1. Herr Dutt, schon nach dem Augsburg-Spiel haben Sie sich öffentlich über die Ruhe im Verein gewundert. Auch nach dem Unentschieden gegen Bayreuth hat sich daran wenig geändert. Wie groß ist jetzt aber der Druck vor dem Eschborn-Spiel. Würde eine Niederlage Sie und die Mannschaft in eine echte Krise stürzen? Gibt es zur Vorbereitung auf dieses wichtige Spiel besondere Maßnahmen?
Mit einer Niederlage möchte ich mich nicht beschäftigen, sondern vielmehr damit, mit welchen Mitteln wir Eschborn schlagen möchten. Eines ist jedenfalls sicher: Unser Team hat bewiesen, daß es immer kämpfen wird. Das ist eine Eigenschaft die nicht alle Kickers-Teams in der Vergangenheit inne hatten. Dies ist warscheinlich auch der Grund, warum die Kritik in den letzten Wochen eher sachlich als überzogen emotional war.
Es ist bis jetzt keine außergewöhnliche Maßnahme geplant, daher werden wir uns mit einer "normalen" Trainingswoche auf dieses Spiel vorbereiten.
2. Das Hauptproblem sind derzeit wohl die Verletzungssorgen. Haben Sie Hoffnung, dass einer der Angeschlagenen in Eschborn wieder dabei ist, allen voran Gambo?
Gambo ist tatsächlich der einzige Spieler mit dem wir am Samstag wieder rechnen können.
3. In den letzten 7 Spielen gab es nur einen Sieg. Haben sie mal ans aufgeben gedacht?
Aufgeben? Kommt gar nicht in Frage. Ich bin Trainer. Dazu gehört Lösungen gerade in kritischen Zeiten zu finden. In dieser Phase kann jeder Trainer zeigen, was in ihm steckt. Wenns gut läuft, kann doch jeder Trainer sein. Jetzt aber die Wende zu schaffen, das ist die eigentliche Herausforderung.
4. Sind Sie über die geringen Zuschauerzuspruch sehr enttäuscht oder können Sie jene Zuschauer verstehen, die nach den letzten Ergebnissen lieber zu Hause geblieben sind?
Es kann ja wohl nicht angehen, daß irgend jemand aus dem Verein, auch ich nicht, bei diesen Ergebnissen von den Zuschauern enttäuscht ist. Wir müssen in Vorleistung gehen. Sollten wir wieder dauerhaft gute Leistungen bringen, dann können wir uns ja noch einmal gern über diese Frage unterhalten.
5. Gegen Bayreuth fiel auf, dass die Bayreuther zeitweise kombinieren konnten, ohne dass ein Kickers-Spieler überhaupt in die Nähe des Balles kam, sogar im 16er konnten die sich ungestört den Ball zuspielen. Waren die Kickers-Spieler zu müde, um mal dazwischen zu gehen?
Müde zu 100% nicht. Wenn alles bei uns so stark wäre wie die Kondition, würden wir viel weiter oben in der Tabelle stehen. Nein, vielmehr war der Fall, daß wir in unserem bestreben das Spiel noch umzubiegen viel zu hektisch agiert haben und teilweise 3 der 4 Spieler aus der 4er-Kette mit aufgerückt sind. Dies gab dem Gegner viel Platz. Das darf uns in nächster Zeit nicht mehr passieren. Und man sollte nicht vergessen, dass sowohl die Eckball- als auch die Torchancenstatistik deutlich zu unseren Gunsten ausfiel. Dies soll auch so bleiben, jedoch mit einer besseren Defensivleistung als gegen Bayreuth.
6. Sie haben gegen Bayreuth von Anfang an drei Stürmer eingesetzt, Schlabach war aber eher im Mittelfeld angesiedelt. Wieso versucht man es nicht mal von Anfang an mit drei "echten" Stürmern?
Wir haben dies schon in Erwägung gezogen. Jedoch würde es im Mittelfeld und in der Abwehr zu einer neuen taktischen Ausrichtung kommen. Dies könnte für zusätzliche Unsicherheit sorgen. Wir wollen aber, daß die Spieler sich in unserem System wohl fühlen und die Abläufe kennen. Daher bleiben wir zunächst beim 4-4-2 System.
