VfR Mannheim erneut vor dem Aus
Verfasst: Mittwoch 13. Februar 2008, 08:17
Fußball: Auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung des
Oberligisten in einer Woche steht die Etat-Lücke von 300 000 Euro im Mittelpunkt
Beim VfR geht es um die nackte Existenz
Von unserem Mitarbeiter Markus Wilhelm
Mannheim. "Alles oder nichts", heißt es in diesen Tagen für den Fußball-Oberligisten VfR Mannheim. Als Tabellen-Vierzehnter trennen den Traditionsverein nur zwei Punkte von einem Abstiegsplatz. Im ersten Punktspiel des neuen Kalenderjahres bekommen es die Rasenspieler in elf Tagen zu Hause mit dem TSV Crailsheim zu tun, der den Kampf um Platz vier (und damit die Regionalliga-Qualifikation) noch nicht ganz aufgegeben hat. Dennoch beherrscht im Lager der Blau-Weiß-Roten derzeit ein ganz anderes Thema die Diskussion: die vom Vorstand kurzfristig einberufene außerordentliche Mitgliederversammlung, bei der unter Tagesordnungspunkt zwei über die "wirtschaftliche und finanzielle Situation" des VfR Mannheim beraten werden soll. Und die sieht offenbar alles andere als rosig aus.
Informationen unserer Zeitung zufolge klafft im Etat eine Lücke von 300 000 Euro. Rund 150 000 Euro fehlen demnach allein für den laufenden Spielbetrieb, der Rest wird zur Tilgung von Altschulden benötigt. Auch mit der Zahlung der Spielergehälter sollen die Mannheimer inzwischen einmal mehr in Verzug geraten sein.
Wie dramatisch ist die Situation beim Deutschen Fußballmeister von 1949 tatsächlich? "Kein Kommentar", heißt es von VfR-Präsident Ralf Auer, der gestern ein geplantes Pressegespräch kurzfristig absagte. "Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich gar nichts sagen. Ich äußere mich erst, wenn ich fundierte Fakten habe", verweist Auer auf die seit Tagen andauernden Gespräche mit Gönnern und den verschiedenen Gremien des Vereins.
Die Gründe, warum die Kasse der Mannheimer weitgehend leer gespült ist, liegen auf der Hand. Der anhaltende sportliche Misserfolg lockt verständlicherweise keinen potenziellen Geldgeber hinter dem Ofen vor. Die ohnehin schon bescheidenen Zuschauerzahlen gingen angesichts der enttäuschenden Ergebnisse noch einmal zurück. Zuletzt verirrten sich kaum mehr als 200 Zuschauer im weiten Rund des Rhein-Neckar-Stadions und ließen den Schatzmeister mit bescheidenen Eintrittsgeldern zurück.
Auch sonst gibt es kaum Einnahmequellen. Einen Trikotsponsor hat der Verein seit dieser Saison nicht mehr vorzuweisen, ebenso keine Stadionzeitung. Mit Dieter Heimen steht ein beurlaubter Trainer weiter auf der Gehaltsliste - schlimmstenfalls bis Sommer 2009. Marketing und Öffentlichkeitsarbeit findet bei den Rasenspielern nicht statt, obwohl der VfR seit einigen Monaten mit Friedrich Lutterkort - erstmals in seiner Geschichte - einen gewählten Marketingvorstand hat. Und das Derby gegen den SV Waldhof, dass einzige Spiel, das dem VfR noch einmal einen warmen Geldregen bescheren wird, findet erst am letzten Spieltag statt.
Verunsicherung bei den Spielern
Wirklich überraschend sind die Finanzprobleme des Vereins vor diesem Hintergrund nicht. Ungewöhnlich mutet allerdings der Termin der anstehenden Mitgliederversammlung an. Die findet am 21. Februar und damit genau zwei Tage vor dem Punktspiel-Auftakt gegen Crailsheim statt. Die Premiere von Trainer Rafael Sanchez, die erhoffte Trendwende mit einer in der Winterpause völlig neu formierten Mannschaft, droht zur Nebensache zu werden.
"Nicht gerade glücklich", heißt es hinter vorgehaltener Hand aus Mannschaftskreisen, wenn die Sprache auf den Termin der Mitgliederversammlung kommt. Kapitän und Co-Trainer Timo Dörflinger fasst die Stimmungslage wie folgt zusammen: "Wir Spieler wissen im Moment auch nicht genau, wie ernst die Lage tatsächlich ist. Natürlich konzentrieren wir uns auf das Sportliche, aber das Thema spielt im Hinterkopf eine Rolle. Man macht sich schon seine Gedanken. Es ist ja nicht so, dass wir Spieler nicht auf unser Geld angewiesen wären."
Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion wird es zudem immer unwahrscheinlicher, dass Ralf Köhnlein den Mannheimern als Manager erhalten bleibt. Köhnlein war erst im Oktober vergangenen Jahres beim VfR eingestiegen, offiziell endete das Arbeitsverhältnis bereits am 31. Dezember. Seitdem arbeitet der 51-Jährige auf eigene Rechnung weiter. Wie lange noch, ist fraglich. Angesichts der derzeitigen Turbulenzen beim VfR Mannheim ist die Manager-Frage jedoch ein eher untergeordnetes Problem.
