StZ: Interview mit Thomas Dauner und Robin Dutt
StZ: Interview mit Thomas Dauner und Robin Dutt
"In der Trainerausbildung läuft einiges schief"
Der Hockeytrainer Thomas Dauner und der Fußballcoach Robin Dutt über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede ihrer jeweiligen Sportarten
Seit der Abspaltung der Hockeyspieler vom Hauptverein im Jahr 1957 gibt es zwischen den Fußballern der Stuttgarter Kickers und dem Hockey- und Tennisclub (HTC) kaum noch Berührungspunkte. Das soll anders werden: Beide Klubs haben erst kürzlich in Stuttgart einen gemeinsamen Abend veranstaltet und wollen künftig enger zusammenarbeiten. Ob so etwas überhaupt sinnvoll ist, und wer wie was von wem lernen kann, darüber haben Joachim Klumpp und Fabian Heckenberger mit dem Kickers-Trainer Robin Dutt und dem HTC-Coach Thomas Dauner gesprochen.
Herr Dutt, wann rufen die Stuttgarter Kickers beim HTC an, um den Trainer Thomas Dauner abzuwerben?
Dutt: Das ist eine interessante Option. Ab wann hätten Sie denn Zeit, Herr Dauner? Nein, im Ernst, so weit gehen wir natürlich nicht, aber es gibt sicher viele Punkte, wo wir noch etwas voneinander lernen können. Und wenn in der Politik ein Verteidigungsminister Gesundheitsminister werden kann, warum soll im Sport dann nicht ein Hockeytrainer, wie zum Beispiel Bernhard Peters, Sportdirektor im Fußball werden können.
Dauner: Ein guter Vergleich.
Was können die beiden Sportarten voneinander lernen?
Dutt: Also ich denke nicht, dass wir uns bei technischen Dingen auf dem Platz großartig ergänzen können, aber was die Strukturen der Klubs und Verbände angeht, können wir uns durchaus noch etwas abschauen. Da wird im Hockey vieles richtig gemacht.
Dauner: Vor allem was die Spielerführung angeht, wäre es sehr sinnvoll, wenn wir uns mehr austauschen würden: Wie halte ich erfolgreiche Spieler auf dem Teppich, wie führe ich junge Spieler in die erste Liga? Es ging im Fall Bernhard Peters ja auch nicht darum, dass er mit den Spielern den Freistoß übt. Es ging darum, eine Position zu schaffen, die das gesamte sportliche Feld bis in die Jugend hinein koordiniert.
Dutt: Man muss aber natürlich immer im Auge haben, dass es zwei unterschiedliche Sportarten sind, die auch unterschiedliche Rahmenbedingungen haben. Wir trainieren achtmal pro Woche zusammen.
Dauner: Bei uns ist es gerade dreimal.
In der Öffentlichkeit tauchen trotzdem immer wieder Fitnessstudien auf, die belegen, dass die Hockeyspieler, die nebenbei noch einem Beruf nachgehen, angeblich fitter sind als die Profifußballer.
Dauner: Also davon halte ich nichts. Da wird die Sportart Hockey nur instrumentalisiert, um die Fußballer unter Druck zu setzen.
Dutt: Das ist Meinungsmache für die Stammtische. Ich bin mir sicher, dass meine Jungs genauso fit sind wie die Hockeyspieler vom HTC. Außerdem stellen die Sportarten ja andere Anforderungen an die Spieler.
Dauner: Genau, wenn wir in der Halle Fußball gegen die Kickers spielen würden, hätten wir von der Athletik her eine Chance, aber auf dem großen Feld würden wir etwa bei den Kopfbällen kein Land sehen. Wir trainieren fürs Hockey nicht die Sprungkraft.
Gibt es denn Verzahnungen bei den Trainerausbildungen?
Dutt: Als ich auf der Sporthochschule in Köln meinen Fußballtrainerschein gemacht habe, war Bernhard Peters als Gasthörer und als -dozent anwesend.
Dauner: Die Verbindungen müssten aber noch viel enger sein. Allgemein läuft in der Ausbildung einiges schief.
Warum ist das Ihrer Meinung nach so?
