EM OHNE ENGLAND - Verblendete Bolzplatzkicker
Verfasst: Samstag 7. Juni 2008, 13:41
nett geschrieben, finde ich :D
EM OHNE ENGLAND
Verblendete Bolzplatzkicker
England ist bei der Europameisterschaft nur Zuschauer. Na und, sagt unser aus Irland stammender Gastautor Paul Doyle vom Londoner "Guardian". Es gibt reichlich Teams, die wirklich Fußball spielen können. Doch in einer Beziehung wird er die Engländer vermissen.
Als irischer Fußballautor, der in London lebt und für eine englische Zeitung arbeitet, habe ich Englands Aus in der EM-Qualifikation mit gemischten Gefühlen verfolgt. Einerseits dachte ich: "Hehehe." Aber auf der anderen, ernsthafteren Seite, war mir eher nach: "Hahaha, hohoho."
Obwohl verblendete "Three Lions"-Kicker wie Peter Crouch (Liverpool FC) und Michael Owen (Newcastle United) weiterhin darauf beharren, dass "wir einer der Titelfavoriten gewesen wären, wenn wir uns qualifiziert hätten", steht fest, dass die meisten Engländer - sogar die blindwütigsten Teile der Medien - zu akzeptieren scheinen, dass ihr Team verdientermaßen nicht dabei ist.
Das ist schade, weil es eigentlich viel amüsanter ist, wenn sie hysterisch irgendeinem heimtückischen Ausländer die Schuld für Niederlagen in die Schuhe schieben. So wie bei der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland, als Wayne Rooney gegen Portugal angeblich nicht vom Platz flog, weil er auf Ricardo Carvalhos Unterleib herumgetrampelt war, sondern weil der niederträchtige Cristiano Ronaldo, der wie Rooney bei Manchester United spielt, sich beim Schiedsrichter beschwert hatte.
Diesmal hielten sich die Medien leider zurück. Sie trommelten die Meute nicht zum Lynchen zusammen oder druckten die Telefonnummer des Schiedsrichters ab. Und nicht ein einziger BBC-Redakteur forderte unverzüglich zum Krieg gegen Kroatien auf, unseren Bezwinger in der EM-Qualifikation. Diese Spielverderber.
Selbstverständlich gibt es aus der Sicht eines befangenen Fans, der ich als Ire nun einmal bin, nur eine Sache, die lustiger ist, als das englische Establishment mit Niederlagen aufzuziehen, die komplett selbstverschuldet waren. Und das ist, das englische Establishment mit Niederlagen aufzuziehen, die wirklich schreiend ungerecht waren. Wer von uns kann wirklich sagen, dass er nicht an Diego Maradonas Schummeltor im WM-Viertelfinale 1986 denkt ("Die Hand Gottes") und vor lauter Lachen ein paar Tränen vergießt?
Und ich werde ehrlich zu euch sein: Was den Sieg meines eigenen Landes über England bei der EM 1988 so besonders machte, abgesehen von der Tatsache, dass es unseren ersten Auftritt bei einem großen Turnier darstellte, war, dass England das Spiel total dominierte und nur wegen irre viel Pech scheiterte. Die eiserne Logik eines Fans ist diese: Geld verdienen ist gut, aber einfach einen Haufen Bargeld auf der Straße zu finden macht glücklicher - besonders wenn du gesehen hast, dass dein ärgster Feind es gerade verloren hat.
Obwohl ich all das geschrieben habe, werde ich England bei der EM vermissen. Ohne Frage geben sie solch einer Party einen etwas anderen Touch. Damit sind nicht gerade übermütige Selbstüberschätzung und zombieähnliche Hooligans gemeint. Denn zunächst einmal besteht die Mehrheit der Fans aus puren Spaßvögeln, die Gute-Laune-Lärm machen - ein mit Engländern gefülltes Stadion rockt einfach.
Zweitens spielt keine andere Nation wie England. Ihr traditionell etwas hirnloser Hochgeschwindigkeits-Fußball erinnert in seiner Unschuld an Spiele auf dem Bolzplatz. In diesen anspruchsvollen Zeiten bringt dieser Ansatz allein aber keinen Erfolg.
Das ist vermutlich der Grund, warum (der mittlerweile abgelöste) englische Auswahlcoach Steve McClaren versucht hat, einen anderen, erwachseneren Stil zu entwickeln. Zumindest denke ich, dass es das ist, was McLaren versucht hat. Die alternative Erklärung ist, dass er ein unbelehrbarer Witzbold ist, der das Team nur zum Spaß verwirrte.
Wie auch immer: Die Engländer werden sich nun die EM am Fernseher anschauen. Ein italienischer Coach, Fabio Capello, hat sie inzwischen dazu überredet, fußballerisch erwachsen zu werden. Wir Iren, ähem, haben es da nicht besser: Wir haben jetzt Giovanni Trapattoni.
