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Stuttgarter Kickers intern Woche 22/2009
Wer trägt die Schuld?
Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Genau dieses war allen Wohlgesonnenen der Kickers in dieser Saison nicht vergönnt.
Eigentlich unverständlich, ruft man sich den Verlauf der Spielzeit 2007/ 08 in Erinnerung. Die Qualifikation zur neuen Dritten Liga, ein wahrliches Last-Minute-
Geschenk. Damals hat man sich trotz aller berechtigter Freude gesagt: Solch ein Zittern dürfe wirklich nicht mehr passieren. Doch stattdessen machte man
sich freudig, nein besser gesagt wohl freudetrunken, daran, die Hausaufgaben für die Spielzeit zu machen. Dass diese Leistungen nicht zu einer neuerlichen Versetzung, sprich dem Klassenerhalt in Liga drei, genügen würden, war schon nach einigen absolvierten Begegnungen zu erkennen. Doch an dieser Stelle weiter auf das bereits erfahrene Glück zu bauen, könnte man als fahrlässig bezeichnen. »Mit Verstärkungen in der Winterpause und einer guten Rückrunde« wollte man den Fußballgott ein weiteres Mal auf seine Seite ziehen. Doch weit gefehlt. Mangelnde individuelle Qualität, sportliche sowie strukturelle Fehler und nicht vorhandener Teamgeist waren eben diesem Fußballgott einfach zu wenig. Wem muss man hier Naivität vorwerfen? Dem Trainer? Nur sehr bedingt. Stefan Minkwitz hat mit einem ähnlichen Kader die Qualifikation geschafft. Und drei Trainer in einer Saison belegen, dass hier das schwächste Glied der Kette zwar ausgetauscht wurde, aber jeweils mit mäßigem Erfolg. Also den Spielern? Schon eher, denn wenn es offentsichtlich an Qualität mangelt, muss man als Team eben andere Faktoren in die Waagschale werfen – und bitte nicht nur sporadisch. Bleiben also Vorstand und Management, die Kader und Trainer zu verantworten haben? Oder? Vorschläge bitte an die Redaktion ...
Kommentar VON RALF BACHMAYER
Sag beim Abschied leise
Servus – zurückhaltend begleiteten viele Kickers-Fans das Heimspiel ihrer Mannschaft gegen Paderborn. Nicht ohne Grund, denn Lautstärke wollen die engagierten Anhänger dagegen in ihren Forderungen einbringen. Ein wirklicher Neuanfang soll nach dieser Saison gemacht werden. Neue Wurzeln, statt
nur an den kranken Symptonen herumzudoktern. Ob es gelingt, werden die kommenden Wochen zeigen. Zuvor jedoch die Eindrücke der letzten Vorstellung.
13.02 Uhr: Noch eine halbe Stunde bis zum Anpfiff des letzten Kickers-Spiels in der dritten Liga.
13.10 Uhr: Der Gästeblock ist gut gefüllt und deutlich zu hören. Kickers-Fans sind spärlich zu sehen und vor allem ruhig.
13.19 Uhr: Die Spieler beenden das Aufwärmen.
13.25 Uhr: Das Kickers-Lied wird eingespielt, ohne große Beachtung zu finden. Die Haupttribüne ist dünn besetzt.
13.28 Uhr: Die Teams betreten den Rasen. Die Kickers werden jetzt doch vom eigenen Anhang beklatscht. Gleichzeitig sind aber etliche Unmutsäußerungen zu hören und zu sehen. So etwa das Transparent im G-Block mit der Aufschrift »Danke für nix«. Die drei Degerlocher Cornelius (21), Sebastian (27) und
Markus (36) bezeichnen sich als »nicht aktive Fans, die aber damit ihre Meinung äußern wollen«. Ihre zukünftigen Erwartungen verknüpfen sie mit personellen Veränderungen.
13.32 Uhr: Kickers-Keeper Manuel Salz wird für seine Leistungen geehrt und bekommt dafür auf Kickers-Seite großen Applaus.
13.34 Uhr: Verspäteter Anpfiff
13.48 Uhr: Im B-Block der Kickers beginnen die Fans ein eigenes Katz-und-Maus-Spielchen mit dem Sicherheitsdienst: rauf auf den Zaun, wieder runter und an einer anderen Ecke das Ganze von vorne. Das Match genießt heute keine Priorität, denn die Spieler haben im Laufe der letzten Wochen doch enorm viel Kredit verspielt.
14.17 Uhr: Kurz vor der Pause gehen die Gäste mit 1:0 in Führung.
14.39 Uhr: das 0:2 – wieder nach einer Standardsituation. Daraufhin stellen die »Blauen« ihre relativ engagierte Vorstellung aus dem ersten Durchgang unerklärlicherweise ein.
14.55 Uhr: Ein klassischer Konter bringt das 0:3.
15.09 Uhr: Symptomatische Szene für das Spiel, die Saison und das Team – Orlando Smeekes will auf eigene Faust in den Strafraum dribbeln, übersieht den besser postierten Mitspieler und bleibt hängen. Was folgt, ist ein teaminternes Gezeter – Fußball ist bei den Kickers kein Mannschaftsspiel.
15.12 Uhr: Kickers-Torsteher Manuel Salz verlässt den Platz – vom Fanclub Blau-Weiss 1977 zum Spieler der Saison gewählt. Solche Typen braucht der Verein!
15.14 Uhr: Die Kickers-Fans haben den Sicherheitsdienst lange auf Trab gehalten. In den letzten Minuten des letzten Saisonspiels wollen sie ihren Blick schon auf das wirklich Wichtige und die kommende Saison lenken. Mit »Immer wieder SVK« und »Nur nach Cannstatt geh’n wir nie« stimmen sie sich auf die demnächst anstehenden Derbys gegen Reutlingen, Ulm und Aalen ein.
15.19 Uhr: Schlusspfiff – das Kapitel 3. Liga ist für die »Blauen« beendet. Viele der Fans diskutieren jedoch ab diesem Zeitpunkt die Möglichkeiten und strukturellen Ausrichtungen für die Zukunft. Denn sie wollen die Chance, die in der Krise liegt, voll genutzt sehen. Der Vorsitzende des Fanclubs BW 77, Volker Bopp, bringt es auf den Punkt: »Tradition verpflichtet offentsichtlich nicht mehr alle Spieler, umso mehr jedoch die Fans.«
An alle Spieler: Schnell umdenken!
Abschiedsprotokoll: Kickers brauchen dringend einen Neuanfang
Chance der Krise nutzen Einer der wenigen, der sich den Respekt der Fans und Gegner verdient hat: Torwart Manuel Salz.

voll getroffen Ralf Bachmeyer und Joe Bauer haben es einfach kapiert :wink: