrupten Fußballhändler, weil sie hoffen, ihr Kind werde in Europa jenen Vertrag erhalten, der mit einem Schlag die komplette Familie in Afrika ernähren könnte. Wenn der Traum vom Profi dann platzt - und das ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel -, werden die Talente sich selbst überlassen und enden als Sozialfälle. Von ihren windigen Beratern hören sie nie wieder etwas.
Quelle: Stuttgarter Nachrichten