[Bericht] Coupe de France: Olympique Lyon - SC Bastia
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Tüten-Tim
[Bericht] Coupe de France: Olympique Lyon - SC Bastia
Frisch aus Fronkraisch:
Coupe de France am 21.3.2006
Olympique Lyon vs. SC Bastia
1:0
Irgendwie scheint das Jahr 2006 bisher etwas an mir vorbei gegangen zu sein, denn größere Fußballtouren standen noch keine auf der Agenda. Ein Glück rüttelt mich Grifo aus dem Winterschlaf, die das Achtelfinal-Gastspiel ihrer Korsen im Coupe de France in Lyon sehen will. Die Lyonnais wurden in den letzten 4 Jahren in Folge Meister und auch in diesem Jahr müsste fast schon ein Wunder geschehen, damit der 5. Titel in Folge nicht an die Rhone geht. Dazu hat man mit dem Stade Gerland (44.000 Plätze; 1926 erbaut; für die WM 1998 renoviert) ein äußerst hübsches Zuhause und mit den beiden Gruppen “Bad Gones ‘87” (“Les Gones” ist der Spitzname der Lyonnais) und “Lugdunum’s 1993” (orientiert sich am römischen Namen der Stadt: Lugdunum) verfügt man nicht unbedingt über das schlechteste, was derzeit in Sachen Ultra’ so in Frankreich geboten wird – natürlich auch bedingt durch den beinahe schon beängstigenden Erfolg der Mannschaft. Da der Albstädter kurz davor ist seinen Dienst für Vater Staat anzutreten und dementsprechend massig Zeit übrig hat, kann auch er für diese kleine Tour gewonnen werden. Ebenfalls mit an Bord ist der Duisburger Kai, der übrigens neuerdings mit Grifo ein Paar bildet. Unterwegs mit zwei Turteltäubchen durch Frankreich – ob das gut geht? Natürlich, denn wer Fräulein Grifo kennt, der weiß, dass immer ne Menge Spaß geboten ist. Folgerichtig trifft die Bande aus NRW gut gelaunt und dazu pünktlich am Treffpunkt an der Autobahnraststätte Baden-Baden ein. Rein ins Mietauto (ein kleiner Japaner in Smart-Größe – der Thrombosealarm kann vermutlich in Kürze eingeläutet werden, hehe…) und ab über Gevatter Rhein, vorbei an den unzähligen “Elsass frei”-Graffitties, den Kult-Spruch der Tour anhören (Grifo ist seit einiger Zeit Terek Grozny-Sympathisantin und schmeißt tschetschenische Musik (die nicht von allen als solche bezeichnet wird) in den CD-Player, kommentiert unser Gelächter und abwertendes Geschwafel über die recht eintönige Musik mit einem knallharten “Hey… Das war mein persönlicher Sommer-Hit 2005!”), schnell unterwegs noch nen Döner reinpfeifen (Achtung: gleicher Name, aber kaum ein Vergleich zur deutschen Variante) und den Weg nach Lyon bahnen (immerhin von den Jahren 1032 bis 1310 mal deutsch gewesen). Die mit 450.000 Einwohnern drittgrößte Stadt Frankreichs (würde man wie bei uns die angrenzenden Kleinstädte und Dörfer eingemeinden, käme man sogar auf 1,3 Millionen Einwohner und überholt damit gar den Ballungsraum Marseille) wird pünktlich erreicht, ebenso das Stade Gerland, zumal Kai hier in Lyon studiert hat und sich perfekt auskennt. Eine Stadtführung soll in den Abendstunden folgen, jetzt geht König Fußball erst mal vor. Wie in jedem französischen Erstliga-Stadion gibt es natürlich auch in Lugdunum einen kostenlosen Parkplatz für die Gästefans, immerhin ein Auto steht schon da – und dabei sollte es auch bleiben. Ein Kult, diese Fanszene von Bastia. Kann man ein wenig mit Burghausen oder Unterhaching vergleichen (Bastia hat gerade einmal 40.000 Einwohner), allerdings hat die Fanszene von SCB eine durchaus berüchtigte Vergangenheit (einst flogen schon Handgranaten aufs Spielfeld, wenngleich auch in engem Zusammenhang mit der korsischen Unabhängigkeitsbewegung zu sehen). Zwar sind die Spiele beim Erzrivalen Nizza noch heute wohl einen Besuch wert, seit Mitte der 90er Jahre ist die SCB-Szene aber nicht mehr allzu ernst zu nehmen. Das liegt halt vor allem an der Insellage, zu den Auswärtsspielen auf dem Festland kommen fast ausschließlich Exil-Korsen – somit eine fast schon einmalige Situation in Europa, dass man hier auswärts praktisch grundsätzlich ein komplett anderes Publikum