"Ich würde das Geld auch lieber mit vollen Händen ausgeben"
Interview mit dem Präsidenten der Stuttgarter Kickers, Hans Kullen, zur wirtschaftlichen Situation des Regionalligisten und seinen Erwartungen an den neuen Aufsichtsrat
Bei den Stuttgarter Kickers steht heute um 19 Uhr die Jahreshauptversammlung im ADM-Sportpark an. Dabei geht es um die Nachwahlen für den Aufsichtsrat - und die finanzielle Lage des Traditionsklubs. Die ist nach wie vor angespannt. Dennoch ist der Präsident Hans Kullen überzeugt: "Mit den Kickers ist was zu machen, man muss es nur gemeinsam tun." Das sagt der 63-Jährige im Gespräch mit Joachim Klumpp.
Herr Kullen, es gab kurzzeitig die Überlegung, die Hauptversammlung in einen größeren Raum als das Klublokal zu verlegen. Steckt denn so viel Brisanz in der Veranstaltung, dass der Verein mit einem Riesenandrang rechnet?
Für mich nicht. Es ist doch das Normalste auf der Welt, wenn jemand aus dem Aufsichtsrat oder auch dessen Chef nachgewählt wird.
Sie fürchten also auch nicht, dass aus so genannten oppositionellen Kreisen jemand Ambitionen hat, sich wählen zu lassen?
Das wäre für mich nur nachvollziehbar, wenn die Vereinsführung etwas falsch oder schlecht gemacht hätte. Aber das kann ich nicht erkennen, nachdem wir unseren Sparkurs konsequent fortgesetzt haben. Und außerdem wird ja niemand daran gehindert, die Kickers zu unterstützen, aber bisher ist von der so genannten Opposition noch keiner mit ernst gemeinter Hilfe gekommen.
Angeblich soll es Leute geben, die bereit wären, finanzielle Mittel aufzubringen, aber nur unter der Voraussetzung, dass der Präsident nicht mehr Kullen heißt.
Das habe ich auch gehört. Daraufhin habe ich gesagt, lasst uns an einen Tisch setzen, man kann über alles reden. Doch dann muss man auch Ross und Reiter nennen. Ich würde schon gerne wissen, was ich falsch gemacht haben soll. Aber auf einen Rückruf warte ich noch bis heute.
Können Sie zumindest schon mal verraten, wer aus Ihren Reihen für den Aufsichtsrat kandidieren wird?
Das sind nach aktuellem Stand Herr Köhn vom ADAC, Herr Kluge, Herr Stöferle von der gleichnamigen Werbeagentur, Christian Dinkelacker sowie der Anwalt Dr. Lorz.
Angenommen, dieser Kreis sollte - zumindest weitgehend - so gewählt werden, was erwarten Sie dann von dem Gremium?
Ich erwarte deren Unterstützung. Zumal die Bilanz der Kickers zeigt, dass wir nicht noch weiter sparen können, sonst erleiden wir einen Substanzverlust - also sportlich schwächere Mannschaften. Der Schuh drückt uns auf der Einnahmenseite. Und da hoffe ich, dass wir die neuen Kontakte entsprechend nutzen können.
Das scheint auch nötig zu sein. Denn trotz aller Sparmaßnahmen schreiben die Kickers auch im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Minus von 190 000 Euro.
Ich bin mit dem Ergebnis trotzdem sehr zufrieden, auch wenn wir nach unserem Plan eigentlich ein kleines Plus hätten machen müssen. Doch es gibt eben immer wieder Unwägbarkeiten, die man schlucken muss.
Für andere Klubs sind solche Verluste Peanuts. Ohne entsprechende Mehreinnahmen in der laufenden Saison, zum Beispiel aus Pokal oder Transfererlösen, würde den Kickers aber die Überschuldung drohen.
Das stimmt. Dennoch bin ich der festen Überzeugung, dass die Lücke geschlossen werden kann, wenn sich jeder seiner Verantwortung bewusst ist. Wir wollen da auch die Zusammenarbeit mit einer Agentur verstärken, vielleicht haben wir das in der Vergangenheit nicht genug gehegt und gepflegt. Doch selbst diese Fachleute tun sich schwer, seit die Fernsehzeiten der Regionalliga gesunken sind.
Mit voraussichtlich neun Mann im Aufsichtsrat und fünf im Präsidium haben die Kickers einen recht aufgeblähten Apparat. Sie wollten immer schlanke Strukturen.
