Deckt sich (fast) mit meiner Meinung...die Gewinner und Verliererliste.Gewinner und Verlierer in Offenbach
VON ANDREAS HUNZINGER
Am vergangenen Sonntag haben die Fußballer des Zweitligisten Kickers Offenbach ihren Trainer Wolfgang Frank mit der Darbietung bei der 0:1-Niederlage beim LR Ahlen kurzzeitig verärgert. Unter dem Strich steht jedoch: Der OFC hat sein Ziel erreicht und etwas geschafft, was ihm vor der Saison viele nicht zugetraut hatten. Skizziert man den Saisonverlauf des DFB-Pokalsiegers von 1970, bietet sich ein Vergleich zur Mathematik an. Denn Form- und Ergebniskurve der Kickers, die im Juni 2005 nach fünfjähriger Abstinenz aus Meister der Regionalliga Süd in die zweite Liga zurückgekehrt waren, glichen seit Saisonbeginn am 7. August des vergangenen Jahres einer Parabel. Erst ging es hoch hinaus, dann folgte der tiefe Fall, ehe es im Endspurt wieder steil nach oben ging und der OFC den letzten 13 Punktspielen sieben Siege und fünf Unentschieden holte und nur zweimal verlor -2:4 gegen Erstligaaufsteiger Aachen und eben in Ahlen. Der matte Auftritt beim durch die Sicherung des Klassenerhalts bedeutungslos gewordenen Partie beim Absteiger aus Westfalen kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der OFC zu den Gewinnern der Saison 2005/2006 in der zweiten Liga zählt - ebenso wie einzelne Personen in seinen Reihen.
Die Gewinner: Zuvorderst muss natürlich Wolfgang Frank genannt werden. Der 55 Jahre alte Fußball-Lehrer beerbte Boysen Ende Januar und nutzte nach einigen Jahren der Abstinenz im Profifußball seine Chance. Mit unerschütterlichem Optimismus, akribischer Arbeit und geschickten Motivationsstrategien stabilisierte er die Mannschaft derart, dass sie zu ihrem eindrucksvollen Schlussspurt imstande war und in der Rückrunde insgesamt 26 Punkte verbuchte. Neben Coach Frank zählen die Spieler Cesar Thier, Regís Dorn, Suat Türker, Mamadou Diabang, Stephan Sieger und Markus Happe zu den Gewinnern. Torhüter Thier, wegen eines Knorpelschadens im Knie und angesichts seines Alters von 38 Jahren eigentlich schon abgeschrieben, debütierte am 22. Spieltag in München. Mit dem Brasilianer im Kasten verlor der OFC keines der bedeutenden Spiele mehr (nur das in Ahlen). Garanten für den Klassenerhalt waren auch die Stürmer Dorn (13 Tore), Türker (11) und Diabang (9). Letzterer wurde in der Winterpause vom Erstligaaufsteiger VfL Bochum ausgeliehen und erzielte in zwölf Spielen für den OFC acht, zum Teil entscheidende, Treffer, ehe er wegen einer Roten Karte in Karlsruhe drei Spiele gesperrt wurde und erst in Ahlen wieder mitwirken durfte. Dennoch avancierte der Senegalese zum Publikumsliebling in Offenbach.
Als Diabang fehlte, schlug die Stunde von Dorn und Türker. Beide hatten in der Vorrunde den OFC-Sturm gebildet, doch just in der Endphase sorgten sie mit ihren Toren dafür, dass der OFC die entscheidenden Punkte holte und den Ligaverbleib schaffte. Auch der defensive Mittelfeldakteur Stephan Sieger ist ein Gewinner dieser Runde, weil er, obwohl ihn viele wegen vermeintlich fehlender Schnelligkeit nicht vor der Saison nicht auf der Rechnung hatten, mit 33 Einsätzen die meisten aller OFC-Akteure aufwies und sich zu einem unverzichtbaren Pfeiler des Offenbacher Teams entwickelte. Kapitän Happe wiederum bestach als wenig spektakulärer, aber unaufgeregt umsichtiger Abwehrchef, sein Wert wurde zudem offensichtlich, als er in der Vorrunde einige Mal wegen Verletzung fehlte.
Eine Saison, selbst wenn erfolgreich abgeschlossen, hat aber nicht nur Gewinner.
Die Verlierer: Zu denen muss man Hans-Jürgen Boysen zählen. Wie schon 1999, als Boysen den OFC ebenfalls in die zweite Liga geführt hatte, durfte er sein Werk nicht vollenden. Obwohl ihm im Prinzip nichts vorzuwerfen war und er im Gegensatz zu Wolfgang Frank mit erheblichem Verletzungspech zu kämpfen hatte, musste der 48 Jahre alte Mannheimer nach 18 Spieltagen gehen. Die Verlierer unter den Spielern heißen Sead Ramovic, Rüdiger Rehm, Christian Müller und Laszlo Kanyuk. Ramovic, nach Thiers Verletzung als Nummer eins von Borussia Mönchengladbach ausgeliehen, konnte der OFC-Abwehr keine Stabilität verleihen, weil er selbst zu unruhig war. Als er nach Thiers Comeback noch einmal ran durfte, setzte es die Niederlage gegen Aachen.
Auch Linksverteidiger Rehm blieb hinter den Erwartungen zurück. Mit der Erfahrung von 146 Zweitligaspielen als Stammplatz-Kandidat gekommen, brachte er es zwar auf 21 Einsätze, spielte aber selten von Anfang an. Christian Müller wiederum spielten Verletzungen ein Streich. Eine langwierige Adduktorenblessur sowie ein Knochenabsplitterung im Fuß sorgten dafür, dass der 22-Jährige, der den nächsten Karriereschritt tun wollte, nur elfmal auflaufen konnte. Laszlo Kanyuk durfte zwar 20 Mal ran, aber selten von Anfang an. Der offensive Mittelfeldspieler, in der Regionalliga Leistungsträger, konnte den Nachweis nicht erbringen, auch eine Klasse höher bestehen zu können.
Die Perspektiven: In der neuen Saison will der OFC nun den nächsten Schritt tun und sich in der Zweiten Bundesliga endgültig etablieren. Vier bis fünf gestandene Spieler sollen kommen, zudem sollen sämtliche Leistungsträger, deren Verträge enden, gehalten werden. Bei Suat Türker und Stephan Sieger ist das bereits gelungen, bei Mittelfeldakteur Thorsten Judt ist Sportmanager Michael Dämgen zuversichtlich, "bald abschließen" zu können. Verlängert wurde gestern der Vertrag mit Daniel Endres, der Nachwuchstorwart bleibt bis 2007.
Rehm und Wandair dos Santos zähle ich aber eher nicht mit...weil beide irgendwie nicht zu Team gehören....zumindest traten beide so "auf"...

