Es gilt das Prinzip Hoffnung
Verfasst: Mittwoch 27. August 2008, 05:01
Es gilt das Prinzip Hoffnung
Kickers in der Krise - und Hilfe ist nicht in Sicht
Bonjour Tristesse: Jörn Schmiedel und die Stuttgarter Kickers kommen in der neuen dritten Liga einfach nicht auf die Beine.
Foto: Baumann
Stuttgart - Bei den Stuttgarter Kickers ist Krisenbewältigung gefragt. Der Fußball-Drittligist hat keine Punkte, kein Geld für Neuzugänge, dafür aber eine Trainerdiskussion. Keine günstigen Voraussetzungen also.
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Von Joachim Klumpp
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Nach der 0:1-Niederlage am Sonntag gegen Sandhausen schaute der ehemalige Kickers-Spieler Mustafa Parmak noch auf einen Sprung bei den alten Kollegen vorbei - und war von deren Vorstellung nicht sehr angetan: "Was war denn das?" Nicht viel, die vierte Niederlage im vierten Spiel. Und die nicht einmal unverdient. Was hilft da noch?
Verstärkungen: Handlungsbedarf bestünde (mit Ausnahme des Torhüters Manuel Salz) in allen Mannschaftsteilen, wobei der Präsident Dirk Eichelbaum neue Spieler für unrealistisch hält. "Zum einen baut man damit nicht das Vertrauen in die vorhandenen Leute auf, zum anderen wollen wir eine seriöse Vereinspolitik fahren", - wobei das Geld für Nachkäufe fehlt. Erst recht, nachdem die Hoffnung auf eine Entlastung der Gehaltsliste geplatzt ist. Markus Ortlieb jedenfalls hat nach seinem Probetraining vom Wuppertaler SV eine Absage bekommen, Gleiches gilt für den Stürmer Saban Genisyürek, an dem auch Ulm Interesse hatte.
Trainerwechsel: Das zweite vermeintliche Allheilmittel. Auch das schließt der Präsident Dirk Eichelbaum aus. Noch zumindest. "Solange die Mannschaft lebt, halten wir an der sportlichen Leitung fest", sagte der Kickers-Chef am Montag vor der Präsidiumssitzung, die allerdings turnusgemäß schon vor längerer Zeit anberaumt worden ist. In erster Linie sollte dort über das Nachwuchskonzept gesprochen werden, doch jetzt gibt es ganz akut noch ein anderes Thema: die erste Mannschaft. Eichelbaum setzt auf das Prinzip Hoffnung: "Stefan Minkwitz hat in der Rückrunde bewiesen, dass er schwierige Situationen meistern kann." Dabei sei auch die Mannschaft gefordert. "Wir müssen hinterfragen, warum die Leistungsträger nicht ihre Form der Rückrunde haben", so Eichelbaum.
Personalwechsel: Das größte Sorgenkind ist ausgerechnet Alexander Rosen, der vor der Saison mit einem Dreijahresvertrag ausgestattet worden ist. Nachdem der neue Kapitän bisher nicht überzeugen konnte, sagt Minkwitz: "Vielleicht braucht er auch einmal eine schöpferische Pause." Zumal einige andere Kandidaten bisher kaum eine Chance bekommen haben, namentlich Josip Landeka und Ralf Kettemann. "Dass die beiden mit ihrer Situation nicht glücklich sind, ist verständlich", sagt Minkwitz zu den beiden Neuzugängen, die in Mainz beziehungsweise Fürth auf dem Sprung in die erste Mannschaft gestanden haben. Doch Landeka habe eine zu schlechte Trainingswoche hingelegt, um in der Startformation zu stehen, und in der Halbzeit gegen Sandhausen waren dem Trainer die Hände gebunden, weil er zwei Verteidiger (Jens Härter wegen Verletzung und Benedikt Deigendesch wegen Formschwäche) auswechseln musste. Allerdings wird Minkwitz kaum darum herumkommen, diesen Spielern bald eine Chance zu geben, um nicht unglaubwürdig zu werden.