Übersetzung: Jens Witte
http://www.spiegel.de/sport/fussball/0, ... 97,00.html
EM OHNE ENGLAND
Verblendete Bolzplatzkicker
England ist bei der Europameisterschaft nur Zuschauer. Na und, sagt unser aus Irland stammender Gastautor Paul Doyle vom Londoner "Guardian". Es gibt reichlich Teams, die wirklich Fußball spielen können. Doch in einer Beziehung wird er die Engländer vermissen.
Als irischer Fußballautor, der in London lebt und für eine englische Zeitung arbeitet, habe ich Englands Aus in der EM-Qualifikation mit gemischten Gefühlen verfolgt. Einerseits dachte ich: "Hehehe." Aber auf der anderen, ernsthafteren Seite, war mir eher nach: "Hahaha, hohoho."
Obwohl verblendete "Three Lions"-Kicker wie Peter Crouch (Liverpool FC) und Michael Owen (Newcastle United) weiterhin darauf beharren, dass "wir einer der Titelfavoriten gewesen wären, wenn wir uns qualifiziert hätten", steht fest, dass die meisten Engländer - sogar die blindwütigsten Teile der Medien - zu akzeptieren scheinen, dass ihr Team verdientermaßen nicht dabei ist.
Das ist schade, weil es eigentlich viel amüsanter ist, wenn sie hysterisch irgendeinem heimtückischen Ausländer die Schuld für Niederlagen in die Schuhe schieben. So wie bei der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland, als Wayne Rooney gegen Portugal angeblich nicht vom Platz flog, weil er auf Ricardo Carvalhos Unterleib herumgetrampelt war, sondern weil der niederträchtige Cristiano Ronaldo, der wie Rooney bei Manchester United spielt, sich beim Schiedsrichter beschwert hatte.
Diesmal hielten sich die Medien leider zurück. Sie trommelten die Meute nicht zum Lynchen zusammen oder druckten die Telefonnummer des Schiedsrichters ab. Und nicht ein einziger BBC-Redakteur forderte unverzüglich zum Krieg gegen Kroatien auf, unseren Bezwinger in der EM-Qualifikation. Diese Spielverderber.
Selbstverständlich gibt es aus der Sicht eines befangenen Fans, der ich als Ire nun einmal bin, nur eine Sache, die lustiger ist, als das englische Establishment mit Niederlagen aufzuziehen, die komplett selbstverschuldet waren. Und das ist, das englische Establishment mit Niederlagen aufzuziehen, die wirklich schreiend ungerecht waren. Wer von uns kann wirklich sagen, dass er nicht an Diego Maradonas Schummeltor im WM-Viertelfinale 1986 denkt ("Die Hand Gottes") und vor lauter Lachen ein paar Tränen vergießt?
Und ich werde ehrlich zu euch sein: Was den Sieg meines eigenen Landes über England bei der EM 1988 so besonders machte, abgesehen von der Tatsache, dass es unseren ersten Auftritt bei einem großen Turnier darstellte, war, dass England das Spiel total dominierte und nur wegen irre viel Pech scheiterte. Die eiserne Logik eines Fans ist diese: Geld verdienen ist gut, aber einfach einen Haufen Bargeld auf der Straße zu finden macht glücklicher - besonders wenn du gesehen hast, dass dein ärgster Feind es gerade verloren hat.
Obwohl ich all das geschrieben habe, werde ich England bei der EM vermissen. Ohne Frage geben sie solch einer Party einen etwas anderen Touch. Damit sind nicht gerade übermütige Selbstüberschätzung und zombieähnliche Hooligans gemeint. Denn zunächst einmal besteht die Mehrheit der Fans aus puren Spaßvögeln, die Gute-Laune-Lärm machen - ein mit Engländern gefülltes Stadion rockt einfach.
Zweitens spielt keine andere Nation wie England. Ihr traditionell etwas hirnloser Hochgeschwindigkeits-Fußball erinnert in seiner Unschuld an Spiele auf dem Bolzplatz. In diesen anspruchsvollen Zeiten bringt dieser Ansatz allein aber keinen Erfolg.
Das ist vermutlich der Grund, warum (der mittlerweile abgelöste) englische Auswahlcoach Steve McClaren versucht hat, einen anderen, erwachseneren Stil zu entwickeln. Zumindest denke ich, dass es das ist, was McLaren versucht hat. Die alternative Erklärung ist, dass er ein unbelehrbarer Witzbold ist, der das Team nur zum Spaß verwirrte.
Wie auch immer: Die Engländer werden sich nun die EM am Fernseher anschauen. Ein italienischer Coach, Fabio Capello, hat sie inzwischen dazu überredet, fußballerisch erwachsen zu werden. Wir Iren, ähem, haben es da nicht besser: Wir haben jetzt Giovanni Trapattoni.
Übersetzung: Jens Witte
http://www.spiegel.de/sport/fussball/0, ... 97,00.html