vorfindet als bei Heimspielen. So auch heute, denn laut Grifo soll der geplante Fan-Flieger von Korsika nach Lyon nicht zustande gekommen sein, sie erwartet daher nur rund 100 Gästefans. Doch noch haben die Kassen des wunderschönen Stadions nicht geöffnet, wir können also noch etwas rund um den Komplex flanieren. Kai haut derweil schon mal zu seinen Lyonnais ab, ist er ja schließlich auch Mitglied bei den Lugdunum’s. Was hier in Lyon sofort auffällt ist das angenehmere Klima, zwar noch nicht mediterran, aber sehr chillig. Bevor der Zauber im Stade Gerland beginnt darf es noch mal Döner sein, was anderes – außer das goldene M – findet man an den Ständen rund ums Stadion ohnehin nicht. So, dann aber mal los. Schnell noch ein Foto mit Grifos “Rebels ‘98”-Fahne, dann rein in den Gästeblock. Viel los ist hier nicht, abgezählte 93 Bastia-Fans werden sich bis zum Anstoß einfinden. Derweil füllt sich die Virage Sud mit den Lugdunum’s und die Virage Nord mit den BG’87 anständig, schätzungsweise 4.000 Mann pro Kurve. Insgesamt werden es immerhin knapp 30.000 Zuschauer im Stade Gerland sein, das ist über meinen Erwartungen, zumal der Pokal in Frankreich nicht unbedingt als attraktiv gilt. Schade, bringt dieser doch einige interessante Eigenarten mit sich, so dürfen sogar die Übersee-Vereine aus den vier sich außerhalb von Europa befindlichen Départements Martinique, Guadeloupe, Réunion und Guyane am Wettbewerb teilnehmen (am Anfang sogar zu Hause, danach grundsätzlich in Paris). Nichtsdestotrotz heißt der Gegner für die Lyonnais heute aber SC Bastia und sollte eigentlich eine leichte Beute für den Tabellenführer der ersten Liga werden. Von den BG’87 gibt es zum Anpfiff eine schöne Schalparade, bei den Lugdunum’s gegenüber reichlich Fahnen und ein Spruchband für einen kürzlich bei einem Autounfall verstorbenen Fan. Bei Bastia gibt es immerhin auch eine relativ geschlossene Schalparade, dazu wird eifrig mit dem Testa Mora – der schwarze Kopf, das Symbol Korsikas – geschwenkt. Trotzdem: Organisiert und durchstrukturiert ist das wirklich nicht, was hier im Gästeblock passiert und geht beinahe schon in Richtung “peinlich”. Während dem Spiel machen besonders die Lugdunum’s einen ausgezeichneten Eindruck, ständig werden irgendwo mehrere Fahnen geschwenkt, teilweise sogar die richtig großen Schwenker. Von den BG’87 ist leider nicht viel zu hören, könnte aber auch daran liegen, dass der Gästeblock relativ weit weg liegt von der Virage Nord und vom restlichen Stadion durch eine Plexiglasscheibe getrennt ist (auch die Lugdunum’s hört man nicht immer sehr laut, zumal die Virade Sud – wie auch die Virage Nord – sehr weit vom Spielfeld entfernt ist, Kai allerdings stufte die Stimmung auf der Sud als sehr gut ein, was optisch auch genau diesen Eindruck machte), jedoch ist praktisch kaum Bewegung im Block auf der Nord – somit ein schwacher Auftritt der BG’87. Einzig und allein beim “Qui ne saute pas…” dreht hier das komplette Stadion vollkommen frei, alles ist am hüpfen, total geil!! Spielerisch ist das ganze nicht unbedingt Glanzfußball, natürlich spielt Lyon gegen den Zweitligisten auch nicht auf höchster Flamme. Letztendlich ist es ein Traumtor von Superstar Juninho, der für die Entscheidung sorgt. Bastia praktisch ohne eine einzige Torchance, das ist bitter. So weit, so gut. Die anschließende Blocksperre bietet Gelegenheit, sich noch mal ausführlich das anwesende Korsinnen-Aufgebot anzuschauen, eine mit dem Prädikat “1A” erkundigt sich sogar bei Grifo, ob wir Deutsche seien. Allerdings verhalten wir uns leicht trottelig als eben diese graziöse Korsin uns anquatscht, laufen wir doch tatsächlich im Tran stattdessen einfach stumm an ihr vorbei – Dr. Hitch, bitte helfen Sie uns … Vorm Gästeblock wartet bereits Kai, überreicht mir wie versprochen einen Lugdunum’s-Schal und dann geht’s ab in den Lyoner Stadtkern. Während wir bis jetzt nur wirklich abgefuckte Plattenbauten