Gestern Trap, heute Dutt - Der Kickers-Neuzugang Lakies
Verfasst: Freitag 20. Februar 2004, 10:07
Gestern Trapattoni, heute Dutt
Der Kickers-Neuzugang Lakies
STUTTGART. Am Samstag (14.30 Uhr) kommt der SV Wehen zum Nachholspiel der Fußball-Regionalliga ins Waldau-stadion. Die Gäste haben sich in der Winterpause mit drei Spielern verstärkt. Bei den Stuttgarter Kickers gibt's nur einen Neuen: Carsten Lakies.
Von Joachim Klumpp
Carsten Lakies ist Vereinswechsel schon gewohnt, und in seinem aktuellen Fall fällt die Umstellung nicht schwer. Wenn der 33-Jährige im Vereinslokal der Stuttgarter Kickers mittags bei Kaffee und Kuchen so in die Runde blickt, dann fühlt er sich verdammt an seine letzte Station in Feucht erinnert. Mit dem Unterschied, dass die Rentner dort nicht nur das Klubheim füllten, sondern auch das Stadion: Dementsprechend beschaulich ging es bei den Franken vor den Toren Nürnbergs zu: "Im Schnitt kammen vielleicht 800 Leute", sagt Lakies, "da sind die Stuttgarter Kickers doch eine ganz andere Adresse."
Mit einem gewissen Namen, soll das heißen. "Wenn man von so einem Verein ein Angebot kommt, überlegt man nicht lange", sagt Lakies, obwohl er eigentlich näher an seine Heimat Baunatal wollte. Doch als Profi muss man flexibel bleiben und sich entscheiden: Fußball oder Familie. Die kommt derzeit zu kurz, nachdem der Trainer Robin Dutt wegen der Niederlage im Pokalspiel in Freiberg sogar die freien Tage gestrichen hat. "So etwas passiert eben im Fußball, man sieht es ja im DFB-Pokal immer wieder", sagt Lakies nach dem Rückschlag im ersten Pflichtspiel.
Dabei ruhen gerade auf Carsten Lakies gewisse Hoffnungen. "Ich denke, er ist der Stürmertyp, der uns gefehlt hat", sagt der Trainer Dutt. "Mit seiner Erfahrung wird er uns weiterbringen", sagt der Präsident Hans Kullen, und sogar die Mannschaft hat sich letztendlich dafür ausgesprochen, noch einmal in den Kader zu investieren, nachdem zuvor ein halbes Dutzend Spieler von der Gehaltsliste gestrichen worden sind; in Juric, Obinna und Ivan allein drei Offensivkräfte.
Lakies, der Heilsbringer? "Ich hoffe, dass ich die Erwartungen erfüllen kann - schließlich will ich auch mit 33 noch was erreichen." Das sagt einer, der auf eine wahrlich bewegte Karriere zurückblicken kann. Lakies ist ein Wandervogel. Dabei fing alles ganz harmlos an: Bei Hessen Kassel durchlief Lakies sämtliche Jugendmannschaften. Dann aber folgten, schön der Reihe nach: der FSV Frankfurt, Darmstadt 98, Bayern München, Hertha BSC, Waldhof Mannheim, der Karlsruher SC, Chemnitzer FC, VfR Mannheim, nochmals Darmstadt und zuletzt der Regionalliga-Neuling SC Feucht. So ganz glücklich waren beide Seiten wohl nicht, jedenfalls wurde der Vertrag in der Winterpause aufgelöst - und dank einer Abfindung "konnte ich den Kickers finanziell auch entgegenkommen".
Ein Dutzend Stationen in den vergangenen zwölf Jahren, grob gerechnet. Wie kann das passieren - ist Lakies etwa ein schwieriger Fall? "Entweder man kommt mit mir aus - oder nicht", sagt Lakies. "Ich bin halt eher ein lustiger Typ, aber immer mit Respekt vor dem Trainer", so seine Selbsteinschätzung. Die Übungsleiter Jürgen Röber (Hertha) und Uwe Rappolder (Waldhof) hatten damit so ihre Probleme, und das nicht nur, weil Lakies gerne sagt: "Laktat schießt keine Tore." Womit er seine Bedenken gegen die fast schon obligatorischen Fitnesswerte ausdrückt.
