Das entschied die fünfköpfige Jury um Professor Horst Dieter Schlosser von der Frankfurter Goethe-Universität.
Damit sei eine gleichbleibende, wenn nicht gar gesteigerte Arbeits- und Produktionsleistung gemeint, nachdem zuvor zahlreiche für „überflüssig“ gehaltene Mitarbeiter entlassen worden seien, begründete die Jury um den Sprachwissenschaftler Horst Dieter Schlosser am Dienstag in Frankfurt am Main ihre Entscheidung.
Der Begriff verschleiere damit die meist übermäßige Mehrbelastung derjenigen, die ihren Arbeitsplatz noch hätten behalten können.
Auf Platz zwei landete der „Ehrenmord“. Mit der sprachlich paradoxen Formulierung könne „die Ermordung von in der Regel weiblichen Familienmitgliedern mit Berufung auf eine archaische, in unserem Kulturkreis absolut inakzeptable Familienehre“ relativiert werden, erklärte die Jury.
Den dritten Rang nahm das Wort „Bombenholocaust“ ein. Dies stelle einen weiteren Höhepunkt der Leugnung, zumindest der Verniedlichung des NS-Völkermords dar. Mit dem Begriff habe die NPD im sächsischen Landtag im Januar 2005 geglaubt, die Zerstörung Dresdens umschreiben zu müssen.
Die Jury aus fünf Sprachexperten hatte die Wahl zwischen 1073 verschiedenen Vorschlägen. Zu den Favoriten der 15. Aktion gehörten Begriffe aus der Wirtschaftswelt wie „Smartsourcing“, „Qualitätsoffensive“ oder „Unternehmerische Hygiene“.
Am häufigsten schlugen die Teilnehmer vor: „Ehrenmord“, „Gammelfleisch“, „Parasiten“ und „Schwampel-Koalition“.
Mit dem „Unwort“ will die unabhängige Jury sprachliche Missgriffe rügen, die „sachlich grob unangemessen sind und möglicherweise die Menschenwürde verletzen“. Nicht wie oft ein Wort vorgeschlagen wird, ist für die Jury um ihren Vorsitzenden Horst Dieter Schlosser entscheidend, sondern „ein besonders krasses Missverhältnis von Wort und bezeichneter Sache“.
Die Unwörter der vergangenen fünf Jahre waren Humankapital (2004), Tätervolk (2003), Ich-AG (2002), Gotteskrieger (2001), National befreite Zone (2000). Das Unwort des Jahres wird seit 1991 gekürt.
(sueddeutsche.de/dpa/AFP)
„Entlassungsproduktivität“ ist das Unwort des Jahres 2005
- SIR Andrew
- Kickers-Fan
- Beiträge: 2532
- Registriert: Mittwoch 20. August 2003, 17:39
- Wohnort: Leinfelden-Echterdingen
- SAUNASARKAST
- Kickers-Fan
- Beiträge: 1151
- Registriert: Samstag 28. Februar 2004, 12:49
- Wohnort: Berlin
- Kontaktdaten:
-
Überlinger
Das ist doch schon seit Jahren so! Ich erinnere nur an Wörter wie "Wohlstandsmüll" (behinderte Menschen)...SAUNASARKAST hat geschrieben:früher fand ich den wettbewerb ja relativ interessant, aber inzwischen ist das ein wenig arg politisch geworden wie ich finde.
Für mich ist diese Wahl total schwachsinnig