Die peinliche Debatte um das Derby TSG gegen VfB
Verfasst: Dienstag 16. September 2008, 10:36
Die peinliche Debatte um das Derby TSG gegen VfB
Die TSG 1899 Hoffenheim rangiert in der ewigen Bundesligatabelle auf Platz 50, direkt hinter Tasmania Berlin. Tasmania beendete 1965/66 ihre einzige Erstligasaison nach zwei Siegen und vier Unentschieden mit 15:108 Toren und 8:60 Zählern (zehn nach der Drei-PunkteRegel). Ein Rekord, den im bezahlten deutschen Fußball die Stuttgarter Kickers brechen können, wenn sie in dieser Spielzeit nicht mehr als neun Zähler holen.
Die TSG 1899 Hoffenheim wiederum liegt auf Rang 50, weil sie noch keine Saison zu Ende gespielt hat. Dies veranlasste den VfB-Trainer Veh, den Begriff Derby für das Spiel gegen die Badener Landeskonkurrenz abzulehnen. Dafür, sagte er, "fehlt die Tradition". Abgesehen davon, dass auch das erste als Derby bezeichnete Fußballspiel 1866 zwischen den Clubs von Nottingham Forest (gegründet 1865) und Notts County (1862) keine große Vergangenheit aufwies, verrät Vehs Sichtweise eine Haltung: Die Bedeutung eines Fußballvereins definiert sich hierzulande nicht nur über den Tabellenstand, sondern auch über die Tradition.
Der Begriff Tradition bedeutet Überlieferung alter Werte und Sitten - und dürfte im zeitgenössischen Fußball großen Respekt auslösen, wenn russische Energie-Tycoons den FC Chelsea und arabische Ölscheichs Manchester City im Vorbeigehen mit Millionen vollpumpen.
In Hoffenheim baut der Software-Krösus Dietmar Hopp kontinuierlich seit 20 Jahren die Turn- und Sportgemeinschaft zu einem modernen Fußballunternehmen um. Davor hat er die Weltfirma SAP durchgeboxt, und stellen Sie sich vor: ganz ohne Tradition. SAP wurde 1972 gegründet.
Wenn Veh sich auf Tradition beruft, trifft er im Gegensatz zu seinen Stürmern ins Schwarze: Verglichen mit Hoffenheim stellt sich der VfB als Bewahrer spießiger Werte dar. Dabei sollte man nicht vergessen, dass der Club noch vor nicht allzu langer Zeit von einem Polit-Patriarchen mit den hierarchischen Mitteln eines Hasenzüchtervereins geführt wurde. Ein Proficlub, dachte der Herr, zeichnet sich dadurch aus, dass er, auf welche Weise auch immer, zwei Weltkriege überlebt hat.
Die Traditionsverehrung hat dem deutschen Fußball oft genug geschadet. Jahrzehntelang hielt sich das Gerücht, der Teutone werde schon immer wieder Kicker-Genies vom Schlage eines Fritz Walter oder Franz Beckenbauer zeugen, um vorne mitzugeigen. Die international verbreitete Erkenntnis, das A und O seien fortschrittliche Trainingsmethoden, wurde dumm belächelt.
Wenn der VfB-Trainer sagt, dem "Nachbarschaftsduell" Hoffenheim vs. Stuttgart fehle die Tradition, hat er noch nicht mal vordergründig recht: Seine Spieler traten auf wie Altherrenkicker traditioneller Schule. Passend konservativ saß der Landeschef Oettinger auf der Tribüne.
Nun mögen Traditionstrainer arrogant wegschauen, wenn Hoffenheims Coach Rangnick seine Profis zur Steigerung der Berufsfreude auf die Planche zum Fechten schickt. Der Schmiss aber, um meinen traditionsbewussten Turnlehrer zu zitieren, fehlte am siebten Spieltag nicht dem Hoffenheimer Landeierclub, sondern dem Großstadtmeister VfB. Das erinnert an eine Geschichte, die sich nach der WM 06 abspielte: Als der VfB-Profi Hitzlsperger nach Trainingserfahrungen im DFB-Team einen Privatcoach engagierte, um individuelle sportliche Mängel abzustellen, wurde er von den VfB-Oberen zurückgepfiffen. Hitzlspergers Absicht, sich außerhalb des VfB-Lehrplans fortzubilden, verstieß gegen die deutsche Tradition vereinstypischer Ehrenkäsigkeit.
Zur richtigen Einschätzung des zeitgenössischen Unterhaltungsgeschäfts Fußball müssen wir dennoch die Tradition im Auge behalten Die TSG Hoffenheim wurde 1899, im selben Jahr wie die Stuttgarter Kickers, gegründet. Und traditionsverblendete Vereinsmeier werden immer dort enden, wo Hopp in Hoffenheim eingegriffen hat. In der Kreisklasse.
