SZ: Alles auf eine Karte

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Ludinho
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SZ: Alles auf eine Karte

Beitrag von Ludinho »

Alles auf eine Karte

Weil das finanzielle Überleben in dritter und vierter Liga so schwierig geworden ist, riskieren immer mehr Klubs ihre Existenz. Eine Darlehenslücke könnte den Traditionsverein SG Dynamo Dresden in die Insolvenz stürzen.

Von Christoph Ruf


Die Stuttgarter Kickers sind Zweiter der ewigen Zweitligatabelle. So etwas prägt, nicht zuletzt die Mentalität im Umfeld. Dass man seit sechseinhalb Jahren in der Drittklassigkeit spielt, hat an der Anspruchshaltung in Degerloch wenig geändert.

Zu Saisonbeginn wurde Manager Joachim Cast angefeindet, als er warnte, aufgrund des traditionell kleinen Etats werde die Qualifikation zur neu geschaffenen eingleisigen dritten Liga, mithin Platz zehn, das höchste der Gefühle sein. Der neue Trainer Peter Zeidler stieß ins selbe Horn und auf taube Ohren. Anfang November konnte dann auch der Manager nicht mehr verhindern, dass Zeidler nach 15 Punkten aus 12 Spielen gehen musste. Die Kickers standen auf Platz elf, nur einen Punkt unterm Strich.

Statt der bislang 37 Drittligisten in einer Nord- und einer Südstaffel soll es künftig nur noch 20 in einer Liga geben. Der Rest wird viertklassig. Platz zehn sollte man also mindestens erreichen; unter Zeidlers Nachfolger Stefan Minkwitz sind die Kickers auf Platz 15 abgerutscht.

Alle Reserven mobilisieren

Um den Absturz doch noch zu vermeiden, wurden in Degerloch im Winter mit der Verpflichtung von drei neuen Spielern noch einmal alle Reserven mobilisiert. Dafür musste an anderer Stelle gespart werden. Statt im Winter in wärmeren Gefilden ein Trainingslager abzuhalten, ackerten die Spieler im frostigen Schwaben. 60.000 Euro brachte zudem eine "Believe in Blue" getaufte Aktion, bei der Fans und Sponsoren der Blauen einzelne Bausteine einer eigens entworfenen Homepage kaufen können.

Die Regionalliga dürfte im Sommer einige Traditionsvereine in den Ruin treiben. Die Staffel, in der die Kosten fast so hoch wie in der zweiten Liga sind, die Fernseheinnahmen aber nur 375.000 statt zwischen 3,7 und 7,5 Millionen Euro ausmachen, ist so unterfinanziert, dass ambitionierte Vereine spätestens im zweiten Jahr der Drittklassigkeit ihre Existenz gefährden. Da sie nichts zu verlieren haben, setzen viele alles auf eine Karte.

Auch in der kommenden Saison werden die Drittligisten nur 625.000 Euro bekommen. "Viel zu wenig", wie Union-Berlin-Manager Christian Beeck findet: "Das ursprüngliche Vorhaben der Reform, die dritte Liga näher an die zweite heranzuführen, ist ad absurdum geführt worden."

Dem VfB Lübeck ist das Vabanquespiel bereits zum Verhängnis geworden. Im Laufe der Saison trennte man sich von elf Spielern, um die Insolvenz abzuwenden, dennoch ist es derzeit "eine Minute vor zwölf", wie Präsident Wolfgang Piest im Fachblatt Kicker sagte. Wer die Gehälter der verbliebenen Spieler bezahlen soll, weiß derzeit niemand. Im Sommer hatte man noch die dritte Liga als Minimalziel ausgegeben.

Heute wäre der einstige Zweitligist froh, wenn er immerhin noch in der Oberliga weitermachen könnte. Auch Ligakonkurrent Dynamo Dresden räumte Mitte März eine Deckungslücke von 1,2 Millionen Euro im laufenden Etat ein. Wenn die Stadt Dresden am 10. April nicht ein erneutes Darlehen bewilligt, ist die Insolvenz nicht mehr zu vermeiden; der von Eduard Geyer trainierte Traditionsverein würde in der Bedeutungslosigkeit verschwinden.

Traditionsvereine riskieren alles

Eine Klasse tiefer, in der Oberliga, sieht es noch dramatischer aus. Aus den bislang neun Oberligen werden ab Sommer drei, die künftige Nordstaffel reicht dabei vom südlichen Sachsen über Berlin und Hamburg bis an die westfälische Grenze. Was darunter passiert, wird kaum noch einen Sponsoren interessieren. Nicht verwunderlich also, dass auch die derzeitigen Viertligisten alles daran setzen, wenigstens die Klasse zu halten.

Traditionsvereine wie der Hallesche FC oder Waldhof Mannheim haben vor der Saison alles riskiert. Riskieren müssen, wie sie sagen würden. Hinter gar nicht einmal so dicht vorgehaltener Hand geben die Verantwortlichen zu, dass ihnen im Falle des Scheiterns der komplette Absturz droht. Auch Sachsen Leipzig (Oberliga Nordost-Süd) und der VfR Mannheim (Oberliga Baden-Württemberg) kämpfen derzeit ums finanzielle Überleben, Hessen-Oberligist Darmstadt 98 hat bereits Insolvenz angemeldet.

Der KFC Uerdingen (Oberliga Nordrhein), der im Dezember bereits im Insolvenzverfahren stecke, konnte dem Teufel im letzten Moment von der Schippe springen. Es kam schließlich doch noch so viel Geld zusammen, dass der Antrag Ende Januar zurückgezogen werden konnte. Dafür brauchte man nicht weniger als drei Benefizspiele, eine Online-Versteigerung des Trainerpostens für einen Tag und einige hundert verkaufter "Retterwürste ".

(SZ vom 28.03.2008/mb)
Überlinger

Re: SZ: Alles auf eine Karte

Beitrag von Überlinger »

Ludinho hat geschrieben:....Zu Saisonbeginn wurde Manager Joachim Cast angefeindet, als er warnte, aufgrund des traditionell kleinen Etats werde die Qualifikation zur neu geschaffenen eingleisigen dritten Liga, mithin Platz zehn, das höchste der Gefühle sein. Der neue Trainer Peter Zeidler stieß ins selbe Horn und auf taube Ohren. Anfang November konnte dann auch der Manager nicht mehr verhindern, dass Zeidler nach 15 Punkten aus 12 Spielen gehen musste. Die Kickers standen auf Platz elf, nur einen Punkt unterm Strich...
Der arme Herr Cast tut mir richtig leid! Wieso stehen dann einige Vereine mit niedrigerem Etat vor uns. Dürfte ja laut Casts Rechnung auch nicht sein... :lol:

Finde den Bericht nicht sonderlich toll. Das es unter Zeidler schon wochenlang bergab ging und die Mannschaft rumstolperte wird verschwiegen. :roll:
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