"Nicht noch einmal auf die Bank"
Sollte Nationaltorwart Oliver Kahn das Rennen in der Torwartfrage für sich entscheiden, wird Jens Lehmann möglicherweise nicht mit zum Weltmeisterschafts-Aufgebot der deutschen Nationalelf gehören. Am Freitag äußerte der Arsenal-Schlussmann vor dem Testspiel in Paris erstmals deutliche Rücktrittsgedanken.
Der seit Donnerstag 36-jährige Lehmann, der in St. Denis sein 28. Länderspiel im DFB-Dress bestreiten wird, gab einen Tag vor dem Duell der Ex-Weltmeister zwischen Frankreich und Deutschland (21.00 Uhr/live im ZDF) zu Protokoll, es würde ihm "sehr, sehr schwer fallen, mich noch einmal auf die Bank zu setzen."
Allerdings wollte Lehmann sich noch nicht endgültig entscheiden. "Das ist mein Gefühl, dass ich jetzt habe. Das muss aber in ein paar Monaten keine Gültigkeit mehr haben", so der Schlussmann, der jedoch ferner bekanntgab, dass es sein könne, dass das Spiel in Frankreich bereits sein Abschiedsspiel sei.
Der frühere Schalker und Dortmunder (329 Bundesliga-Spiele, zwei Tore) stand bei den vergangenen vier großen Turnieren (WM, EM) stets im zweiten oder dritten Glied.
Bundestrainer Jürgen Klinsmann, der sich auf der Pressekonferenz wenige Minuten zuvor noch zur Torwartfrage geäußert hatte ("Wir gehen nicht davon aus, dass einer der beiden Konsequenzen zieht, falls er bei der WM nur die Nummer zwei ist"), will in den kommenden Testspielen im Vorfeld der WM 2006 weiterhin an der Torwartrotation festhalten und kurz vor den Titelkämpfen eine Entscheidung treffen. Gegenüber der BILD-Zeitung erklärte Lehmann noch am Donnerstag: "Jürgen Klinsmann hat gesagt, daß er erst kurz vor der WM entscheiden will. Wenn er das ändern sollte, fände ich das aufgrund seiner Aussage nicht nachvollziehbar."
Allerdings rechnet Lehmann nicht mit einer vorgezogenen Entscheidung Klinsmanns in Sachen Nummer eins und glaubt an die Loyalität des Bundestrainers. "Man muss jedem Trainer der Welt unterstellen, dass er nach bestem Gewissen und zum Wohle der Mannschaft entscheidet", führte Lehmann aus und fügte hinzu: "Was ich sonst noch so denke, ist nicht so wichtig." Gegenüber seinem großen Kontrahenten verzichtete er diesmal auf jegliche Stichelei, kritisierte jedoch, dass Kahn die bessere Lobby habe: "Es wäre traurig, wenn Lobbyisten oder so genannte Experten über die Besetzung der Nationalelf entscheiden. Ich habe Klinsmann so kennengelernt, dass er sich davon in keiner Weise beinflussen lässt. Das wäre auch der erste Schritt zur Erfolgslosigkeit. Als Spieler kann ich einen Trainer nur akzeptieren, wenn er seinen Worten auch Konsequenzen folgen lässt."
Sollte Kahn den Zuschlag erhalten und Lehmann tatsächlich den Dienst quittieren, würde der Stuttgarter Timo Hildebrand zur Nummer zwei aufrücken. Für den dritten Platz in der Keeper-Riege kämen beispielsweise die Bundesliga-Schlussmänner Roman Weidenfeller (Borussia Dortmund), Frank Rost (FC Schalke 04), Robert Enke (Hannover 96) und Simon Jentzsch (VfL Wolfsburg) in Frage. Weidenfeller und Jentzsch sind heute beim letzten Auftritt des "Team 2006" in Mattersburg gegen Österreich im Einsatz.
Quelle: kicker