Taktische Änderungen: Die Abkehr des bisher praktizierten 4-4-2-Systems hin zu einem verstärkten Mittelfeld wäre denkbar. "Natürlich muss man in unserer Situation auch darüber nachdenken, vielleicht mehr auf Konter zu setzen", gibt Minkwitz zu, ist allerdings skeptisch, ob ein Systemwechsel jetzt das Allheilmittel ist. "Dazu brauche ich auch die entsprechenden Spieler."
Mentaltrainer: Das schon in der Rückrunde einmal kurz angedachte (und wieder verworfene) Engagement eines Sportpsychologen ist zwar auch keine Garantie für Besserung, aber in Anbetracht des doch stark angeknacksten Selbstvertrauens zumindest eine Überlegung wert, auch wenn sie bei den Verantwortlichen bis jetzt auf wenig Gegenliebe stößt. "Ich glaube nicht, dass das jetzt entscheidend weiterhilft", sagt zum Beispiel der Manager Joachim Cast.
Die Frage bleibt: was hilft überhaupt? In der momentanen Verfassung jedenfalls macht die Mannschaft nicht den Eindruck, als ob sie drittligatauglich ist, auch wenn der Präsident sagt: "Mit dem vorhandenen Kader steigt man zwar nicht auf, aber für den sicheren Klassenerhalt müsste es auf jeden Fall reichen." Davon ist auch Minkwitz überzeugt, der den Kader ja - im Rahmen der Möglichkeiten - zusammengestellt hat. Seine Zukunft steht und fällt mit dem Erfolg. "Der Trainer ist immer das schwächste Glied", weiß Minkwitz. "Entweder greifen meine Mechanismen" - oder die des Marktes.
Wobei Eichelbaum in einem Punkt keinen Spaß versteht, das ist der WFV-Pokal. Da lautet seine Vorgabe: "Den Wettbewerb müssen wir diese Saison gewinnen." Bei einem Scheitern am 3. September gegen den Oberliga-Tabellenführer Großaspach wäre die Schonfrist für den Trainer wohl vorbei.
25.08.2008 - aktualisiert: 25.08.2008 19:39 Uhr
Kickers in der Krise - und Hilfe ist nicht in Sicht
Bonjour Tristesse: Jörn Schmiedel und die Stuttgarter Kickers kommen in der neuen dritten Liga einfach nicht auf die Beine.
Foto: Baumann
Stuttgart - Bei den Stuttgarter Kickers ist Krisenbewältigung gefragt. Der Fußball-Drittligist hat keine Punkte, kein Geld für Neuzugänge, dafür aber eine Trainerdiskussion. Keine günstigen Voraussetzungen also.
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Von Joachim Klumpp
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Nach der 0:1-Niederlage am Sonntag gegen Sandhausen schaute der ehemalige Kickers-Spieler Mustafa Parmak noch auf einen Sprung bei den alten Kollegen vorbei - und war von deren Vorstellung nicht sehr angetan: "Was war denn das?" Nicht viel, die vierte Niederlage im vierten Spiel. Und die nicht einmal unverdient. Was hilft da noch?
Verstärkungen: Handlungsbedarf bestünde (mit Ausnahme des Torhüters Manuel Salz) in allen Mannschaftsteilen, wobei der Präsident Dirk Eichelbaum neue Spieler für unrealistisch hält. "Zum einen baut man damit nicht das Vertrauen in die vorhandenen Leute auf, zum anderen wollen wir eine seriöse Vereinspolitik fahren", - wobei das Geld für Nachkäufe fehlt. Erst recht, nachdem die Hoffnung auf eine Entlastung der Gehaltsliste geplatzt ist. Markus Ortlieb jedenfalls hat nach seinem Probetraining vom Wuppertaler SV eine Absage bekommen, Gleiches gilt für den Stürmer Saban Genisyürek, an dem auch Ulm Interesse hatte.
Trainerwechsel: Das zweite vermeintliche Allheilmittel. Auch das schließt der Präsident Dirk Eichelbaum aus. Noch zumindest. "Solange die Mannschaft lebt, halten wir an der sportlichen Leitung fest", sagte der Kickers-Chef am Montag vor der Präsidiumssitzung, die allerdings turnusgemäß schon vor längerer Zeit anberaumt worden ist. In erster Linie sollte dort über das Nachwuchskonzept gesprochen werden, doch jetzt gibt es ganz akut noch ein anderes Thema: die erste Mannschaft. Eichelbaum setzt auf das Prinzip Hoffnung: "Stefan Minkwitz hat in der Rückrunde bewiesen, dass er schwierige Situationen meistern kann." Dabei sei auch die Mannschaft gefordert. "Wir müssen hinterfragen, warum die Leistungsträger nicht ihre Form der Rückrunde haben", so Eichelbaum.
Personalwechsel: Das größte Sorgenkind ist ausgerechnet Alexander Rosen, der vor der Saison mit einem Dreijahresvertrag ausgestattet worden ist. Nachdem der neue Kapitän bisher nicht überzeugen konnte, sagt Minkwitz: "Vielleicht braucht er auch einmal eine schöpferische Pause." Zumal einige andere Kandidaten bisher kaum eine Chance bekommen haben, namentlich Josip Landeka und Ralf Kettemann. "Dass die beiden mit ihrer Situation nicht glücklich sind, ist verständlich", sagt Minkwitz zu den beiden Neuzugängen, die in Mainz beziehungsweise Fürth auf dem Sprung in die erste Mannschaft gestanden haben. Doch Landeka habe eine zu schlechte Trainingswoche hingelegt, um in der Startformation zu stehen, und in der Halbzeit gegen Sandhausen waren dem Trainer die Hände gebunden, weil er zwei Verteidiger (Jens Härter wegen Verletzung und Benedikt Deigendesch wegen Formschwäche) auswechseln musste. Allerdings wird Minkwitz kaum darum herumkommen, diesen Spielern bald eine Chance zu geben, um nicht unglaubwürdig zu werden.
Taktische Änderungen: Die Abkehr des bisher praktizierten 4-4-2-Systems hin zu einem verstärkten Mittelfeld wäre denkbar. "Natürlich muss man in unserer Situation auch darüber nachdenken, vielleicht mehr auf Konter zu setzen", gibt Minkwitz zu, ist allerdings skeptisch, ob ein Systemwechsel jetzt das Allheilmittel ist. "Dazu brauche ich auch die entsprechenden Spieler."
Mentaltrainer: Das schon in der Rückrunde einmal kurz angedachte (und wieder verworfene) Engagement eines Sportpsychologen ist zwar auch keine Garantie für Besserung, aber in Anbetracht des doch stark angeknacksten Selbstvertrauens zumindest eine Überlegung wert, auch wenn sie bei den Verantwortlichen bis jetzt auf wenig Gegenliebe stößt. "Ich glaube nicht, dass das jetzt entscheidend weiterhilft", sagt zum Beispiel der Manager Joachim Cast.
Die Frage bleibt: was hilft überhaupt? In der momentanen Verfassung jedenfalls macht die Mannschaft nicht den Eindruck, als ob sie drittligatauglich ist, auch wenn der Präsident sagt: "Mit dem vorhandenen Kader steigt man zwar nicht auf, aber für den sicheren Klassenerhalt müsste es auf jeden Fall reichen." Davon ist auch Minkwitz überzeugt, der den Kader ja - im Rahmen der Möglichkeiten - zusammengestellt hat. Seine Zukunft steht und fällt mit dem Erfolg. "Der Trainer ist immer das schwächste Glied", weiß Minkwitz. "Entweder greifen meine Mechanismen" - oder die des Marktes.
Wobei Eichelbaum in einem Punkt keinen Spaß versteht, das ist der WFV-Pokal. Da lautet seine Vorgabe: "Den Wettbewerb müssen wir diese Saison gewinnen." Bei einem Scheitern am 3. September gegen den Oberliga-Tabellenführer Großaspach wäre die Schonfrist für den Trainer wohl vorbei.
25.08.2008 - aktualisiert: 25.08.2008 19:39 Uhr