Serie über Traditionsvereine im Süden

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Blauer Bayer
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Serie über Traditionsvereine im Süden

Beitrag von Blauer Bayer »

Spiegel online startet eine recht interessante Serie:


Süddeutsche Traditionsvereine

Sorgen, die im Wein schwimmen

Von Thorsten Stegemann

Hof wurde einmal zur fußballfreudigsten Stadt Deutschlands gewählt, der Freiburger FC stand oft auf dem Sprung in die erste Bundesliga. Wie geht es diesen süddeutschen Traditionsvereinen heute? SPIEGEL ONLINE besuchte Clubs, deren besten Zeiten lange zurückliegen.

Waldhof Mannheim: Am Anfang war ein "Schlammloch"

11. April 1907: Im Lokal "Zum Tannenbaum" gründen 42 Mannheimer Fußballfreunde den SV Waldhof 07. Einige von ihnen waren zuvor in der "Fußballgesellschaft Ramelia" aktiv und bringen gleich ihr eigenes Spielfeld mit. Doch das Viereck hat seine Tücken. Ortskundige nennen es aus gutem Grund "Das Schlammloch", und so dauert es einige Jahre, bis sich die hiesige Fußballschule zu voller Blüte entwickelt. Doch schon in den zwanziger Jahren kann der Verein mit großen Namen aufwarten. In seinen Reihen spielen der spätere Fußball-Übervater Sepp Herberger, Nationalspieler Karl Höger - und das Training bekommt durch den englischen Coach William Townley internationales Flair.

Waldhof macht eine gute Figur in den verschiedenen Ligen, doch der große Durchbruch gelingt den Mannheimern erst in den späten siebziger und achtziger Jahren. Zunächst etablieren sie sich in der zweiten Bundesliga, 1983 schaffen die "Waldhof-Buben" sogar den Sprung ins Fußballoberhaus. Mit Stars wie Fritz Walter oder Jürgen Kohler und dem Traineroriginal Klaus Schlappner kann sich der Verein einige Jahre in der Bundesliga etablieren.

Nach dem Abstieg 1990 versuchen bekannte Trainer wie Klaus Toppmöller, Uli Stielike, noch einmal Schlappner oder Uwe Rapolder, wieder an große Zeiten anzuknüpfen. Vergeblich. 2003 steigt Waldhof aus der zweiten Bundesliga ab, muss danach ein Insolvenzverfahren über sich ergehen lassen und spielt heute in der Oberliga Baden-Württemberg. Hier kommt es - unter den Augen von Sportdirektor Maurizio Gaudino und drei- bis viertausend treuen Zuschauern - nun regelmäßig zu Lokalderbys mit dem VfR Mannheim, der 1911 gegründet wurde, sich aber auf die "Mannheimer Fussball Gesellschaft" von 1896 zurückführt.

Der VfR stand meist im Schatten der Waldhöfer und gab Mitte der siebziger Jahre auch nur ein kurzes Gastspiel in der zweiten Liga. Trotzdem gelang es dem Erzrivalen vor über achtzig Jahren Sepp Herberger abzuwerben und zudem 1949 einen Deutschen Meistertitel nach Mannheim zu holen. Damals besiegte der Verein für Rasenspiele Borussia Dortmund im Finale mit 3:2 Toren und konnte sich als erster Club in die neue Meisterschale eingravieren lassen. Mehrere Versuche, die Mannheimer Traditionsvereine zu fusionieren, scheiterten an den fortdauernden Rivalitäten beider Clubs.

Würzburger Kickers, FV 04 Würzburg: Stadion als WM-Quartier

Der Würzburger Fußball sorgte in den vergangenen rund 100 Jahren vorwiegend für regionale Aufmerksamkeit, doch in den siebziger Jahren schafften es die Franken immerhin in die zweithöchste deutsche Spielklasse. Und das gleich mit zwei Vereinen, denn der FV 04 Würzburg war von 1976 bis 1980 in der Südliga vertreten; auch die Würzburger Kickers schafften es in diese Klasse - wenn auch nur in der Saison 1977/78.

Die 1907 gegründeten Kickers rutschten bald wieder in untere Amateurregionen, sicherten sich in der abgelaufenen Saison 2004/05 mit 17 Punkten Vorsprung allerdings die Meisterschaft in der Bezirksoberliga Unterfranken und damit den Aufstieg in die Landesliga, in der die Dauerkarte 65 Euro kostet. Kein schlechter Zeitpunkt, denn das Stadion am Dallenberg soll 2006 als WM-Quartier dienen.

