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Die Kickers bieten nur Kampf und Krampf
Fußball: VfL Herrenberg zieht sich bei der knappen 0:1-Niederlage in der dritten WFV-Pokalrunde prima aus der Affäre - 1000 Zuschauer
Werbung in eigener Sache wollten die Stuttgarter Kickers gestern Abend im Spiel der dritten WFV-Pokalrunde betreiben, gelungen ist das aber nur Gastgeber VfL Herrenberg. Vor rund 1000 Besuchern musste er sich gegen den Drittligisten nur denkbar knapp mit 0:1 geschlagen geben.
So voll war das Herrenberger Volksbank-Stadion schon lange nicht mehr. Vor fünf Jahren hieß es noch anders, damals kamen weit über 2000 Fans, um den VfB in einem Freundschaftsspiel zu sehen.
Gestern hingegen ging's um was. Und während der FC Bloskapell auf der Tribüne zusätzlich für Stimmung sorgte, staunten die Besucher nicht schlecht. Denn Herrenberg zeigte überhaupt keinen Respekt, ließ die Kickers-Angreifer in der Anfangsphase gleich drei Mal ins Abseits laufen.
In der vergangenen Saison waren beide Mannschaften noch durch Welten voneinander getrennt. Der VfL Herrenberg strampelte sich in der Bezirksliga erfolgreich nach oben, die Kickers kämpften in der 3. Liga vergeblich ums Überleben - macht fünf Klassen Unterschied. Der hat sich nach Auf- und Abstieg auf drei reduziert, und selbst davon war nicht viel zu sehen. Die Herrenberger betrieben einen enormen Aufwand, standen dem ballführenden Kickers-Akteur oft zu zweit auf den Zehen, hielten den haushohen Favoriten damit weit weg vom eigenen Tor. Deshalb versuchten es die Kickers vornehmlich aus der Distanz. Rizzi nahm aus 30 Metern mit seiner linken Klebe Maß - Innenpfosten (14.). Trainer Dirk Schuster draußen war trotz dieses ersten Lebenszeichens überhaupt nicht zufrieden, schickte alle seine Auswechselspieler zum Warmlaufen.
Am Spielverlauf änderte das nur wenig. Herrenberg wurde immer selbstsicherer. Hinten parierte Marco Eipper gegen Ivanusa prächtig, vorne sorgte Michael Sattler nach Vorlage von Ufuk Atalay dafür, dass Kickers-Keeper Wagner keinen ganz geruhsamen Abend erlebte. Für die Gastgeber gab's nicht nur in dieser Situation Szenenapplaus. Dann die 32. Minute: Einen Freistoßkracher von Rizzi, diesmal aus 35 Metern, drehte Eipper mit einer Hand um den Pfosten, bei der nachfolgenden Ecke klärte Max Mayer auf der eigenen Torlinie gegen Ivanusa, Dirk Prediger setzte entschlossen nach - 0:1. Das erste und einzige Mal im ersten Durchgang, dass der VfL Herrenberg nicht im Bilde war. Bilanz sonst nach 45 Minuten: 13:1 Torschüsse und 3:0 Ecken für die Kickers, aber nur ein Treffer.
Dirk Schuster reagierte noch einmal, brachte gleich vier neue Spieler. Mit mäßigem Erfolg. "Viel gebracht hat's nicht", räumte er ein, außer viel Kampf und Krampf fiel seinen Akteuren kaum etwas ein. Was natürlich auch an den Herrenbergern lag, die wenig zuließen. Die Räume wurden dicht gemacht, spätestens am eigenen Sechzehner war daher Endstation.
Den Rest besorgte der im zweiten Durchgang zwischen den Pfosten stehende Daniel Ulmer, der wie Vorgänger Eipper fehlerlos blieb. Seine erste gute Aktion hatte er nach 62 Minuten, als er gegen Ivanusa zur Stelle war, kurz war Schluss blieb er Sieger gegen Tunjic. Dazwischen lag auch der zweite Torschuss des VfL durch den eingewechselten David Peters, der aber keine Gefahr für den Kickers-Kasten bedeutete.
So plätscherte das Spiel vor sich hin. Die Kickers wurden hinten nicht gefordert, blieben im Angriff aber harmlos. "Unser primäres Ziel haben wir erreicht, wir sind eine Runde weiter und freuen uns jetzt auf das Derby gegen den SSV Reutlingen", hakte ihr Trainer Dirk Schuster das magere 1:0 dann auch ganz schnell ab. Um dem Gegner noch ein dickes Lob auszusprechen: "Herrenberg ist defensiv prima gestanden, hat gut gegen den Ball gearbeitet und war konditionell topfit." Worte, die VfL-Coach Michael Haas gerne hörte: "Großes Kompliment an meine Mannschaft für ihre Laufbereitschaft und ihren Einsatzwillen. Es war klar, dass wir defensiv auftreten, den Gegner nicht zum Zug kommen lassen." Und mit einem verschmitzten Lächeln: "Leid tut es mir ein bisschen um unsere Zuschauer, dass wir so wenige Offensivaktionen zustande gebracht haben."
Mit einer Pokalsensation hatte natürlich auch er nicht gerechnet, hofft vielmehr wie Vorstandsmitglied Markus Rühle auf positive Folgen für die Landesliga-Saison. "Für die vielen jungen Spieler sind solche Erlebnisse einmalig", sagte Rühle, "diesen Schwung wollen wir mitnehmen."
VfL Herrenberg: Eipper (46. Ulmer), Mayer, Frey (59. Peters), Brassat, Rühle, Werner (46. Weihing), Sattler, O. Yaprak (79. Hlawinka), Intemperante, Cicka, Atalay (71. Häßlich).
Stuttgarter Kickers: Wagner, Abruscia, Köpf, Rapp, Gerster (46. Steinle), Jung, Marchese (46. Grujicic), Rizzi, Ivanusa (67. Petruso), Prediger (46. Tunjic), Salz (46. Jokic).
Tore: 0:1 (32.) Prediger, Schiedsrichter: Buller (Leonberg).Zuschauer: 1000.
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