Geahnt hatte man es ja schon immer, besonders wenn mal wieder eine andere Note, als gewünscht unter der Klausur stand...:
Schulbücher stecken voller peinlicher Fehler
Der Uhu frisst den Fuchs und Erich Honecker hat einen Monat vor Mauerfall seinen Rücktritt erklärt – das kann doch nicht richtig sein, meinen Sie? Ist es auch nicht! Trotzdem stehen diese dicken Patzer in deutschen Schulbüchern. Jetzt bekamen die Verlage von der Stiftung Warentest einen blauen Brief.
Ergebnis der Untersuchung, die in Berlin vorgestellt wurde, ist ernüchternd: Alle getesteten Biologie- und Geschichtsbücher enthalten Fehler, auch didaktisch wurden Mängel beanstandet. „Im Schnitt findet sich auf jeder fünften geprüften Seite eines Biologiebuches ein wichtige
Fehler, bei ein bis zwei Büchern sogar auf jeder dritten Seite“, sagt Hubertus Primus von der Stiftung Warentest.
Insgesamt wurden zehn Biologiebücher und sieben Geschichtsbücher aus den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Niedersachsen auf ihre sachliche Richtigkeit geprüft und auf ihre fachliche und didaktische Eignung hin beurteilt. Unter den Biologie-Büchern hatte sich die Stiftung das Lehrmaterial für Gymnasien für die Klassenstufen sieben bis zehn vorgenommen.
Der Fokus lag dabei exemplarisch auf Kapiteln über den Aufbau der Zelle, die Fotosynthese und Verdauungsabläufe. Nur zwei der Biologiebücher bekamen ein „gut“, der Rest war „befriedigend“ bis „mangelhaft“. Bei den Geschichtsbüchern vergaben die Experten ebenfalls nur zweimal „gut“.
Experiment mit Brennspiritus ohne Sicherheitshinweis
Um die Bücher gerecht zu vergleichen, wurde in der Untersuchung zwischen kleineren und gravierenden Fehlern unterschieden. Kleinere Fehler waren unter anderem fehlende Beschriftungen an Bildern oder sprachliche Unzulänglichkeiten. Bei den gravierenden Fehlern hingegen handelt es sich um eindeutige Patzer. So wurde zum Beispiel für den Sturz Erich Honeckers ein falsches Datum angegeben, der Treibhauseffekt falsch dargestellt oder ein Experiment mit Brennspiritus ohne Sicherheitshinweise erklärt.
Zudem fanden sich zahlreiche Angaben, die schlichtweg falsch waren. Laut Schulbuch sollte zum Beispiel ein Elektronenmikroskop nur zwanzigtausendfach vergrößern, in Wirklichkeit handelt es sich aber um eine Vergrößerung auf das bis zu 500000-fache. Außerdem fand sich eine fehlerhafte Formel, mit der die Blutalkoholkonzentration ausgerechnet werden kann. Gibt ein Schüler sein Körpergewicht in Gramm in die Formel ein, wie es im Buch verlangt wird, so erhält er kein sinnvolles Ergebnis: Nach der Formel könnte er eine ganze Flache Schnaps konsumieren und käme doch nur auf eine Blutalkoholkonzentration von 0,002 Promille. Der tatsächliche Wert ist allerdings um ein tausendfaches höher.
Der Gesamteindruck der Schulbücher sei schwach, sogar didaktisch würden die Bücher zu Wünschen übrig lassen. Gliederungen, Texte, Fragestellungen und Bilder, die die Vermittlung des Lehrstoffes erleichtern sollen, hätten nicht die gewünschte Qualität.
„Schulbücher sind immer noch das wesentliche Hilfsmittel, um unseren Kindern etwas beizubringen“, sagt Hubertus Primus von Stiftung Warentest. „Umso wichtiger ist es, dass diese Lehrmittel eine hohe Qualität haben.“
Bei den Schulbuchverlagen wollte man sich zu der Studie vorerst nicht äußern. „Es ist für uns noch nicht klar ersichtlich, was als Fehler eingeschätzt wurde“, sagt Christine Jesse, Sprecherin vom Cornelsen-Verlag. Man wolle auf eine genaue Darlegung der Ergebnisse durch die Stiftung Warentest warten. „Die didaktischem Methoden von Lehrbüchern werden von jedem sehr subjektiv wahrgenommen“, sagte die Verlags-Sprecherin. Generell arbeite man mit Autoren, die meist selber Lehrer sind, mit wissenschaftlichen Redakteuren und Beratern.