Joe Bauer
15.09.2008 - aktualisiert: 16.09.2008 10:38 Uhr
Die TSG 1899 Hoffenheim rangiert in der ewigen Bundesligatabelle auf Platz 50, direkt hinter Tasmania Berlin. Tasmania beendete 1965/66 ihre einzige Erstligasaison nach zwei Siegen und vier Unentschieden mit 15:108 Toren und 8:60 Zählern (zehn nach der Drei-PunkteRegel). Ein Rekord, den im bezahlten deutschen Fußball die Stuttgarter Kickers brechen können, wenn sie in dieser Spielzeit nicht mehr als neun Zähler holen.
Die TSG 1899 Hoffenheim wiederum liegt auf Rang 50, weil sie noch keine Saison zu Ende gespielt hat. Dies veranlasste den VfB-Trainer Veh, den Begriff Derby für das Spiel gegen die Badener Landeskonkurrenz abzulehnen. Dafür, sagte er, "fehlt die Tradition". Abgesehen davon, dass auch das erste als Derby bezeichnete Fußballspiel 1866 zwischen den Clubs von Nottingham Forest (gegründet 1865) und Notts County (1862) keine große Vergangenheit aufwies, verrät Vehs Sichtweise eine Haltung: Die Bedeutung eines Fußballvereins definiert sich hierzulande nicht nur über den Tabellenstand, sondern auch über die Tradition.
Der Begriff Tradition bedeutet Überlieferung alter Werte und Sitten - und dürfte im zeitgenössischen Fußball großen Respekt auslösen, wenn russische Energie-Tycoons den FC Chelsea und arabische Ölscheichs Manchester City im Vorbeigehen mit Millionen vollpumpen.
In Hoffenheim baut der Software-Krösus Dietmar Hopp kontinuierlich seit 20 Jahren die Turn- und Sportgemeinschaft zu einem modernen Fußballunternehmen um. Davor hat er die Weltfirma SAP durchgeboxt, und stellen Sie sich vor: ganz ohne Tradition. SAP wurde 1972 gegründet.
Wenn Veh sich auf Tradition beruft, trifft er im Gegensatz zu seinen Stürmern ins Schwarze: Verglichen mit Hoffenheim stellt sich der VfB als Bewahrer spießiger Werte dar. Dabei sollte man nicht vergessen, dass der Club noch vor nicht allzu langer Zeit von einem Polit-Patriarchen mit den hierarchischen Mitteln eines Hasenzüchtervereins geführt wurde. Ein Proficlub, dachte der Herr, zeichnet sich dadurch aus, dass er, auf welche Weise auch immer, zwei Weltkriege überlebt hat.
Die Traditionsverehrung hat dem deutschen Fußball oft genug geschadet. Jahrzehntelang hielt sich das Gerücht, der Teutone werde schon immer wieder Kicker-Genies vom Schlage eines Fritz Walter oder Franz Beckenbauer zeugen, um vorne mitzugeigen. Die international verbreitete Erkenntnis, das A und O seien fortschrittliche Trainingsmethoden, wurde dumm belächelt.
Wenn der VfB-Trainer sagt, dem "Nachbarschaftsduell" Hoffenheim vs. Stuttgart fehle die Tradition, hat er noch nicht mal vordergründig recht: Seine Spieler traten auf wie Altherrenkicker traditioneller Schule. Passend konservativ saß der Landeschef Oettinger auf der Tribüne.
Nun mögen Traditionstrainer arrogant wegschauen, wenn Hoffenheims Coach Rangnick seine Profis zur Steigerung der Berufsfreude auf die Planche zum Fechten schickt. Der Schmiss aber, um meinen traditionsbewussten Turnlehrer zu zitieren, fehlte am siebten Spieltag nicht dem Hoffenheimer Landeierclub, sondern dem Großstadtmeister VfB. Das erinnert an eine Geschichte, die sich nach der WM 06 abspielte: Als der VfB-Profi Hitzlsperger nach Trainingserfahrungen im DFB-Team einen Privatcoach engagierte, um individuelle sportliche Mängel abzustellen, wurde er von den VfB-Oberen zurückgepfiffen. Hitzlspergers Absicht, sich außerhalb des VfB-Lehrplans fortzubilden, verstieß gegen die deutsche Tradition vereinstypischer Ehrenkäsigkeit.
Zur richtigen Einschätzung des zeitgenössischen Unterhaltungsgeschäfts Fußball müssen wir dennoch die Tradition im Auge behalten Die TSG Hoffenheim wurde 1899, im selben Jahr wie die Stuttgarter Kickers, gegründet. Und traditionsverblendete Vereinsmeier werden immer dort enden, wo Hopp in Hoffenheim eingegriffen hat. In der Kreisklasse.
Joe Bauer
15.09.2008 - aktualisiert: 16.09.2008 10:38 Uhr