Der FV 04 musste 1981 mit einem Schuldenberg von 2,5 Millionen Mark Konkurs anmelden. Sogar das Stadion an der Frankfurter Straße wurde versteigert. Doch der Stolz des traditionsreichen Arbeiterstadtteils Zellerau stand schneller auf als er untergegangen war.

Am 22. Mai 1981 gründeten unverdrossene Nullvierer um Vereinsheld Sepp Endres, der insgesamt 1000 Spiele für den Club absolviert haben soll, den Würzburger FV. Der Club begann in der C-Klasse und arbeitete sich bis 1999 langsam, aber stetig wieder in die Bayernliga vor. Es folgten einige Rückschläge, zu denen sicher auch das 0:10 im DFB-Pokal gegen 1860 München gezählt werden darf, aber die vergangene Saison war wieder von Erfolg gekrönt. Nach 36 hart umkämpften Spieltagen wurde der FV Meister der Landesliga Nord und gehört fortan wieder zur vierthöchsten deutschen Spielklasse.

FC Bayern Hof: Hoffnung durch Fusion

Für den FC Bayern Hof reichte es in dieser Saison der bayerischen Landesliga Nord zur zu Rang zwei - hinter Würzburg. Trotzdem nehmen die Verantwortlichen am ruhmreichen Stadion "Grüne Au" den Verbleib in der Landesliga verhältnismäßig gelassen, denn die Vereinschronik liest sich wie eine Geschichte der verpassten Chancen. Der Club, der 1911 aus Begeisterung für das Mutterland des Fußballs als "FC Britannia Hof" gegründet wurde, versuchte es dreimal vergeblich, in der Fußball-Bundesliga Aufnahme zu finden. Doch die Bayern spielten über mehrere Jahrzehnte gleichwohl eine hervorragende Rolle im deutschen Fußball. Die "Münchner Abendzeitung" kürte Hof 1960 zur "fußballfreudigsten Stadt Deutschlands", auch als Zweitligateam sorgte der FC mit Leistungsträgern wie Bobby Breuer oder Walter Greim für einiges Aufsehen.

Erst mit dem Abstieg aus der Südliga im Jahr 1978 verabschiedeten sich die Gelb-Schwarzen aus dem bezahlten Fußball. Auch Lorenz-Günther Köstner, der einst in der Jugendauswahl von Bayern Hof gespielt hatte und in der Saison 1982/83 die Mannschaft trainiert hatte, konnte den Absturz nicht verhindern. Nach einigem Hin und Her sind die Oberfranken in der Landesliga angekommen.

Zu den Heimspielen, die vor einem halben Jahrhundert von knapp 20.000 Fans besucht wurden, kommen derzeit nur etwa 800 Zuschauer, die sich allerdings gute Chancen ausrechnen, demnächst wenigstens wieder in der Oberliga zu spielen. Dieses Ziel ist durchaus realistisch, denn durch die Fusion mit der SpVgg Hof konnten Anfang Mai existenzgefährdende wirtschaftliche Probleme vorerst abgewendet werden. Der Traditionsclub wird allerdings nun SpVgg Bayern Hof heißen.

Freiburger FC: Keine Häme beim Nachbarn

Der Freiburger FC wurde 1897 gegründet, umgehend Süddeutscher Meister und zehn Jahre später - nach einem 3:1-Sieg gegen Viktoria 89 Berlin - sogar Deutscher Meister. Zu dieser Zeit hieß der SC Freiburg noch Freiburger Fußballverein 04 und bekam vom Stadtrat nicht mal einen eigenen Rasenplatz zugewiesen. Schlimmer noch: Auf Antrag des Lokalrivalen musste der Vereinsname in "Sportverein 04" geändert werden, und 1912 stand auch noch eine Fusion mit dem FC Union Freiburg zum Sportclub Freiburg auf der Tagesordnung.

