"Katastrophenfußball" - aber Sponsoren bereuen ihr Engagement beim OFC nicht
Spielepartner nehmen enttäuschende Zuschauerzahlen gelassen / Durchwachsene 100-Tage-Bilanz von Manager Lamm
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Von Klaus G. S c h m i d t
Offenbach - Wie zuversichtlich waren sie gewesen am 5. Juli, dem Tag der Saisoneröffnung. Das Präsidium, der Manager, der Trainer, der damals noch Ramon Bernd-roth hieß, die alten und die neuen Spieler - sie alle erhoben Anspruch auf einen der beiden Aufstiegsplätze in der Fußball-Regionalliga Süd. Drei Monate und zehn Punktspiele später ist Ernüchterung eingekehrt bei Kickers Offenbach. Die Mannschaft ist den Abstiegsplätzen näher als der Tabellenspitze, die Fans meutern und fordern - wie beim 0:4 gegen die Bayern-Amateure - in Spottgesängen ihr Eintrittsgeld zurück, und auch unter den Sponsoren, die pro Heimspiel für 65 000 Euro bürgen, gibt es lange Gesichter.
Das 2:0 bei den Sportfreunden Siegen, der erste Sieg nach sieben Spielen, ist lediglich ein Silberstreif am Horizont, die dunklen Wolken über dem Bieberer Berg hat er nicht vertrieben. Auch Manager Rüdiger Lamm ist kleinlaut geworden. "Nach unten gucken, nach oben klettern", sagt er vor dem Heimspiel am Freitag (19.30 Uhr) gegen die Stuttgarter Kickers mit nur noch vorsichtigem Optimismus.
Mit missionarischem Eifer und einer für Offenbach einmaligen Marketing-Offensive hatte der Westfale den Kickers die Kasse gefüllt und den Grundstock für den Aufbau einer vermeintlich starken Mannschaft gelegt. Elf neue, vorwiegend zweitligaerfahrene Spieler sollten den Aufstieg garantieren. Doch die wenigsten haben die hohen Erwartungen erfüllt. Erschwert wird die Kärrner-Arbeit von Berndroth-Nachfolger Lars Schmidt durch Verletzungspech.
Lamms 100-Tage-Bilanz als hauptamtlicher Manager des OFC fällt denn auch durchwachsen aus. "Wirtschaftlich können wir zufrieden sein, und in der Zusammenarbeit mit den Sponsoren ergeben sich auch gute Perspektiven. Sportlich ist die Situation enttäuschend, aber nicht hoffnungslos", so Lamm, der im Frühjahr zunächst als freier Mitarbeiter zum OFC gekommen war und seit 1. Juli fest angestellt ist.
Ganz anders vorgestellt hatten sich den Saisonverlauf auch die Sponsoren, die dem OFC für sämtliche Heimspiele eine Einnahme von jeweils 65 000 Euro garantieren. Die Summe errechnet sich aus einem Besuch von 8 600 Zuschauern - für jeden weniger stehen die Spielepartner mit 7,50 Euro gerade.
Nach der sportlichen Talfahrt ging selbst in der Partie gegen Tabellenführer Bayern München die Rechnung nicht auf. Immerhin bekommen die OFC-Partner, allesamt Geschäftsleute, auch etwas für ihr Geld. Sie dürfen die Spiele vermarkten und als Werbeplattform für ihre Produkte nutzen. In den bislang fünf Heimspielen hat das gut geklappt, und so gibt es offenbar keinen, der sein Engagement bei den Kickers bereut.
Als echter Gewinner aber darf sich bislang nur einer fühlen: Edgar Beheim, der eine Sonnenstudio-Kette betreibt, hatte den richtigen Riecher, als er neben der Regionalligapartie gegen Schweinfurt auch das Vermarktungsrecht am Erstrundenspiel im DFB-Pokal erwarb - ohne zu wissen, wer der Gegner sein würde. Beheim zog das große Los. Das Derby gegen Eintracht Frankfurt bescherte dem Geschäftsmann aus Lämmerspiel einen erklecklichen Gewinn. Die Summe will er nicht nennen, er sagt nur: "Es ist soviel hängen geblieben, dass ich, selbst wenn das zweite Spiel schlecht läuft, wohl nichts draufzahlen muss." Auch mit dem Werbeeffekt für sein Sonnenstudio Nr. 1 ist Beheim hoch zufrieden: "Der Bekanntheitsgrad ist deutlich gestiegen."
Beheim stimmt aber auch (selbst-)kritische Töne an und gibt zu, dass er sich hat blenden lassen von den großen Worten Lamms und der langen Liste neuer Spieler. Dem Kickers-Manager macht er keinen Vorwurf, aber an der Mannschaft lässt er kein gutes Haar: "Es konnte doch keiner ahnen, dass sie so einen Katastrophenfußball spielen würde. Ich hatte mit dem Derby riesiges Glück."
Gelassenheit strahlt Stefan Weigand aus, der ebenfalls zwei Spiele gekauft hat: "Mein erstes Spiel ist am 15. November gegen den FC Augsburg. Ich hoffe, dass sich bis dahin noch einiges zum Positiven hin tut." Den Erfolg seines Engagements will der Chef vom Jeans Depot in Offenbach nicht allein an der Zuschauerzahl, sondern auch am Werbewert für sein Geschäft messen. "Wenn ich am 15. November sehe, dass da eine Rechnung über vielleicht 20 000 Euro auf mich zukommt, werde ich zunächst bestimmt denken: Was hast du da für einen Scheiß’ gemacht", gibt Weigand zu: "Ob es sich gelohnt hat, kann ich aber erst nach einiger Zeit beurteilen. Die Eintrittskarte gilt als Einkaufsgutschein. Wenn viele kommen, um bei mir eine Jeans zu kaufen, wird sich die Sache für mich wohl rechnen."
"Keine Sekunde bereut" hat Peter Schmidt, der mit seinem Bruder Michael ein Allianz-Versicherungsbüro in Offenbach führt, die Partnerschaft mit dem OFC für das Spiel gegen die Amateure von Mainz 05: "Es war ein tolles Event." Dass "nur" 7 100 Zuschauer kamen, ist für die Brüder Schmidt kein Problem. "Andere Reklame kostet auch Geld, und außerdem sind wir echte Kickers-Fans."
Selbst Matthias Tschöke, den das vor nur rund 5500 Fans ausgetragene Spiel gegen die Bayern etwa 23 000 Euro gekostet hat, will nicht jammern. "Natürlich war die Zuschauerzahl enttäuschend. Trotzdem war es eine gute Werbung für meine Firma. Und das finanzielle Risiko war mir wie auch allen anderen Sponsoren bewusst", sagt Tschöke, dem heute der Früchtehandel des ehemaligen OFC-Präsidenten Horst-Gregorio Canellas gehört und der sich schon deshalb mit dem Kickers verbunden fühlt.
http://www.op-online.de/506_261_313739373436.htm
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Tja, nur das alles schießt eben keine Tore!
