Wiesbaden (dpa) - "Hartz IV" ist das Wort des Jahres 2004. Das gab die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) am Freitag in Wiesbaden bekannt. Das nach dem VW-Personalchef Peter Hartz benannte Gesetz zur Arbeitsmarkt- und Sozialhilfereform habe die öffentliche Diskussion deutlich geprägt und sich in Wortbildungen wie "verhartzter Sommer" inzwischen verselbstständigt, hieß es zur Begründung.
Auf Platz zwei kam das Wort "Parallelgesellschaften" in der Debatte um die Integration von Ausländern. Platz drei belegte der Ausdruck "Pisa-gebeutelte-Nation", der auf das schlechte Abschneiden Deutschlands im gleichnamigen Schultest abzielt. Unter den aus 3000 Vorschlägen ausgewählten Wörtern des Jahres sind mit "gefühlte Armut" (Platz 4), "Praxisgebühr (6) und "Ein-Euro-Job" weitere Begriffe, die sich auf die Kürzungen im Sozialsystem und Umwälzungen am Arbeitsmarkt beziehen.
Die damit verbundenen Ängste spiegelten sich in zahlreichen Vorschlägen wider und hätten die Stimmung im zu Ende gehenden Jahr beeinflusst, sagte Jurymitglied Lutz Kuntzsch. Dazu passe auch die aus dem Sport stammende und 2004 sehr beliebte Formulierung, eine Partei oder ein Unternehmen habe sich neu "aufgestellt". Die Jury wählte den Begriff auf Platz 8.
Auf Platz 5 kam "Ekelfernsehen" als negativ wertende Bezeichnung neuartiger Fernsehsendungen. Platz 9 belegte die Wortschöpfung "Rehakles" für den deutschen Fußball-Trainer Otto Rehhagel, der die griechische Nationalmannschaft überraschend zum Sieg bei der Europameisterschaft geführt hatte. Die heroisch klingende Neubildung lehne sich unverkennbar an den griechischen Helden der Antike Herakles an. Auf Platz 10 wählte die Jury den Ausdruck "& mehr", der nach englischem Vorbild zum Beispiel in "miles & more", "Computer & mehr" oder "Erholung & mehr" einen Zusatznutzen verspreche.
Seit mehr als 30 Jahren kürt die Sprachgesellschaft Ausdrücke, die den öffentlichen Sprachgebrauch des jeweiligen Jahres maßgeblich beeinflussen. Dabei gibt es zahlreiche Vorschläge von außen; in diesem Jahr hätten mehr als 500 Menschen ihr Wort des Jahres mit Begründung eingereicht, sagte Kuntzsch.
Es gehe dabei um Begriffe, die auch nach längerer Zeit noch Bestand hätten, sagte der GfdS-Vorsitzende Prof. Rudolf Hoberg. "Wenn die ganze Literatur seit den 70er Jahren verloren gehen würde, könnte man aus unseren Wörtern eine kleine Kulturgeschichte des Landes schreiben." 2001 war "Der 11. September" Wort des Jahres, 2002 "Teuro" und im vergangenen Jahr "Das alte Europa".
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"Hartz IV" ist Wort des Jahres 2004"
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