7. Das Thema hatten wir zwar schon ein paar Mal, das Problem bleibt aber: Die Standards sind nach wie vor grottenschlecht - woran liegt dies Ihrer Meinung nach?
Das hat sowohl mit der Ausführung als auch mit dem Timing zu tun. Dieses Thema liegt uns, dem Trainerteam, auch sehr im Magen. Wir arbeiten an dieser Thematik oft im Training. Man muss aber auch beachten, dass wir nicht unbedingt viele großgewachsene Spieler haben, was speziell bei Eckbällen und Freistossflanken sicherlich ein Nachteil ist.
8. Nach dem Spiel HSV gegen Wolfsburg gab es unter einigen Spielern offensichtliche Tätlichkeiten. Dennoch wurden die beteiligten Spieler nur mit verhältnismäßig kurzen Sperren bestraft. Können Sie nachvollziehen, warum ein Daniel Sager, bei dem man bis heute noch nicht weiß, welches Vergehen er begangen haben soll, für 7 Wochen gesperrt wurde?
Auch ich habe festgestellt, dass in der Bundesliga die Sperren gegenüber der Regionalliga verhältnismäßig gering ausfallen. Das hat damit zu tun, dass wir oft keine Fernsehbilder haben, die den Spieler entlasten können. Ich erinnere mich an ein Spiel vor ein paar Jahren, als unser damals noch spielender Manager Joachim Cast eine rote Karte bekam. Im Bericht des Schiedsrichters war danach von einer Tätlichkeit und "Rudelbildung" die Rede. Zum Glück gab es zu diesem Spiel Fernsehbilder. Der Richter kam zu dem Schluss, dass weit und breit keine Rudelbildung zu erkennen war...
9. Bastian Bischoff spielte bis vor wenigen Spielen bei der 2. Mannschaft keine Rolle, kaum macht er dort in seinem ersten Spiel von Anfang an ein Tor wird er im WFV Pokal und auch in der Regionalliga eingesetzt. Ist der Sprung von der Amateurbank zu den Profis so einfach? Hat man damit nicht Spieler wie Tucci vor den Kopf gestoßen, die schon längerfristig Leistung gezeigt haben?
Jede Woche erhalten Spieler der zweiten Mannschaft die Möglichkeit, bei der "Ersten" mitzutrainieren. Wir wollen uns so einen noch besseren Eindruck dieser Spieler ermöglichen. Natürlich kann es passieren, dass dieser Spieler in dieser Woche gut trainiert und just zu diesem Zeitpunkt ein Spieler auf dieser Position benötigt wird. Dann wäre es doch unlogisch, nur aus prinzipiellen Gründen auf einen anderen Spieler zurückzugreifen, oder ? Letztlich rücken die Spieler dauerhaft auf, die dauerhaft gute Leistungen in der 2. Mannschaft zeigen. Und in dieser Hinsicht haben wir in den letzten 2 Jahren eine gute Quote gehabt.
10. Die A-Jugend spielt diese Saison recht erfolgreich. Haben Sie da schon den einen oder anderen Spieler in Ihrem Notizblock versehen?
Habe ich. Jedoch ist der Sprung aus der A-jgd. direkt in die Regionalliga-Mannschaft sehr groß. Dies ist in der Regel nur bei den Amateuermannschaften der Bundesligisten zu schaffen, da der öffentliche Druck in diesen Teams nicht so groß ist. Daher sind wir sehr froh, dass wir eine Oberligamannschaft haben, díe sich mit Mannschaften wie Waldhof, Ulm oder Reutlingen misst. Hier können die A-Jugendl. in aller Ruhe den nächsten Schritt machen. Sollte es doch einmal ein Ausnahmetalent geben, werden wir natürlich versuchen ihn frühst möglich hoch zu ziehen. Unser letztjähriges Talent Tobias Gitschier hat z.B. bis heute nicht den endgültigen Sprung zum Stammspieler in die Bayernligamannschaft von Greuther Fürth geschafft. Anfangs spielte er gar nicht, danach von Anfang an, jetzt wurde er nur eingewechselt. Dies ist aber normal. Man sollte die Spieler nicht überfordern. Man sollte sie auf dem Teppich halten. Leider gelingt das oft nicht. Berater, Familie oder Freunde erwarten immer gleich eine Sensation. Letztlich bleibt das Talent auf der Strecke.