Richtig. In der Regel werden Entscheidungen auf kurzen Wegen schneller getroffen. Andererseits kann man in unserer Lage nie genug Leute haben, die etwas bewegen wollen. Und da setze ich auch bewusst auf unser neues Präsidiumsmitglied Dieter Wahl, weil er sehr zielgerichtet und strukturiert vorgeht.
Bedauern Sie in diesem Zusammenhang den Rücktritt von Herrn Wetzel, der sagte, dass Sie nicht seine Vorstellungen von der Tradition der Kickers-Familie teilen?
Ich habe überhaupt nichts gegen Herrn Wetzel - und teile sogar seine Einstellung in vielen Fällen. Nur stellt sich dabei immer die Frage: Wer soll das bezahlen? Ich würde das Geld auch lieber mit vollen Händen ausgeben, doch dann wäre der Verein ganz schnell wieder in großen Schwierigkeiten. Und von den so genannten Traditionalisten hätte ich schon erwartet, dass sie die Frage meines Vorgängers ADM aufgreifen, der mal gefordert hat: Was kann ich für den Verein tun?
Und was können die Mitglieder tun?
Zum Beispiel könnte jedes Mitglied ein neues Mitglied werben - dann hätten wir dieses Mal kein Minus. Doch in dieser Hinsicht ist relativ wenig geschehen.
Auch die Zusammenarbeit mit dem großen Nachbarn VfB, die Ihnen ja beim Amtsantritt sehr am Herzen lag, lässt zu wünschen übrig. Das dürfte nicht nur am 4:2-Sieg vom letzten Samstag liegen.
Die genauen Gründe kenne ich natürlich nicht. Dennoch liegt mir eine Zusammenarbeit nach wie vor am Herzen, doch dazu gehören bekanntlich immer zwei. Vielleicht täten wir uns leichter, wenn die Kickers in der zweiten Liga wären, weil das dann das ideale Bindeglied zwischen Bundesliga und der zweiten Mannschaft des VfB wäre.
Danke, dass Sie das Stichwort geliefert haben: zweite Liga. Das war ja immer Ziel und Anspruch - von Kullen und den Kickers. Doch die Spiele in dieser Saison haben gezeigt, dass der letzte Tick fehlt.
Natürlich muss das der Anspruch des Vereins sein, aber man muss immer sehen, was realistisch möglich ist. Ich habe jedoch das Vertrauen in Trainer und Mannschaft, auch ohne großen finanziellen Aufwand den Durchbruch zu schaffen. Schließlich habe ich nicht Geld in die Kickers investiert, um ewig Regionalliga zu spielen.
Wie hoch ist denn Ihr finanzielles Engagement. Offiziell bekannt sind die 450 000 Euro als Darlehen.
Sagen wir so: es ist mehr, als ich vorhatte. Aber ich habe auch das Rangrücktrittsdarlehen nicht gegeben, um es an die große Glocke zu hängen oder nachher in der Zeitung zu stehen. Sondern damit die Kickers die Lizenz bekommen. Ich wollte gewissermaßen als gutes Beispiel vorangehen.
Ein anderes "gutes Beispiel" ist immer noch Frau Dünnwald-Metzler, die ebenfalls ein Rangrücktrittsdarlehen hat. Wird sie das nach dem Rücktritt Ihres Duzfreundes Wetzel denn noch einmal verlängern?
Das hoffe ich, denn der Verein ist noch lange nicht in der Lage, dieses Darlehen zu befriedigen. Deshalb sind wir der Familie zu großem Dank verpflichtet. Frau Dünnwald-Metzler war ja auch ein paar Mal bei den Heimspielen, und ich bin überzeugt: ihr Herz hängt an den Kickers. Wir haben keine Alternative.
Warum tun Sie sich das Amt angesichts der vielen Probleme überhaupt noch an?
Weil es in erster Linie um Menschen geht. Ich glaube, dass es nur wenige Präsidenten gibt, die sich bei so vielen Spielen ihres Vereins sehen lassen. Damit Spieler, Trainer, Mannschaften merken: wir gehören dazu.
Im nächsten Jahr steckt wirklich Brisanz in der Hauptversammlung, dann steht die Wahl des Präsidiums auf dem Programm. Werden Sie nochmals kandidieren?
Fragen Sie mich nächstes Jahr noch mal. Nur so viel: mit den Kickers ist was zu machen, man muss es nur gemeinsam tun.
"Ich würde das Geld auch lieber mit vollen Händen ausge
"Ich würde das Geld auch lieber mit vollen Händen ausge
Toni Sailer
(zu Wolfgang Wolf, der ihn einwechseln wollte)
Ganz rein?
(zu Wolfgang Wolf, der ihn einwechseln wollte)
Ganz rein?