Mannheimer Morgen
Oberligisten in einer Woche steht die Etat-Lücke von 300 000 Euro im Mittelpunkt
Beim VfR geht es um die nackte Existenz
Von unserem Mitarbeiter Markus Wilhelm
Mannheim. "Alles oder nichts", heißt es in diesen Tagen für den Fußball-Oberligisten VfR Mannheim. Als Tabellen-Vierzehnter trennen den Traditionsverein nur zwei Punkte von einem Abstiegsplatz. Im ersten Punktspiel des neuen Kalenderjahres bekommen es die Rasenspieler in elf Tagen zu Hause mit dem TSV Crailsheim zu tun, der den Kampf um Platz vier (und damit die Regionalliga-Qualifikation) noch nicht ganz aufgegeben hat. Dennoch beherrscht im Lager der Blau-Weiß-Roten derzeit ein ganz anderes Thema die Diskussion: die vom Vorstand kurzfristig einberufene außerordentliche Mitgliederversammlung, bei der unter Tagesordnungspunkt zwei über die "wirtschaftliche und finanzielle Situation" des VfR Mannheim beraten werden soll. Und die sieht offenbar alles andere als rosig aus.
Informationen unserer Zeitung zufolge klafft im Etat eine Lücke von 300 000 Euro. Rund 150 000 Euro fehlen demnach allein für den laufenden Spielbetrieb, der Rest wird zur Tilgung von Altschulden benötigt. Auch mit der Zahlung der Spielergehälter sollen die Mannheimer inzwischen einmal mehr in Verzug geraten sein.
Wie dramatisch ist die Situation beim Deutschen Fußballmeister von 1949 tatsächlich? "Kein Kommentar", heißt es von VfR-Präsident Ralf Auer, der gestern ein geplantes Pressegespräch kurzfristig absagte. "Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich gar nichts sagen. Ich äußere mich erst, wenn ich fundierte Fakten habe", verweist Auer auf die seit Tagen andauernden Gespräche mit Gönnern und den verschiedenen Gremien des Vereins.
Die Gründe, warum die Kasse der Mannheimer weitgehend leer gespült ist, liegen auf der Hand. Der anhaltende sportliche Misserfolg lockt verständlicherweise keinen potenziellen Geldgeber hinter dem Ofen vor. Die ohnehin schon bescheidenen Zuschauerzahlen gingen angesichts der enttäuschenden Ergebnisse noch einmal zurück. Zuletzt verirrten sich kaum mehr als 200 Zuschauer im weiten Rund des Rhein-Neckar-Stadions und ließen den Schatzmeister mit bescheidenen Eintrittsgeldern zurück.
Auch sonst gibt es kaum Einnahmequellen. Einen Trikotsponsor hat der Verein seit dieser Saison nicht mehr vorzuweisen, ebenso keine Stadionzeitung. Mit Dieter Heimen steht ein beurlaubter Trainer weiter auf der Gehaltsliste - schlimmstenfalls bis Sommer 2009. Marketing und Öffentlichkeitsarbeit findet bei den Rasenspielern nicht statt, obwohl der VfR seit einigen Monaten mit Friedrich Lutterkort - erstmals in seiner Geschichte - einen gewählten Marketingvorstand hat. Und das Derby gegen den SV Waldhof, dass einzige Spiel, das dem VfR noch einmal einen warmen Geldregen bescheren wird, findet erst am letzten Spieltag statt.
Verunsicherung bei den Spielern
Wirklich überraschend sind die Finanzprobleme des Vereins vor diesem Hintergrund nicht. Ungewöhnlich mutet allerdings der Termin der anstehenden Mitgliederversammlung an. Die findet am 21. Februar und damit genau zwei Tage vor dem Punktspiel-Auftakt gegen Crailsheim statt. Die Premiere von Trainer Rafael Sanchez, die erhoffte Trendwende mit einer in der Winterpause völlig neu formierten Mannschaft, droht zur Nebensache zu werden.
"Nicht gerade glücklich", heißt es hinter vorgehaltener Hand aus Mannschaftskreisen, wenn die Sprache auf den Termin der Mitgliederversammlung kommt. Kapitän und Co-Trainer Timo Dörflinger fasst die Stimmungslage wie folgt zusammen: "Wir Spieler wissen im Moment auch nicht genau, wie ernst die Lage tatsächlich ist. Natürlich konzentrieren wir uns auf das Sportliche, aber das Thema spielt im Hinterkopf eine Rolle. Man macht sich schon seine Gedanken. Es ist ja nicht so, dass wir Spieler nicht auf unser Geld angewiesen wären."
Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion wird es zudem immer unwahrscheinlicher, dass Ralf Köhnlein den Mannheimern als Manager erhalten bleibt. Köhnlein war erst im Oktober vergangenen Jahres beim VfR eingestiegen, offiziell endete das Arbeitsverhältnis bereits am 31. Dezember. Seitdem arbeitet der 51-Jährige auf eigene Rechnung weiter. Wie lange noch, ist fraglich. Angesichts der derzeitigen Turbulenzen beim VfR Mannheim ist die Manager-Frage jedoch ein eher untergeordnetes Problem.
Mannheimer Morgen