Die doppelte Pionierrolle des Anthony Baffoe

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Jürgen K.
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Die doppelte Pionierrolle des Anthony Baffoe

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Pressehaus Heidenheim

INTERVIEW / Die doppelte Pionierrolle des Anthony Baffoe


"Ich will Türen öffnen"
Vom ersten schwarzen Bundesligaspieler zum Sportmoderator
Anthony Baffoe war Anfang der 80er Jahre der erste schwarze Bundesliga-Fußballer, stand als erster Afrikaner im DFB-Pokalfinale (1987 mit den Stuttgarter Kickers). Nun moderiert er als erster Farbiger eine Sportsendung. "Ich will Türen öffnen", sagt der 38-Jährige.
· Herr Baffoe, wann ist die Nervosität größer: vor dem Anpfiff oder vor einer Livesendung? ANTHONY BAFFOE: Es ist in beiden Fällen mehr ein positives Kribbeln. Das Adrenalin steigt. Es beginnt mit der Anmoderation, schon bevor die Kamera läuft, rede ich mich mit den Zuschauern warm. Das macht Spaß, weil ich es gut mit Menschen kann. Man kommt langsam in Schwung. Das ist wie im Fußball bei der ersten Grätsche. · Im Fußball gibt es einen Trainer. Wer hat diese Rolle übernommen? BAFFOE: Ernst Huberty hat mich vorbereitet. In meine erste Sendung habe ich mir meinen sportlichen Entdecker Christoph Daum geholt. Und ich wollte unbedingt, dass meine Schwester Liz, die auch in Köln lebt, im Publikum sitzt. Ich bin immer sehr selbstkritisch, und ihre Meinung ist mir wichtig. · Haben Sie schauspielerisch etwas lernen können von Ihren Schwestern Liz oder Rosalind? BAFFOE: Schauspieler dürfen ja die Kamera gar nicht beachten beim Drehen. Ich spreche dagegen mit der Kamera beziehungsweise mit den Leuten, die zugucken. Das ist etwas ganz anderes. · Ausstrahlung auf natürliche Art? BAFFOE: Ich will auch als Moderator die Persönlichkeit des Anthony Baffoe nicht verändern, keine Rolle spielen, sondern ich selber bleiben. Das ist mir wichtig. Ich hatte auch schon mal den einen oder anderen Verhaspler. Ich mache mir darüber keine großen Gedanken, denn das ist normal in der Livesendung. Ich könnte mit Fremdwörtern um mich werfen. Aber ich möchte, dass mich jeder versteht. · Trotz der individuellen Karrierewege fällt auf, dass in der Familie Baffoe ein darstellerisches Talent weitergegeben wurde. Von wem? BAFFOE: Wir haben das von unserer Mutter, die immer gern gesungen hat - egal ob beim Bügeln, oder wenn wir eine große Partie hatten. Das Entspannte dagegen kommt von meinem Vater. · Ihr Vater war ghanaischer Diplomat in Bonn. Auch Sie sind eine Art Botschafter geworden. . . BAFFOE: Hier in Deutschland helfe ich jungen Afrikanern, die herüber kommen oder hier geboren sind. Völlig unentgeltlich natürlich. Ich habe zwei Kulturen in mir und kann vieles besser vermitteln als jeder Manager oder Trainer. Zu vielen Schwarzen, die in der Bundesliga spielen, habe ich engen Kontakt und bin Ansprechpartner, wenn es Probleme gibt. Falls ich je einmal Trainer werde, dann will ich Ghanas Team betreuen. · Anthony Baffoe, erster schwarzer Bundesliga-Kicker, erster schwarzer Sportmoderator im deutschen Fernsehen - was bedeutet Ihnen das? BAFFOE: Sehr viel, ohne diese Rolle bewusst zu spielen. Als ich im Profifußball anfing und in den ersten Jahren, da habe ich nicht geahnt, welche Position ich habe. Nun ist klar: Ich war ein großes Vorbild und bin es für viele Schwarze noch immer. · Gibt es Neid oder Anfeindungen für den Moderator Baffoe? BAFFOE: Ich bekomme unheimlich viel Fanpost. Meistens positiv, natürlich ist auch Kritik dabei. Ich weiß auch, dass ich bei Kollegen anders gesehen werde, weit kritischer. Ich habe ja keine journalistische Karriere gemacht. Es war schon als Spieler so: Wir Schwarze wurden besonders beäugt. Wenn du schlecht warst, warst du sehr schlecht. Wenn du gut warst, sehr gut. Es gab kein Mittelding. Ich bin zweieinhalb Jahre im TV-Geschäft und habe noch viel zu lernen. Aber ich sage immer: Früher gabs das Schwarz-Weiß-Fernsehen, Schwarze und Weiße hat man klar gesehen. Jetzt gibt es Buntfernsehen. Aber wo sind die bunten Leute, die Ausländer? Ich stehe nicht nur für Schwarze. Ich will Türen öffnen, für Ausländer ganz allgemein. · Das Problem des Rassismus hat Sie schon als Spieler berührt und beschäftigt. Wie sehen Sie es heute? BAFFOE: Das Problem hat sich nicht verschlimmert. In fast jedem Team spielen Schwarze, das verbessert die Integration. Dazu müssen nicht nur die Deutschen beitragen, sondern auch wir Afrikaner. Das sage ich jedem Spieler, der hierher kommt. Man muss zum Beispiel die Sprache lernen, um zu zeigen: Ich will! Das ist der erste Schritt. Wir sind noch nicht da, wo wir hinkommen wollen, sonst müsste ich die Frage jetzt gar nicht beantworten. · Haben Sie selbst als Ziel den Aufstieg - in die Sportschau? BAFFOE: Ich möchte alle zwei Jahre einen Schritt nach vorn machen. Das jetzt war schon ein relativ großer. Nun will ich alles erst einmal optimieren, auch wenn jetzt immer mehr Angebote kommen. Aber ich bin keiner, der auf Teufel komm raus ganz nach oben will.
WOLFGANG SCHEERER
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