gesehen haben (vergleichbar mit Belgrad), soll es jetzt historische Bausubstanz zu sehen geben. Schnittig gleitet Kai durch die engen Gassen Lyons, er kennt sich hier schließlich aus wie in seiner Westentasche: Die Opéra national de Lyon oder das sehenswerte Hotel de Ville (Rathaus) werden lässig im Vorbeifahren gezeigt, dazu gibt es wüste Henker-Geschichten aus der Revolutionszeit. Dazu ist für einen Dienstag Abend hier noch einigermaßen was los, von Studentenkrawallen sieht man allerdings nichts (hatte ich mich ja leise, still und heimlich drauf gefreut, ein bisschen von dieser typisch französischen Mentalität sehen zu können, berichten die Medien in Deutschland doch derzeit fast täglich von den Aufständen an den Unis). Es ist jetzt zwar schon nach Mitternacht, aber alle vier könnten jetzt noch gut was zu essen vertragen. Also am Rhone-Ufer entlang noch mal die Bauwerke genauer anschauen, hinterm Hotel de Ville warten in den engen Gassen einige – Überraschung – Döner-Läden. Also das dritte Mal heute arabische Fleischtaschen. Zeit genug für eine Diskussion über die französische Einwanderungspolitik, schließlich werden die Dönerläden (flexibel, wie die französische Sprache nun mal ist, hat man in unserem Nachbarland die Wortschöpfung “Kebaberie” kreiert, was auf den ersten Blick zwar lustig aussieht, aber im Kern doch logisch ist) hier hauptsächlich von Nordafrikanern geführt. Und ich finde, die haben hier absolut ihre Daseinsberechtigung, haben die Franzosen doch über Jahrhunderte hinweg ihre Kolonien ausgeplündert und tragen faktisch eine Mitschuld, dass diese Länder heute wirtschaftlich keinen leichten Start haben. Trotzdem: Was mit dem Abend anfangen? Albi und ich würden gerne noch einen drauf machen, jedoch ist der Fahrer müde und da wir bereits einen im Tank haben und uns somit eher weniger als Fahrer anbieten können, verlassen wir Lyon halt wieder. Es geht rund 60 km gen Norden, wo wir in Bourg-en-Bresse das F1-Hotel finden. 27 Euro pro Zimmer, zwar ist das ganze hier nicht ausschließlich computer-gesteuert und zwei Typen stehen an der Rezeption (womit das 3er-Zimmer nicht wie geplant zu viert genutzt werden kann), aber im Endeffekt ist das immer noch recht günstig. Es darf noch ein bisschen französisches Fernsehen mitsamt Pokalergebnissen sein, dann fallen die Augen alsbald zu.
Frankreich 4. Liga am 22.3.2006
FC Sochaux B vs. US Endoume Marseille
1:0
Was für’n geiler Spieltag in Frankreich: 15 Uhr Sochaux B, 17 Uhr Sochaux C-Jugend und 20 Uhr die Frauenmannschaft vom FC Vendenheim im Stadt Waldeck – wie geil ist das bitte? Nun ja, ganz so durchgeballert scheinen die anderen Mitfahrer wie ich nicht zu sein, als ich am Vorabend von meinen Plänen erzähle, aber vielleicht kann ich heute ja noch etwas Motivationsarbeit leisten. Für gute Laune sorgt zunächst erstmal der Fernsehsender “France 2”, der in diesem Moment die hierzulande eher verpönte Sendung “Top of the pops” ausstrahlt. Nun ja, wie manche vielleicht wissen gibt es in Frankreich ein Gesetz, dass in Funk und Fernsehen ein bestimmter Prozentsatz der Lieder französisch sein muss. Und da Grifo und Kai sowieso verpennt haben – wie Informant Albi einem so eben steckt – können also ganz gediegen die Plätze 1 bis 12 verfolgt werden. Und tatsächlich: Kein blödes 50 Cent-Gelaber, kein nerviges US5 oder irgendein anderer amerikanischer 08/15-Mist. Nein, hier läuft wirklich gute französische Musik, mit dabei sogar fetziger französischer Hip-Hop, was den Albstädter und mich wild im Zimmer rumspringen lässt. Yeah, alle Hände hoch! Klasse, die Namen der Combos sind notiert, da werden die heimischen Lautsprecher ja wieder einiges zu tun bekommen. Wir haben nun aber erst mal Termine und nach einem Frühstück bei McD (die Alternative wäre mal wieder Döner gewesen) und einem Einkauf in einem dosenpfand-freien Supermarché unseres Nachbarlandes (wer da mit 56 Dosen Bier an der Kasse ankommt kann manchmal