Waldaustadion in 11 Freunde
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Blauer Block
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Waldaustadion in 11 Freunde
In der neuen Ausgabe von "11 Freunde" ist als Stadionposter ein Abbild des Waldaustadions beigelegt.
Die Aufnahme ist vom- glaub ich - Kasselspiel. Der Bericht endet mit dem schönen Satz "Anders gesagt: Abseits der Seifenoper Bundesliga steht in Degerloch ein nicht ganz gewöhnliches Fußballstadion, wo der Fußball noch geatmet wird, durch die von Metallstangen am Spielfeldrand gesiebte Luft."
Dazu ein gewohnt lustiges Interview mit Toni Sailer. Hervorragend.
Die Aufnahme ist vom- glaub ich - Kasselspiel. Der Bericht endet mit dem schönen Satz "Anders gesagt: Abseits der Seifenoper Bundesliga steht in Degerloch ein nicht ganz gewöhnliches Fußballstadion, wo der Fußball noch geatmet wird, durch die von Metallstangen am Spielfeldrand gesiebte Luft."
Dazu ein gewohnt lustiges Interview mit Toni Sailer. Hervorragend.
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Blaues Murrtal
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Einst Publikumsliebling bei den Kickers, ist Markus »Toni« Sailer vor drei Jahren zu seinen Wurzeln zurückgekehrt. Beim schwäbischen Klub SV Unterweissach betreibt er die Vereinskneipe, kickt mit 39 in der Landesliga und wartet immer noch auf einen Anruf von Uli Hoeneß
Interview: Joachim Henn
Toni Sailer, Ihre Zeit bei den Stuttgarter Kickers war die erfolgreichste der jüngeren Vergangenheit. Kickers-Fans erinnern sich immer noch gerne an das legendäre Sturmduo Sailer-Akpoborie.
Die Saison 1994/95 in der Regionalliga Süd war eines der schönsten Jahre in Degerloch, auch wenn wir nicht aufgestiegen sind. Johnny hat 37 Tore erzielt, ich 24. Allerdings war ich aufgrund eines dämlichen Fouls gegen den FC Augsburg acht Wochen gesperrt, sonst hätte ich ihn noch eingeholt. Wo ich gespielt habe, war oben. Ich habe nie gegen den Abstieg gespielt, aber wie es der Zufall so will, geschieht das ausgerechnet jetzt, im letzten Jahr meiner Laufbahn, nachdem wir mit dem SV Unterweissach zuvor aus der Kreisliga A in die Landesliga durchmarschiert sind.
Für einen Stürmer sind Sie ziemlich häufig vom Platz geflogen. Diese Saison haben Sie bereits fünf Gelb-Rote-Karten gesammelt...
In der Landesliga stehen die Schiedsrichter unter Beobachtung. Von einem wurde mir bestätigt: Sieht der Beobachter, dass er mir gelb zeigt, bekommt er sofort ein Häkchen. Die wollen nach oben, und ich spiele da eben ein bisschen mit (lacht).
Dabei besagt das Klischee doch: Je niedriger die Klasse, desto mehr gibt es für einen Stürmer auf die Socken?
Klar. Je höher die Liga, desto fairer die Gegenspieler. In der 2. Liga und Regionalliga verdient man Geld mit Fußball, da sieht einen der Gegenspieler auch eher als Kollegen an und man respektiert sich. Sonst wäre das brutal. Es geht um soviel Geld, da ist die Gesundheit wichtiger. Ich habe in sämtlichen Klassen gespielt. Was mir noch fehlt, um ins Guinness-Buch der Rekorde zu kommen, ist die Bundesliga. Ich hoffe, Uli Hoeneß meldet sich noch, ich warte auf seinen Anruf. Vielleicht rufe ich ihn aber auch selbst mal an.
Zurück zu den Kickers. Wie würden Sie den Kickers-Fan charakterisieren?
