Rad: Aus für Team Gerolsteiner
Verfasst: Donnerstag 28. August 2008, 17:14
Aus für Gerolsteiner!
Alles Hoffen und alle Bemühungen waren umsonst. Am Donnerstag, einen Tag vor dem Startschuss der Deutschland-Tour, gab Boss Hans-Michael Holczer bekannt, dass es das Team Gerolsteiner im kommenden Jahr definitiv nicht mehr geben werde.
Dem 54-Jährigen ist es trotz intensiver Suche nicht gelungen, einen neuen Hauptsponsor für die Saison 2009 zu finden. Der deutsche Getränke-Hersteller Gerolsteiner wird sein Engagement im Radsport am Ende dieser Saison einstellen. Damit wird mit Milram nur noch ein deutsches Team in der ProTour vertreten sein.
Der Ausstieg von Gerolsteiner stand bereits seit dem letzten Jahr fest. Zunächst herrschte Optimismus, einen neuen Geldgeber zu finden. Immerhin galt Gerolsteiner als seriös geführtes Team, das einheimischen Talenten ein hervorragendes Sprungbrett in den Profiradsport bot. Zudem vertrat Gerolsteiner im Kampf gegen das Doping eine klare und eindeutige Position und gehörte zu den maßgeblichen Kräften in der "Bewegung für einen sauberen Radsport".
Die Eifel-Equipe wurde von Holczer seit der Gründung im Jahr 1998 behutsam an die Weltspitze geführt. 2004 gewann Fabian Wegmann das Grüne Trikot als bester Kletterer beim Giro d'Italia. Davide Rebellin gewann alle Ardennen-Klassiker und wurde Weltcup-Zweiter. 2005 wurde dann das bis dato erfolgreichste Jahr. Georg Totschnig gewann für Gerolsteiner die erste Etappe bei der Tour de France und Levi Leipheimer triumphierte bei der Deutschland-Tour.
In diesem Jahr bestimmte Gerolsteiner zum größten Teil die positiven Schlagzeilen bei der Tour de France. Stefan Schumacher gewann alle beiden Einzelzeitfahren und Bernhard Kohl holte sich das Gepunktete Trikot als bester Kletterer.
Trotz aller dieser Referenzen und den Erfolgen bei der Frankreich-Rundfahrt kam nun das Aus. Zunächst setzte sich Holczer eine Frist bis Ende Juli, verlängerte diese dann aber bis Ende August. Doch jetzt musste Holczer, auch im Interesse der Fahrer und der Angestellten, die Reißleine ziehen.
"Wir werden die Sponsorensuche nicht weiter aktiv betreiben. Sollten die noch bestehenden Sponsorenkontakte wie alle bisherigen im Sand verlaufen, wird es Ende Oktober in unserer Teamzentrale auch zum materiellen Ausverkauf des Teams kommen", sagte er am Donnerstag. Bis zum Saisonende wird der Rennbetrieb wie geplant aufrecht erhalten.
Über die Gründe, weshalb kein Unternehmen die erfolgreiche Teamgeschichte weiterführen will, kann Holczer nur spekulieren. "Ich hatte in den letzten zwei Wochen sogar mündliche Zusagen von Sponsoren, doch es ist nichts daraus geworden. Ein Premiumstück des Sportsponsorings ist auf dem deutschen Markt momentan nicht zu verkaufen. Eine Erklärung dafür fällt mir schwer", sagt Holczer gegenüber dem Sport-Informations-Dienst (sid).
Allerdings spiele der wegen der Dopinaffären ruinierte Ruf des Radsports eine Rolle, musste Holczer einräumen. So muss ein Team, das nie in Skandale verwickelt war und eine Vorreiterrolle im Anti-Doping-Kapmf spielte, für die Verfehlungen der Konkurrenten büßen.
Auch BDR-Präsident Rudolf Scharping reagierte einen Tag vor dem Prolog der Deutschland-Tour in Kitzbühel ernüchtert. "Das ist ein sehr schwerer Rückschlag, weil es ein Team trifft, das ebenso durch sportlichen Erfolg wie durch einen klaren Anti-Doping-Kurs glänzte", sagte der Verbandschef.
Das Aus für Gerolsteiner bedeutet auch den Verlust von rund 60 Arbeitsplätzen. Am wenigsten Sorgen dürften sich die Fahrer selbst machen. Durch die Erfolge der letzten Monate stehen sie bei anderen Teams auf den Einkaufszetteln ganz oben. "Manche haben schon seit Wochen unterschriftsreife Verträge vorliegen", erklärte Holczer.
So wird Kohl mit den belgischen Teams Silence-Lotto und Quick Step in Verbindung gebracht. Kein Geheimnis ist zudem, dass sich Milram verstärkt um deutsche Fahrer bemüht. Und die italienischen Profis stehen in ihrer Heimat hoch im Kurs.
Kapitän Kohl nahm mit "Wehmut" das Ende zur Kenntnis, machte aber schnell Nägel mit Köpfen. Bereits am Donnerstag unterzeichnete er einen Vertrag bei einer neuen Equipe, will aber erst am 8. September seine Entscheidung bekanntgeben. "Ich glaube schon, dass ich für eine Überraschung sorgen werde, wo ich unterschrieben habe", meinte er.
