Mötzingen Hooligans überfallen Österreich...
-
Überlinger
Mötzingen Hooligans überfallen Österreich...
Sodele! Tim war mal wieder on Tour, diesmal im Osiland, und da er selbst seine Berichte nicht online stellen darf/kann, mach ich das:
"Land der Berge, Land am Strome, Land der Äcker, Land der Dome. Arbeitsam und liederreich. Großer Väter freie Söhne, Volk begnadet für das Schöne, Vielgerühmtes Österreich." So beginnt die Nationalhymne Österreichs. Und in diesem Land beginnt für mich persönlich auch die Fußball-Saison 2006/2007. Denn vielgerühmt ist die Alpen-Republik nicht nur wegen der Berge, Strome, Äcker und Dome, sondern vor allem wegen des Ferien-Tickets der ÖBB. Und das kann im Vergleich zu Deutschland einiges mehr: gilt über 2 Monate lang, gilt nicht nur für einzelne Bundesländer, sondern fürs ganze Land und kostet gerade mal 50 Steine (für U20-Jährige sogar nur 20 Euro). Und das Beste ist: Für dieses Schüler-Ferien-Ticket muss man noch nicht mal Schüler sein, geschweige denn Österreicher. Nein, wer unter 26 Jahre alt ist und die Kröten beim ÖBB-Bahnhof seines Vertrauens auf den Tresen werfen kann, ist dabei. Einziger Haken: Man muss zusätzlich eine ÖBB-VorteilsCard kaufen. Die kommt unserer BahnCard gleich, gibt 50 % Ermäßigung in Österreich, weitere 25 % für Bahnfahrten im Ausland, kostet für U26-Jährige nur 19 Euro und gilt ein ganzes Jahr lang. Also auch keine schlechte Anschaffung. So, jetzt aber genug die Werbetrommel für die ÖBB gerührt, schließlich beginnt nach dem WM-Zauber in Europa wieder so nach und nach der Liga-Alltag. In Österreich ungewöhnlicherweise an einem Dienstag mit dem Spitzenspiel Austria Wien vs. Grazer AK. Zudem stehen am Mittwoch einige nette Spielchen auf dem Plan, darunter Mattersburg vs. Rapid Wien und Sturm Graz vs. Wacker Innsbruck. Was genau gefahren wird - beide Spiele versprechen interessant zu werden - soll das auf der Fahrt spontan entschieden werden. Dann mal los. Den ICE-Luxus über München gibt die Reisekasse natürlich nicht her, so geht es am Dienstag Morgen um 5:53 Uhr im Heimathafen MÖ-City los. Über Tübingen, Aulendorf, Friedrichshafen und Lindau ist die Ösi-Grenze binnen knapp 5 Stunden erreicht - so zumindest der Plan. Naja, wäre ich Blödmann nicht am Vorabend noch ne Runde im Nachtleben abgetaucht, was mir letztendlich nur 2 Stunden Nachtruhe einbrachte. Im Zug von Tübingen nach Aulendorf wird folgerichtig noch etwas abgeruht, allerdings eine Spur zu viel und von den Idioten im Zug sieht es natürlich keiner für nötig, mich zu wecken. Als ich so langsam mal wieder wach werde, ist der Zug mittlerweile wieder auf dem Weg zurück nach Tübingen. Wuuuaaah, Alptraum, oder was?? Kacke, wie kann das passieren? Am besten am nächsten Bahnhof raus, gegebenenfalls nach Lindau mit dem Taxi fahren oder was weiß ich was. Leider heißt der nächste Bahnhof Altshausen und liegt so ungefähr am Arsch der Welt. Taxis natürlich Fehlanzeige, Läden oder ähnliches gibt es nicht, am Bahnhof weist lediglich ein Schild darauf hin, dass man den Fahrkartenschalter (wohl mangels Kundschaft) abgeschafft hat, der Automat aber gerne weiterhelfen würde. Na prima. Kurzer Blick auf die Landkarte, Lindau vielleicht 70 km entfernt, das wäre für ein Taxi eh zu viel. Wenigstens kommt in 20 