Hans Kindermann wird 85

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Dude
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Hans Kindermann wird 85

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Stuttgart - Er war der "Papa gnadenlos", der "scharfe Hund" und das "moralische Gewissen" des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Seine harten Urteile - juristisch wie sprachlich - müssen Spieler und Trainer inzwischen nicht mehr fürchten: Hans Kindermann, der einstige Vorsitzende des DFB-Kontrollausschusses, wird am Samstag 85 Jahre alt. Der Stuttgarter hat sich aus dem Fußball vollkommen zurückgezogen.

"Mein Vater fühlt sich gesundheitlich nicht mehr in der Lage, Interviews zu geben", sagte sein Sohn Jörg Kindermann. Er ist Richter am Landgericht Stuttgart - wie einst sein Vater. Hans Kindermann widme sich heute vor allem seinen jeweils drei Enkel- und Urenkelkindern. "Er ist dem Fußball ziemlich entrückt", sagt der Sohn. "Er sagt, das sei einfach nicht mehr seine Zeit. Mein Vater hat auch die Weltmeisterschaft nur noch aus großer Distanz verfolgt."

Hans Kindermann war von 1970 bis '92 Chefankläger beim DFB. Zudem saß er 23 Jahre lang in den Vorständen des Württembergischen und Süddeutschen Fußball-Verbandes sowie des DFB. Der im Sudetenland geborene Jurist arbeitete einst den Bundesliga-Skandal mit aller Gründlichkeit auf. Wobei er stets ehrenamtlich tätig war - für 52 Pfennig Kilometergeld und einen Tagessatz von 30 Mark. "Kindermann hat dafür gesorgt, dass der Fußball seine Glaubwürdigkeit wiedergewonnen hat", sagte der frühere Bundesliga-Manager Rolf Rüssmann, der einst als Schalker Spieler selbst in den Bestechungsskandal verwickelt war.

Zwischen 1971 und '76 waren 52 Bundesliga-Spieler, zwei Trainer, sechs Funktionäre sowie die Vereine Kickers Offenbach und Arminia Bielefeld bestraft und zum Teil auf Lebenszeit gesperrt worden. Ohne Kindermann, lobte der spätere DFB-Präsident Egidus Braun einmal, "würde die Bundesliga in ihrer heutigen Form nicht mehr existieren". Der Stuttgarter Funktionär selbst meinte nach seinem schwersten Fall: "Es ist nichts verborgen geblieben."

Mit dem Wettskandal um Schiedsrichter Robert Hoyzer im Jahr 2005 hatte Kindermann nichts mehr zu tun, betrachtete den Schaden damals aber als "mindestens genauso groß wie 1971 - finanziell und ideell". Die moralischen Hürden, beklagte er seinerzeit den Werteverfall in der Gesellschaft, "waren noch nie so niedrig".

Als kompromissloser Kämpfer um Recht und Ordnung im deutschen Fußball führte Kindermann den Fernsehbeweis ein und legte sich mit Trainern und Spielern an - Otto Rehhagel und der Dortmunder Profi Michael Schulz können noch heute ein Lied davon singen. Dass er für sein kompromissloses Durchgreifen nicht nur beschimpft und beleidigt, sondern oft auch bedroht wurde, trug er - zumindest nach Außen hin - mit Fassung. "Wenn ich nicht der Buhmann im Fußball gewesen wäre, hätte ich was falsch gemacht", erklärte er am Ende seiner Laufbahn.

Stuttgarter Zeitung
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