Dafür denkt Lakies noch heute gerne an sein Jahr bei den Bayern zurück, nicht nur, weil es ein Wunschtraum fast jedes Spielers ist, einmal das Trikot des Rekordmeisters zu tragen. "Dort hat sich Giovanni Trapattoni immer persönlich um die Reservisten gekümmert." Zu denen zählte Lakies bei den Bayern angesichts der hochkarätigen Konkurrenz von Klinsmann, Elber, Rizzitelli oder Jancker. Bei den Profis trainieren, bei den Amateuren spielen, hieß das Motto - mit einer Ausnahme: Gegen den SC Freiburg durfte er in der Bundesliga ran, und sein Auftritt ging gleich in die Geschichte ein. In der 80. Minute wurde Lakies für Klinsmann eingewechselt, der darüber so erbost war, dass er wutentbrannt in die Werbetonne eines Batterieherstellers trat. Besagte Tonne bekam nach der Saison übrigens Lakies geschenkt.
Sportlich ist der Strafraum sein Revier, auch wenn es zuletzt in der Hinrunde nur zu drei Toren beim SC Feucht reichte, die Quote war schon besser. Der Kickers-Trainer Robin Dutt gibt zu: "Wir mussten unser Spiel noch etwas auf Carsten Lakies zuschneiden, so einen Spielertyp hatten wir bisher schließlich nicht." Lakies hat für eineinhalb Jahre bei den Kickers unterschrieben: "Letztendlich war es Zufall, dass es dazu kam. Denn wie gesagt: ich wollte näher an meine Heimat."
Jetzt nützt er eben bei jeder Gelegenheit die schnelle Intercity-Verbindung nach Kassel - sofern Tainer Dutt nicht gerade die freien Tage gestrichen hat.
Stuttgarter Zeitung vom 19. Februar 2004
Quelle: http://www.boardy.de/showthread.php3?po ... ost8240576
Wer auch immer die bei Boardy reinsetzt, bitte auch hier reinsetzen! :wink:
Lakies ist einfach klasse. So benimmt man sich, wenn man einen neuen Verein hat und labert nicht gleich am ersten Tag was von der Nummer 2 in Stuttgart, gell Herr Adrion!
Der Kickers-Neuzugang Lakies
STUTTGART. Am Samstag (14.30 Uhr) kommt der SV Wehen zum Nachholspiel der Fußball-Regionalliga ins Waldau-stadion. Die Gäste haben sich in der Winterpause mit drei Spielern verstärkt. Bei den Stuttgarter Kickers gibt's nur einen Neuen: Carsten Lakies.
Von Joachim Klumpp
Carsten Lakies ist Vereinswechsel schon gewohnt, und in seinem aktuellen Fall fällt die Umstellung nicht schwer. Wenn der 33-Jährige im Vereinslokal der Stuttgarter Kickers mittags bei Kaffee und Kuchen so in die Runde blickt, dann fühlt er sich verdammt an seine letzte Station in Feucht erinnert. Mit dem Unterschied, dass die Rentner dort nicht nur das Klubheim füllten, sondern auch das Stadion: Dementsprechend beschaulich ging es bei den Franken vor den Toren Nürnbergs zu: "Im Schnitt kammen vielleicht 800 Leute", sagt Lakies, "da sind die Stuttgarter Kickers doch eine ganz andere Adresse."
Mit einem gewissen Namen, soll das heißen. "Wenn man von so einem Verein ein Angebot kommt, überlegt man nicht lange", sagt Lakies, obwohl er eigentlich näher an seine Heimat Baunatal wollte. Doch als Profi muss man flexibel bleiben und sich entscheiden: Fußball oder Familie. Die kommt derzeit zu kurz, nachdem der Trainer Robin Dutt wegen der Niederlage im Pokalspiel in Freiberg sogar die freien Tage gestrichen hat. "So etwas passiert eben im Fußball, man sieht es ja im DFB-Pokal immer wieder", sagt Lakies nach dem Rückschlag im ersten Pflichtspiel.