Minuten wieder ein Zug nach Aulendorf, das ist besser als nichts. Dummerweise scheinen an diesem sonnigen Dienstag sämtliche Schulklassen Baden-Württembergs den Bodensee zum Ausflugsziel auserkoren zu haben, die Züge lassen entsprechend auf sich warten. Auch in Aulendorf hat der Zug Verspätung, ich bin derweil kräftig am abhassen. Das geht ja alles schon mal gut los. Ursprünglich sollten in Wien 55 Minuten Zeit sein, um vom Westbahnhof zum Horr-Stadion zu kommen. Müsste eigentlich ausreichen, dieser Plan kann nun getrost zerrissen werden. Ab jetzt gilt es sich nach Gespür durchzuschlagen. Eigentlich ne feine Sache, aber mit Zeitdruck leicht hemmend. Eine Stunde dem Zeitplan hinterherhinkend erreiche ich dann endlich Feldkirch in Vorarlberg. Fehlinvestition des Tages war übrigens das BW-Ticket, wurde ich von Mötzingen bis nach Feldkirch nicht ein einziges Mal nach ner Fahrkarte kontrolliert. Naja, dafür wenigstens die Stunde von Lindau nach Feldkirch ohne Fahrschein unterwegs gewesen, das gleicht sich also wieder aus. Nächster Halt: Ferien-Ticket kaufen. Antrag ausfüllen, Lichtbild ist im Gepäck dabei, jetzt hab ich nur noch ne kleine Frage: Bei Herkunftsland sind drei Buchstaben hinzuschreiben, was soll ich da hinkritzeln? GER? DEU? Der Ösi-Bahn-Manne nimmt seinen ganzen Schmäh zusammen: „Gestern hieß es noch BRD. Oder hobt’s ihr seit heute Morgen wieder an Führer?“ Witzig, witzig, sag mir mal lieber, wann der nächste Zug nach Wien fährt! So recht will ich meinen Ohren nicht trauen, als der da was von „in über ner Stunde“ faselt. Wieder so’n Adolf-Witz? Nein, tatsächlich, von Feldkirch fährt tatsächlich nur alle zwei Stunden ein Zug in die Hauptstadt. Ankunft wäre dort dann 20:35 Uhr, Anstoß im Horr-Stadion 19:30 Uhr, das war’s dann wohl… Zum Beine vertreten erst mal ne runde um den Bahnhof drehen, alles sehr gemütlich hier, da lässt es sich aushalten. Am Imbiss erst mal ne Bosna-Spezial, im Billa 2 Dosen pfandfreien Almradler (Almdudler + Bier). Ist zwar leicht prollig um die Uhrzeit, aber hier kennt mich ja keiner, hehe… Den einzigen, den ich hier erwartet hätte, wäre Vorarlberg-Fan Albstädter, der vielleicht spontan ähnliche Ferien-Ticket-Gedanken hegen könnte und mir hier über den Weg läuft. War aber natürlich nicht so. Gegen 13 Uhr mal wieder in den Bahnhof geschlappt und völlig begeistert festgestellt: fährt von diesem kleinen Kaff aus doch tatsächlich ein Direkt-Zug nach Belgrad und einer nach Zagreb. Unfassbar. Aber zurück zu den aktuellen Problemen: Was jetzt machen? Die Schluss-Minuten im Horr-Stadion anschauen? Naja, ich weiß ja nicht. Kurzer Blick auf den Zugplan, aha, kurz vor 19 Uhr läuft der Zug am Linzer Hbf ein, mal gleich ne SMS an Schwandl schicken, vielleicht ist ja Testspiel-Terror in Linz. Ja, tatsächlich, 19 Uhr Union St. Florian gegen Vorwärts Steyr. Den Ground hab ich zwar schon, aber eine bessere Alternative als 10 Minuten Horr-Stadion, dazu dürfte es mit den Linzern abwechslungsreich werden, die sich den Kick des Liga-Konkurrenten ebenfalls anschauen wollen. Na gut, noch etwas pennen und die Boulevard-Blättchen „Kurier“ und „Krone“ durchblättern - ein Kult, die Welt aus der Sicht Österreichs - dann ist einige Stunden später mit dem modernen IC die Donaustadt Linz erreicht.
