Der ehemalige Fußball-Nationalspieler Fredi Bobic über die schwierige Suche nach einem neuen Job
Von Lars Gartenschläger
Für Fußball-Profis, die ohne Verein oder bei ihren Klubs nur Ersatz sind, könnten die kommenden vier Wochen von großer Bedeutung werden. Denn seit dem 1. Januar dürfen wieder Transfers abgewickelt werden. Die Berliner Morgenpost sprach mit dem früheren Nationalspieler Fredi Bobic (34), der seit Juli nach seinem Ausscheiden bei Hertha BSC ohne Verein ist.
Berliner Morgenpost: Herr Bobic, seit Juli halten Sie sich nun schon fit. Hoffen Sie wirklich noch auf eine Anstellung oder haben Sie Ihre Karriere in Gedanken schon beendet?
Fredi Bobic: Sollte ich im Januar, wenn die Vereine nach Spielern Ausschau halten, nicht entscheiden können, etwas zu machen, womit ich glücklich bin, ist der Zeitpunkt gekommen, wo ich ehrlich zu mir sein und sagen muß: Okay, das war es jetzt.
Warum hat sich nichts ergeben?
Es gab ja Anfragen. Aus der Zweiten Liga, aus Italien vom FC Turin, aus Frankreich von Sochaux - aber es war nie das Richtige dabei. Und ich will nicht etwas machen, nur damit ich etwas mache.
Worauf warten Sie?
Mit Sicherheit nicht auf den ganz großen Coup. Ich bin realistisch genug und weiß, daß es für mich nicht mehr so einfach ist.
In Edinburgh, wo Sie vorgespielt haben, wurde der Trainer entlassen, der Sie verpflichten wollte. In Straßburg sollten Sie vorstellig werden, obwohl die Franzosen mit Pagis schon einen ähnlichen Spielertypen haben.
Edinburgh hätte mich wirklich gereizt. Straßburg war eher eine Sache, die ich aus Gefälligkeit für Mark Keller getan habe, der früher beim Karlsruher SC gespielt hat und heute dort Manager ist. Ich wußte, daß es Schwachsinn ist, überhaupt dorthin zu fahren, weil die mich nicht gebrauchen konnten. Aber Mark hat nicht locker gelassen und gemeint, daß es mir nicht schaden würde, bei ihnen mitzutrainieren. Ich habe ihm gesagt: Weißt du, in Deutschland schadet dir alles, wenn du irgendwo zur Probe trainierst und man dich nicht nimmt. Mein Gott, ich habe es trotzdem getan und hake es als kleine Lebenserfahrung ab.
Wie fühlen Sie sich, wenn Sie spüren, daß Sie nicht mehr gebraucht werden?
Ich halte mich ja bei den Stuttgarter Kickers (Regionalliga-Süd; die Red.) fit, und das gibt mir schon sehr viel. Es freut mich, wenn junge Spieler zu mir kommen, weil sie Hilfe brauchen. Die Jungs freuen sich, wenn sie gegen mich einen Zweikampf gewinnen. Sie sehen zudem, daß es keine Schande für mich ist, als ehemaliger Nationalspieler in der Dritten Liga zu trainieren.
Gab es Momente, wo Sie sich schlecht gefühlt haben?
Die gab es im November. Da habe ich geflucht und mich gefragt: Warum passiert denn nichts? Ich verfolge die Ligen in Europa. Mein Name ist hier und da im Gespräch, aber es kommt nichts. Und wenn, dann sagt der eine oder andere am Ende auch noch: Nee, nee, laß das mal mit dem Bobic, der ist doch schon 34. Der kann doch nichts mehr. Ich werde als Krüppel hingestellt. Das stinkt mir gewaltig, da fehlt mir der Respekt. Weil ich dann nämlich nach England hinüberschaue und einen Teddy Sheringham mit 38 Jahren noch in der Premier League bei West Ham United herumlaufen sehe. Der wird sicher keine 20 Tore mehr machen, aber das ist auch nicht seine Aufgabe. Der führt da jetzt eine junge Mannschaft ...
... was Sie sich auch vorstellen könnten?
Was haben die Vereine denn zu verlieren? Statt dessen holen sie Spieler, deren Namen keiner aussprechen kann, die Ablöse kosten und viel Geld haben wollen. Wer mich kennt, der weiß, daß ich kein Problem mit Ausländern habe - im Gegenteil, ich bin selbst in einem anderen Land geboren. Aber ich finde es nicht in Ordnung, daß wir zuerst über die Grenzen schauen und nicht bei uns gucken.
Ist es auch eine Frage des Geldes gewesen, daß Sie bisher keinen Job bekommen haben?
Wenn es mir um die Kohle gehen würde, könnte ich morgen in die Wüste gehen. Ich will noch einmal Spaß haben, mehr nicht.
Was machen Sie, wenn sich kein Klub mehr meldet?
Es gibt für die ersten Monate des Jahres eine Option, in Japan zu spielen. Die nähere Zukunft ist kein Problem. Ich werde bei der WM entweder im Medien- oder im Public-Relations-Bereich arbeiten. Was danach kommt, überlege ich mir gerade. Ich habe Angebote aus dem Marketing-Bereich, zudem werde ich den Trainerschein machen. Ob ich auch als Trainer arbeiten will, weiß ich noch nicht.
Sportlich lief es für Sie bei Hertha BSC alles andere als gut, verfolgen Sie die Entwicklung Ihres letzten Arbeitgebers noch?
Klar, wir wohnen noch in Berlin, da besteht also eine gewisse Bindung. Hertha wird es nicht einfach haben, in den kommenden Jahren mit den Klubs aus dem oberen Drittel Schritt zu halten. Das Problem der Stadt, des Umfeldes und nicht zuletzt des Klubs ist, daß die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit einfach zu groß ist. Ich kann nicht immer nur reden, da muß dann auch mal was passieren.
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Die Äußerungen zum Training bei uns sind völlig daneben. Der soll doch froh sein, dass er mitmachen darf. Stattdessen ist er "sich nicht zu schade". Danke, Fredi

