STN: Finanzen und Familiensinn

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STN: Finanzen und Familiensinn

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Finanzen und Familiensinn

Mitglieder der Stuttgarter Kickers beklagen die Außendarstellung des Clubs

Es wird nicht viele Sportvereine geben, deren Mitglieder ein sechsstelliges Minus in der Jahresbilanz so klaglos hinnehmen, wie die der Stuttgarter Kickers. 190 000 Euro fehlten am 30. Juni 2005, doch von einem zaghaften Versuch des Protests abgesehen, blieb die Mitgliederversammlung der Kickers am Donnerstagabend stumm. "Ich hatte eigentlich mehr befürchtet", gibt Aufsichtsrat Joachim Bayh zu.

VON DIRK PREISS

Rote Zahlen im blauen Kassenbuch sind eben zur traurigen Tradition geworden. Ein Bilanzdefizit ist unterm Fernsehturm mittlerweile so normal wie Schneefall in der Antarktis. Man nimmt"s gelassen hin, solange die Existenz nicht auf dem Spiel steht.

Doch weil sich genau das im Frühjahr kommenden Jahres ändern könnte - die Liquidität ist nur bis Mitte April gesichert -, sorgen sich die Mitglieder vor allem um die Außendarstellung des Vereins. Wie um alles in der Welt will man Sponsoren für einen Club gewinnen, wenn dieser wegen interner Querelen ständig in den Schlagzeilen steht?

Diese Gedanken machte sich auch Christian Dinkelacker, als er vor Monaten das erste Mal gefragt worden war, ob er sich für die Kickers engagieren würde. "Ich habe abgesagt, weil ich den Eindruck hatte, dass sich die Gremien nur über die Öffentlichkeit unterhalten." Nun sitzt er doch im Aufsichtsrat. Auch, weil ihm die Situation bei den Kickers nicht unbekannt ist. Anfang der 90er Jahre verwaltete er die Finanzen des Hockey-Bundesligisten HTC Stuttgarter Kickers. "Da war die Lage ähnlich", sagt er, "Schulden und zerstrittene Gremien". Zwei Jahre später, so der Geschäftsführende Gesellschafter einer Bäckerei, habe er ein bestelltes Feld hinterlassen.

Die Hockeyspieler der Kickers sind mittlerweile deutscher Meister - und preisen den Familiensinn ihres Vereins. So soll es auch bei den Fußballern der Blauen wieder werden. Sportlich würde man sich allerdings mit dem Aufstieg in die zweite Liga begnügen. Wie alle anderen neu gewählten Aufsichtsratsmitglieder gab auch Dinkelacker als Ziel die Rückkehr in den Profifußball aus. Zunächst allerdings müsse man die Voraussetzungen dafür schaffen. Sprich: Geld in die klamme Kasse bekommen. Ihre Kontakte in die Wirtschaft zu nutzen, das ist die Hauptaufgabe der fünf neuen Kickers-Aufsichtsräte. Neben Dinkelacker wurden am Mittwoch Gerhard W. Kluge, der Geschäftsführer einer Versicherungsverwaltung, der Unternehmer Kai-Uwe Völschow sowie Jürgen Köhn, der Geschäftsführer eines Automobilclubs, und der Rechtsanwalt Rainer Lorz in das Gremium gewählt. "Da haben wir eine gute Mannschaft beisammen", findet Joachim Bayh, der wie Manfred Parlow, Edgar Kurz und Christian Mauch dem Aufsichtsrat erhalten bleibt. Den Vorsitz des Kontrollgremiums wird voraussichtlich Edgar Kurz, Vater von Ex-Bundesligaprofi Marco Kurz, übernehmen.

Am wirtschaftlichen Erfolg wird der neue Aufsichtsrat in einem Jahr gemessen werden. Aber auch am Image des Vereins. "Wir müssen eine bessere Öffentlichkeitsarbeit machen", sagt Bayh. Wenn das klappt, hat er bei der nächsten Mitgliederversammlung nichts zu befürchten.
Toni Sailer
(zu Wolfgang Wolf, der ihn einwechseln wollte)

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"Mir Blaue müsset zusammenhalten"
Die Stuttgarter Kickers und ein weiterer Versuch, in eine bessere Zukunft zu starten
Stuttgart - Die Stuttgarter Kickers haben schon oft versucht, Mitgliederversammlungen als Start in eine bessere Zukunft zu nutzen. Auch bei der diesjährigen Veranstaltung wurde wieder der Zusammenhalt der "Blauen Familie" beschworen, neue Aufsichtsräte versprachen, ihren Beitrag dazu leisten zu wollen, den Verein finanziell besser aufzustellen und zurück in die zweite Fußball-Bundesliga zu führen. Wieder einmal muss abgewartet werden, was daraus wird.

