In unserer beliebten kleinen Reihe "arbeitslose Ex-Kickersspieler":
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"Ich kann noch einiges reißen"
Wenn morgen die Bundesligasaison beginnt, muss ein Spieler zusehen, der seit 1994 ein Star der Liga war: Fredi Bobic hat derzeit keinen Verein. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE redet der Stürmer über Frust, Freude, Auszeiten und seine neue Lieblingsstadt.
SPIEGEL ONLINE: Herr Bobic, wie fühlen Sie sich als jemand, der bei der Party Bundesliga früher Stargast war - aber diesmal nicht mehr eingeladen worden ist?
Bobic: Das belastet mich nicht. Mit den Jahren wird man doch gelassener. Ich gehe davon aus, dass ich in den nächsten Wochen etwas unterschreiben werde - ob in der Bundesliga oder im Ausland steht noch in den Sternen. So eine Situation kenne ich ja. In Hannover hatte ich erst eine Stunde vor Transferschluss zugesagt - da ging die Bundesliga für mich auch erst am vierten Spieltag los.
SPIEGEL ONLINE: Also schauen Sie nicht ständig auf ihr Handy und warten auf Angebote?
Bobic: Nein, ich habe mir einfach in den letzten Jahren ein Standing erarbeitet, so dass ich mir sicher bin, dass ich einen neuen Verein finde.
SPIEGEL ONLINE: Das Leben von Fußballprofis ist stark reglementiert, Sie haben fast zehn Jahre in diesem Regelwerk gelebt. Wie organisieren Sie ihren Alltag ohne diese Struktur?
Bobic: Es ist für mich kein Problem, dass ich mal ein, zwei Monate vom Fußball wegkomme. Und wissen Sie was: Ich genieße diese Zeit.
SPIEGEL ONLINE: Sie machen derzeit also Sabbatical, eine Auszeit vom Job?
Bobic: Genau, so etwa wünscht man sich doch. Nicht aus dem Job für immer rausgehen, wohl aber körperliche und geistige Kraft tanken, um dann wieder voll anzugreifen.
SPIEGEL ONLINE: Fehlt Ihnen dieses Leben in einer Fußballmannschaft mit Kumpels, Spaß im Training, Vorbereitung auf ein Spiel?
Bobic: Ich habe keine Langeweile sondern den gleichen Stress wie immer: Zweimal am Tag trainiere ich volle Kanne an der Sportschule Ruit mit einem Coach, um meine Dysbalancen der Bauch- und Rückenmuskulatur zu korrigieren. Das ist verdammt anstrengend, so dass ich ein Kilogramm Gewicht verloren habe. Außerdem bin ich ja Besitzer eines Sportgeschäfts in Stuttgart, darum kann ich mich auch wieder etwas verstärkt kümmern. Sie sehen, mein Tag ist ausgefüllt - wenngleich im Moment alles etwas entspannter ist als in einem Verein.
SPIEGEL ONLINE: Und wie verhalten Sie sich als Jobsuchender?
Bobic: Ich warte ab. Glauben Sie mir eines, mich rufen viele Leute an, von denen ich lang nichts mehr gehört habe. Es kommen schon konkrete Sachen rein. Das klärt mein Berater und ich von Fall zu Fall.
SPIEGEL ONLINE: Hat Sie der Leverkusener Sportdirektor Rudi Völler auch angerufen? Schließlich sucht Bayer einen Ersatz für den Brasilianer Franca.
Bobic: Nein. Die Leverkusener wissen ja im Moment selber nicht, welchen Stürmertyp sie wollen. Aber wenn sie einen wie mich brauchen, dann werden die sich schon melden.
SPIEGEL ONLINE: 232 Bundesligaspieler haben Sie zum Absteiger der vorigen Saison gewählt. Tut das weh?
Bobic: Dieses Ergebnis berührt mich überhaupt nicht. Das ist doch keine richtige Umfrage gewesen, viele Spieler wurden überhaupt nicht gefragt. Das ist Kicker-Status. Ich war ja auch schon mal Aufsteiger. Für mich ist wichtig, wie ich selber meine Leistung einschätze und was ich noch von mir erwarten kann. Ich habe es schon oft bewiesen, dass ich zurückkommen kann. Glauben Sie mir, ich kann einiges noch reißen - das ist das Entscheidende.
