Den Frust schnell aus den Köpfen bekommen
Nur drei Tagen blieben Bruno Labbadia, um die Spieler wieder aufzurichten
GUTE ERINNERUNGEN: Ihre ersten Treffer für den SV Darmstadt 98 erzielten Matias Cenci (links) und Alexandre Pölking im Oktober beim 3:1-Sieg bei den Stuttgarter Kickers. Beide Mannschaften stehen sich nun in Darmstadt gegenüber. (Archivfoto: Herbert Krämer)
Nur drei Tagen blieben Bruno Labbadia, um die Spieler des SV Darmstadt 98 wieder aufzurichten. Dabei machte sich der Trainer des Tabellenvierten der Fußball-Regionalliga Süd keine Sorgen um die körperliche Substanz.
Nach dem 1:2 am Dienstag gegen Augsburg sieht er seine Hauptaufgabe darin, „diese Niederlage so schnell wie möglich aus den Köpfen zu bekommen. Denn die Enttäuschung war riesig.“ Seine Mannschaft habe fest an sich geglaubt, alles gegeben. „Aber sie wurde nicht belohnt.“ Das beste Mittel gegen den Frust wäre ein Sieg am Freitag (22.04. / 19.30 Uhr / Böllenfalltor) gegen die Stuttgarter Kickers.
Der Abstand des SV 98 auf den zweiten (aufstiegsberechtigten) Tabellenplatz ist nach dem 2:0 der Sportfreunde Siegen gegen den SV Wehen auf sechs Punkte angewachsen. Die Aufstiegschancen sind gesunken, aber nicht dahin. Denn acht Spieltage stehen noch an – am letzten übrigens erwartet der SV 98 am Böllenfalltor SF Siegen.
Es ist in erster Linie die schwache Heimbilanz, die die Darmstädter Aufstiegshoffnungen durchkreuzt. Sechs Siege, zwei Unentschieden und bereits fünf Niederlagen stehen zu Buche. Bislang holte der SV 98 auswärts mehr Punkte (22) als vor heimischer Kulisse (20).
Zahlenspiele, die Labbadia nicht überbewertet. „Wir haben bislang eine sehr positive Saison gespielt und lassen uns auch nicht durch solch eine Niederlage wie gegen Augsburg zurückwerfen. Wir schauen von Spieltag zu Spieltag. Und werden alles versuchen, um noch mal oben dran zu kommen.“
Allerdings hat es fast den Anschein, als ginge dies am Darmstädter Publikum fast unbemerkt vorbei. Nur 3300 Zuschauer kamen am Dienstag Abend – enttäuschend für eine Partie, in der der SV 98 zumindest für einen Tag den zweiten Tabellenplatz hätte einnehmen können.
„Wir haben ein tolles Stammpublikum von 3000 bis 3500 Zuschauern, das uns wie auch am Dienstag stark unterstützt und die Leistungen honoriert“, erinnert Labbadia an die Minuten nach dem Abpfiff, als die sichtlich deprimierten Spieler von den Rängen aus – trotz der Niederlage – gefeiert wurden.
Ist damit das Zuschauerpotenzial wirklich schon ausgereizt? Oder war es am Dienstag schlicht nur Pech: Bis am späten Nachmittag hatte es in Strömen geregnet, zudem kollidierte die Partie des SV 98 mit der Live-Übertragung des DFB-Pokalspiels zwischen Bremen und Schalke.
Gegen Stuttgart muss Labbadia auf Stefan Leitl verzichten, der nach der fünften gelben Karte gesperrt ist. Für ihn könnte Sachar Theres in die Anfangsformation zurückkehren. „Da hab ich mir noch keine abschließenden Gedanken gemacht“, bleibt Labbadia seiner Linie treu, die Aufstellung unter Verschluss zu halten.
Gleiches gilt auch für die Spielweise der Darmstädter, die der Trainer auch nach einer Niederlage unbeeindruckt fortsetzen will: Offensiv-Fußball, früh attackieren, den Gegner gar nicht erst ins Spiel finden lassen. „Das ist unsere Stärke, warum sollten wir da was ändern?“ Mit folgender Aufstellung ist zu rechnen: Becker – Kern, Uster, Grassow, Wolf – Ilicevic, Juskic, Pölking, Theres (Hasa) – Beigang, Cenci.
Wirtschaftlich sind die Voraussetzungen für die Zweite Liga geschaffen. Die Lizenz bekäme der SV 98 ohne jegliche Bedingungen oder schwerwiegende Auflagen erteilt. Lediglich den üblichen Auflagen, die fast alle Profivereine erhielten – regelmäßige Berichte über die wirtschaftliche Situation – müssten die Darmstädter im Falle des Aufstiegs nachkommen.
Einige Probleme könnten jedoch durch das marode Stadion entstehen. Am Mittwoch fand eine Begutachtung durch den Deutschen Fußball-Bund statt. Welche baulichen Maßnahmen am und im Böllenfalltorstadion vorgenommen werden müssen, erfährt der SV 98 (und die Stadt) in den nächsten Tagen.
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