Der Unterschied zu Fans bei anderen Vereinen ist nicht groß, das ist ähnlich wie in St. Paule oder Duisburg auch. Ich war nie der »Überkicker«, aber ich habe ehrlichen Fußball gespielt, für den Verein gekämpft und mich auch mit dem Umfeld befasst.
Das Publikum bei den Kickers gilt als kritisch. Es kommt vor, dass früh gegen die eigene Mannschaft gepfiffen wird.
Auch bei den »Blauen« gab es ein Jahr, in dem ich selten getroffen oder nicht übermäßig gut gespielt habe. Und da darf das Publikum auch mal seinen Unmut äußern. Aber ich bin immer fair behandelt worden. Bei den Kickers habe ich mich immer wohl gefühlt, in Duisburg war das weit weniger schön.
Wie erklären Sie es sich, dass selbst in sportlich erfolgreicheren Zeiten nur selten über 5000 Zuschauer nach Degerloch kamen?
Lieber die dreieinhalbtausend, die immer da sind, als die, die nur ab und zu hochkommen und dann nörgeln. Ich habe es ja selbst miterlebt: (imitiert nörgelnd) »Jetzt komme ich einmal hoch, und dann spielen die so einen Mist...«
Ist es deshalb nicht merkwürdig, dass immer wieder über einen Stadionumbau nachgedacht wird, um über mehr Sitzplätze und Komfort auch mehr Zuschauer ins Stadion zu locken?
Eigentlich schon. Ich denke, der größte Teil der Zuschauer im Stadion will stehen, und die rund 1300, die sitzen wollen, haben auf der Haupttribüne auch jetzt Gelegenheit dazu.
Können Sie sich noch an den 3:1-Sieg im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund im Oktober 1999 erinnern?
Ich wurde eingewechselt und hatte kurz vor Schluss eine Riesenchance. Aber das war schon der An-fang vom Ende meiner Zeit bei den Kickers. Trainer damals war Michael Feichtenbeiner. Da gibt es eine schöne Anekdote.
Bitte.
Nachdem der Vertrag mit Vorgänger Paul Linz nicht verlängert worden war, wies Manager Andreas Kleinhand die Geschäftsstellenleiterin, Frau Nieber, an, den Vertrag für den Herrn Feichtenbeiner auszufertigen. Daraufhin hat sie ihm den Vertrag vor den Latz geknallt und nur geantwortet: »Für Abstiege bin ich nicht zuständig.« Er solle den Vertrag selbst fertigstellen. Sie sollte Recht behalten. Acht Wochen vor Beginn der Transferperiode im Dezember habe ich dann um meine Freigabe gebeten und sie drei Tage vor Ende der Wechselfrist erhalten.
In Internetforen und Büchern mit Fußballersprüchen werden Sie gerne mit einem Bonmot zitiert.
Die Geschichte hat sich in Mainz zugetragen (Das Spiel endete nach turbulentem Verlauf 3:3, Anm. d. Red.). Ich stehe an der Seitenauslinie und Wolfgang Wolf sagt zu mir: »Zieh dich aus.« Ich ziehe meine Trainingsjacke aus, nach fünf Minuten sagt er: »Du kannst dich wieder anziehen.« Ich ziehe mich also wieder an, stehe da, und er ruft: »Sag mal, warum bist du nicht ausgezogen?« Also ziehe ich mich wieder aus, und schon sagt er: »Du kannst dich wieder anziehen!« So ging das ständig hin und her, bis er in der letzten Spielminute wieder sagt : »Pass auf, du kommst jetzt rein!« Darauf ich: »Ganz rein?« Dann war ich keine halbe Minute auf dem Platz und der Schiedsrichter pfiff ab.
Interview: Joachim Henn
Toni Sailer, Ihre Zeit bei den Stuttgarter Kickers war die erfolgreichste der jüngeren Vergangenheit. Kickers-Fans erinnern sich immer noch gerne an das legendäre Sturmduo Sailer-Akpoborie.
