Fusion mit großer Mehrheit beschlossen
Wer Robert Kilin am kommenden Samstag mit einem leicht verwirrten Gesichtsausdruck antrifft, sollte Verständnis aufbringen. Wegen der Kooperation des FC Bayern mit der SpVgg Hof betreut der hauptamtliche Jugendtrainer derzeit bei beiden Klubs die Nachwuchsmannschaften. Um 11 Uhr trifft die von Kilin trainierte D-Jugend der Bayern im Stadtderby auf die „Spotzer“. Deren Trainingsanzug wird sich Kilin am Nachmittag überstreifen. Um 15 Uhr spielt seine A-Jugend in der Bezirksoberliga dann ausgerechnet gegen den FC Bayern Hof.
Hofs OB Dieter Döhla (v.r.) und der Bürgermeisterkandiat der CSU, Harald Fichtner, zeigen sich gegenseitig die gelbe Karte: wie 153 andere Mitglieder des FC Bayern Hof stimmten sie für die Fusion - Foto: Stettner
In der kommenden Saison wird der ehemalige Jugendnationalspieler nicht mehr zweimal hintereinander gegen seinen eigenen Klub antreten müssen. Da „Spotzer“ und Bayern dann ein einziger Klub sein werden, wird pro Spielklasse nur noch eine Mannschaft antreten können. Den Weg zur „SpVgg Bayern Hof“ - so wird der gemeinsame Klub ab 1. Juli heißen - legten die Mitglieder beider Vereine am Mittwochabend in der Hofer Freiheitshalle.
In zwei gleichzeitig stattfindenden Mitgliederversammlungen, die die beiden Präsidien nur zu diesem Zweck zusammengerufen haben, wurde der Verschmelzungsvertrag mit den erforderlichen Drei-Viertel-Mehrheiten akzeptiert. Den dornigeren Weg hatten dabei die Mitglieder der Spielvereinigung zurück zu legen. Mit ihrer Ja-Stimme willigten sie darin ein, dass das gesamte Vermögen ihres Vereins auf den FC Bayern Hof übertragen wird.
Die Bayern nahmen die „Spotzer“ im Gegenzug als Mitglieder auf und ersetzten in einer weiteren Abstimmung den „Fußballklub“ in ihrem Vereinsnamen durch das Wort „Spielvereinigung“. Nur fünf der anwesenden 163 stimmberechtigten Bayern widersetzten sich der Umbenennung. Reiner Denzler, 1. Vorsitzender des FC Bayern, hatte zuvor auf Anfrage aus dem Plenum eine Passage des Vertrags erläutert, nach der eine Ablehnung der Umbenennung die gesamte Fusion hinfällig machen würde.
Drohender Rückzug der Großsponsoren abgewendet
Ein Scheitern der Verschmelzung hätte jedoch das Ende des FC Bayern Hof bedeutet. Der 2. Vorsitzende, Claus Lippert, hatte in seiner Begrüßungsrede angekündigt, dass sich der von ihm vertretene Großsponsor nicht mehr weiterhin für den alten FC Bayern engagieren würde. In einem von Lippert vorgetragenen Brief ließ Jürgen Küspert, Geschäftsführer des Hauptsponsors Gealan, das Gleiche ausrichten.
Lippert versuchte darzulegen, dass die demographische Entwicklung in Deutschland sowie das wirtschaftliche und sportliche Umfeld in Hof eine „Verschmelzung unvermeidlich“ machten. So musste der ATS Hof/West bereits aus Mangel an Spielern seine A-Jugend vom Spielbetrieb abmelden. Ins gleiche Horn stieß Dieter Goller. Der Präsident der Spielvereinigung benannte den Schaden für die Fußballstadt Hof, der in der Vergangenheit dadurch entstanden sei, dass sich Bayern und „Spotzer“ im Jugendbereich gegenseitig die besten Spieler weggenommen hätten. Ein wirkliches Auswahlteam der besten Talente gebe es erst, seit beide Vereine kooperierten.
Sein Vorstandskollege von den Bayern, Reiner Denzler, hatte zuvor daran erinnert, dass ein Austausch von Spielern die B-Jugend der Spielvereinigung verstärkt habe. Nach dem Aufstieg in die Bayernliga hätten die „Spotzer“ zu Beginn der Saison 2004/05 nicht über ausreichend qualifizierte Spieler verfügt. Durch die Kooperation könne die neue Klasse zum Wohle der Fußballstadt Hof gehalten werden. Gleichermaßen stehe auch die A-Jugend der Spielvereinigung, die mit Spielern aus Robert Kilins Mannschaft aufgefüllt wurde, vor dem Aufstieg in die Bayernliga.
Das Kernstück der Kooperation ist nach Denzlers Worten jedoch die Übernahme der zweiten Mannschaft des FC Bayern Hof durch die Spielvereinigung. Da sich die Bayern den sportlichen Erfolg ihrer „Fohlenelf“ finanziell nicht mehr leisten konnten, meldeten die „Spotzer“ ihre Mannschaft in der Kreisliga ab und sprangen zwei Ligen weiter oben in die Bresche.
Die Fusion sei nun die logische Konsequenz der engen Verzahnung beider Traditionsvereine. Das Zusammenspiel im Jugendbereich hat laut Denzler unter den Nachwuchskickern und deren Eltern bereits zu einem Abbau alter Vorurteile geführt. Nun sollten auch die restlichen Mitglieder durch ihre Zustimmung zum Verschmelzungsvertrag unter Beweis stellen, dass man „in Hof in der Lage ist, altes Konkurrenzdenken zu überwinden.“
Kritik äußerte der frühere Bayern-Vorstand Albrecht Schneider. Es bedürfe gewichtiger Gründe, wenn die Existenz zweier Traditionsvereine ausgelöscht werden solle. Das von den Präsidiumsmitgliedern Vorgetragene sei Wunschdenken, nicht logische Folge der Fusion, und habe ihn deshalb nicht überzeugt. Derselben Meinung wie Schneider waren sieben Mitglieder der Spielvereinigung und vier der Bayern.
Die 71 bzw. 155 anderen Stimmberechtigten (jeweils vier versteckte Enthaltungen) folgten hingegen dem 2. Bayern-Vorsitzenden Claus Lippert. Lippert betonte, dass mit der Fusion kein neuer Verein entstehe, sondern sich zwei Traditionsvereine ab nun gemeinsam den wirtschaftlichen Zwängen stellten. Für ihn als Mitglied beider Klubs sei es besonders wichtig, dass kein Verein aufgelöst werden muss. Denn: „Tradition ist wichtig. Aber von Tradition allein wird kein Verein am Leben bleiben!“
www.bayern-hof.de
FC Bayern Hof fusioniert
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