SPIEGEL ONLINE: Sie halten also ihre Fähigkeiten als Strafraumtyp auf dem Markt noch für gefragt?
Bobic: Warum nicht?
SPIEGEL ONLINE: Weil Sie bei Hertha BSC gescheitert sind. Die Mannschaft hat Sie nicht mit Flanken versorgt, die Sie aber brauchen, um Tore zu schießen.
Bobic: Das war bei der Hertha war in der Tat ein Problem. Da kann man halt nichts machen. Es gibt aber Vereine, die ein System spielen, das zu mir passt.
SPIEGEL ONLINE: War die Zeit bei Hertha eines der größten Enttäuschungen Ihrer Karriere? Der Berliner Manager Dieter Hoeneß und Sie werden wohl keine Freunde fürs Leben werden.
Bobic: Es hat sportlich einfach nicht gepasst. Aber das liegt jetzt alles hinter mir, und ich habe keinen Bock mehr, darüber zu reden. Ich hatte ein gutes Verhältnis zu den Spielern, die haben mir einen respektvollen, tollen Abgang ermöglicht. Ich bin nicht ausgeschlossen worden, sondern habe die Option auf Vertragsverlängerung auf eigenen Wunsch gelöscht.
SPIEGEL ONLINE: In einer "Bild"-Kolumne haben Sie die Chancen ihres ehemaligen Clubs als nicht besonders günstig eingeschätzt.
Bobic: Ja, und dazu stehe ich auch. Mit diesem Kader wird es schwer, eine Platzierung zu erreichen wie vorige Saison. Hertha hat keine richtigen Verstärkungen geholt.
SPIEGEL ONLINE: Die Stadt Berlin hat es Ihnen umso mehr angetan. Sie wollten im Stadtteil Dahlem ein Haus bauen.
Bobic: Stimmt beides. Ich habe den Wechsel dorthin nie bereut. Meine Familie und ich fühlen uns wohl, wir haben uns in die Stadt verliebt. In bin jetzt ein Schwabe in Berlin - und so langsam mache ich mich dort verständlich. Und wenn ich dann einen neuen Verein gefunden habe, werde ich von dort immer pendeln.
SPIEGEL ONLINE: Also glauben Sie noch an Ihre Chancen in der Bundesliga?
Bobic: Selbstverständlich. Sie wissen doch auch, was alles in der Liga passieren kann, Spieler können sich verletzen, Formschwächen haben. Es kann ganz schnell gehen. Ich glaube schon, dass ich ein Jahr noch spielen kann. Ich will unbedingt in dieser historischen Saison noch mitmachen, schließlich steht die Weltmeisterschaft im eigenen Land vor der Tür. Daher hat die Bundesliga für mich Priorität.
SPIEGEL ONLINE: Also werden Sie auch nicht in der Oberliga beim VFC Plauen aushelfen, wo ihr alter Stuttgarter Kumpel Krassimir Balakow einen Beratervertrag unterschrieben hat. Käme Regionalliga in Frage?
Bobic: Mit der Regionalliga hätte ich ein Problem, das wäre ein Rückschritt. Ich kenne diese Klasse ja aus meinen jungen Jahren - aber als alter Spieler möchte ich mir das nicht mehr geben. Dort würde ich extrem gejagt werden, und ich müsste ständig auf meine Gesundheit achten. Jeder Gegenspieler wäre doch gegen einen wie mich besonders motiviert.
SPIEGEL ONLINE: Muss es bei Ihnen unbedingt Bundesliga sein, oder würden Sie auch, wie beispielsweise Alexander Zickler, nach Österreich gehen, wo man für wenig Leistung gut belohnt wird.
Bobic: Die österreichische Liga zählt sicherlich nicht zu meinem Favoritenkreis.
SPIEGEL ONLINE: Und über ein Karriereende denken Sie auch nicht nach?
Bobic: Nö, darauf habe ich keine Lust. Solange ich in einem guten Zustand bin, werde ich weiterspielen. Ich kann in zwei, drei Jahren immer noch Schluss machen.
Die Fragen stellten Steffen Gerth und Pavo Prskalo.
Bobic-Interview
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