ziemlich belächelt werden…) erreichen wir mit Montbéliard wieder schwäbischen Boden. Kai hat bereits gute Vorarbeit geleistet, das Stade Rene Blum wird im Handumdrehen gefunden – ebenso ein Zettel, der darauf verweist, dass das heutige Spiel ins große Stade Bonal verlegt wird. Bitte was??? Orrr, die Stimmung ist am Siedepunkt, zumal das Stadion der FCSM-B-Elf einiges kann. Und nu? Mal zum Stade Bonal fahren und die Preise checken. Und was sehen wir da: 6 Euro wollen die Halsabschneider für den Hafer! J-Preise!!! Darf ja wohl nicht wahr sein! Gestern in Lyon hat jeder von uns gerade mal 5 Euro gezahlt und dafür haben wir den amtierenden Meister gesehen. Einstimmig wird beschlossen, uns wieder vom Acker zu machen, zumal jeder von uns schon mindestens zweimal ein Spiel im Stade Bonal gesehen hat, für 6 Euro ist es das nicht wert. Ich merk schon, wegen Sochaux C-Jugend und Vendenheim muss ich erst gar nicht ankommen, die gruppen-interne Demokratie wird meinen Vorschlag mit großer Wahrscheinlichkeit gnadenlos abschmettern, hehe… Stattdessen geht es noch mal kurz in der Fußgängerzone von Montebéliard, ab in eine Kebaberie (schließlich stand heute noch gar kein Döner auf der Speisekarte), ein abschließendes Gruppenfoto an einem wichtig aussehenden Denkmal (Grifo hängt staatsmännisch ihren Terek Grozny-Schal darum) und dann geht es ab zurück nach Allemagne. Vorher zieht uns der französische Zoll noch mal aus dem Verkehr, schaut in den Kofferraum und winkt zur Weiterfahrt – es lebe das Schengener Abkommen, au revoir! Das heißt es für uns auch, als wir wieder in Baden-Baden ankommen. Nette Tour, Lyon hat eigentlich gehalten, was ich mir versprochen habe. Und wenn es nach Grifo geht, dann sieht man sich ja schon bald wieder zu irgendeinem Bastia-Auswärtsspiel…
Coupe de France am 21.3.2006
Olympique Lyon vs. SC Bastia
1:0
Irgendwie scheint das Jahr 2006 bisher etwas an mir vorbei gegangen zu sein, denn größere Fußballtouren standen noch keine auf der Agenda. Ein Glück rüttelt mich Grifo aus dem Winterschlaf, die das Achtelfinal-Gastspiel ihrer Korsen im Coupe de France in Lyon sehen will. Die Lyonnais wurden in den letzten 4 Jahren in Folge Meister und auch in diesem Jahr müsste fast schon ein Wunder geschehen, damit der 5. Titel in Folge nicht an die Rhone geht. Dazu hat man mit dem Stade Gerland (44.000 Plätze; 1926 erbaut; für die WM 1998 renoviert) ein äußerst hübsches Zuhause und mit den beiden Gruppen “Bad Gones ‘87” (“Les Gones” ist der Spitzname der Lyonnais) und “Lugdunum’s 1993” (orientiert sich am römischen Namen der Stadt: Lugdunum) verfügt man nicht unbedingt über das schlechteste, was derzeit in Sachen Ultra’ so in Frankreich geboten wird – natürlich auch bedingt durch den beinahe schon beängstigenden Erfolg der Mannschaft. Da der Albstädter kurz davor ist seinen Dienst für Vater Staat anzutreten und dementsprechend massig Zeit übrig hat, kann auch er für diese kleine Tour gewonnen werden. Ebenfalls mit an Bord ist der Duisburger Kai, der übrigens neuerdings mit Grifo ein Paar bildet. Unterwegs mit zwei Turteltäubchen durch Frankreich – ob das gut geht? Natürlich, denn wer Fräulein Grifo kennt, der weiß, dass immer ne Menge Spaß geboten ist. Folgerichtig trifft die Bande aus NRW gut gelaunt und dazu pünktlich am Treffpunkt an der Autobahnraststätte Baden-Baden ein. Rein ins Mietauto (ein kleiner Japaner in Smart-Größe – der Thrombosealarm kann vermutlich in Kürze eingeläutet werden, hehe…) und ab über Gevatter Rhein, vorbei an den unzähligen “Elsass frei”-Graffitties, den Kult-Spruch der Tour anhören (Grifo ist seit einiger Zeit Terek Grozny-Sympathisantin und schmeißt tschetschenische Musik (die nicht von allen als solche bezeichnet wird) in den CD-Player, kommentiert unser Gelächter und abwertendes Geschwafel über die recht eintönige Musik mit einem knallharten “Hey… Das war mein persönlicher Sommer-Hit 2005!”), schnell unterwegs noch