Dauner: Ich stehe der gesamten Trainerausbildung, egal ob im Fußball oder in anderen Sportarten, kritisch gegenüber. Die Trainer bekommen viel zu wenig Zeit, sich richtig vorzubereiten. In allen anderen Berufen ist es so, dass ich erst einmal die Theorie erlerne, dann gehe ich in die Praxis. Im Trainerberuf ist es oft umgekehrt.
Dutt: Das beste Beispiel ist Jürgen Klopp, der als erfolgreicher Trainer nach dem Aufstieg in die zweite Liga erst mal seine Lizenz nachmachen musste. Das ist doch ein Witz. Den Trainern fehlt vor allem im Amateurbereich die zeitliche und finanzielle Unterstützung.
Dauner: Bei dieser Kurzfristigkeit muss man im deutschen Fußball ansetzen, wenn man etwas in der Trainerausbildung verbessern will. Bei so kurzen Vorbereitungszeiten kann man gar nicht perfekt auf alle die komplexen Vorgänge vorbereitet sein, die in dem Beruf auftreten. Da verlierst du schnell zwei Spiele, und schon bist du weg vom Fenster. Im Hockey ist die Zeit eher da.
Wann war Robin Dutt denn zum letzten Mal bei einem Spiel des HTC, wann war Thomas Dauner zuletzt bei den Kickers?
Dauner: Ich war vor einigen Wochen beim Spiel der zweiten Mannschaft gegen Ulm. Allerdings habe ich nicht viel mitbekommen, weil ich meine Kinder hüten musste.
Dutt: Ich muss zugeben, dass ich noch kein Hockeyspiel des HTC live gesehen habe. Ich werde das aber bald nachholen. Ich kann aber immerhin sagen, dass ich schon als Siebenjähriger bei den Olympischen Spielen 1972 in München mit meinem Vater (gebürtiger Inder, Anm. d Red.) ein Hockeyspiel der indischen Nationalmannschaft besucht habe. Das waren die Spiele, wo sich Pakistani nach dem Finale aus lauter Ärger die Silbermedaillen in die Schuhe gesteckt haben.
Dauner: Genau das ist das Problem des Hockeysports: Den Olympiasieg von Deutschland hat man nicht mehr im Gedächtnis, nur noch den Skandal um Pakistan. Da fehlt dem Hockey in Deutschland ganz einfach die Akzeptanz und die Präsenz in den Köpfen.
Bieten sich dem HTC da Chancen in einer eventuellen Zusammenarbeit mit den Kickers, von König Fußball zu profitieren?
Dauner: Der gemeinsame Abend neulich war schon sehr motivierend. Ich denke, dass beide Vereine bei der Sponsorensuche voneinander profitieren können. Wenn eine Firma eine breitere Masse erreichen will, geht sie wohl eher zum Fußball, wenn sie ein exclusives Produkt vermarkten will, vielleicht zum HTC. Wir spielen im Europacup (von heute an im englischen Cannock, Anm. d. Red.) ja auch gegen eine holländische Mannschaft. In den Niederlanden funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Hockey und Fußball seit Jahren erfolgreich auf hohem Niveau.
Dutt: Ich sehe das genauso. Es macht keinen Sinn, wenn wir jemanden zu einer Firma schicken und einen Tag später steht jemand vom HTC auf der Matte. Da müssen wir einfach Pakete anbieten. Auch ein gemeinsames Hallenturnier wäre denkbar.
In beiden Sportarten stehen 2006 Weltmeisterschaften in Deutschland an. Herr Dauner, wer gewinnt die Fußball-WM?
Dauner: Ich würde mir Deutschland wünschen, aber ich befürchte, es wird Brasilien.
Herr Dutt, wer wird Hockey-Weltmeister?
Dutt: Ich kenne mich nicht so gut aus und gebe mich einfach patriotisch: Deutschland.
Dauner: Guter Tipp.
Quelle: Stuttgarter Zeitung vom 01. Juni 2006
Der Hockeytrainer Thomas Dauner und der Fußballcoach Robin Dutt über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede ihrer jeweiligen Sportarten
Seit der Abspaltung der Hockeyspieler vom Hauptverein im Jahr 1957 gibt es zwischen den Fußballern der Stuttgarter Kickers und dem Hockey- und Tennisclub (HTC) kaum noch Berührungspunkte. Das soll anders werden: Beide Klubs haben erst kürzlich in Stuttgart einen gemeinsamen Abend veranstaltet und wollen künftig enger zusammenarbeiten. Ob so etwas überhaupt sinnvoll ist, und wer wie was von wem lernen kann, darüber haben Joachim Klumpp und Fabian Heckenberger mit dem Kickers-Trainer Robin Dutt und dem HTC-Coach Thomas Dauner gesprochen.