Ein knappes Jahrhundert später hatten die Vereine die Rollen getauscht. Nun stand der FC kurz vor dem Konkurs und musste das altehrwürdige, aber leider baufällige Möslestadion an den SC abtreten. Hier steht heute die Freiburger Fußballschule, und während der FC verzweifelt versucht, aus der Verbandsliga Süd herauszukommen, wird beim Nachbarn akribisch die Rückkehr in die Fußball-Bundesliga geplant. "Häme über diese Entwicklung gibt es beim Sportclub keine, im Gegenteil", versichert Vereinschronist Toni Nachbar.

Das Ende der siebziger und den Beginn der achtziger Jahre erlebten beide Clubs in der zweiten Bundesliga. Der FC hatte zuvor ernsthafte Ambitionen, erstklassig zu werden. Doch nach dem Abstieg 1982 kam der Verein, der heute noch 980 Mitglieder zählt, aus dem Tritt, während der Lokalrivale, der sich in den ersten Nachkriegsjahrzehnten irgendwo in der Tiefe des Raumes versteckt hatte, plötzlich die Überholspur entdeckte und sich schließlich sogar für den UEFA-Pokal qualifizierte.

Aber wer weiß schon, wie die Geschichte weitergeht? Der ehemalige Bundesligaprofi und jetzige FC-Trainer Maximilian Heidenreich, der die Badener seit 2001 betreut, hat seinen Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert, damit sein Team vielleicht noch einmal namhaftere Gegner bekommt als Bad Dürrheim, Steinen-Höllstein, Teningen, Bötzingen oder die zweite Mannschaft des SC Pfullendorf.

FC 04 Ingolstadt: Männer und Eisenbahner vereint

Am 1. Juli 2004 verabschiedeten sich der ESV und der MTV Ingolstadt von ihren Fußballabteilungen, die beiden Vereinen in den späten siebziger Jahren zu kurzfristigem Zweitliga-Ruhm verholfen hatten. Der Männer-Turn-Verein stieg 1978 in die Südliga auf und zwei Jahre später wieder ab, der Eisenbahner-Sportverein, der bereits von 1962 bis 1966 und von 1968 bis 1972 in der zweithöchsten deutschen Spielklasse aktiv gewesen war, machte es den Kollegen 1979 nach, musste nach zwei Jahren aber ebenfalls den Rückweg ins Amateurlager antreten. Am 18. August 1979 und am 9. Februar 1980 fanden folgerichtig die beiden einzigen Lokalderbys in der zweiten Bundesliga statt. Der MTV gewann das erste mit 2:1 Toren, das Rückspiel endete 2:2.

Nach dem Abstieg beider Teams herrschte fußballerische Tristesse in der ehemaligen Haupt- und Residenzstadt des Herzogtums Bayern-Ingolstadt. Dazu passt das Motto der MTV-Vereinsgaststätte: "Ich suchte meine Sorgen im Wein zu ertränken - aber die Biester können schwimmen!"

Doch der Nachfolgeverein lässt die Fans nun wieder hoffen. Der FC Ingolstadt 04 qualifizierte sich über den bayerischen Toto-Cup für die 1. Hauptrunde im DFB-Pokal, belegte hinter der SpVgg Bayreuth den zweiten Tabellenplatz und verpasste den Aufstieg in die Regionalliga Süd am Ende nur um einen einzigen Punkt. "Gemessen am Trainingsfleiß und Charakter der Mannschaft sind wir schon Meister. Aber was uns fehlt, ist die spielerische Klasse. Der FC Ingolstadt ist noch nicht reif für die Regionalliga, das sieht man ja auch an der Zuschauerzahl", erklärte Trainer Jürgen Press nach dem 2:2 gegen den 1. FC Passau, das Anfang Mai gerade einmal 450 Zuschauer sehen wollten. Dabei ständen im Stadion am Kreuzweg eigentlich 8000 Plätze zur Verfügung.

In der nächsten Folge stellen wir folgende Vereine vor: KSV Baunatal, VfB Eppingen, SpVgg Bayreuth und FK Pirmasens.


http://www.spiegel.de/sport/fussball/0, ... 77,00.html
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SIR Andrew
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Re: Serie über Traditionsvereine im Süden

Beitrag von SIR Andrew »

@Blauer Bayer:
Bitte auf dem Laufenden halten - sehr interessant!
Danke! :D
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Blauer Bayer
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Re: Serie über Traditionsvereine im Süden

Beitrag von Blauer Bayer »

SIR Andrew hat geschrieben:@Blauer Bayer:
Bitte auf dem Laufenden halten - sehr interessant!
Danke! :D
Wird gemacht. :wink:
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Felix B.
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Beitrag von Felix B. »

