Eklat: Roms Fußball - Fans erzwingen Derby-Abbruch

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Steffen FFC
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Eklat: Roms Fußball - Fans erzwingen Derby-Abbruch

Beitrag von Steffen FFC »

Eklat
Roms Fußball versinkt im Chaos

Fans erzwingen Derby-Abbruch

Rom - Mit einem beispiellosen Eklat hat das traditionsreiche römische Stadtderby zwischen SS Lazio und AS Roma geendet: Die 154. Auflage des seit 75 Jahren zu den Höhepunkten des italienischen Fußballs gehörenden Duells der Erzrivalen wurde am Sonntagabend kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit abgebrochen, nachdem gewaltbereite Fans die Spieler massiv bedroht hatten. Anschließend kam es außerhalb des mit 80 000 Zuschauern ausverkauften Olympiastadions zu Ausschreitungen zwischen Fans und Polizei. 153 Polizisten und 14 Fans wurden nach Angaben vom Montag verletzt. Die Polizei nahm 15 Personen fest.

"Lazio-Roma Schock", titelte das römische Sportblatt "Corriere dello Sport" kurz und bündig. "Rom, 22.00 Uhr. Der Fußball macht Schluss", formulierte die Mailänder "Gazzetta dello Sport" noch drastischer. "Das hat mich an Serbien erinnert. Die Zuschauer sollten künftig mit schusssicheren Westen ins Stadion kommen", kommentierte der serbische Lazio-Kapitän Sinisa Mihajlovic.

Tatsächlich haben sich in Rom beispiellose Dinge abgespielt, die die Zukunft des Fußballs in der Ewigen Stadt in Frage stellen. Während der Halbzeitpause wird das Gerücht in Umlauf gebracht, ein junger Roma-Fan sei vor dem Stadion von einem Polizeiauto überfahren worden. Kurz nach Wiederbeginn beginnen aus der Roma-Kurve "Mörder, Mörder"-Rufe zu erschallen. Die Lazio-Fans schließen sich der allgemeinen Empörung sofort an, Leuchtraketen fliegen von allen Seiten aufs Spielfeld. Schiedsrichter Rosetti unterbricht das Spiel in der 47. Minute, während der Stadionsprecher mehrmals eine Mitteilung der Polizei verliest, wonach das Gerücht jeder Grundlage entbehrt.

Doch die Fans schenken dem keinen Glauben und setzen ihre Proteste fort. Roma-Fans, die auf ungeklärte Weise aufs Spielfeld gelangt sind, beginnen auf Roma-Kapitän Francesco Totti einzureden. Später heißt es, sie hätten die Spieler massiv bedroht und mit einer Invasion des Spielfelds gedroht. Die Spieler sind geschockt, wollen in die Kabine. Der Schiedsrichter will auf Anraten der Sicherheitsbehörden das Spiel hingegen wieder anpfeifen, doch die Spieler weigern sich. Letztlich telefoniert der Referee mit Liga-Chef Adriano Galliani, der den Abbruch anordnet.

Die Fans verlassen das Stadion, es kommt zu Guerilla-ähnlichen Szenen außerhalb des Stadions. Die Polizei setzt massiv Tränengas ein, um die Revolte zu stoppen. Die Ermittler beschuldigen sofort die Fanclubs, hinter dem Abbruch-Skandal zu stehen. Sie vermuten ein abgekartetes Spiel und wollen herausfinden, welche Interessen damit verfolgt wurden. Der Schiedsrichter und die beiden Mannschaftskapitäne wurden bis in die frühen Morgenstunden des Montag befragt.

Roms Fußball droht im Chaos zu versinken. Die Liste der finanziell maroden Clubs führen just Lazio (fast 500 Millionen Euro Schulden) und Roma (rund 350 Millionen) an. Sie stehen vor dem Bankrott, sollten nicht potente Gönner einspringen. Die UEFA könnte sie schon in wenigen Tagen für die internationalen Bewerbe sperren.