"Wir werden so viele Fahrer und Personal wie möglich aus dem Gerolsteiner-Team verpflichten", sagte Milram-Teamchef Gerry van Gerwen gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa). "Heute ist kein guter Tag für den deutschen Radsport", sagte der Niederländer weiter.
kicker.de
Alles Hoffen und alle Bemühungen waren umsonst. Am Donnerstag, einen Tag vor dem Startschuss der Deutschland-Tour, gab Boss Hans-Michael Holczer bekannt, dass es das Team Gerolsteiner im kommenden Jahr definitiv nicht mehr geben werde.
Dem 54-Jährigen ist es trotz intensiver Suche nicht gelungen, einen neuen Hauptsponsor für die Saison 2009 zu finden. Der deutsche Getränke-Hersteller Gerolsteiner wird sein Engagement im Radsport am Ende dieser Saison einstellen. Damit wird mit Milram nur noch ein deutsches Team in der ProTour vertreten sein.
Der Ausstieg von Gerolsteiner stand bereits seit dem letzten Jahr fest. Zunächst herrschte Optimismus, einen neuen Geldgeber zu finden. Immerhin galt Gerolsteiner als seriös geführtes Team, das einheimischen Talenten ein hervorragendes Sprungbrett in den Profiradsport bot. Zudem vertrat Gerolsteiner im Kampf gegen das Doping eine klare und eindeutige Position und gehörte zu den maßgeblichen Kräften in der "Bewegung für einen sauberen Radsport".
Die Eifel-Equipe wurde von Holczer seit der Gründung im Jahr 1998 behutsam an die Weltspitze geführt. 2004 gewann Fabian Wegmann das Grüne Trikot als bester Kletterer beim Giro d'Italia. Davide Rebellin gewann alle Ardennen-Klassiker und wurde Weltcup-Zweiter. 2005 wurde dann das bis dato erfolgreichste Jahr. Georg Totschnig gewann für Gerolsteiner die erste Etappe bei der Tour de France und Levi Leipheimer triumphierte bei der Deutschland-Tour.
In diesem Jahr bestimmte Gerolsteiner zum größten Teil die positiven Schlagzeilen bei der Tour de France. Stefan Schumacher gewann alle beiden Einzelzeitfahren und Bernhard Kohl holte sich das Gepunktete Trikot als bester Kletterer.
Trotz aller dieser Referenzen und den Erfolgen bei der Frankreich-Rundfahrt kam nun das Aus. Zunächst setzte sich Holczer eine Frist bis Ende Juli, verlängerte diese dann aber bis Ende August. Doch jetzt musste Holczer, auch im Interesse der Fahrer und der Angestellten, die Reißleine ziehen.
"Wir werden die Sponsorensuche nicht weiter aktiv betreiben. Sollten die noch bestehenden Sponsorenkontakte wie alle bisherigen im Sand verlaufen, wird es Ende Oktober in unserer Teamzentrale auch zum materiellen Ausverkauf des Teams kommen", sagte er am Donnerstag. Bis zum Saisonende wird der Rennbetrieb wie geplant aufrecht erhalten.
Über die Gründe, weshalb kein Unternehmen die erfolgreiche Teamgeschichte weiterführen will, kann Holczer nur spekulieren. "Ich hatte in den letzten zwei Wochen sogar mündliche Zusagen von Sponsoren, doch es ist nichts daraus geworden. Ein Premiumstück des Sportsponsorings ist auf dem deutschen Markt momentan nicht zu verkaufen. Eine Erklärung dafür fällt mir schwer", sagt Holczer gegenüber dem Sport-Informations-Dienst (sid).
Allerdings spiele der wegen der Dopinaffären ruinierte Ruf des Radsports eine Rolle, musste Holczer einräumen. So muss ein Team, das nie in Skandale verwickelt war und eine Vorreiterrolle im Anti-Doping-Kapmf spielte, für die Verfehlungen der Konkurrenten büßen.
Auch BDR-Präsident Rudolf Scharping reagierte einen Tag vor dem Prolog der Deutschland-Tour in Kitzbühel ernüchtert. "Das ist ein sehr schwerer Rückschlag, weil es ein Team trifft, das ebenso durch sportlichen Erfolg wie durch einen klaren Anti-Doping-Kurs glänzte", sagte der Verbandschef.
Das Aus für Gerolsteiner bedeutet auch den Verlust von rund 60 Arbeitsplätzen. Am wenigsten Sorgen dürften sich die Fahrer selbst machen. Durch die Erfolge der letzten Monate stehen sie bei anderen Teams auf den Einkaufszetteln ganz oben. "Manche haben schon seit Wochen unterschriftsreife Verträge vorliegen", erklärte Holczer.
So wird Kohl mit den belgischen Teams Silence-Lotto und Quick Step in Verbindung gebracht. Kein Geheimnis ist zudem, dass sich Milram verstärkt um deutsche Fahrer bemüht. Und die italienischen Profis stehen in ihrer Heimat hoch im Kurs.
Kapitän Kohl nahm mit "Wehmut" das Ende zur Kenntnis, machte aber schnell Nägel mit Köpfen. Bereits am Donnerstag unterzeichnete er einen Vertrag bei einer neuen Equipe, will aber erst am 8. September seine Entscheidung bekanntgeben. "Ich glaube schon, dass ich für eine Überraschung sorgen werde, wo ich unterschrieben habe", meinte er.
"Wir werden so viele Fahrer und Personal wie möglich aus dem Gerolsteiner-Team verpflichten", sagte Milram-Teamchef Gerry van Gerwen gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa). "Heute ist kein guter Tag für den deutschen Radsport", sagte der Niederländer weiter.
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