Herr Dutt, wann rufen die Stuttgarter Kickers beim HTC an, um den Trainer Thomas Dauner abzuwerben?
Dutt: Das ist eine interessante Option. Ab wann hätten Sie denn Zeit, Herr Dauner? Nein, im Ernst, so weit gehen wir natürlich nicht, aber es gibt sicher viele Punkte, wo wir noch etwas voneinander lernen können. Und wenn in der Politik ein Verteidigungsminister Gesundheitsminister werden kann, warum soll im Sport dann nicht ein Hockeytrainer, wie zum Beispiel Bernhard Peters, Sportdirektor im Fußball werden können.
Dauner: Ein guter Vergleich.
Was können die beiden Sportarten voneinander lernen?
Dutt: Also ich denke nicht, dass wir uns bei technischen Dingen auf dem Platz großartig ergänzen können, aber was die Strukturen der Klubs und Verbände angeht, können wir uns durchaus noch etwas abschauen. Da wird im Hockey vieles richtig gemacht.
Dauner: Vor allem was die Spielerführung angeht, wäre es sehr sinnvoll, wenn wir uns mehr austauschen würden: Wie halte ich erfolgreiche Spieler auf dem Teppich, wie führe ich junge Spieler in die erste Liga? Es ging im Fall Bernhard Peters ja auch nicht darum, dass er mit den Spielern den Freistoß übt. Es ging darum, eine Position zu schaffen, die das gesamte sportliche Feld bis in die Jugend hinein koordiniert.
Dutt: Man muss aber natürlich immer im Auge haben, dass es zwei unterschiedliche Sportarten sind, die auch unterschiedliche Rahmenbedingungen haben. Wir trainieren achtmal pro Woche zusammen.
Dauner: Bei uns ist es gerade dreimal.
In der Öffentlichkeit tauchen trotzdem immer wieder Fitnessstudien auf, die belegen, dass die Hockeyspieler, die nebenbei noch einem Beruf nachgehen, angeblich fitter sind als die Profifußballer.
Dauner: Also davon halte ich nichts. Da wird die Sportart Hockey nur instrumentalisiert, um die Fußballer unter Druck zu setzen.
Dutt: Das ist Meinungsmache für die Stammtische. Ich bin mir sicher, dass meine Jungs genauso fit sind wie die Hockeyspieler vom HTC. Außerdem stellen die Sportarten ja andere Anforderungen an die Spieler.
Dauner: Genau, wenn wir in der Halle Fußball gegen die Kickers spielen würden, hätten wir von der Athletik her eine Chance, aber auf dem großen Feld würden wir etwa bei den Kopfbällen kein Land sehen. Wir trainieren fürs Hockey nicht die Sprungkraft.
Gibt es denn Verzahnungen bei den Trainerausbildungen?
Dutt: Als ich auf der Sporthochschule in Köln meinen Fußballtrainerschein gemacht habe, war Bernhard Peters als Gasthörer und als -dozent anwesend.
Dauner: Die Verbindungen müssten aber noch viel enger sein. Allgemein läuft in der Ausbildung einiges schief.
Warum ist das Ihrer Meinung nach so?
Dauner: Ich stehe der gesamten Trainerausbildung, egal ob im Fußball oder in anderen Sportarten, kritisch gegenüber. Die Trainer bekommen viel zu wenig Zeit, sich richtig vorzubereiten. In allen anderen Berufen ist es so, dass ich erst einmal die Theorie erlerne, dann gehe ich in die Praxis. Im Trainerberuf ist es oft umgekehrt.
Dutt: Das beste Beispiel ist Jürgen Klopp, der als erfolgreicher Trainer nach dem Aufstieg in die zweite Liga erst mal seine Lizenz nachmachen musste. Das ist doch ein Witz. Den Trainern fehlt vor allem im Amateurbereich die zeitliche und finanzielle Unterstützung.