Die Saison 1994/95 in der Regionalliga Süd war eines der schönsten Jahre in Degerloch, auch wenn wir nicht aufgestiegen sind. Johnny hat 37 Tore erzielt, ich 24. Allerdings war ich aufgrund eines dämlichen Fouls gegen den FC Augsburg acht Wochen gesperrt, sonst hätte ich ihn noch eingeholt. Wo ich gespielt habe, war oben. Ich habe nie gegen den Abstieg gespielt, aber wie es der Zufall so will, geschieht das ausgerechnet jetzt, im letzten Jahr meiner Laufbahn, nachdem wir mit dem SV Unterweissach zuvor aus der Kreisliga A in die Landesliga durchmarschiert sind.
Für einen Stürmer sind Sie ziemlich häufig vom Platz geflogen. Diese Saison haben Sie bereits fünf Gelb-Rote-Karten gesammelt...
In der Landesliga stehen die Schiedsrichter unter Beobachtung. Von einem wurde mir bestätigt: Sieht der Beobachter, dass er mir gelb zeigt, bekommt er sofort ein Häkchen. Die wollen nach oben, und ich spiele da eben ein bisschen mit (lacht).
Dabei besagt das Klischee doch: Je niedriger die Klasse, desto mehr gibt es für einen Stürmer auf die Socken?
Klar. Je höher die Liga, desto fairer die Gegenspieler. In der 2. Liga und Regionalliga verdient man Geld mit Fußball, da sieht einen der Gegenspieler auch eher als Kollegen an und man respektiert sich. Sonst wäre das brutal. Es geht um soviel Geld, da ist die Gesundheit wichtiger. Ich habe in sämtlichen Klassen gespielt. Was mir noch fehlt, um ins Guinness-Buch der Rekorde zu kommen, ist die Bundesliga. Ich hoffe, Uli Hoeneß meldet sich noch, ich warte auf seinen Anruf. Vielleicht rufe ich ihn aber auch selbst mal an.
Zurück zu den Kickers. Wie würden Sie den Kickers-Fan charakterisieren?
Der Unterschied zu Fans bei anderen Vereinen ist nicht groß, das ist ähnlich wie in St. Paule oder Duisburg auch. Ich war nie der »Überkicker«, aber ich habe ehrlichen Fußball gespielt, für den Verein gekämpft und mich auch mit dem Umfeld befasst.
Das Publikum bei den Kickers gilt als kritisch. Es kommt vor, dass früh gegen die eigene Mannschaft gepfiffen wird.
Auch bei den »Blauen« gab es ein Jahr, in dem ich selten getroffen oder nicht übermäßig gut gespielt habe. Und da darf das Publikum auch mal seinen Unmut äußern. Aber ich bin immer fair behandelt worden. Bei den Kickers habe ich mich immer wohl gefühlt, in Duisburg war das weit weniger schön.
Wie erklären Sie es sich, dass selbst in sportlich erfolgreicheren Zeiten nur selten über 5000 Zuschauer nach Degerloch kamen?
Lieber die dreieinhalbtausend, die immer da sind, als die, die nur ab und zu hochkommen und dann nörgeln. Ich habe es ja selbst miterlebt: (imitiert nörgelnd) »Jetzt komme ich einmal hoch, und dann spielen die so einen Mist...«
Ist es deshalb nicht merkwürdig, dass immer wieder über einen Stadionumbau nachgedacht wird, um über mehr Sitzplätze und Komfort auch mehr Zuschauer ins Stadion zu locken?
Eigentlich schon. Ich denke, der größte Teil der Zuschauer im Stadion will stehen, und die rund 1300, die sitzen wollen, haben auf der Haupttribüne auch jetzt Gelegenheit dazu.
Können Sie sich noch an den 3:1-Sieg im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund im Oktober 1999 erinnern?
Ich wurde eingewechselt und hatte kurz vor Schluss eine Riesenchance. Aber das war schon der An-fang vom Ende meiner Zeit bei den Kickers. Trainer damals war Michael Feichtenbeiner. Da gibt es eine schöne Anekdote.
Bitte.
Nachdem der Vertrag mit Vorgänger Paul Linz nicht verlängert worden war, wies Manager Andreas Kleinhand die Geschäftsstellenleiterin, Frau Nieber, an, den Vertrag für den Herrn Feichtenbeiner auszufertigen. Daraufhin hat sie ihm den Vertrag vor den Latz geknallt und nur geantwortet: »Für Abstiege bin ich nicht zuständig.« Er solle den Vertrag selbst fertigstellen. Sie sollte Recht behalten. Acht Wochen vor Beginn der Transferperiode im Dezember habe ich dann um meine Freigabe gebeten und sie drei Tage vor Ende der Wechselfrist erhalten.
In Internetforen und Büchern mit Fußballersprüchen werden Sie gerne mit einem Bonmot zitiert.
Die Geschichte hat sich in Mainz zugetragen (Das Spiel endete nach turbulentem Verlauf 3:3, Anm. d. Red.). Ich stehe an der Seitenauslinie und Wolfgang Wolf sagt zu mir: »Zieh dich aus.« Ich ziehe meine Trainingsjacke aus, nach fünf Minuten sagt er: »Du kannst dich wieder anziehen.« Ich ziehe mich also wieder an, stehe da, und er ruft: »Sag mal, warum bist du nicht ausgezogen?« Also ziehe ich mich wieder aus, und schon sagt er: »Du kannst dich wieder anziehen!« So ging das ständig hin und her, bis er in der letzten Spielminute wieder sagt : »Pass auf, du kommst jetzt rein!« Darauf ich: »Ganz rein?« Dann war ich keine halbe Minute auf dem Platz und der Schiedsrichter pfiff ab.
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Blaues Murrtal
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Das Waldaustadion in Degerloch, die Heimat der Stuttgarter Kickers, wurde 1905 erbaut und ist eine der ältesten noch genutzten Spielstätten im deutschen Fußball. Nach langen Jahren im Profigeschäft, fristen die Kickers derzeit ein Dasein in der Regionalliga. Das Degerloch hat sich jedoch zumindest im DFB-Pokal seinen Ruf als Festung erhalten
Von Joachim Henn
Namensänderungen prägen die Geschichte des Kickers-Platzes ebenso wie einschneidende Baumaßnahmen. Die Haupttribüne, wenige Jahre nach der Stadioneinweihung 1905 als Kopie einer Tribüne von Arsenal errichtet, musste 1975 den Anforderungen des DFB weichen und machte damit der heutigen Haupttribüne Platz. Anfang der 80er wurde dann zunächst die Gegengerade erneuert und 1998 auch überdacht - nachdem 1997 die provisorische Stahlrohrtribüne auf der Haupttribünenseite wieder abgebaut, die Hintertorwälle erneuert und die Flutlichtanlage errichtet worden war. Parallel dazu ging der »Kickers-Platz« (später: »Kickers-Stadion«) als »Waldaustadion« in städtischen Besitz über, um mit dem Verkauf der Namensrechte durch die Stadt schließlich als »Gazi-Stadion auf der Waldau« die bislang letzte Namensänderung zu erfahren. Die Stuttgarter Kickers teilen es sich derzeit mit einem Football-Bundesligisten, sehr zum Leidwesen des Rasens.
