Die Tage der Falken scheinen gezählt
EISHOCKEY: Heilbronner EC drücken hohe Verbindlichkeiten / Insolvenz unabwendbar?
Die Tage des Heilbronner Eishockeyclubs HEC scheinen gezählt. Den Verein drückt eine hohen Schuldenlast: Unklar ist jedoch die Höhe. Sind es 700 000 Euro, von denen Vorsitzender Claus Böhm spricht, oder 1,3 MillionenEuro, die von anderen Seiten hochgerechnet werden? Fest steht, es brennt unter dem Dach der Knorr-Arena am Europaplatz. Die Insolvenz scheint nahe.
Zum ersten Mal klingelten die Alarmglocken beim Eishockey-Zweitligisten schon in der Hauptversammlung im Sommer. Knapp 420 000 Euro betrug das Minus und saldiert mit den Verlusten der vergangenen Jahren ergab sich ein aufgelaufenes Gesamtdefizit von 711 000 Euro. Die Falken, wie sich die Profiabteilung nennt, verbuchten zwar eine neue Rekordbesucherzahl, jedoch als die Saison Anfang April vorbei war, gab es natürlich auch keine Einnahmen mehr - das finanzielle Fiasko nahm seinen Lauf. Zwar jetzt nicht für die Spielbetriebs GmbH, sondern für den Hauptverein Heilbronner EC.
Auf der Homepage wird selbstkritisch festgestellt, dass es wohl besser gewesen wäre, gleich einen Event-Profi einzusetzen, um Veranstalter zu gewinnen und Einnahmen zu erzielen.
Erneut klingelte die Sirene Anfang Dezember, als der Miet- und Betriebskostenrückstand (Wasser und Heizung) für die Knorr-Arena in Höhe von 144 000 Euro an den Hallenbesitzer, die Stadtwerke, bekannt wurde.
Gleichzeitig verlief auch die sportliche Saison unter den Erwartungen. Nur in der unteren Tabellenhälfte waren die Falken zu finden. Wie üblich im Profisport: Trainer Janie Bartmann musste deshalb seinen Platz für Bob Burns freimachen. Der Nachfolger hatte zwar nicht viel mehr Erfolge, jedoch den Mut, auf das schlechte Klima im Umfeld des Vereins und im Team hinzuweisen.
Im Januar verging kein Tag, an dem nicht neue rote Zahlen aus der Gerüchteküche serviert wurden. Die ersten Spieler verließen aus Angst vor einer Pleite den Verein. Böhm startete bei "guten Freunden" und Sponsoren einen Bettelgang. Bislang kam er offensichtlich stets mit leeren Händen zurück. Er verwies auf Vertraulichkeit mit den Gesprächspartnern. Die Fans trauerten aber bereits um ihren Lieblingssport, veranstalteten nach dem letzten Heimspiel eine spontane Beerdigungsfeier und bezeichneten Böhm als "Totengräber des Vereins".
Eine etwas konkretere Aufklärung über den Schuldenstand ließ der Kaufmann erst In der Nacht von letztem Freitag auf Samstag in einer Pressemitteilung verbreiten. Ausgehend von den 711 000 Euro aufgelaufener Verluste, wie in der Hauptversammlung erwähnt, seien im laufenden Betriebsjahr etwa 100 000 Euro neu hinzu gekommen. Sie resultieren aus notwendigen Investitionen für Umkleidekabinen und sanitäre Einrichtungen unter der Stehplatztribüne. Weitere 500.000 Euro seien als Anlagevermögen in den Hallenbau mit eingeflossen.
In der Tat ergibt dennoch die Addition 1,3 Millionen Euro Verbindlichkeiten. So bat der Vereinschef alle Beteiligten, einschließlich der Fans, an einem Strang zu ziehen, "denn dann werden sich die derzeitigen Probleme als temporär erweisen". wofis
Heilbronner EC vor Insolvenz
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