
Siggi und seine Brüder
Zum 100. Geburtstag von Siegfried Kronenbitter
Ganz hat es nicht gereicht, aber eine halbe Mannschaft konnte die Familie Kronenbitter aufstellen: die Brüder Franz, Heinrich, Kurt, Leo und Siegfried, genannt Siggi, Kronenbitter sind aus der Vereinsgeschichte der Stuttgarter Kickers nicht wegzudenken.
Angefangen haben sie in der Jugend der Sportfreunde Stuttgart und schafften den Aufstieg in die Gauliga Württemberg. Dort haben sie zusammen mit Siggi, geboren heute vor 100 Jahren, in einer Mannschaft gespielt. Tatsächlich gibt es ein Bild der fünf Brüder im Sportfreundetrikot. Nach ihrem Aufstieg konnten sich die Sportfreunde immerhin bis 1942 in der Gauliga hinter den Stuttgarter Kickers und dem VfB auf dem dritten Platz halten.
Franz und Leo spielten in der Saison 1943/44 für die Stuttgarter Kickers, Heinrich 1944/45. Es sollte bis 1946 dauern, bis auch Kurt und Siggi für die Blauen antreten konnten. Siggi spielte bis 1957 insgesamt 313 mal und ist mit 141 Treffern immer noch der erfolgreichste Torschütze der Kickers nach dem Zweiten Weltkrieg. Klar, dass er auch bei den 100-Tore-Stürmen 1947/48 und 1950/51 dabei war. Aber das hundertste Tor gelang ihm nicht. Sosna und Pflum nahmen ihm jeweils in den Spielen gegen Wacker München die Chance und schossen die denkwürdigen Tore. 1943 durfte er auf Einladung von Sepp Herberger an einem Vorbereitungslehrgang teilnehmen. Die geplanten Länderspiele wurden danach aber bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs abgesagt. Die Chance, als Nationalspieler aufzulaufen, nahm ihm somit der Krieg. Doch wie seine Frau erzählt, war er beim ersten WM-Titel im Berner Wankdorfstadion als Zuschauer anwesend und erlebte das Wunder von Bern vor Ort mit.
Zum Ende seiner Karriere spielte er noch drei Jahre erfolgreich in der 2. Oberliga bei der TSG Ulm 1848 und schaffte dort den Aufstieg und den Verbleib in der Oberliga Süd. Doch die Stuttgarter Kickers waren seine Heimat. Er kam wieder zurück und spielte noch lange Zeit in der damals noch gut mit Ehemaligen besetzten AH der Kickers. Hier konnte man zu dieser Zeit Handte, Schaletzki, Vogler, Binder, Dienelt, Eberle, Steeb und etliche andere verdiente Kickers sehen. Irgendwann war es mit der aktiven Zeit vorbei und sein Zigarrengeschäft in der Planie wurde auch ein beliebter Treffpunkt für junge und alte Kickers-Spieler und -Fans.
Doch nicht nur 141 Tore für die Kickers sind ein Alleinstellungsmerkmal von Siegfried Kronenbitter. Denn bis heute hält Siegfried Kronenbitter folgende Vereinsrekorde in Ligaspielen der Nachkriegszeit:
Siegfried Kronenbitter verstarb am 1. Oktober 1997.
Beim Heimspiel am kommenden Sonntag gegen den KSV Hessen Kassel wird der Rekordtorjäger der Stuttgarter Kickers noch einmal im Mittelpunkt stehen und es wird im Stadion weitere Informationen zu Siegfried Kronenbitter geben.