Professioniell oder Kommerz??Bargeldlos zu Wurst und Bier
Bundesligist stellt zur nächsten Saison sein Zahlungssystem um
Stuttgart - In der Mercedes-Benz-Arena soll von der nächsten Saison an ein bargeldloses Zahlungssystem eingeführt werden. In der aktuellen Spielzeit wird die neue VfB-Fankarte noch getestet – wer keine besitzt, kann künftig in der Halbzeit keine Wurst mehr essen.
Von Markus Heffner
Knapp 44.000 Fans hat der VfB in dieser Saison bei seinen Heimspielen im Schnitt gezählt, für viele davon gehört eine Rote Wurst und ein Bierchen zur gemütlichen Halbzeitunterhaltung. Wirklich entspannend ist der Ausflug dabei allerdings meist nicht, zumal dann, wenn der Fan feststellen muss, dass er ein Tor verpasst hat, weil es vor den Wurstbuden und Zapfhähnen zu drangvoll zuging und wieder mal jemand endlos in seiner Börse gekramt hat. Doch genau damit soll demnächst Schluss sein: Der VfB ist dabei, sein Zahlungssystem umzustellen, schon von der nächsten Saison an sollen alle Geschäfte komplett bargeldlos abgewickelt werden. „Wir wollen das lästige Kleingeld im Stadion ein für allemal abschaffen“, sagt der VfB-Präsident Erwin Staudt.
Stattdessen sollen sämtliche Stadionbesucher künftig eine VfB-Fankarte im Geldbeutel haben, mit der Stadionwurst und Bier bezahlt werden können. Geplant sind zwei verschiedene Varianten. Eine sogenannte Prepaidkarte, auf die zuvor ein bestimmter Geldbetrag geladen werden muss, oder wahlweise eine klassische Kreditkarte. In beiden Fällen handelt es sich um ein Produkt des Kreditkarteninstituts Mastercard, das zusammen mit der BW-Bank die „multifunktionale Fankarte“ entwickelt hat und Partner des VfB ist. Das Ganze funktioniere schnell, zuverlässig und sei bisher einmalig in der Welt, sagt Michael Horn, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der BW-Bank.
VfB Fankarte als Kreditkarte
Zwar gibt es bereits fünf Bundesligisten, darunter etwa auch Bayern München und Schalke 04, die in ihrem Stadion schon eine solche Fankarte eingeführt haben. Das System des VfB sei aber ein grundlegend anderes und eine Pionierarbeit in Deutschland, so der VfB-Finanzvorstand Ulrich Ruf. Die anderen Modelle basierten allesamt auf einem geschlossenen System, die Fankarte sei also nur im Stadion als Zahlungsmittel einsetzbar. Wer nicht mehr ins Stadion gehe, könne in diesem Fall auch nicht auf das Geld zugreifen. Mit der VfB-Fankarte könne dagegen auch außerhalb des Stadions in jedem Schuhladen oder Kaufhaus bezahlt werden, weil sie gleichzeitig eine „normale“ Kreditkarte sei. Dadurch verbleibe auf der Fankarte auch kein Restguthaben, das gegebenenfalls dem Verein zugutekommen würde. „Einen Kredit bei den Fans aufzunehmen, die das Guthaben ja vorstrecken müssen, wäre für uns nicht infrage gekommen. Wir wollten ein faires und transparentes Zahlungssystem anbieten“, sagt Ulrich Ruf. „Den viel diskutierten Schlummergroschen hätte es bei mir nicht gegeben.“
Mit bis zu 30 Prozent mehr Umsatz an den Verkaufsständen rechnet der Finanzvorstand nach Einführung der Fankarte, mit der zudem „kontaktlos“ bezahlt werden kann. „Die Karte muss lediglich kurz an das Zahlungsterminal gehalten werden“, erklärt Peter Ehmke von Mastercard. Bei den Heimspielen gegen Bielefeld (15. November) und Schalke (30. November) soll die Karte von jeweils 500 ausgewählten Fans getestet werden. Zum Start der Rückrunde könne dann bereits an allen Kassen im Stadion mit der VfB-Karte bezahlt werden, sagt Ruf.
Mit Beginn der Saison 2009/2010 soll das Zahlungssystem im Stadion dann endgültig umgestellt und das Bargeld in den Kassen abgeschafft werden. „Wer dann keine VfB-Fankarte hat, kann im Stadion kein Bier und keine Wurst kaufen“, betont Erwin Staudt. Für die Gästefans oder seltene Besucher der Arena gebe es die Möglichkeit, sich bei speziellen Verkaufsstellen im Stadion eine nicht personalisierte Prepaidkarte zu besorgen. Nach dem Spiel könne man die Karte entweder wieder zurückgeben und sich das Pfand sowie das Restguthaben auszahlen lassen. Oder noch besser, so Staudt: „Man kann die VfB-Karte auch einfach behalten und sich damit sonst was kaufen.“
Gemeinsame Neckarpark-Karte ist möglich
Ob und wie dieses neuartige Zahlungssystem bei den Fans und Stadionbesuchern ankommt, wird dabei auch von der Stadt mit Interesse verfolgt. „Die Einführung dieses Systems könnte der erste Schritt zu einer gemeinsamen Neckarpark-Karte sein“, sagt die Sportbürgermeisterin Susanne Eisenmann. Ziel sei, dass alle Einrichtungen und Institutionen, die rund um den Cannstatter Wasen angesiedelt sind, über eine Karte abgewickelt werden – vom Stadion über die beiden Hallen bis zur Carl-Benz-Arena, dem Mercedesmuseum und anderen Sport- oder Kulturstätten. In der letzten Ausbaustufe könne dann überall bargeldlos bezahlt werden, Tickets seien über das Internet buchbar. Als Anreiz sei zudem denkbar, ein Bonussystem einzuführen und etwa einen Museumsbesuch mit einer Stadionwurst zu „belohnen“.
Die Neckarpark-Karte solle die Besucher stärker an die Örtlichkeiten binden – Gleiches soll auch die VfB-Fankarte bewirken. „Wir wollen eine längere Verweildauer der Fans im Stadion erreichen“, sagt Präsident Staudt. Dazu sei es wichtig, den Durchsatz an den Verkaufspunkten zu erhöhen.
www.stuttgarter-zeitung.de
Die Entwicklung bietet mit Sicherheit Vor- und Nachteile...
Mag es langfristig zum Standard werden, so genieße zumindest ich kurz- bis mittelfristig umso intensiver den traditionellen Fußballbesuch auf der Waldau!
Was haltet ihr davon??


