Streit um nebulöse Gebühren eskaliert
Von Mike Glindmeier
Die Auseinandersetzungen um die Vergabe der WM-Karten haben einen neuen Höhepunkt erreicht. Verbraucherschützer klagen gegen die bisher gültige Praxis, Geld für Tickets im Voraus zu kassieren. Die Fans ärgert vor allem die Höhe der Gebühr, die vorher nicht offen genannt worden sei.
André Kauselmann ist frustriert. Der Fußball-Fan soll 40 Euro für zwei Eintrittskarten bezahlen, die er nie erhalten wird. Kauselmann hatte sich die Option auf eine Teamserie für zwei Personen gekauft. 626 Euro überwies er bereits im Mai dafür an den DFB, Kap Verde bei einer Qualifikation bis ins Viertelfinale begleiten zu können.
Doch daraus wurde nichts. Das afrikanische Team scheiterte in der Qualifikation. Trotzdem soll der 28-Jährige jetzt nochmal zahlen. "Ich habe beim WM-OK nachgefragt, wann mir mein Geld zurück erstattet wird und wie viel Gebühren anfallen. Von den 626 Euro sollen mir in den kommenden Tagen 586 zurück überwiesen werden", so Kauselmann gegenüber SPIEGEL ONLINE. 20 Euro pro Ticket seien nach Angaben des Mitarbeiters Bearbeitungsgebühr. "Eine Frechheit", so Kauselmanns Kommentar.
"Wir haben jeden Kunden beim Kauf darauf hingewiesen, dass diese Gebühr anfällt", hält WM-OK-Sprecher Jens Grittner auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE dagegen. Er kann den Unmut nicht verstehen: "Schließlich fallen bei uns Kosten an, um die Gelder an die Kunden zurück zu überweisen". Dafür hätte Kauselmann sogar Verständnis gehabt: "Es wurde aber zu keinem Zeitpunkt der Bestellung darauf hingewiesen, wie hoch diese Gebühr ist. Dort stand lediglich, dass eine anfallen wird."
Kauselmann habe sich nach eigenen Angaben ausführlich mit den Geschäftsbedingungen des Ticketanbieters auseinander gesetzt. "Das OK wusste wohl selber nicht, wie hoch die Gebühr am Ende ausfallen wird, sonst hätten sie es ja angeben können", vermutet der Mainzer. Der Beweis ist schwierig anzutreten, das besagte Bestellformular nicht mehr online. Auch Grittner kann den Beleg auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE nicht erbringen.
Auch für die 140.000 Optionstickets, die heute binnen weniger Stunden bestellt wurden, werden im Falle der Nichtberücksichtigung Gebühren fällig. Durch den Kauf der Optionstickets erwirbt der Kunde eine Anwartschaft auf rückläufige Karten. Wie hoch diese Zahl am Ende sei, könne das OK zwar nicht vorhersehen. Dafür steht die Bearbeitungsgebühr fest: 5 Euro. Das macht in der günstigsten Preiskategorie (35 Euro pro Karte) knapp 15 Prozent vom Verkaufspreis. "Nur so können wir die Möglichkeit anbieten, sich auf eine Warteliste setzen zu lassen", sagt Grittner mit Hinweis auf die Verwaltungskosten.
Ärger prasselt in diesen Tagen nicht nur von Seiten der Fans auf das OK ein. Heute reichte der Bundesverband der Verbraucherschützer (vzbv) beim Landgericht Frankfurt am Main einen Antrag auf einstweilige Verfügung ein. Gegenstand des Antrages sind sowohl die Verkaufsbedingungen der Optionstickets als auch die hohen Bearbeitungsgebühren für die Teamserien. "Der Ärger ist vierfach", sagte Patrick von Braunmühl, stellvertretender Vorstand des vzbv: "Erst qualifiziert sich das Team nicht, dadurch verfällt die erhoffte Eintrittskarte zur WM, dann wird das vorausbezahlte Geld nicht umgehend zurückerstattet und zu allem Übel wird dann auch noch eine happige Bearbeitungsgebühr abgezogen."
Parallel dazu prüft derzeit auch die Europäische Union, ob die Fifa beim Verkauf der Eintrittskarten gegen EU-Recht verstößt. Die Fans müssten dem Veranstalter ein zinsloses Darlehen gewähren, ohne einen entsprechenden Gegenwert zu erhalten", sagt der Europa-Abgeordnete Alexander Graf Lambsdorff (FDP).
"Wir sehen dieser Klage gelassen entgegen, bedauern diese Entwicklung aber, da wir gerade mit den Verbraucherschützern bislang in einem offenen und regelmäßigen Dialog standen", sagte WM-OK-Vizepräsident Horst R. Schmidt: "Ein Rechtsstreit ist weder der Sache dienlich, noch orientiert er sich an den wirklichen Interessen der Fußball-Fans."
Der letzte Satz ist so geil, als hätte Herr Schmidt Ahnung was im Interesse eines richtigen Fußball-Fans wäre
Streit um WM Tickets
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Streit um WM Tickets
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Und aus der Welt der Skurrilitäten, äh des Fußballs, noch diese Meldung:
Das man ernsthaft darüber verhandeln muss, ob eine Zeitung des WM-Logo oder -Maskottchen abdrucken darf.
Die Typen haben so einen Schlag.
Quelle: sidDer Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) und der Fußball-Weltverband FIFA haben sich nach langen Verhandlungen über die redaktionelle Nutzung des WM-Maskottchens „Goleo VI“, des WM-Logos und des Pokals in Tageszeitungen anlässlich der WM 2006 geeinigt. Abbildungen dürfen nun zur Illustration auf Titelseiten genutzt werden. Außerdem dürfen die WM-Marken zur Gestaltung von redaktionallen Beiträgen auch auf den Sportseiten erscheinen, müssen aber von Anzeigen deutlich abgegrenzt sein.
„Mit der Freigabe der WM-Symbole hat die FIFA anerkannt, welch hohen Stellenwert die Berichterstattung der Zeitungen für die WM 2006 in Deutschland hat“, sagte BDZV-Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff.
Der Verband strebt den Abbau weiterer Restriktionen insbesondere im Bereich der Fotoberichterstattung an. So schreibt die FIFA in ihren Akkreditierungsregeln für Journalisten vor, wann und wie viele Fotos von Online-Medien veröffentlicht werden dürfen. Außerdem gibt es klare Vorschriften für die Gestaltung der Fotos in den Printmedien. „Solche Eingriffe in die redaktionelle Arbeit sind mit unserem Verständnis von Journalismus nicht zu vereinbaren“, sagte Wolff.
Das man ernsthaft darüber verhandeln muss, ob eine Zeitung des WM-Logo oder -Maskottchen abdrucken darf.
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Gehts noch???? Das ist doch schon fast Zensur.So schreibt die FIFA in ihren Akkreditierungsregeln für Journalisten vor, wann und wie viele Fotos von Online-Medien veröffentlicht werden dürfen. Außerdem gibt es klare Vorschriften für die Gestaltung der Fotos in den Printmedien. „Solche Eingriffe in die redaktionelle Arbeit sind mit unserem Verständnis von Journalismus nicht zu vereinbaren“, sagte Wolff.
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Katerstimmung in den WM-Luxuslogen
07. Dezember 2005 Für Andreas Hacker ist der Freitag ein Tag der Hoffnung. Wenn morgen in Leipzig mit Pomp, Glanz, Heidi Klum und Franz Beckenbauer die Vorrundengruppen für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 ausgelost werden, soll für Hacker, Vizevorstandschef der Sportrechteagentur ISE Hospitality, endlich der Knoten platzen.
Denn ISE hat ein Problem: Das Unternehmen hat den Vertrieb der teuersten WM-Karten in den Luxuslogen der Stadien übernommen. Doch der Vorverkauf der bis zu 15.000 Euro teuren „Rundumwohlfühlpakete” (Hacker) für mehrere Spiele einschließlich Getränken und Essen läuft offenbar ziemlich bescheiden.
Fachleute sind skeptisch
Exklusive Endspielplätze im Olympiastadion
ISE soll im Auftrag des Weltfußballverbandes Fifa mehr als 300.000 Edeltickets unters betuchte Fußballvolk bringen, rund ein Zehntel des gesamten Kartenkontingents. Verkauft hat ISE nach eigenen Angaben bisher nur etwa die Hälfte.
Hacker gibt sich eisern optimistisch. Nach der WM-Auslosung am Freitag rechne er mit einer „Tsunamiwelle an Nachfrage”, trommelte der Marketingmann kürzlich in eigenwilliger Diktion vor Journalisten. Wenn erst die Vorrundengruppen feststehen, so hofft Hacker, werden die Leute schon kaufen.
Doch Fachleute sind skeptisch. „Der ISE-Vorverkauf ist eine Katastrophe, die Lage ist sehr schwierig”, heißt es im Umfeld der WM-Organisatoren. Vor allem in den Stadien abseits der großen Metropolen wie München oder Berlin müsse ISE kämpfen.
ISE schweigt zu Finanzzahlen
Hacker will davon nichts wissen. „Wir sind sehr optimistisch, daß wir am Ende ausverkauft sind”, sagt er. Doch daß hinter den Kulissen auch bei ISE die Nervosität wächst, zeigt eine jetzt anlaufende großangelegte Werbekampagne, die den Verkauf ankurbeln soll. „ISE hatte nicht damit gerechnet, daß das nötig werden würde”, berichten Kenner.
In den Fernsehspots zeigen die WM-Vermarkter heulende Männer, die mit einer Edel-WM-Karte getröstet werden. Zu einer „Don't cry”-Party lud ISE Ende November rund tausend potentielle Kunden zu Schampus und Häppchen nach München. Die Werbeanstrengungen haben gute Gründe.
ISE, ein Gemeinschaftsunternehmen der beiden Werbeagenturen Dentsu und Publicis, schweigt sich zu Finanzzahlen aus. Doch in Branchenkreisen heißt es, die forschen Ticketverkäufer hätten allein für die Vertriebsrechte mehr als 200 Millionen Franken (rund 130 Millionen Euro) bezahlt. Der Einkaufspreis für die Tickets bei der Fifa ist darin freilich noch gar nicht enthalten.
Luxuskarten im normalen Vorverkauf?
Auch der Aufwand, den ISE vor Ort für die Edelfußballfans treiben will, ist enorm. Im Berliner Olympiastadion will das Unternehmen während der WM eigens eine 25 000 Quadratmeter große Zeltstadt für die standesgemäße Verpflegung und Unterhaltung der verwöhnten Kundschaft errichten. 4000 Hostessen sollen sich um das Wohl der Gäste kümmern.
Pessimisten unken dennoch bereits, daß die Luxuskarten am Ende mit Preisabschlägen gar in den normalen Vorverkauf für das gemeine WM-Publikum gelangen könnten. Denn leere Logensitze darf es laut Vereinbarung mit der Fifa in den WM-Stadien nicht geben, weil die sich im Fernsehen gar nicht gut machen würden.
Wird ISE, um eine solche Blamage abzuwenden, möglicherweise selbst die Preise senken? Vorstandschef George Taylor antwortet ausweichend: „Wir sind absolut sicher, daß wir die richtigen Preise haben.” Vergleichbare andere Karten für sportliche Großereignisse seien zudem meist deutlich teurer. Taylor will jedenfalls bis zuletzt kämpfen: „Wir können noch neunzig Minuten vor Anpfiff Karten verkaufen und sie den Kunden rechtzeitig zustellen.”
Quelle: FAZ.de
07. Dezember 2005 Für Andreas Hacker ist der Freitag ein Tag der Hoffnung. Wenn morgen in Leipzig mit Pomp, Glanz, Heidi Klum und Franz Beckenbauer die Vorrundengruppen für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 ausgelost werden, soll für Hacker, Vizevorstandschef der Sportrechteagentur ISE Hospitality, endlich der Knoten platzen.