Sehr interessant, aber irgendwie auch traurig zu lesen was aus den ganzen Traditionsvereinen geworden ist.
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Blauer Bayer
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Beitrag von Blauer Bayer »

Und es geht bereits weiter:

http://www.spiegel.de/sport/fussball/0, ... 12,00.html


Als der "Knacker" die Bayern besiegte

Von Thorsten Stegemann

Dass der FK Pirmasens einmal zweitklassig war, wissen nicht mehr viele. Und was aus dem KSV Baunatal geworden ist, auch nicht. Wie geht es diesen süddeutschen Traditionsvereinen heute? SPIEGEL ONLINE besuchte Clubs, deren beste Zeiten lange zurückliegen.



KSV Baunatal: In Konkurrenz zu Flamencotänzern

Der Kultur- und Sportverein Baunatal entstand 1964 aus einem Zusammenschluss des "KSV Altenritte" und des "KSV Altenbauna", verfolgt die eigene Geschichte aber bis zum 1892 gegründeten Turnverein "Gut Heil" zurück. 1976 kam der KSV in die Zweite Bundesliga, entging zweimal knapp dem Abstieg, bevor im dritten Jahr nach 12 Siegen, 2 Unentschieden und 24 Niederlagen dann doch das Aus kam.

Baunatal verschlug es in der Folgezeit bis in die Landesliga, und so setzte der Club auf junge Talente aus den eigenen Reihen. Spieler wie Thomas Pfannkuch oder Michael Mason machten schließlich bei größeren Vereinen Karriere, die anderen brachten den KSV langsam, aber sicher wieder auf Kurs.

In der Oberliga Hessen belegte das Team des früheren Jugendtrainers Bernd Lichte gerade einen soliden vierten Tabellenplatz und stellte mit Adem Usta zudem den besten Torschützen. Der 24 Jahre alte Türke erzielte in 34 Spielen 31 Treffer.

Und wenn es mal wieder schlechter laufen sollte, wissen sich die Baunataler vermutlich auch zu helfen. Im größten Sportverein Nordhessens sind die Fußballer ohnehin in der Unterzahl. Schließlich wird beim KSV auch Aerobic, Flamenco, HipHop, Inline-Skating, Ju-Jutsu, Kickboxen, Kunstradsport, Sportakrobatik, Tauchen, Trampolin, Wandern und vieles andere mehr angeboten.

VfB Eppingen: Heimatkunde für den HSV

Im Herbst 1974 sah sich HSV-Trainer Kuno Klötzer genötigt, eine Landkarte zu Rate zu ziehen. In der zweiten Runde des DFB-Pokals sollte sein Starensemble beim nordbadischen Pokalsieger VfB Eppingen antreten, aber die Bundesligaspieler wussten nicht so recht, wohin die Reise gehen würde. Als die Stars wie Kargus oder Kaltz das mit 12.000 Zuschauern gefüllte Kraichgaustadion wieder verließen, waren sie besser informiert - und nach einer redlich verdienten 1:2-Niederlage aus dem Wettbewerb ausgeschieden.

Sechs Jahre später machten die Eppinger noch einmal bundesweit auf sich aufmerksam. In der Saison 1980/81 spielten sie in der Zweiten Bundesliga Süd, wurden als Tabellenletzter aber umgehend wieder ins Amateurlager versetzt. Eine Ursache für den Abstieg war die katastrophale Auswärtsbilanz - in 19 Spielen gelang dem VfB kein einziger Sieg auf des Gegners Platz. Mittlerweile funktioniert das besser, allerdings können die Eppinger ihre Spielkünste auch nur noch in der Landesliga Rhein-Neckar unter Beweis stellen. Aber hier rangierte in der Saison 2004/05 nur der FC Zuzenhausen vor dem VfB.

SpVgg Bayreuth: Wieder drittklassig

In fußballerischer Hinsicht war auf die weltberühmte Festspielstadt nie Verlass. Der 1921 gegründete Arbeitersportverein, der kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten als "Brutstätte des Widerstands" aufgelöst, in FSV Bayreuth umbenannt und 1945 als Spielvereinigung wiederbelebt wurde, pirschte sich nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Kreisliga Oberfranken Ost in die zweithöchste deutsche Spielklasse vor.

