Blaues Stuttgart hat geschrieben:Mit Ländern mit Studiengebühren meinte ich andere Staaten, nicht Bundesländer. Da gibt es auch Kritik, nur eben in eine andere Richtung. Und in Ländern wie Hessen sind die Unis ohne Studiengebühren besser ausgestattet als die meisten Unis aus Bundesländern mit Studiengebühren. Man kann das Ganze auch anders finanzieren. Und in Hessen gibt es zusätzlich noch eine Planungssicherheit beim Etat der Unis und Hochschulen für die nächsten Jahre hinaus, da muss nicht jedes Jahr neu geschaut werden. Die Finanzierung steht jetzt schon für die nächsten Jahre. Eben auch weil sich Unternehmen da deutlich mehr einbringen als in anderen Bundesländern und es eine deutlich größere Kooperationsbereitschaft gibt. Unternehmen profitieren nun einmal auch von den Unis und sind gar nicht so zögerlich etwas zu zahlen, als man annehmen könnte. Diese Bereitschaft sank mit den Studiengebühren und stieg wieder mit deren Aufhebung in Hessen. Unter Strich haben die Unis und Hochschulen, vor Allem in Rhein-Main ohne Studiengebühren mehr Geld.
Klar kann man auch anders finanzieren, aber mit 500 Euro pro Semester ist man noch weit entfernt davon, das Studium zu finanzieren. Ich denke einfach, dass es gerechtfertigt ist, diese Kosten auf mehrere Schultern zu verteilen. Denn wenn es von Vater Staat kommt, fehlts halt woanders, ganz einfache Rechnung. Und was Drittmittel von Unternehmen angeht stimme ich dir grundsätzlich auch zu, funktioniert bei uns auch vergleichsweise gut, da die Unternehmen ein großes Interesse haben, bei uns vertreten zu sein und bei uns forschen zu lassen. Nur gibt es leider in Deutschland was das betrifft 2 ganz große Hindernisse: Einerseits kann ein Unternhmen nicht mal einfach so Drittmittel fließen lassen, da das recht streng reglementiert ist und andererseits gibt es leider einen riesig großen Haufen beknackter Studenten, die schon bei der geringsten Einmischung von Unternehmen (gerne auch dreckige Kapitalisten-Schweine genannt) auf die Barrikaden gehen. Das kostet uns Studenten nicht nur Geld, sondern erschwert auch enorm die Vernetzung mit der Industrie im Sinne von Abschlussarbeiten und Praktika. Daher denke ich nicht, dass die bereitschaft der Unternehmen mit den Studiengebühren in Verbindung steht, sondern einfach generell leider recht schwierig ist bei uns. Kleines Beispiel: Durch den Ruf unserer Universität versuchen Unternehmen nicht nur hier Forschung zu betreiben, sondern auch bei den Studenten "einen Fuß in die Tür" zu bekommen, was für beide Seiten Vorteile hätte. So bat z.B. ein renomierter Computer-Hersteller an, allen Studenten an unserer Uni Laptops zum Selbstkostenpreis anzubieten. Diese Laptops wären auf dem Deckel mit dem Logo der Universität (nicht des Herstellers!!!) gebranded gewesen. Nun haben wir im Vergleich zu anderen Universitäten sicherlich eine vergleichsweise Industrienahe und "kapitalistische" Studentenschaft. Dennoch wurde das Angebot vom Studierendenparlament abgelehnt mit der Begründung, man würde sich sonst ja von diesem Unternehmen kaufen lassen und sich von ihm abhängig machen. Glücklicher Weise erfuhren 99% der Studenten nicht einmal etwas von dem Angebot geschweige denn von dem haarsträubenden Entschluss des Parlaments, denn solch ein Verhalten ist rational einfach nicht mehr erklärbar.
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