ENDSPIEL NACH 113 JAHREN

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Mauki
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ENDSPIEL NACH 113 JAHREN

Beitrag von Mauki »

Viktoria Berlin gegen Hanau 93: Mit diesem Duell wird demnächst die deutsche Fußball-Meisterschaft entschieden. Ganz ohne Stuttgart, Bayern oder Schalke - denn es geht um eine verpasste Chance aus dem 19. Jahrhundert.

Wenn Uli Hoeneß oder Klaus Allofs wissen wollen, wie der Vorverkauf zu einem Ligaspiel läuft, haben sie zwei bequeme Möglichkeiten: Entweder sie rufen ihren Ticketingchef an, oder sie schauen kurz ins vereinseigene Intranet.

Thomas Tamberg hat es da nicht ganz so leicht: Wer am Dienstagabend kurz nach 20 Uhr die Nummer des Vereinspräsidenten vom FC Hanau 1893 wählte, erwischte ihn auf der einzigen Tribüne des heimischen Stadions - beim konzentrierten Abzählen der Sitzplätze.

Kein Mensch bei Hessens ältestem Verein weiß nämlich anno 2007 noch, wie viele Plätze das heimische Herbert-Dröse-Stadion eigentlich genau hat. Insgesamt fasst es wohl so um die zehntausend Zuschauer, meint man in der Industriestadt nahe Frankfurt zu wissen. Wenn der FC Hanau von 1893 seine Heimspiele in der Bezirksliga austrägt und man nichts anderes vorhat, stellt man sich gegen Langenselbold oder Roßdorf halt irgendwo hin. Oder man setzt sich gegen einen geringen Aufpreis auch auf den Hintern.
Man muss dann allerdings in Kauf nehmen, dass der nächste besetzte Sitz 30 Meter entfernt war. Warum also sollte man mehr als einige hundert Sitzplatztickets drucken - pro Saison wohlgemerkt? Doch im Hochsommer, in der spielfreien Zeit, wird alles anders sein in Hanau. Der HFC wird Tausende in seinen Bann ziehen. Wer sich im Vorverkauf eine Eintrittskarte gesichert hat, ist fein raus. Denn am 21. Juli steht Hanau 93 im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft. Und die Fans wissen schon seit Wochen, wer den Platz als Sieger verlassen wird: "Deutscher Meister wird nur der HFC."

Armin Veh und sein Meisterteam werden dennoch ruhig schlafen können, denn es geht um die Meisterschaft des Jahres 1894. Ein Jahr nach der Vereinsgründung der Hanauer standen die Hessen damals im Finale zur Deutschen Meisterschaft. Die Fahrt zum Gegner Viktoria Berlin konnten sich die Hanauer jedoch nicht leisten, weshalb der Titel damals kampflos nach Preußen ging.

Nun, 113 Jahre später, kommt es zur Revanche. Denn auch Viktoria Berlin, das ungleich weniger tief fiel und heute immerhin in der Verbandsliga kickt, freut sich über ein wenig Glamour. Zwar hat der DFB die kampflos errungene Meisterschaft der Berliner schon lange endgültig anerkannt. Doch Prestige ist auch aus Sicht der Amateurkicker aus Tempelhof ein stärkeres Motiv als eine Zahl auf dem Briefkopf.

Zumal wenn wie beim Hanauer FC der Fortgang der Vereinsgeschichte seit jener kampflosen Finalniederlage schnell erzählt ist: Auch im folgenden Jahrhundert hatte man nie Geld, spielte allenfalls mal in der Landes- oder kurz in der Oberliga. Und musste zu allem Unglück auch noch die größtdenkbare Schmach eines jeden Lokalpatrioten mit ansehen: Der einzige überregional bekannte Hanauer, der mit seinen Füßen Gewinnbringendes anstellen konnte, entstammte dann ausgerechnet dem nicht minder minderbemittelten Lokalrivalen TSV 1860 Hanau. Kein Wunder, dass Präsident Thomas Tamberg Rudi Völler dann auch nicht gebeten hat, die Werbetrommel für den 21. Juli zu rühren. Ersatzweise bekam man einen gewissen Theo Zwanziger als Schirmherren.

In Hanau jedenfalls klagen offenbar einzig die Reisebüros über die fieberhafte fußballerische Nostalgie, die auch am Spieltag mit allerlei historischen Reminiszenzen begangen werden soll. "Unsere Spieler fahren vorher oder nachher weg", freut sich Tamberg, der auch in der regen, aber nur wenige Köpfe zählenden Fanszene grassierende Urlaubsmüdigkeit festgestellt hat: "Ist doch klar, seit 20 Jahren hatten wir kein Auswärtsspiel, das weiter entfernt war als 20 Kilometer. Und nun das."

Allerdings könnte man sich fragen, ob manchem Bezirksligakicker nicht bereits ein Erfolg zu Kopf gestiegen ist, den man noch gar nicht hatte. Noch zwei Spieltage vor Schluss führte man die Tabelle der Bezirksliga Hanau an, nach dem Schlusspfiff des letzten stand der traditionsreiche, aber erfolgarme HFC dann nur noch auf Platz drei. "Wir haben den Aufstieg verbaselt", sagt Präsident Tamberg, "das muss man sich mal vorstellen". Doch jetzt ist nun wirklich nicht die Zeit, sich zu grämen. Tamberg muss jetzt weiter Sitzplätze zählen. Bis Sonnenuntergang muss er fertig sein. Allein schon, weil es im Herbert Dröse Stadion kein Flutlicht gibt.
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Horschdi
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Beitrag von Horschdi »

An die Kickers-Verantwortlichen: Bitte nächstes Jahr das 100-jährige Jubiläumsspiel um die Deutsche Meisterschaft gegen Viktoria Berlin nicht vergessen!!! Die Revanche sollte uns doch genehmigt werden, da erstens das Endspiel nicht auf neutralem Platz stattfand (sondern in Berlin) und zweitens unsere besten Spieler nicht am Start waren (Verletzungen + keine Freigabe von der Reichsarmee).
WIR SIND EUROPAPOKALSIEGER DER LANDESMEISTER IM FELDHOCKEY !!!

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