Schuld soll der Föderalismus sein
Josef Kraus, Vorsitzender des Deutschen Lehrerverbandes, nahm die Verlage in Schutz. „Es gibt doch kein Buch, das wirklich fehlerfrei ist, da kann man noch so sorgfältig prüfen“, sagt Kraus. „Sachliche Fehler sind natürlich peinlich, aber man sollte auch in Betracht ziehen, dass die Schulbücher bei den Verlagen meist unter großem Zeitdruck entstehen.“
Eine der Ursachen der Mängel in der Qualität der Schulbücher ist nach Einschätzung von Stiftung Warentest das föderale Bildungssystem. In Deutschland existierten derzeit bis zu 3000 unterschiedliche Lehrpläne, was den Verlagen zu schaffen mache. Die großen Verlagsgruppen wie Cornelsen, Klett und Westermann müssten für einen Titel bis zu 16 Länderausgaben produzieren, stünden meist unter Zeitdruck und fänden teilweise für eine gründliche Überarbeitung keine Zeit. „Ich sehe das alles eher gelassen“, meinte Kraus. „Wir haben schließlich qualifizierte Lehrer.“
welt-online
Schulbücher stecken voller peinlicher Fehler
- Tacheles
- Kickers-Fan
- Beiträge: 4605
- Registriert: Freitag 8. April 2005, 15:09
- Wohnort: Kickers-Platz
Schulbücher stecken voller peinlicher Fehler
Werde auch DU Fansponsor der Stuttgarter Kickers !!!!!!!
Informationen gibt es unter 12für11.de
Informationen gibt es unter 12für11.de
- The Tongue
- Kickers-Fan
- Beiträge: 3715
- Registriert: Freitag 5. August 2005, 12:25
Re: Schulbücher stecken voller peinlicher Fehler
Tacheles [reloaded] hat geschrieben:Gibt ein Schüler sein Körpergewicht in Gramm in die Formel ein, wie es im Buch verlangt wird, so erhält er kein sinnvolles Ergebnis: Nach der Formel könnte er eine ganze Flache Schnaps konsumieren und käme doch nur auf eine Blutalkoholkonzentration von 0,002 Promille. Der tatsächliche Wert ist allerdings um ein tausendfaches höher.
Aha, da liegt also mein Problem
vielleicht sollte man die ganzen Pisa Studien in Bezug auf diese Fehler alle neu bewerten, vielleicht sind unsre Schüler dann ja gar net so "dumm"
- Killerauge
- Kickers-Fan
- Beiträge: 1108
- Registriert: Mittwoch 2. März 2005, 12:00
Re: Schulbücher stecken voller peinlicher Fehler
Das schlechte Abschneiden bei PISA liegt vorrangig am Verhalten der Lehrer und dessen Methoden. Da ging es weniger um Sachwissen, als um spezielle Kompetenzen (Vernetztes Denken, Problemlösekompetenz, Sinnentnehmung (nicht-)kontinuierlicher Texte etc.) - insofern ist das Ergebnis des Tests zwar peinlich, für den Unterricht aber nicht überzubewerten. Dazu gibt es ja noch die Lehrer (die fachlich i.d.R sehr kompetent sind).The Tongue hat geschrieben: vielleicht sollte man die ganzen Pisa Studien in Bezug auf diese Fehler alle neu bewerten, vielleicht sind unsre Schüler dann ja gar net so "dumm"
Dass der Föderalismus ein Grundübel unserer Gesellschaft ist, ist nicht Neues - aber Zeitmangel vorzuschieben verstehe ich nicht. Was hindert einen Verlag, gründlich zu arbeiten (und somit im Vgl. zur Konkurrenz ein anständiges Buch zu entwickeln)?
***TIPPSPIELSIEGER 2007***
- The Tongue
- Kickers-Fan
- Beiträge: 3715
- Registriert: Freitag 5. August 2005, 12:25
Re: Schulbücher stecken voller peinlicher Fehler
Zum Ersten, das war eher als Joke gemeint, ich geb net so viel auf Pisa.Killerauge hat geschrieben:Das schlechte Abschneiden bei PISA liegt vorrangig am Verhalten der Lehrer und dessen Methoden. Da ging es weniger um Sachwissen, als um spezielle Kompetenzen (Vernetztes Denken, Problemlösekompetenz, Sinnentnehmung (nicht-)kontinuierlicher Texte etc.) - insofern ist das Ergebnis des Tests zwar peinlich, für den Unterricht aber nicht überzubewerten. Dazu gibt es ja noch die Lehrer (die fachlich i.d.R sehr kompetent sind).The Tongue hat geschrieben: vielleicht sollte man die ganzen Pisa Studien in Bezug auf diese Fehler alle neu bewerten, vielleicht sind unsre Schüler dann ja gar net so "dumm"
Dass der Föderalismus ein Grundübel unserer Gesellschaft ist, ist nicht Neues - aber Zeitmangel vorzuschieben verstehe ich nicht. Was hindert einen Verlag, gründlich zu arbeiten (und somit im Vgl. zur Konkurrenz ein anständiges Buch zu entwickeln)?