Auch wenn sich die Zuschauerzahlen seit dem Abstieg aus der 2. Liga bei mittlerweile etwa 2500 eingependelt haben, herrscht bei den Spielen mitunter eine geladene Atmosphäre, die ebenfalls zur Geschichte der Spielstätte gehört. Bereits 1912 hielt der Beobachter des »Stuttgarter Neuen Tagblatts« »nicht zu billigende Zwischenrufe aus den Zuschauerreihen« fest. Auch 1951, anlässlich des letzten Saisonspiels der »Blauen«, mit dem der Wiederaufstieg in die Oberliga Süd, die damals höchste Spielklasse, gefeiert werden sollte, wurde vom »widerlichen Gejohle« im Stadion berichtet. »Gebruddelt« wird bis in die Gegenwart, wahlweise über die Unfairness des Gegners, den Schiedsrichter, die Kickers (auch ein gewisser Jürgen Klinsmann kann ein Lied davon singen) oder gar die eigene Anwesenheit - respektive die der anderen im Block. Ein Berichterstatter der Lokalpresse schrieb anlässlich des mutmaßlichen Zuschauerrekords gegen den 1. FC Nürnberg im Herbst 1951: »Mit mehr als 20000 Zuschauern war das Fassungsvermögen der Degerlocher Platzanlage erheblich überschritten, und die Erbitterung der Stehplatzbesucher machte sich sehr deutlich Luft. Ein Spiel solcher Bedeutung gehört selbstverständlich ins Neckarstadion.«
Doch man sollte sich nicht täuschen. Ebenso präsent wie das Anspruchsdenken bei den Kickers-Fans sind eine außergewöhnliche Leidens- und Begeisterungsfähigkeit. An guten Tagen wiegt der Heimvorteil schwer. In den 80ern war Degerloch eine Festung, Mitte der 90er legte man eine Heimserie von 40 Punktspielen ohne Niederlage hin, und aus dem notgedrungenen Umzug zu Bundesligazeiten, der nach Überzeugung vieler den Klassenerhalt kostete, hat der Klub gelernt. Das Ausweichen auf die andere Seite des Neckars - bis weit nach der Kickers-Blütezeit in den Nachkriegsjahren an der Tagesordnung - gehört nicht nur aufgrund des nachlassenden Zuschauerzuspruchs der Vergangenheit an. Denn das Stadion in Degerloch ist inzwischen für viele Bundesligisten zum gefürchteten Ort bei Pokalspielen geworden. In der laufenden Spielzeit schied hier der HSV aus, 1987 hatten zwei, 1999 gleich drei Bundesligisten die Segel streichen müssen. So war kurz vor der Jahrtausendwende auch Volker Finkes Hinweis, es gebe angesichts der widrigen Platzverhältnisse noch ein anderes Stadion in der Stadt - und zwar eines mit Rasenheizung - vergebens. Bereits zwei Runden zuvor hatten die »Blauen« den BVB aus dem Wettbewerb gekegelt, was als einer der größten Momente der Vereinshistorie gilt. Kolumnist Joe Bauer hatte damals überwältigt notiert: »Über der Gegengerade, einem Plattenbau mit dem Charme einer ländlichen Bushaltestelle, recken sich die Wipfel des Waldes wie dunkelblau bemützte Köpfe heimlicher Zaungäste. Die Flutlichtscheinwerfer nehmen über dem Dach der Stehtribüne eine mächtige Baumkrone ins Visier und rücken sie silhouettenhaft ins Zentrum des Waldau-Himmels, während der Nebel steigt. [...] Man konnte glauben, die präzise Raumaufteilung der Kulisse habe sich auf die Spielweise der Kickers übertragen. Dortmund mit all seinen Stars hatte nicht den Hauch einer Chance.«
Anders gesagt: Abseits der Seifenoper Bundesliga steht in Degerloch ein nicht ganz gewöhnliches Fußballstadion, wo der Fußball noch geatmet wird, durch die von den Metallstangen am Spielfeldrand gesiebte Luft.
Anschrift: Guts-Muths-Weg 4, 70597 Stuttgart
Baujahr: 1905
Fassungsvermögen: 11534, Sitzplätze: 1370, Stehplätze: 10164
Größte dokumentierte Zuschauerzahl*: 20000 am 7. Oktober 1951 Stuttgarter Kickers - 1. FC Nürnberg
Im Netz: www.stuttgarter-kickers.de
*ohne Gewähr
Von Joachim Henn
Namensänderungen prägen die Geschichte des Kickers-Platzes ebenso wie einschneidende Baumaßnahmen. Die Haupttribüne, wenige Jahre nach der Stadioneinweihung 1905 als Kopie einer Tribüne von Arsenal errichtet, musste 1975 den Anforderungen des DFB weichen und machte damit der heutigen Haupttribüne Platz. Anfang der 80er wurde dann zunächst die Gegengerade erneuert und 1998 auch überdacht - nachdem 1997 die provisorische Stahlrohrtribüne auf der Haupttribünenseite wieder abgebaut, die Hintertorwälle erneuert und die Flutlichtanlage errichtet worden war. Parallel dazu ging der »Kickers-Platz« (später: »Kickers-Stadion«) als »Waldaustadion« in städtischen Besitz über, um mit dem Verkauf der Namensrechte durch die Stadt schließlich als »Gazi-Stadion auf der Waldau« die bislang letzte Namensänderung zu erfahren. Die Stuttgarter Kickers teilen es sich derzeit mit einem Football-Bundesligisten, sehr zum Leidwesen des Rasens.
Auch wenn sich die Zuschauerzahlen seit dem Abstieg aus der 2. Liga bei mittlerweile etwa 2500 eingependelt haben, herrscht bei den Spielen mitunter eine geladene Atmosphäre, die ebenfalls zur Geschichte der Spielstätte gehört. Bereits 1912 hielt der Beobachter des »Stuttgarter Neuen Tagblatts« »nicht zu billigende Zwischenrufe aus den Zuschauerreihen« fest. Auch 1951, anlässlich des letzten Saisonspiels der »Blauen«, mit dem der Wiederaufstieg in die Oberliga Süd, die damals höchste Spielklasse, gefeiert werden sollte, wurde vom »widerlichen Gejohle« im Stadion berichtet. »Gebruddelt« wird bis in die Gegenwart, wahlweise über die Unfairness des Gegners, den Schiedsrichter, die Kickers (auch ein gewisser Jürgen Klinsmann kann ein Lied davon singen) oder gar die eigene Anwesenheit - respektive die der anderen im Block. Ein Berichterstatter der Lokalpresse schrieb anlässlich des mutmaßlichen Zuschauerrekords gegen den 1. FC Nürnberg im Herbst 1951: »Mit mehr als 20000 Zuschauern war das Fassungsvermögen der Degerlocher Platzanlage erheblich überschritten, und die Erbitterung der Stehplatzbesucher machte sich sehr deutlich Luft. Ein Spiel solcher Bedeutung gehört selbstverständlich ins Neckarstadion.«
Doch man sollte sich nicht täuschen. Ebenso präsent wie das Anspruchsdenken bei den Kickers-Fans sind eine außergewöhnliche Leidens- und Begeisterungsfähigkeit. An guten Tagen wiegt der Heimvorteil schwer. In den 80ern war Degerloch eine Festung, Mitte der 90er legte man eine Heimserie von 40 Punktspielen ohne Niederlage hin, und aus dem notgedrungenen Umzug zu Bundesligazeiten, der nach Überzeugung vieler den Klassenerhalt kostete, hat der Klub gelernt. Das Ausweichen auf die andere Seite des Neckars - bis weit nach der Kickers-Blütezeit in den Nachkriegsjahren an der Tagesordnung - gehört nicht nur aufgrund des nachlassenden Zuschauerzuspruchs der Vergangenheit an. Denn das Stadion in Degerloch ist inzwischen für viele Bundesligisten zum gefürchteten Ort bei Pokalspielen geworden. In der laufenden Spielzeit schied hier der HSV aus, 1987 hatten zwei, 1999 gleich drei Bundesligisten die Segel streichen müssen. So war kurz vor der Jahrtausendwende auch Volker Finkes Hinweis, es gebe angesichts der widrigen Platzverhältnisse noch ein anderes Stadion in der Stadt - und zwar eines mit Rasenheizung - vergebens. Bereits zwei Runden zuvor hatten die »Blauen« den BVB aus dem Wettbewerb gekegelt, was als einer der größten Momente der Vereinshistorie gilt. Kolumnist Joe Bauer hatte damals überwältigt notiert: »Über der Gegengerade, einem Plattenbau mit dem Charme einer ländlichen Bushaltestelle, recken sich die Wipfel des Waldes wie dunkelblau bemützte Köpfe heimlicher Zaungäste. Die Flutlichtscheinwerfer nehmen über dem Dach der Stehtribüne eine mächtige Baumkrone ins Visier und rücken sie silhouettenhaft ins Zentrum des Waldau-Himmels, während der Nebel steigt. [...] Man konnte glauben, die präzise Raumaufteilung der Kulisse habe sich auf die Spielweise der Kickers übertragen. Dortmund mit all seinen Stars hatte nicht den Hauch einer Chance.«
Anders gesagt: Abseits der Seifenoper Bundesliga steht in Degerloch ein nicht ganz gewöhnliches Fußballstadion, wo der Fußball noch geatmet wird, durch die von den Metallstangen am Spielfeldrand gesiebte Luft.
Anschrift: Guts-Muths-Weg 4, 70597 Stuttgart
Baujahr: 1905
Fassungsvermögen: 11534, Sitzplätze: 1370, Stehplätze: 10164
Größte dokumentierte Zuschauerzahl*: 20000 am 7. Oktober 1951 Stuttgarter Kickers - 1. FC Nürnberg
Im Netz: www.stuttgarter-kickers.de
*ohne Gewähr
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Blaues Murrtal
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auf die Gefahr dass mein Beitrag wieder 3x gepostet wird: :oBlaues Murrtal hat geschrieben: Waldaustadion
SEHR SCHÖN, ist mir auch sofort auf gefallen!!! das WALDAUSTADION lebt
Wir haben immer gesagt,
dass wir das Land hier furchtbar lieben,
Balsam für die Seele,
wie wir euch damit provozieren.
Ihr seid dumm, dumm und naiv,
wenn Ihr denkt, Heimatliebe ist gleich Politik.
dass wir das Land hier furchtbar lieben,
Balsam für die Seele,
wie wir euch damit provozieren.
Ihr seid dumm, dumm und naiv,
wenn Ihr denkt, Heimatliebe ist gleich Politik.
SEHR GUTE EINSTELLUNG ! SCHEIß "erfolgsfans"!Blaues Murrtal hat geschrieben: Lieber die dreieinhalbtausend, die immer da sind, als die, die nur ab und zu hochkommen und dann nörgeln. Ich habe es ja selbst miterlebt: (imitiert nörgelnd) »Jetzt komme ich einmal hoch, und dann spielen die so einen Mist...«
Wir haben immer gesagt,
dass wir das Land hier furchtbar lieben,
Balsam für die Seele,
wie wir euch damit provozieren.
Ihr seid dumm, dumm und naiv,
wenn Ihr denkt, Heimatliebe ist gleich Politik.
dass wir das Land hier furchtbar lieben,
Balsam für die Seele,
wie wir euch damit provozieren.
Ihr seid dumm, dumm und naiv,
wenn Ihr denkt, Heimatliebe ist gleich Politik.
- Roland
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Re: Waldaustadion in 11 Freunde
habs mir auch gerade gekauft. Das Bild ist vom Spiel gegen WehenBlauer Block hat geschrieben:In der neuen Ausgabe von "11 Freunde" ist als Stadionposter ein Abbild des Waldaustadions beigelegt.
Die Aufnahme ist vom- glaub ich - Kasselspiel.