Testspiel am 18.7.2006
Union St. Florian vs. Vorwärts Steyr
1:0
Als ich aussteige, denke ich erstmal, in der falschen Stadt zu sein. Wow, der Hbf hat sich ja mächtig verändert. Aus der verkommenen, siffigen Dauerbaustelle ist ein riesiger Glaskomplex geworden, der eher an einen Flughafen erinnert. Überhaupt hat sich seit dem letzten Besuch einiges verändert, inzwischen gibt es in Linz sogar eine U-Bahn. Ok, 3 Stationen, aber immerhin ein Anfang. Nicht verändert haben sich hingegen Schwandl und Mario, die mit Sonnenbrille auf der Nase am Bahnsteig auf mich warten und bereits die Überwachungskameras inspizieren. Steht am Gleisaufgang doch ein Paket mit mutmaßlich wertvoller Fracht, das in der Sammlung noch fehlt, hehe. Weitere Entdeckung des Tages: Mario ist ein ziemlicher Rennfahrer am Steuer, vor dem würden wohl selbst die Autos in Belgrad ausweichen - und das will ja was heißen! Kurz wird über den Stand der Dinge in beiden Szenen philosophiert, dann geht es ab nach St. Florian. Eintritt wird keiner verlangt, dazu gibt es Käsekrainer mit Kartoffelsalat und Beilagen für nur 2,80 Euro. Das fetzt. Zuschauer sind etwa 200 da, darunter 50 (1 Zaunfahne) vom Sechstligisten aus Steyr. Der SK Vorwärts (größter Erfolg: Pokalfinale 1949; 2:5 gegen Austria Wien verloren) spielte bis 1999 sogar in der österreichischen Bundesliga, ihm wurde aber die Lizenz verweigert und man fing in der untersten Liga komplett neu an. Nach wie vor ist Vorwärts aber ein Fanmagnet, zumindest im Amateur-Fußball. Gegen den Regionalligisten aus dem Linzer Vorort St. Florian verliert man dennoch, wenn auch knapp. Einschätzung der Linzer nach dem Spiel: "Die sind für uns dieses Jahr keine Bedrohung." Naja, hoffen wir es mal. Wir gondeln zurück nach Linz, setzen Schwandl mal eben an der Straßenbahn ab (wohnt der doch tatsächlich an einer Haltestelle mit Namen "Herz-Jesu-Kirche" - wie passend, hehe), lassen uns am Döner-Laden noch ne Runde Stiegl-Bier raus und chilln uns dann vor Marios Fernseher, über dem in dem Moment die BBC-Dokumentation über Hooligans flimmert. Genächtigt werden darf auf dem Sofa der Pyromanen-Kult-WG (Mario wohnt inzwischen mit Raxi zusammen), die am Morgen ganz harmonische Züge annimmt. Geweckt werde ich nämlich mit feinem Kaffee-Duft, Mario macht dort weiter, wo er gestern aufgehört hat: mit Gastfreundschaft. Es wird gemütlich zusammen gefrühstückt, noch schnell ne Dusche nehmen und dann ab zur Straßenbahn - Danke Mario, auf bald. Noch schnell im Spar Proviant einkaufen, dann aber rein in den Zug nach…
Österreich 1. Liga am 19.7.2006
SK Sturm Graz vs. FC Wacker Innsbruck
2:3
Graz. Genau, die ehemalige Terminator-Arena soll es sein. Zwar verspricht der Rapid-Gästeanhang in Mattersburg massig Attraktivität (das immer noch von Österreich besetzte ungarische Burgenland ist nicht weit von Wien entfernt) und der Ground ist mit dem Gegner kaum besser zu machen, andererseits hab ich natürlich meine ganz besondere Beziehung zu Innsbruck: bin ja dort quasi aufgewachsen, kenne die Stadt und die Szene recht gut, habe als kleiner Junge viele Wacker-Spiele im alten Tivoli-Stadion gesehen. Außerdem sind Ferien, mit ner Busladung VK'91 sollte zu rechnen sein. Gut, machen wir es so. Durch malerische Landschaften geht es mit der Bimmelbahn bis zum Knotenbahnhof Selzthal, ein wahres Urlaubsparadies hier, folgerichtig klebe ich beinahe die ganze Fahrt am Fenster. Mit dem Intercity geht es weiter nach Graz, alles pünktlich erreicht, somit ist reichlich Zeit für Sightseeing. Die Stadt kann deutlich mehr als erwartet, die engen Gassen und Altbaufassen sind top, Moderne und Tradition sind gekonnt miteinander verknüpft. Bestes Beispiel dafür ist das top-moderne Kunstmuseum am Südtiroler Platz. Es können einige Fotos geschossen werden, am meisten natürlich rund um den Hauptplatz im I. Bezirk (wie auch in Wien sind die Stadtteile nach Zahlen durchnummeriert). Noch ein Foto zusammen mit Kollega Mozart, dann wird es aber Zeit für Erledigungen. Schließlich soll der Nachtzug „Zürichsee“ nach - na klar - Zürich schon um 21:35 Uhr fahren, die ÖPNV-Anreise zurück zum Hbf nach Spielende muss nahtlos geplant werden. Die Alternative wäre, hier 650 km von der Heimat entfernt am wohl