Auf dem Umweg über die Amateurliga Bayern meldeten sich die Bayreuther mit ihrer Torfabrik Manfred "Manne" Größler in den siebziger Jahren zurück und qualifizierten sich 1979 sogar für die Relegationsspiele zur Ersten Bundesliga, die gegen Bayer Uerdingen allerdings 1:1 und 1:2 endeten. Ein Jahr später warf die Spielvereinigung den amtierenden Deutschen Meister Bayern München durch einen Treffer von Uwe "Knacker" Sommerer aus dem DFB-Pokal und scheiterte erst im Viertelfinale an Schalke 04.

Es folgte ein steter Wechsel zwischen der Zweiter Bundesliga und der Amateur-Oberliga Bayern: 1982 Abstieg, 1985 Aufstieg, 1986 Abstieg, 1987 Aufstieg und 1990 wieder Abstieg. Anschließend stürzte die die Spielvereinigung bis in die Landesliga Nordbayern ab, und erst im neuen Jahrtausend war wieder ein Aufwärtstrend zu verzeichnen. Bayreuth stieg in die Oberliga auf und feierte hier Ende Mai den ersehnten Meistertitel und den Aufstieg in die Regionalliga Süd. Die Gelb-Schwarzen sind also wieder drittklassig - übrigens sehr zur Freude ihrer Stadt, deren Oberbürgermeister Dieter Mronz alle Spieler mit der "kleinen Medaille in Silber" auszeichnete und den Traditionsverein zum "Flaggschiff des Fußballs in Bayreuth und Oberfranken" erklärte. Und ein prominenter Zugang ist ebenfalls zum Verein gewechselt: Martin Driller, zuletzt Erst- und Zweitligastürmer beim 1. FC Nürnberg, spielt ab sofort in Bayreuth.

FK Pirmasens: Tage der offenen Tore

Die Saison 1977/78 verbrachte Pirmasens in der Zweiten Liga Süd - mit einer desaströsen Bilanz. Nach 38 Spielen verbuchte der FK einen einzigen Sieg (3:0 gegen den FSV Frankfurt am 28. Spieltag), vier Remis - aber 33 Niederlagen. Auch in den letzten Saisonspielen, als der Abstieg längst besiegelt war, ließen die wenigstens Gegner Gnade walten. In Bayreuth verlor Pirmasens 1:7, daheim gegen Oli Bürstadt 0:9, gegen den SV Darmstadt 98 1:6 (das damit seinen Aufstieg in die erste Liga sicherte), und zum Abschied gab es in Augsburg noch ein 0:8. Das Torverhältnis betrug schließlich 25:120, die Torfdifferenz damit minus 95.

1975 hatte Pirmasens hinter dem Karlsruher SC noch den zweiten Platz belegt und auch zuvor eine gute Rolle im Südwesten der Republik gespielt. Doch nach dem Abstieg musste der FK eine lange Durstrecke überwinden, die bis in die Verbands- und Landesliga führte. Derzeit gönnt sich der 1903 gegründete Verein einen geruhsamen Mittelfeldplatz in der Oberliga Südwest.

Es gibt kaum Grund zur Aufregung im Sportpark Husterhöhe, allerdings dürften sich die älteren Zuschauer am 31. Spieltag der abgelaufenen Saison mit leichtem Schaudern an jenen fußballerischen Offenbarungseid erinnert haben, von dem bereits die Rede war. An diesem unscheinbaren Freitagabend, Ende April 2005, verlor der FK Pirmasens im eigenen Stadion gegen den FC Homburg mit 0:7 Toren.

In der nächsten Folge stellen wir folgende Vereine vor: 1. FC Schweinfurt 05, FC Augsburg, KSV Hessen Kassel und VfR Wormatia 08 Worms

:shock: Augsburg. Hm, na hoffentlich kommen wir nicht auch noch dran... :oops:
Tüten-Tim

Beitrag von Tüten-Tim »

Würde mir auf jeden Fall noch den BSV Schwenningen wünschen :idea:
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Horschdi
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Re: Serie über Traditionsvereine im Süden

Beitrag von Horschdi »

Der Club, der 1911 aus Begeisterung für das Mutterland des Fußballs als "FC Britannia Hof" gegründet wurde
Seit wann ist denn bitte schön England das Mutterland des Fussballs??? Das ist doch ein weitverbreiteter Trugschluss! Die verwechseln das wohl mit Rugby! Fussball wurde damals ja sogar in England verboten!

