STZ: Dubiose Machenschaften bei der Kickers-Jugend

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Blau&Weiß
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STZ: Dubiose Machenschaften bei der Kickers-Jugend

Beitrag von Blau&Weiß »

Dubiose Machenschaften bei der Kickers-Jugend

Ein Sponsor nimmt Einfluss auf die Trainerwahl, setzt dei Mannschaft unter Druck und bietet Spieler bei anderen Vereinen an

STUTTGART. Bei den B-Junioren des Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers geht es drunter und drüber. Und was macht die Kickers-Führung? Anstatt zu handeln, schaut sie zu. Der Jugendkoordinator ist ob der Tatenlosigkeit bereits zurückgetreten.


Von Marko Schumacher

Es ist kein neues Phänomen in der Jugendabteilung der Stuttgarter Kickers, dass Eltern gerne mal ein bisschen nachhelfen, um ihren Sprösslingen zum Sprung in die Stammformation zu verhelfen. Da wird dem Trainer ein neuer Job angeboten oder wenigstens ein entspanntes Wellness-Wochenende in einem Kurhotel im Schwarzwald. Was sich nun allerdings bei den B-Junioren der Kickers ereignet hat, das hat es auch auf der Waldau noch nicht gegeben.
Die Geschichte beginnt mit einem Trainerwechsel Anfang Oktober. Der Posten war vakant geworden, nachdem sich der alte Coach unsittlich im Inselbad herumgetrieben hatte. Kandidaten gibt es genügend - und dass die Wahl schließlich auf Edgar Gaiser fällt, hat wohl weniger mit dessen sportlichen Kompetenzen als vielmehr mit seinen guten Kontakten zu tun. Gaiser nämlich ist der Intimus eines Sponsors bei den Kickers, der gleichzeitig Talentsichter ist - und dessen Sohn wiederum kickt in eben jener B-Jugend. "Entweder Gaiser wird Trainer", soll der Sponsor gedroht haben, "oder ich kündige meine Sponsorenschaft." Die Kickers-Verantwortlichen - mit Reichtümern nicht eben gesegnet - winken die Personalie durch und haben auch nichts dagegen einzuwenden, dass der Sponsor dem Trainer nebenher noch eine kleine Aufwandsentschädigung bezahlt. Ein Sondertraining für den Sohnemann gibt es inklusive - eine Sonderbehandlung samt Stammplatzgarantie ebenso.
So weit, so schlecht. Richtig spannend wird die Geschichte, als der Sponsor sich nun endgültig in den Kopf setzt, seinen Sohn den Weg in den Profifußball zu ebnen. Der TSV 1860 München soll es sein - und so verfasst er mit Wissen des Trainers ein Schreiben, in dem er seinen Filius und bei dieser Gelegenheit gleich noch die beiden besten Spieler der Kickers-B-Jugend bei den Münchnern anbietet wie sauer Bier. Man wüsste ja nie, so ist in dem Schreiben zu lesen, wie es mit den klammen Kickers weitergehe - die Münchner Löwen seien da doch die weitaus bessere Adresse für die Nationalspieler von morgen. Ob es dort nicht vielleicht Verwendung gibt für die drei Nachwuchsstars?
In de Jugendabteilung der Löwen nimmt man das Schreiben mit Befremden zur Kenntnis. Zwar werden dort täglich Spieler angeboten - allerdings nicht von einem Sponsor des abzugebenden Vereins. Zumal die 60er und die Kickers in der gleichen Liga spielen und die drei Kicker den Löwen somit ohnehin bekannt sind. "Für uns kommen die nicht in Frage", lässt die Jugendleitung verlauten und reicht das ominöse Schreiben an die Kickers-Offiziellen weiter. Dort wundert man sich zwar über die ungewöhnlichen Machenschaften des Sponsors und Talentscouts auf Abwegen - schreitet allerdings nicht gegen ihn ein, weil man auf sein Geld angewiesen ist.
So einfach lässt sich der Fußballvater freilich nicht abspeisen von den Münchnern und veranlasst den Trainer, ein Testspiel bei 1860 auszumachen - ein Schaulaufen gewissermaßen, obwohl diese Partie erst kurz zuvor in der Regionalliga auf dem Spielplan gestanden hat. Also reist die Mannschaft Ende März nach München, wo auch die A-Junioren an jenem Wochenende bei den Bayern antreten. Einer der drei B-Jugendlichen, die so gerne zu 1860 wollen, steht dort im Kader und soll anschließend seine Künste gegen die Löwen zeigen.
Von Vereinsseite wird ihm dies offiziell und strengstens untersagt. Beirren allerdings lässt er sich nicht - auch weil er mächtige Fürsprecher in seinem Rücken weiß: den Sponsor nämlich und den Trainer, mal wieder. Also fährt der Spieler heimlich zum Testspiel, läuft dort auch auf - nur erfahren soll davon niemand. Dafür wiederum sorgen Trainer und Sponsor, die den Rest der Mannschaft massiv unter Druck setzen. Sie dürften ja niemanden erzählen, lassen die beiden in der Kabine verlauten, dass besagter Spieler mitgewirkt habe. Die Sache kommt trotzdem raus, die Verantwortlichen der Kickers erfahren davon. Auch als Test für das wichtige Abstiegsduell gegen den KSC wenig später sei der Ausflug nach München gedacht gewesen, erklärt das Trainer-Sponsor-Gespann. Die Stimmung in der Mannschaft allerdings geht immer tiefer in den Keller - und das Punktspiel gegen den KSC mit 0:5 verloren.
Den Verantwortlichen der Kickers liegt das Schreiben an 1860 München vor, sie wissen schon seit längerem, was bei den B-Junioren vor sich geht. Zum überfälligen Rauswurf des Sponsors und des Trainers haben sie sich indes noch immer nicht entschlossen - nur der Jugendkoordinator Thomas Kneißler warf jüngst verbittert den Bettel hin, weil nichts passierte. Und was sagt der Präsident? "Wenn sich alle so engagieren würden wie dieser Sponsor", so Kullen, "hätten die Kickers einige Sorgen weniger."

Quelle: Stuttgarter Zeitung vom 16. April 2004
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Felix B.
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Beitrag von Felix B. »

Na das wurd auch langsam wieder Zeit, gab schon lange keinen Skandal mehr...
Und der Bericht ist wirklich der Hammer, da fällt mir echt gar nix zu ein.

Aber: Gewichtiger Sponsor, Sohn in der B-Jugend = Di Frisco?
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Buddy
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Beitrag von Buddy »

Da fehlen einem die Worte.
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