Denn ISE hat ein Problem: Das Unternehmen hat den Vertrieb der teuersten WM-Karten in den Luxuslogen der Stadien übernommen. Doch der Vorverkauf der bis zu 15.000 Euro teuren „Rundumwohlfühlpakete” (Hacker) für mehrere Spiele einschließlich Getränken und Essen läuft offenbar ziemlich bescheiden.
Fachleute sind skeptisch
Exklusive Endspielplätze im Olympiastadion
ISE soll im Auftrag des Weltfußballverbandes Fifa mehr als 300.000 Edeltickets unters betuchte Fußballvolk bringen, rund ein Zehntel des gesamten Kartenkontingents. Verkauft hat ISE nach eigenen Angaben bisher nur etwa die Hälfte.
Hacker gibt sich eisern optimistisch. Nach der WM-Auslosung am Freitag rechne er mit einer „Tsunamiwelle an Nachfrage”, trommelte der Marketingmann kürzlich in eigenwilliger Diktion vor Journalisten. Wenn erst die Vorrundengruppen feststehen, so hofft Hacker, werden die Leute schon kaufen.
Doch Fachleute sind skeptisch. „Der ISE-Vorverkauf ist eine Katastrophe, die Lage ist sehr schwierig”, heißt es im Umfeld der WM-Organisatoren. Vor allem in den Stadien abseits der großen Metropolen wie München oder Berlin müsse ISE kämpfen.
ISE schweigt zu Finanzzahlen
Hacker will davon nichts wissen. „Wir sind sehr optimistisch, daß wir am Ende ausverkauft sind”, sagt er. Doch daß hinter den Kulissen auch bei ISE die Nervosität wächst, zeigt eine jetzt anlaufende großangelegte Werbekampagne, die den Verkauf ankurbeln soll. „ISE hatte nicht damit gerechnet, daß das nötig werden würde”, berichten Kenner.
In den Fernsehspots zeigen die WM-Vermarkter heulende Männer, die mit einer Edel-WM-Karte getröstet werden. Zu einer „Don't cry”-Party lud ISE Ende November rund tausend potentielle Kunden zu Schampus und Häppchen nach München. Die Werbeanstrengungen haben gute Gründe.
ISE, ein Gemeinschaftsunternehmen der beiden Werbeagenturen Dentsu und Publicis, schweigt sich zu Finanzzahlen aus. Doch in Branchenkreisen heißt es, die forschen Ticketverkäufer hätten allein für die Vertriebsrechte mehr als 200 Millionen Franken (rund 130 Millionen Euro) bezahlt. Der Einkaufspreis für die Tickets bei der Fifa ist darin freilich noch gar nicht enthalten.
Luxuskarten im normalen Vorverkauf?
Auch der Aufwand, den ISE vor Ort für die Edelfußballfans treiben will, ist enorm. Im Berliner Olympiastadion will das Unternehmen während der WM eigens eine 25 000 Quadratmeter große Zeltstadt für die standesgemäße Verpflegung und Unterhaltung der verwöhnten Kundschaft errichten. 4000 Hostessen sollen sich um das Wohl der Gäste kümmern.
Pessimisten unken dennoch bereits, daß die Luxuskarten am Ende mit Preisabschlägen gar in den normalen Vorverkauf für das gemeine WM-Publikum gelangen könnten. Denn leere Logensitze darf es laut Vereinbarung mit der Fifa in den WM-Stadien nicht geben, weil die sich im Fernsehen gar nicht gut machen würden.
Wird ISE, um eine solche Blamage abzuwenden, möglicherweise selbst die Preise senken? Vorstandschef George Taylor antwortet ausweichend: „Wir sind absolut sicher, daß wir die richtigen Preise haben.” Vergleichbare andere Karten für sportliche Großereignisse seien zudem meist deutlich teurer. Taylor will jedenfalls bis zuletzt kämpfen: „Wir können noch neunzig Minuten vor Anpfiff Karten verkaufen und sie den Kunden rechtzeitig zustellen.”
Quelle: FAZ.de
Dumm kickt gut