Dabei ruhen gerade auf Carsten Lakies gewisse Hoffnungen. "Ich denke, er ist der Stürmertyp, der uns gefehlt hat", sagt der Trainer Dutt. "Mit seiner Erfahrung wird er uns weiterbringen", sagt der Präsident Hans Kullen, und sogar die Mannschaft hat sich letztendlich dafür ausgesprochen, noch einmal in den Kader zu investieren, nachdem zuvor ein halbes Dutzend Spieler von der Gehaltsliste gestrichen worden sind; in Juric, Obinna und Ivan allein drei Offensivkräfte.
Lakies, der Heilsbringer? "Ich hoffe, dass ich die Erwartungen erfüllen kann - schließlich will ich auch mit 33 noch was erreichen." Das sagt einer, der auf eine wahrlich bewegte Karriere zurückblicken kann. Lakies ist ein Wandervogel. Dabei fing alles ganz harmlos an: Bei Hessen Kassel durchlief Lakies sämtliche Jugendmannschaften. Dann aber folgten, schön der Reihe nach: der FSV Frankfurt, Darmstadt 98, Bayern München, Hertha BSC, Waldhof Mannheim, der Karlsruher SC, Chemnitzer FC, VfR Mannheim, nochmals Darmstadt und zuletzt der Regionalliga-Neuling SC Feucht. So ganz glücklich waren beide Seiten wohl nicht, jedenfalls wurde der Vertrag in der Winterpause aufgelöst - und dank einer Abfindung "konnte ich den Kickers finanziell auch entgegenkommen".
Ein Dutzend Stationen in den vergangenen zwölf Jahren, grob gerechnet. Wie kann das passieren - ist Lakies etwa ein schwieriger Fall? "Entweder man kommt mit mir aus - oder nicht", sagt Lakies. "Ich bin halt eher ein lustiger Typ, aber immer mit Respekt vor dem Trainer", so seine Selbsteinschätzung. Die Übungsleiter Jürgen Röber (Hertha) und Uwe Rappolder (Waldhof) hatten damit so ihre Probleme, und das nicht nur, weil Lakies gerne sagt: "Laktat schießt keine Tore." Womit er seine Bedenken gegen die fast schon obligatorischen Fitnesswerte ausdrückt.
Dafür denkt Lakies noch heute gerne an sein Jahr bei den Bayern zurück, nicht nur, weil es ein Wunschtraum fast jedes Spielers ist, einmal das Trikot des Rekordmeisters zu tragen. "Dort hat sich Giovanni Trapattoni immer persönlich um die Reservisten gekümmert." Zu denen zählte Lakies bei den Bayern angesichts der hochkarätigen Konkurrenz von Klinsmann, Elber, Rizzitelli oder Jancker. Bei den Profis trainieren, bei den Amateuren spielen, hieß das Motto - mit einer Ausnahme: Gegen den SC Freiburg durfte er in der Bundesliga ran, und sein Auftritt ging gleich in die Geschichte ein. In der 80. Minute wurde Lakies für Klinsmann eingewechselt, der darüber so erbost war, dass er wutentbrannt in die Werbetonne eines Batterieherstellers trat. Besagte Tonne bekam nach der Saison übrigens Lakies geschenkt.
Sportlich ist der Strafraum sein Revier, auch wenn es zuletzt in der Hinrunde nur zu drei Toren beim SC Feucht reichte, die Quote war schon besser. Der Kickers-Trainer Robin Dutt gibt zu: "Wir mussten unser Spiel noch etwas auf Carsten Lakies zuschneiden, so einen Spielertyp hatten wir bisher schließlich nicht." Lakies hat für eineinhalb Jahre bei den Kickers unterschrieben: "Letztendlich war es Zufall, dass es dazu kam. Denn wie gesagt: ich wollte näher an meine Heimat."
Jetzt nützt er eben bei jeder Gelegenheit die schnelle Intercity-Verbindung nach Kassel - sofern Tainer Dutt nicht gerade die freien Tage gestrichen hat.
Stuttgarter Zeitung vom 19. Februar 2004
Quelle: http://www.boardy.de/showthread.php3?po ... ost8240576
Wer auch immer die bei Boardy reinsetzt, bitte auch hier reinsetzen! :wink:
Lakies ist einfach klasse. So benimmt man sich, wenn man einen neuen Verein hat und labert nicht gleich am ersten Tag was von der Nummer 2 in Stuttgart, gell Herr Adrion!