Von Sigor Paesler

Es war die Szene des Abends. Kickers-Urgestein Fritz Seeger trat ungefragt ans Rednerpult und rief den 219 Mitgliedern im Saal zu: "Mir Blaue müsset wieder zusammenhalten." Der Applaus war deutlich größer als zuvor nach dem Rechenschaftsbericht von Präsident Hans Kullen. Der war trotzdem zufrieden. Das Präsidium und der Aufsichtsrat waren mit ordentlicher Mehrheit entlastet worden. Es gab zwar kritische Stimmen, aber nicht zur finanziellen Situation des Vereins. Die meisten Mitglieder schienen der Auffassung zu sein, dass die Vereinsgremien mit dem Verlust von 190 000 Euro aus der vergangenen Saison zwar alles andere als ein optimales Ergebnis vorgelegt hatten, dass sie sich jedoch redlich bemüht und so ein noch schlechteres Resultat verhindert hatten.

Kullen hatte bei der Nachwahl zum Aufsichtsrat zwar nur vier seiner fünf Kandidaten durchgebracht. Aber auch damit konnte er leben. Vor allem von Christian Dinkelacker, Geschäftsführender Gesellschafter der Bäckerei Lang, und von Jürgen Köhn, dem scheidenden Geschäftsführer des ADAC Württemberg, erhoffen sich die Stuttgarter Hilfe bei der Suche nach dringend benötigten Sponsoren. Und selbst Hans-Jürgen Wetzel, der nach einem Streit mit Kullen seinen Posten als Aufsichtsrats-Vorsitzender aufgegeben hatte, sagte: "Es fällt mir etwas leichter, weil ich sehe, welche wirtschaftliche Kompetenz im neuen Aufsichtsrat vorhanden ist." Kullens versöhnende Geste nach dem Abschied hatte Wetzel wohlwollend entgegen genommen.

Die Rückkehr von Kai-Uwe Völschow, der bereits von 2001 bis 2003 im Aufsichtsrat saß, könnte zum Zusammenrücken im Verein beitragen. Völschow gilt immer noch als Oppositioneller, seit er bei der Präsidentenwahl vor zweieinhalb Jahren im Team von Kullens Gegenkandidaten Peter Kappes angetreten war.



Aufsichtsrat komplett
Zudem gilt er als Vertreter der Fans, die ihn mehrheitlich wohl auch gewählt hatten. "Wie er sich seither verhalten hat, lässt hoffen, dass er uns bereichert", sagte Kullen. "Meine Wahl zeigt, dass doch nicht alle mit der momentanen Führung zufrieden sind", sagte Völschow selbst, "und sie zeigt, dass einige noch alte ,Blaue' im Aufsichtsrat haben wollen." Alle anderen neuen Mitglieder sind, was die Kickers betrifft, eher unbeschriebene Blätter.

Der Aufsichtsrat ist mit neun Mitgliedern wieder komplett. Nun hat das Gremium zwei Wochen Zeit, sich einen Vorsitzenden zu geben. Das werden wohl Joachim Bayh und Edgar Kurz untereinander ausmachen. Zudem muss ein Nachfolger des abgetretenen Schatzmeisters Siegfried Jahnke gefunden und ins Präsidium bestellt werden. Der wird dann die schwere Aufgabe haben, die Finanzlücke für die laufende Saison zu stopfen. Denn bisher ist die Liquidität nur bis Mitte April gesichert, das Geschäftsjahr dauert aber bis Ende Juni. "Das bereitet mir gar keine Bauchschmerzen", sagte Kullen auch mit Blick auf die neuen Aufsichtsräte. Sportlicher Erfolg könnte allerdings auch nicht schaden. Fritz Seeger sorgte jedenfalls mächtig für Stimmung, als er davon erzählte, wie er den 4:2-Sieg am vergangenen Samstag beim VfB Stuttgart II genossen hatte. Unter dem größten Beifall des Abends rief er seiner "Blauen Familie" zu: "So muss es weitergehen." Heute (14.30 Uhr) werden sich alle beim Spiel gegen den Karlsruher SC II davon überzeugen
Toni Sailer
(zu Wolfgang Wolf, der ihn einwechseln wollte)

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