nen Döner reinpfeifen (Achtung: gleicher Name, aber kaum ein Vergleich zur deutschen Variante) und den Weg nach Lyon bahnen (immerhin von den Jahren 1032 bis 1310 mal deutsch gewesen). Die mit 450.000 Einwohnern drittgrößte Stadt Frankreichs (würde man wie bei uns die angrenzenden Kleinstädte und Dörfer eingemeinden, käme man sogar auf 1,3 Millionen Einwohner und überholt damit gar den Ballungsraum Marseille) wird pünktlich erreicht, ebenso das Stade Gerland, zumal Kai hier in Lyon studiert hat und sich perfekt auskennt. Eine Stadtführung soll in den Abendstunden folgen, jetzt geht König Fußball erst mal vor. Wie in jedem französischen Erstliga-Stadion gibt es natürlich auch in Lugdunum einen kostenlosen Parkplatz für die Gästefans, immerhin ein Auto steht schon da – und dabei sollte es auch bleiben. Ein Kult, diese Fanszene von Bastia. Kann man ein wenig mit Burghausen oder Unterhaching vergleichen (Bastia hat gerade einmal 40.000 Einwohner), allerdings hat die Fanszene von SCB eine durchaus berüchtigte Vergangenheit (einst flogen schon Handgranaten aufs Spielfeld, wenngleich auch in engem Zusammenhang mit der korsischen Unabhängigkeitsbewegung zu sehen). Zwar sind die Spiele beim Erzrivalen Nizza noch heute wohl einen Besuch wert, seit Mitte der 90er Jahre ist die SCB-Szene aber nicht mehr allzu ernst zu nehmen. Das liegt halt vor allem an der Insellage, zu den Auswärtsspielen auf dem Festland kommen fast ausschließlich Exil-Korsen – somit eine fast schon einmalige Situation in Europa, dass man hier auswärts praktisch grundsätzlich ein komplett anderes Publikum vorfindet als bei Heimspielen. So auch heute, denn laut Grifo soll der geplante Fan-Flieger von Korsika nach Lyon nicht zustande gekommen sein, sie erwartet daher nur rund 100 Gästefans. Doch noch haben die Kassen des wunderschönen Stadions nicht geöffnet, wir können also noch etwas rund um den Komplex flanieren. Kai haut derweil schon mal zu seinen Lyonnais ab, ist er ja schließlich auch Mitglied bei den Lugdunum’s. Was hier in Lyon sofort auffällt ist das angenehmere Klima, zwar noch nicht mediterran, aber sehr chillig. Bevor der Zauber im Stade Gerland beginnt darf es noch mal Döner sein, was anderes – außer das goldene M – findet man an den Ständen rund ums Stadion ohnehin nicht. So, dann aber mal los. Schnell noch ein Foto mit Grifos “Rebels ‘98”-Fahne, dann rein in den Gästeblock. Viel los ist hier nicht, abgezählte 93 Bastia-Fans werden sich bis zum Anstoß einfinden. Derweil füllt sich die Virage Sud mit den Lugdunum’s und die Virage Nord mit den BG’87 anständig, schätzungsweise 4.000 Mann pro Kurve. Insgesamt werden es immerhin knapp 30.000 Zuschauer im Stade Gerland sein, das ist über meinen Erwartungen, zumal der Pokal in Frankreich nicht unbedingt als attraktiv gilt. Schade, bringt dieser doch einige interessante Eigenarten mit sich, so dürfen sogar die Übersee-Vereine aus den vier sich außerhalb von Europa befindlichen Départements Martinique, Guadeloupe, Réunion und Guyane am Wettbewerb teilnehmen (am Anfang sogar zu Hause, danach grundsätzlich in Paris). Nichtsdestotrotz heißt der Gegner für die Lyonnais heute aber SC Bastia und sollte eigentlich eine leichte Beute für den Tabellenführer der ersten Liga werden. Von den BG’87 gibt es zum Anpfiff eine schöne Schalparade, bei den Lugdunum’s gegenüber reichlich Fahnen und ein Spruchband für einen kürzlich bei einem Autounfall verstorbenen Fan. Bei Bastia gibt es immerhin auch eine relativ geschlossene Schalparade, dazu wird eifrig mit dem Testa Mora – der schwarze Kopf, das Symbol Korsikas – geschwenkt. Trotzdem: Organisiert und durchstrukturiert ist das wirklich nicht, was hier im Gästeblock passiert und geht beinahe schon in Richtung “peinlich”. Während dem Spiel machen besonders die Lugdunum’s einen ausgezeichneten Eindruck, ständig werden irgendwo mehrere Fahnen geschwenkt, teilweise sogar die richtig großen Schwenker. Von