Dauner: Bei dieser Kurzfristigkeit muss man im deutschen Fußball ansetzen, wenn man etwas in der Trainerausbildung verbessern will. Bei so kurzen Vorbereitungszeiten kann man gar nicht perfekt auf alle die komplexen Vorgänge vorbereitet sein, die in dem Beruf auftreten. Da verlierst du schnell zwei Spiele, und schon bist du weg vom Fenster. Im Hockey ist die Zeit eher da.
Wann war Robin Dutt denn zum letzten Mal bei einem Spiel des HTC, wann war Thomas Dauner zuletzt bei den Kickers?
Dauner: Ich war vor einigen Wochen beim Spiel der zweiten Mannschaft gegen Ulm. Allerdings habe ich nicht viel mitbekommen, weil ich meine Kinder hüten musste.
Dutt: Ich muss zugeben, dass ich noch kein Hockeyspiel des HTC live gesehen habe. Ich werde das aber bald nachholen. Ich kann aber immerhin sagen, dass ich schon als Siebenjähriger bei den Olympischen Spielen 1972 in München mit meinem Vater (gebürtiger Inder, Anm. d Red.) ein Hockeyspiel der indischen Nationalmannschaft besucht habe. Das waren die Spiele, wo sich Pakistani nach dem Finale aus lauter Ärger die Silbermedaillen in die Schuhe gesteckt haben.
Dauner: Genau das ist das Problem des Hockeysports: Den Olympiasieg von Deutschland hat man nicht mehr im Gedächtnis, nur noch den Skandal um Pakistan. Da fehlt dem Hockey in Deutschland ganz einfach die Akzeptanz und die Präsenz in den Köpfen.
Bieten sich dem HTC da Chancen in einer eventuellen Zusammenarbeit mit den Kickers, von König Fußball zu profitieren?
Dauner: Der gemeinsame Abend neulich war schon sehr motivierend. Ich denke, dass beide Vereine bei der Sponsorensuche voneinander profitieren können. Wenn eine Firma eine breitere Masse erreichen will, geht sie wohl eher zum Fußball, wenn sie ein exclusives Produkt vermarkten will, vielleicht zum HTC. Wir spielen im Europacup (von heute an im englischen Cannock, Anm. d. Red.) ja auch gegen eine holländische Mannschaft. In den Niederlanden funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Hockey und Fußball seit Jahren erfolgreich auf hohem Niveau.
Dutt: Ich sehe das genauso. Es macht keinen Sinn, wenn wir jemanden zu einer Firma schicken und einen Tag später steht jemand vom HTC auf der Matte. Da müssen wir einfach Pakete anbieten. Auch ein gemeinsames Hallenturnier wäre denkbar.
In beiden Sportarten stehen 2006 Weltmeisterschaften in Deutschland an. Herr Dauner, wer gewinnt die Fußball-WM?
Dauner: Ich würde mir Deutschland wünschen, aber ich befürchte, es wird Brasilien.
Herr Dutt, wer wird Hockey-Weltmeister?
Dutt: Ich kenne mich nicht so gut aus und gebe mich einfach patriotisch: Deutschland.
Dauner: Guter Tipp.
Quelle: Stuttgarter Zeitung vom 01. Juni 2006
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Re: StZ: Interview mit Thomas Dauner und Robin Dutt
spätestens jetzt verehre ich robin dutt!Blau&Weiß hat geschrieben:
Dutt: Ich kenne mich nicht so gut aus und gebe mich einfach patriotisch: Deutschland.
kickers rauf - bahnhof runter
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Re: StZ: Interview mit Thomas Dauner und Robin Dutt
wobei man sich als halb-inder doch im hockey fast auskennen muss :?EliteSued hat geschrieben:spätestens jetzt verehre ich robin dutt!Blau&Weiß hat geschrieben:
Dutt: Ich kenne mich nicht so gut aus und gebe mich einfach patriotisch: Deutschland.
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Re: StZ: Interview mit Thomas Dauner und Robin Dutt
als halb-schweizer bin ich auch nicht unbedingt bewandert in sachen armbrust schießen.. :wink:Martin hat geschrieben:
wobei man sich als halb-inder doch im hockey fast auskennen muss :?
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Re: StZ: Interview mit Thomas Dauner und Robin Dutt
Halb-Schweizer? Eher vom Geldbeutel oder eher von der Schnelligkeit her? ;-)))EliteSued hat geschrieben:
als halb-schweizer bin ich auch nicht unbedingt bewandert in sachen armbrust schießen.. :wink:
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