Sitzheizung als Genitalgrill
Verfasst: Donnerstag 28. August 2008, 22:58
Sitzheizung als Genitalgrill
Gefahr für den Genitalbereich: Sitzheizungen im Auto heizen den Hoden von männlichen Versuchspersonen gehörig ein, wie ein aktueller Test beweist. Darunter könnte möglicherweise die Spermienqualität leiden. Doch für die entscheidenden Untersuchungen fehlt den Forschern das Geld.
Das britische Wissenschaftsmagazin "New Scientist" wählt in seiner aktuellen Ausgabe drastische Worte, wenn es über die Arbeit von Andreas Jung von der Universität Gießen zum Einfluss von Sitzheizungen im Auto auf männliche Nutzer berichtet: "Die Sitzheizung hält vielleicht ihren Hintern angenehm warm, aber Achtung: Wenn Sie männlich sind, kann sie auch Ihre Fortpflanzungsausstattung grillen."
Ein Team, das Jung geleitet hat, hatte sich mit der delikaten Frage beschäftigt, ob Sitzheizungen die Hodentemperatur signifikant erhöhen. Denn das könnte negative Folgen für die Spermienqualität haben. Die Forscher hatten Temperatursensoren an den Hoden von 30 gesunden Männern angebracht und sie 90 Minuten lang im Auto sitzen lassen - allesamt in der gleichen Baumwollbekleidung, um die Ergebnisse vergleichbar zu machen. Über ihre Ergebnisse berichten die Forscher im Fachjournal "Fertility and Sterility" (Bd. 90, S. 335).
Eine Kontrollgruppe musste auf einem ungeheizten Stuhl Platz nehmen, ohne größere Folgen. Bei den Probanden auf dem heißen Stuhl ließ sich hingegen ein klarer Temperaturunterschied feststellen: Nach einer 90-minütigen Genitalbeheizung hatten sich die Hoden der Testpersonen um rund ein halbes Grad erwärmt - auf 37,3 Grad.
Die Spermaproduktion funktioniert aber am besten, wenn die Temperatur im Hoden unter der gewöhnlichen Körpertemperatur von 37 Grad liegt. Frühere Untersuchungen hatten bereits gezeigt, dass die Spermienproduktion auch dann leidet, wenn der Mann längere Zeit im Auto sitzt - auch ohne Sitzheizung. Frauen werden etwa später schwanger, wenn der Partner länger als drei Stunden täglich Auto fährt.
Nun noch die zusätzlich drohende Gefahr durch die Wärme: Der durch die Sitzheizung bedingte Temperaturunterschied sei zwar gering, unter Umständen aber groß genug, um der Spermienproduktion zu schaden, glaubt Forscher Jung. "Man kann aber aus unserem Versuch keine einfachen Rückschlüsse auf die Spermienqualität ziehen", schränkt der Wissenschaftler im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE ein.
Eigentlich, sagt Jung, müsse seine Sitzheizungsstudie ergänzt werden mit direkten Untersuchungen zur Spermienqualität. So könne man zum Beispiel Probanden drei bis vier Wochen lang regelmäßig jeden Tag auf einem geheizten Autositz Platz nehmen lassen. Anschließend würde man den Einfluss auf Zahl und Beweglichkeit der Spermien messen.
Für diesen Versuch, so beklagt Jung, fehle ihm aber ein zahlungskräftiger Sponsor - nötig seien rund 50.000 Euro. Bei der aktuell vorgestellten Arbeit habe ihn noch der Autobauer Ford unterstützt. Einer der Co-Autoren des Papiers arbeitet im Forschungszentrum des Unternehmens in Aachen. Einen Antrag auf weitere Förderung habe der Autobauer aber abgelehnt.
spiegel.de
Gefahr für den Genitalbereich: Sitzheizungen im Auto heizen den Hoden von männlichen Versuchspersonen gehörig ein, wie ein aktueller Test beweist. Darunter könnte möglicherweise die Spermienqualität leiden. Doch für die entscheidenden Untersuchungen fehlt den Forschern das Geld.
Das britische Wissenschaftsmagazin "New Scientist" wählt in seiner aktuellen Ausgabe drastische Worte, wenn es über die Arbeit von Andreas Jung von der Universität Gießen zum Einfluss von Sitzheizungen im Auto auf männliche Nutzer berichtet: "Die Sitzheizung hält vielleicht ihren Hintern angenehm warm, aber Achtung: Wenn Sie männlich sind, kann sie auch Ihre Fortpflanzungsausstattung grillen."
Ein Team, das Jung geleitet hat, hatte sich mit der delikaten Frage beschäftigt, ob Sitzheizungen die Hodentemperatur signifikant erhöhen. Denn das könnte negative Folgen für die Spermienqualität haben. Die Forscher hatten Temperatursensoren an den Hoden von 30 gesunden Männern angebracht und sie 90 Minuten lang im Auto sitzen lassen - allesamt in der gleichen Baumwollbekleidung, um die Ergebnisse vergleichbar zu machen. Über ihre Ergebnisse berichten die Forscher im Fachjournal "Fertility and Sterility" (Bd. 90, S. 335).
Eine Kontrollgruppe musste auf einem ungeheizten Stuhl Platz nehmen, ohne größere Folgen. Bei den Probanden auf dem heißen Stuhl ließ sich hingegen ein klarer Temperaturunterschied feststellen: Nach einer 90-minütigen Genitalbeheizung hatten sich die Hoden der Testpersonen um rund ein halbes Grad erwärmt - auf 37,3 Grad.
Die Spermaproduktion funktioniert aber am besten, wenn die Temperatur im Hoden unter der gewöhnlichen Körpertemperatur von 37 Grad liegt. Frühere Untersuchungen hatten bereits gezeigt, dass die Spermienproduktion auch dann leidet, wenn der Mann längere Zeit im Auto sitzt - auch ohne Sitzheizung. Frauen werden etwa später schwanger, wenn der Partner länger als drei Stunden täglich Auto fährt.
Nun noch die zusätzlich drohende Gefahr durch die Wärme: Der durch die Sitzheizung bedingte Temperaturunterschied sei zwar gering, unter Umständen aber groß genug, um der Spermienproduktion zu schaden, glaubt Forscher Jung. "Man kann aber aus unserem Versuch keine einfachen Rückschlüsse auf die Spermienqualität ziehen", schränkt der Wissenschaftler im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE ein.
Eigentlich, sagt Jung, müsse seine Sitzheizungsstudie ergänzt werden mit direkten Untersuchungen zur Spermienqualität. So könne man zum Beispiel Probanden drei bis vier Wochen lang regelmäßig jeden Tag auf einem geheizten Autositz Platz nehmen lassen. Anschließend würde man den Einfluss auf Zahl und Beweglichkeit der Spermien messen.
Für diesen Versuch, so beklagt Jung, fehle ihm aber ein zahlungskräftiger Sponsor - nötig seien rund 50.000 Euro. Bei der aktuell vorgestellten Arbeit habe ihn noch der Autobauer Ford unterstützt. Einer der Co-Autoren des Papiers arbeitet im Forschungszentrum des Unternehmens in Aachen. Einen Antrag auf weitere Förderung habe der Autobauer aber abgelehnt.
spiegel.de