den BG’87 ist leider nicht viel zu hören, könnte aber auch daran liegen, dass der Gästeblock relativ weit weg liegt von der Virage Nord und vom restlichen Stadion durch eine Plexiglasscheibe getrennt ist (auch die Lugdunum’s hört man nicht immer sehr laut, zumal die Virade Sud – wie auch die Virage Nord – sehr weit vom Spielfeld entfernt ist, Kai allerdings stufte die Stimmung auf der Sud als sehr gut ein, was optisch auch genau diesen Eindruck machte), jedoch ist praktisch kaum Bewegung im Block auf der Nord – somit ein schwacher Auftritt der BG’87. Einzig und allein beim “Qui ne saute pas…” dreht hier das komplette Stadion vollkommen frei, alles ist am hüpfen, total geil!! Spielerisch ist das ganze nicht unbedingt Glanzfußball, natürlich spielt Lyon gegen den Zweitligisten auch nicht auf höchster Flamme. Letztendlich ist es ein Traumtor von Superstar Juninho, der für die Entscheidung sorgt. Bastia praktisch ohne eine einzige Torchance, das ist bitter. So weit, so gut. Die anschließende Blocksperre bietet Gelegenheit, sich noch mal ausführlich das anwesende Korsinnen-Aufgebot anzuschauen, eine mit dem Prädikat “1A” erkundigt sich sogar bei Grifo, ob wir Deutsche seien. Allerdings verhalten wir uns leicht trottelig als eben diese graziöse Korsin uns anquatscht, laufen wir doch tatsächlich im Tran stattdessen einfach stumm an ihr vorbei – Dr. Hitch, bitte helfen Sie uns … Vorm Gästeblock wartet bereits Kai, überreicht mir wie versprochen einen Lugdunum’s-Schal und dann geht’s ab in den Lyoner Stadtkern. Während wir bis jetzt nur wirklich abgefuckte Plattenbauten gesehen haben (vergleichbar mit Belgrad), soll es jetzt historische Bausubstanz zu sehen geben. Schnittig gleitet Kai durch die engen Gassen Lyons, er kennt sich hier schließlich aus wie in seiner Westentasche: Die Opéra national de Lyon oder das sehenswerte Hotel de Ville (Rathaus) werden lässig im Vorbeifahren gezeigt, dazu gibt es wüste Henker-Geschichten aus der Revolutionszeit. Dazu ist für einen Dienstag Abend hier noch einigermaßen was los, von Studentenkrawallen sieht man allerdings nichts (hatte ich mich ja leise, still und heimlich drauf gefreut, ein bisschen von dieser typisch französischen Mentalität sehen zu können, berichten die Medien in Deutschland doch derzeit fast täglich von den Aufständen an den Unis). Es ist jetzt zwar schon nach Mitternacht, aber alle vier könnten jetzt noch gut was zu essen vertragen. Also am Rhone-Ufer entlang noch mal die Bauwerke genauer anschauen, hinterm Hotel de Ville warten in den engen Gassen einige – Überraschung – Döner-Läden. Also das dritte Mal heute arabische Fleischtaschen. Zeit genug für eine Diskussion über die französische Einwanderungspolitik, schließlich werden die Dönerläden (flexibel, wie die französische Sprache nun mal ist, hat man in unserem Nachbarland die Wortschöpfung “Kebaberie” kreiert, was auf den ersten Blick zwar lustig aussieht, aber im Kern doch logisch ist) hier hauptsächlich von Nordafrikanern geführt. Und ich finde, die haben hier absolut ihre Daseinsberechtigung, haben die Franzosen doch über Jahrhunderte hinweg ihre Kolonien ausgeplündert und tragen faktisch eine Mitschuld, dass diese Länder heute wirtschaftlich keinen leichten Start haben. Trotzdem: Was mit dem Abend anfangen? Albi und ich würden gerne noch einen drauf machen, jedoch ist der Fahrer müde und da wir bereits einen im Tank haben und uns somit eher weniger als Fahrer anbieten können, verlassen wir Lyon halt wieder. Es geht rund 60 km gen Norden, wo wir in Bourg-en-Bresse das F1-Hotel finden. 27 Euro pro Zimmer, zwar ist das ganze hier nicht ausschließlich computer-gesteuert und zwei Typen stehen an der Rezeption (womit das 3er-Zimmer nicht wie geplant zu viert genutzt werden kann), aber im Endeffekt ist das immer noch recht günstig. Es darf noch ein bisschen französisches Fernsehen mitsamt Pokalergebnissen sein, dann fallen die Augen alsbald zu.