Ansonsten echt interessante Serie! Würde gerne mal was über den Karlsruher FV lesen! Die haben ja vor 100 Jahren fast alles gewonnen, was so ging!
WIR SIND EUROPAPOKALSIEGER DER LANDESMEISTER IM FELDHOCKEY !!!

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Rinderwahn
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Beitrag von Rinderwahn »

Hoffentlich stehen wir da nicht irgendwann mal drin.
Dumm kickt gut
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Blauer Bayer
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Beitrag von Blauer Bayer »

Hier der letzte Teil:

http://www.spiegel.de/sport/fussball/0, ... 27,00.html

Klamme "Schnüdel" und ein "undurchsichtiger Sumpf"

Von Thorsten Stegemann

Die Geschichte von Schweinfurt 05 oder Wormatia Worms ist auch von Insolvenzverwaltern geschrieben worden. Der FC Augsburg dagegen träumt immer noch von Helmut Haller. Wie geht es diesen süddeutschen Traditionsvereinen heute? SPIEGEL ONLINE besuchte Clubs, deren beste Zeiten lange zurückliegen.




1. FC Schweinfurt 05: Annulierte Freundschaftsspiele


Das 100. Vereinsjubiläum hatten sich die Schweinfurter sicher anders vorgestellt. Während der laufenden Regionalligasaison 2004/05 eröffnete der Traditionsclub ein Insolvenzverfahren und durfte fortan nur noch außer Konkurrenz mitspielen. Unter Präsident Gerhard Hertlein hatte der Verein, der in den sechziger und siebziger Jahren reichlich Zweitligaerfahrung sammelte und 1990/91 und 2001/02 noch zwei Mal ein Comeback im Unterhaus feiern konnte, geschätzte drei Millionen Euro Verbindlichkeiten angehäuft.

Die Lizenz für die Regionalliga wurde verweigert, und auch in der Oberliga Bayern ging es nicht weiter. Am Ende der Jubiläumssaison bestand der Kader der ersten und zweiten Mannschaft aus 20 Akteuren. Und so sah der Spielbetrieb dann aus: Das erste Team spielte außer der Wertung in der Bayernliga, die zweite Mannschaft kämpfte in der Kreisliga um den Klassenerhalt. Es waren bittere Wochen und Monate für die sogenannten "Schnüdel", in deren Reihen vor langer Zeit die beiden 44-fachen Nationalspieler Albin Kitzinger und Andreas "Ander" Kupfer kickten.

Mit einem neuen Vorstand und jungen Spielern wollen sich die Schweinfurter, die einst von Trainer-Ikone Werner Lorant über den Platz gescheucht wurden, nun zunächst in der Landesliga etablieren. Möglicherweise finden sie dort die nötige Ruhe, um über die Fehler der Vergangenheit intensiver nachzudenken - und bei der Gelegenheit auch endlich einen neuen Namen für das Willy-Sachs-Stadion, das noch immer nach dem Generaldirektor der Firma Fichtel & Sachs und früheren SS-Obersturmbannführer heißt.


FC Augsburg: Erinnerungen an große Namen


Als Helmut Haller, der spätere Weltmeisterschaftszweite, 1962 als erster deutscher Spieler nach Italien wechselte, um seine Brötchen beim FC Bologna zu verdienen, brachen in der Heimat schwere Zeiten an. Der BC Augsburg konnte sich nicht für die neu gegründete Bundesliga qualifizieren und rutschte innerhalb weniger Jahre so nah an die vierte Liga heran, dass der Club mit dem TSV 1847 Schwaben Augsburg zum FC Augsburg zusammengeschlossen wurde.

Von nun an ging es steil bergauf. 1973 war Augsburg wieder zweitklassig, ein Jahr später kehrte Haller, der zuletzt bei Juventus Turin unter Vertrag gestanden hatte, aus dem sonnigen Süden zurück; die Mannschaft verpasste den Aufstieg in die Erste Bundesliga nur um einen Punkt. Leider war das Augsburger Fußballhoch nicht von Dauer. 1979 stieg der FC in die Bayernliga ab, bis 1983 folgten zwei weitere Auf- und Abstiege, bevor sich die Augsburger - trotz erstklassiger und bundesweit beachteter Nachwuchsarbeit - für lange Zeit aus dem Profifußball verabschiedeten.