Quelle: STZ/dpa
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Steffen FFC
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Stadtderby

In der «Hölle von Rom» starb der Fußball

Verhaftungen nach Derby

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Rom - Der "Hölle von Rom" mit bürgerkriegsähnlichen Krawallen beim Derby zwischen Lazio und AS Rom folgen Verhaftungen, Stadionsperren und hitzige Diskussionen. Ist dieser von Finanzskandalen, Pleiten und Gewaltexzessen verseuchte Fußball überhaupt noch zu retten, fragen sich die fassungslosen Italiener. 19 Festnahmen, 174 Verletzte und einige hunderttausend Euro Schaden sind die traurige Bilanz des auf erpresserischen Druck von gewaltbereiten Fans beim Stand von 0:0 nach der Halbzeitpause abgebrochenen Stadtderbys.

Über den Termin für die Wiederholung des Spiels wird erst in einer Woche entschieden. Dies teilte das Sportgericht des italienischen Fußballverbandes (FIGC) am Dienstag in Rom mit. Laut Zeitungsberichten ist eine Wiederholung des Derbys unter Ausschluss der Öffentlichkeit an einem neutralen Ort geplant.

Unterdessen machen in Rom Verschwörungstheorien die Runde. Es wird immer deutlicher, dass 70 000 friedliche Fußballfans im Olympiastadion, zwei Clubs und eine ganze Fußballnation zu Geiseln einer relativ kleinen Gruppe von Randalierern wurden. "Roma- und Lazio-Fans wollten hier zeigen, dass sie einen Bürgerkrieg vom Zaun brechen, wenn die verschuldeten Clubs keine Lizenz mehr erhalten", mutmaßte der Chefredakteur des Fernsehsenders RAI, Clemente Mimum. Das Gerücht über ein von der Polizei vor dem Stadion überfahrenes Kind, das den Spielabbruch provozierte, könnte mit Absicht frei erfunden und gezielt in Umlauf gebracht worden sein.

Staatsanwalt Ettore Torri ermittelt gegen die festgenommenen Fans auch wegen Erpressung. Ihnen drohen mehrere Jahre Gefängnis. Drei Fans waren in der zweiten Halbzeit durch alle Sicherungen hindurch auf den Platz spaziert, um Roms Kapitän Francesco Totti zu drohen. "Wenn wir weiterspielen, bringen sie uns um", hatte Totti nach dem Gespräch berichtet. Obwohl die Polizei den Spielern und über Lautsprecher auch dem Publikum erklärte, dass es keinen Toten gegeben habe, beugten sich die Spieler der Drohung der Fans. "Einen Toten gab es doch, es ist der Fußball", klagte die "La Gazzetta dello Sport".

"Wir sind haarscharf an einer Tragödie vorbeigeschrammt", sagte Innenminister Giuseppe Pisano, der harte Strafen ankündigte und die Liga für den eigenmächtigen Spielabbruch scharf kritisierte. "Das haben wir zum letzten Mal toleriert. Nur wir können ein Spiel abbrechen", ermahnte Pisano den Liga-Chef Adriano Galliani. Der Vize- Präsident des Liga-Spitzenreiters AC Mailand hatte Schiedsrichter Rosetti telefonisch den Abbruch des Spiels befohlen und damit verhindert, dass der Milan-Verfolger AS Rom unter Umständen mit Punktabzügen bestraft und die Meisterschaft so beeinflusst wird. "Wir hätten weiterspielen müssen", kritisierte auch Lazio-Präsident Ugo Longo den Ligachef, der glaubte, "das kleinere Übel gewählt zu haben", aber gleichzeitig versprach, "es nie wieder zu tun".

Die beiden Polizeigewerkschaften, die 153 verletzte Beamte beklagten, sprachen vom "Triumph des Wahnsinns" und drohen mit Streik: "Wird das Derby vor Publikum wiederholt, wird kein Polizist im Stadion sein." Auch die Europäische Fußballunion (UEFA) ist besorgt. "Der italienische Verband muss entscheiden, aber wir beobachten den Fall ganz sicher", erklärte Generalsekretär Lars Christer Olsson. Die Aktien des händeringend nach einem Käufer suchenden AS Rom stürzten Anfang der Woche um fast 8,5 Prozent ab. Die Lazio-Papiere sind wegen der drohenden Pleite ohnehin vom Börsenhandel ausgesetzt.

Quelle: STZ/dpa
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