Frankreich 4. Liga am 22.3.2006
FC Sochaux B vs. US Endoume Marseille
1:0
Was für’n geiler Spieltag in Frankreich: 15 Uhr Sochaux B, 17 Uhr Sochaux C-Jugend und 20 Uhr die Frauenmannschaft vom FC Vendenheim im Stadt Waldeck – wie geil ist das bitte? Nun ja, ganz so durchgeballert scheinen die anderen Mitfahrer wie ich nicht zu sein, als ich am Vorabend von meinen Plänen erzähle, aber vielleicht kann ich heute ja noch etwas Motivationsarbeit leisten. Für gute Laune sorgt zunächst erstmal der Fernsehsender “France 2”, der in diesem Moment die hierzulande eher verpönte Sendung “Top of the pops” ausstrahlt. Nun ja, wie manche vielleicht wissen gibt es in Frankreich ein Gesetz, dass in Funk und Fernsehen ein bestimmter Prozentsatz der Lieder französisch sein muss. Und da Grifo und Kai sowieso verpennt haben – wie Informant Albi einem so eben steckt – können also ganz gediegen die Plätze 1 bis 12 verfolgt werden. Und tatsächlich: Kein blödes 50 Cent-Gelaber, kein nerviges US5 oder irgendein anderer amerikanischer 08/15-Mist. Nein, hier läuft wirklich gute französische Musik, mit dabei sogar fetziger französischer Hip-Hop, was den Albstädter und mich wild im Zimmer rumspringen lässt. Yeah, alle Hände hoch! Klasse, die Namen der Combos sind notiert, da werden die heimischen Lautsprecher ja wieder einiges zu tun bekommen. Wir haben nun aber erst mal Termine und nach einem Frühstück bei McD (die Alternative wäre mal wieder Döner gewesen) und einem Einkauf in einem dosenpfand-freien Supermarché unseres Nachbarlandes (wer da mit 56 Dosen Bier an der Kasse ankommt kann manchmal ziemlich belächelt werden…) erreichen wir mit Montbéliard wieder schwäbischen Boden. Kai hat bereits gute Vorarbeit geleistet, das Stade Rene Blum wird im Handumdrehen gefunden – ebenso ein Zettel, der darauf verweist, dass das heutige Spiel ins große Stade Bonal verlegt wird. Bitte was??? Orrr, die Stimmung ist am Siedepunkt, zumal das Stadion der FCSM-B-Elf einiges kann. Und nu? Mal zum Stade Bonal fahren und die Preise checken. Und was sehen wir da: 6 Euro wollen die Halsabschneider für den Hafer! J-Preise!!! Darf ja wohl nicht wahr sein! Gestern in Lyon hat jeder von uns gerade mal 5 Euro gezahlt und dafür haben wir den amtierenden Meister gesehen. Einstimmig wird beschlossen, uns wieder vom Acker zu machen, zumal jeder von uns schon mindestens zweimal ein Spiel im Stade Bonal gesehen hat, für 6 Euro ist es das nicht wert. Ich merk schon, wegen Sochaux C-Jugend und Vendenheim muss ich erst gar nicht ankommen, die gruppen-interne Demokratie wird meinen Vorschlag mit großer Wahrscheinlichkeit gnadenlos abschmettern, hehe… Stattdessen geht es noch mal kurz in der Fußgängerzone von Montebéliard, ab in eine Kebaberie (schließlich stand heute noch gar kein Döner auf der Speisekarte), ein abschließendes Gruppenfoto an einem wichtig aussehenden Denkmal (Grifo hängt staatsmännisch ihren Terek Grozny-Schal darum) und dann geht es ab zurück nach Allemagne. Vorher zieht uns der französische Zoll noch mal aus dem Verkehr, schaut in den Kofferraum und winkt zur Weiterfahrt – es lebe das Schengener Abkommen, au revoir! Das heißt es für uns auch, als wir wieder in Baden-Baden ankommen. Nette Tour, Lyon hat eigentlich gehalten, was ich mir versprochen habe. Und wenn es nach Grifo geht, dann sieht man sich ja schon bald wieder zu irgendeinem Bastia-Auswärtsspiel…
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Tüten-Tim
Hier noch ein paar Bilder von mir, die Virage Nord bei der Schalparade:
http://www.directupload.net/images/060323/e44AhcJl.jpg
http://www.directupload.net/images/060323/e44AhcJl.jpg
Zuletzt geändert von Tüten-Tim am Donnerstag 23. März 2006, 11:33, insgesamt 1-mal geändert.
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Tüten-Tim
Die Virage Sud:
http://www.directupload.net/images/060323/PRzcFjO9.jpg
http://www.directupload.net/images/060323/PRzcFjO9.jpg
Zuletzt geändert von Tüten-Tim am Donnerstag 23. März 2006, 11:34, insgesamt 1-mal geändert.