Als im Jahr 2000 ein fest eingeplanter Investor-Vertrag platzte, wurde dem Traditionsclub sogar die Regionalliga-Lizenz entzogen und Augsburg zum ersten Mal in der Vereingeschichte viertklassig. Den Fans blieb nur die Erinnerung an klangvolle Namen wie Haller, Raimund Aumann, Bernd Schuster oder Karl-Heinz Riedle die einst das Trikot der Nationalmannschaft und das rot-grün-weiße des FCA getragen hatten.

Zwei Jahre nach dem historischen Tiefpunkt sah die Lage allerdings schon freundlicher aus. Augsburg gelang die Rückkehr in die Regionalliga Süd, und vor gut einem Monat wurde der Aufstieg in die Zweite Bundesliga erst am letzten Spieltag verpasst, als 27.000 Fans die bittere 1:2-Heimnniederlage gegen Jahn Regensburg mit ansehen mussten. Coach Rainer Hörgl, der die Mannschaft seit knapp einem Jahr betreut, darf seine Aufgabe auch in der neuen Saison fortsetzen, was angesichts der hohen Fluktuation auf der Augsburger Trainerbank nicht unbedingt selbstverständlich ist. Freilich erklärt sich diese auch aus den charakterlichen Besonderheiten des einen oder anderen Übungsleiters. Zu Hörgls Vorgängern gehörten Armin Veh, der es gleich zwei Mal beim FCA versuchte, Ernst Middendorp, Dieter Schatzschneider, Jimmy Hartwig und Max Merkel.


VfR Wormatia 08 Worms: An Netzer gescheitert


Die Aufstiegsrunde zur Bundesliga 1964/65 lief nicht gut für Wormatia Worms, doch ausgerechnet auf dem Gladbacher Bökelberg schien der Außenseiter Besonderes vorzuhaben. Kurz vor Schluss stand es 1:0 für die Gäste, dann sorgte Günter Netzer höchstpersönlich für den verdienten Ausgleich. Die Borussia spielte in der kommenden Saison in der Bundesliga, Worms kam - wie so oft in der Vereinsgeschichte - einen Schritt zu spät.

Zwischen 1935 und 1955 stand die Wormatia gleich fünf Mal in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft und zwei Mal im Halbfinale des Pokalwettbewerbs. Der große Erfolg blieb dem Verein aber stets verwehrt. Auch die hoffnungsvolle Zweitligazeit in den siebziger und frühen achtziger Jahren endete nach Angaben der Vereinschronik in einem "undurchsichtigen Sumpf von finanziellen Gegebenheiten". Nach dem letzten Abstieg aus Liga zwei im Jahr 1982 soll sich der Schuldenstand auf 1,1 Millionen Mark belaufen haben.

Der Traditionsverein wurde bis in die Verbandsliga durchgereicht und stand kurz vor dem Konkurs, doch mittlerweile hat sich die Situation wieder entspannt. Sportlich wird aber weiterhin Magerkost serviert, denn die Wormatia kam in der abgelaufenen Saison der Oberliga Südwest nicht über einen achten Tabellenplatz hinaus. Die Fans waren von der Leistung ihres Teams ganz offenbar nicht begeistert und bescherten dem Club mit durchschnittlich 391 Besuchern pro Heimspiel den schlechtesten Zuschauerschnitt der Geschichte.

Für die kommende Spielzeit wurde mit dem ehemaligen Bundesligaprofi Alois Schwartz aber ein neuer Coach verpflichtet. Der frühere Assistenztrainer des Zweitligaabsteigers Rot-Weiß Erfurt soll die Wormser zum 100-jährigen Vereinsjubiläum 2008 wieder nach oben führen.
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SIR Andrew
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Beitrag von SIR Andrew »

Danke für diese Berichte vom spiegel.de, Blauer Bayer!
Wenn Du wieder so was in der Richtung findest - nur her damit! :-)
Es sind nicht die Fahnen, die Farben, die Schminke oder die Trikots, die euch zum Fan machen. Es ist das Gefühl, das ihr in euch spürt. Die Fähigkeit, wegen eurer Mannschaft zu verzweifeln und sie trotzdem zu lieben und in totale Ekstase zu verfallen. 365 Tage im Jahr. *Mirko Bohn*
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