Und zum Zweiten geb ich Dir Recht, ich denke, gerade, weil Konkurrenz herrscht, sollten die Verlage doch schauen, dass ihre Bücher möglichst wenige Fehler beinhalten um der Konkurrenz was voraus zu haben.
- Killerauge
- Kickers-Fan
- Beiträge: 1108
- Registriert: Mittwoch 2. März 2005, 12:00
Zum ersten musst du das vermutlich auch nicht, da du wohl nichts mit dem Bildungswesen zu tun hast... Die, die sich damit befassen sollten die Ergebnisse durchaus ernst nehmen (zumal ja schon weitere Ergebnisse und resultierende Veränderungen gibt)
Wollte halt auch mal einen qualifizierten Beitrag abgeben
Wollte halt auch mal einen qualifizierten Beitrag abgeben
***TIPPSPIELSIEGER 2007***
Oftmals ist es so, dass Themen in einem Fach neu verteilt werden oder wie jetzt im Zuge von G8 neue Schulbücher erscheinen, weil einiges zusammengestrichen wurde, Inhalte methodisch und didaktisch aktualisiert und ansprechend gestaltet werden. Dann legen die Verlage los. Klar, dass man da schneller sein möchte als die Konkurrenz, außerdem eine Fülle an Zusatzmaterialien, Schnickschnack... - dabei bleibt dann jedoch immer mal wieder die Qualität auf der Strecke :(
Eigentlich sollte man als Lehrer dann einfach darauf hinweisen, wenn etwas nicht stimmt, ggf. einfach noch einmal nachschauen, wenn man sich nicht sicher ist. Wobei in der Hektik des Alltags so etwas auch einfach mal untergeht!
Eigentlich sollte man als Lehrer dann einfach darauf hinweisen, wenn etwas nicht stimmt, ggf. einfach noch einmal nachschauen, wenn man sich nicht sicher ist. Wobei in der Hektik des Alltags so etwas auch einfach mal untergeht!
- Soulfly
- Kickers-Fan
- Beiträge: 2331
- Registriert: Dienstag 19. August 2003, 12:55
- Wohnort: Kornwestheim
Ich wollte das Problem mit den Schulbüchern nicht aufbauschen.
Vielleicht schleicht sich mal der Fehlerteufel ein, mag sein.
Aber der Mensch zieht sich seine Allgemeinbildung nur zu einem
geringen Prozentsatz aus den Schulbüchern. Vielmehr aus der
Literatur, die er so nebenher liest. Und ich stell mir eine Frage, lesen
die (jungen) Leute heutzutage überhaupt noch, und wenn ja, wo?
Im Internet beispielsweise stehen sehr viele Halbwahrheiten und ein
Haufen Scheißdreck.
Vielleicht schleicht sich mal der Fehlerteufel ein, mag sein.
Aber der Mensch zieht sich seine Allgemeinbildung nur zu einem
geringen Prozentsatz aus den Schulbüchern. Vielmehr aus der
Literatur, die er so nebenher liest. Und ich stell mir eine Frage, lesen
die (jungen) Leute heutzutage überhaupt noch, und wenn ja, wo?
Im Internet beispielsweise stehen sehr viele Halbwahrheiten und ein
Haufen Scheißdreck.
Hold Your Fire
ja, das ist ein anderes thema. ich glaube jedoch, dass die leute zurzeit wieder mehr lesen, kann mich aber auch täuschen. immer so kurz booms, da lesen dann plötzlich leute, die das vorher nie taten. z.b. dan brown und harry potter. manche bleiben dann leser, bei anderen wars das dann wieder.Soulfly hat geschrieben:Und ich stell mir eine Frage, lesen
die (jungen) Leute heutzutage überhaupt noch, und wenn ja, wo?
Im Internet beispielsweise stehen sehr viele Halbwahrheiten und ein
Haufen Scheißdreck.