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Tüten-Tim
Hm, alles bißchen groß hier, dann gibt's die restlichen (Spaß-)Bilder halt per Link...
http://www.directupload.net/images/060323/AUCU4YRQ.jpg
http://www.directupload.net/images/060323/vHDobvRU.jpg
http://www.directupload.net/images/060323/AUCU4YRQ.jpg
http://www.directupload.net/images/060323/vHDobvRU.jpg
super beitrag, respekt!Überlinger hat geschrieben:Wie immer sehr interessant... :wink:
wenn`s dich nicht interessiert musst`s ja nicht lesen und kannst
die finger still halten!
mase mir ja nicht an über beiträge anderer leute zu urteilen, aber der reisebericht hier ist meiner meinung nach - wie sehen es denn andere user? - ja wohl um einiges interessanter und lesenswerter als (copy&paste)artikel bsplw. über irgendwelche gammelfluggesellschaften, die ich an jeder ecke präsentiert bekomme...
- Rinderwahn
- Kickers-Fan
- Beiträge: 429
- Registriert: Freitag 23. Juli 2004, 06:09
- Wohnort: Heßdorf
Und die Berichte über Gammelfluggesellschaften musst Du ja nicht lesen.mr. blue hat geschrieben:super beitrag, respekt!Überlinger hat geschrieben:Wie immer sehr interessant... :wink:
wenn`s dich nicht interessiert musst`s ja nicht lesen und kannst
die finger still halten!
mase mir ja nicht an über beiträge anderer leute zu urteilen, aber der reisebericht hier ist meiner meinung nach - wie sehen es denn andere user? - ja wohl um einiges interessanter und lesenswerter als (copy&paste)artikel bsplw. über irgendwelche gammelfluggesellschaften, die ich an jeder ecke präsentiert bekomme...
Was für ein Kindergarten
Dumm kickt gut
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Tüten-Tim
Und hier der Bericht aus Grifos Sicht inklusive Fotos von mir und Kai:
http://www.camperemu.com/Foru/viewtopic.php?t=11415
http://www.camperemu.com/Foru/viewtopic.php?t=11415
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Überlinger
Ähm, ich meinte das Ernst du Vogel!mr. blue hat geschrieben:super beitrag, respekt!Überlinger hat geschrieben:Wie immer sehr interessant... :wink:
wenn`s dich nicht interessiert musst`s ja nicht lesen und kannst
die finger still halten!
mase mir ja nicht an über beiträge anderer leute zu urteilen, aber der reisebericht hier ist meiner meinung nach - wie sehen es denn andere user? - ja wohl um einiges interessanter und lesenswerter als (copy&paste)artikel bsplw. über irgendwelche gammelfluggesellschaften, die ich an jeder ecke präsentiert bekomme...
Der Tim weiß genau das ich seine Berichte schätze!!!
Und für dich gilt das gleiche, was du mir vorwürfst:
Du musst meine Posts nicht lesen, akzeptiere sie einfach
zum ersten, dann hättest halt mal die "..." und den homo" :wink: " weggelassen, dann wäre es eventuell verständlich gewesen...Überlinger hat geschrieben: Ähm, ich meinte das Ernst du Vogel!![]()
Der Tim weiß genau das ich seine Berichte schätze!!!
Und für dich gilt das gleiche, was du mir vorwürfst:
Du musst meine Posts nicht lesen, akzeptiere sie einfach
zum zweiten, nicht beleidigend werden!
und übrigens, die toten vögel hat man nicht in stuttgart sondern am bodensee gefunden...
und zum dritten, habe ich dir überhaupt nichts vorgeworfen...
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Überlinger
Gebe ja zu, dass das Posting etwas missverständlich war!mr. blue hat geschrieben:zum ersten, dann hättest halt mal die "..." und den homo" :wink: " weggelassen, dann wäre es eventuell verständlich gewesen...
zum zweiten, nicht beleidigend werden!
und übrigens, die toten vögel hat man nicht in stuttgart sondern am bodensee gefunden...
und zum dritten, habe ich dir überhaupt nichts vorgeworfen...
Aber im Gegensatz zu vielen anderen hier mase ich mir nicht an über Beiträge anderer User zu urteilen. Im Gegenteil, oft werden Beiträge von mir wie der von dir angesprochene Airline-Thread kritisiert. Wer's nicht lesen will soll's lassen! Und damit sollte diese Differenz ausgeräumt sein, bevor das wieder seitenlang im falschen Thread diskutiert wird.
Ob tote Vögel am Bodensee gefunden wurden oder nicht ist in diesem Zusammenhang eher unrelevant. Denn wenn ich dich als Vogel bezeichne ist von lebenden Vögeln die Rede oder nicht? [homo] :wink: [/homo]
Und jetzt ist aber auch gut!