unsympathischsten Bahnhof der Welt nächtigen zu müssen. Dummerweise fährt die Straßenbahn vom Stadion aus nicht in den Abendstunden, wegen Gleisarbeiten oder so werden Ersatzbusse eingesetzt. Naja, läuft mir nicht wirklich rein. Außerdem muss das Stadion somit 5 Minuten früher verlassen werden. Alternative wären zwar die Ultras Gelesenkirchen, die derzeit im Trainingslager in der Nähe verweilen, am Abend losfahren und mich mitnehmen würden bis Salzburg oder so. Allerdings müsste dann die Nacht in Salzburg verbracht werden, dazu wäre ich noch ein paar Stunden später zu Hause - aber trotzdem vielen Dank nach Schalke. So, jetzt aber erst mal aufs Spiel freuen. Schnell noch nen Apfelstrudel in "Heidis Café" verdrücken, dann ab zum ehemaligen Arnold-Schwarzenegger-Stadion, wo schon einiges vorm Stadion los ist. 6.000 Zuschauer sollen heute insgesamt kommen. Karten gibt es für die Haupttribüne für 12 Euro ermäßigt mit guter Sicht auf beide Blöcke, nach nem Ausweis fragt hier niemand - sehr schön. Zum Anpfiff ist der Bus der Verrückten Köpfe ´91 aus Innsbruck noch nicht eingetroffen, dafür machen die drei großen Grazer Gruppen (Sturmflut, Brigate und Jewels <<< alle zwischen 1994 und 1996 gegründet worden, somit hat die Ultrá-Kultur hier schon auffallend lange Fuß gefasst) schon ordentlich Alarm. Nach einer Schweigeminuten für einen Grazer Politiker geht es sofort los, ungewöhnlicherweise zwar gleich mit einem Wechselgesang, aber der kommt brachial laut rüber und wird 5 Minuten lang durchgesungen. Ist vielleicht auch Usus hier, keine Ahnung, jedenfalls überrascht mich das ganze doch sehr, hat Graz hierzulande ja nicht so den extremen Ruf. Lediglich die Freundschaft der Brigate zur Viole Maribor vom benachbarten NK Maribor aus Slowenien (ein Katzensprung hinüber ins ehemalige Jugoslawien) war mir bekannt. Nun gut, weiß ich also, dass sich ein Derby gegen den GAK sicherlich lohnen dürfte, wenngleich Sturm in Graz als Arbeiterverein gilt und die Massen anzieht, somit sicherlich ne Ecke mehr drauf hat als GAK. Nach 10 Minuten trifft endlich die Busladung der VK'91 unter lauten "Innsbrucker Arschlöcher"-Gesängen im Stadion ein. Die pöbeln ganz italia-like, es sind ja auch keine 20 Minuten mit dem Auto von Innsbruck bis Italien, zugleich ist man mit den Ultras von Atalanta Bergamo befreundet. Aus seiner extremen politisch linken Gesinnung macht man keinen Hehl, so muss es sein, 90 Minuten am Stück (!!) schwenkt man Che Guevara-, Palästina-, Bergamo- und Antifa-Fahnen, dazu eine Riesen-Schwenkfahne mit der Aufschrift "Verrückte Köpfe" - Respekt an die Oberarme des Schwenkers!! Vom Support her weit über die Hälfte italienisch, auch wenn die rund 70 Innsbrucker ein wenig untergehen bei der Lautstärke der Grazer. Hier macht nämlich stellenweise das ganze Stadion mit. Ich bin fast schon beeindruckt, das habe ich so nicht erwartet. Nervig allerdings dieser ganze Kommerz-Dreck im Stadion: massig Werbebanden, die Spieler sind rennende Littfasssäulen, ständig ballert einen die Anzeigetafel mit Werbeclips zu. Dafür fetzt das Spiel ziemlich, welches die Innsbrucker mit 3:2 gewinnen könne. Natürlich gönne ich es den Tirolern, auch wenn die Sturm-Equipe (ständig von Finanz-Problemen gebeutelt) von Franco Foda und Abwehr-Chef Frank Verlaat (aka Wanderhure) damit nach dem Punkabzug weiterhin -3 Punkte auf dem Konto hat. Schade vor allem, weil Sturm-Stürmer Oliver Nzuzi Niati Polo aus dem Kongo einfach mit das geilste ist, was ich je gesehen hab. Der Typ bei den Kickers und alle Probleme wären gelöst. Eine Gazelle, unglaublich, gewinnt jeden Zweikampf, so sieht Fußball aus. Trotzdem müssen so langsam die Segel gesetzt werden, 10 Minuten vor Abpfiff dreh ich noch mal schnell ne Runde ums Stadion zum Gästeblock hin, hier wird bereits alles hermetisch verriegelt, etwa 150 Polizisten warten schon mit Knüppel, Helm und Schildern, um die 70 Innsbrucker in den Bus zu stecken - die haben nun mal ihren Ruf, hehe. Dann ab zur Bushaltestelle, jetzt muss der Zeitplan funktionieren. Doch - aaaaaaaaaaaaaaaaaaah - fünf Minuten vor Abfahrt laut Fahrplan seh ich nur noch die Rücklichter vom Bus, das darf doch wohl nicht war sein bzw. in einer Stadt dieser Größe gar nicht passieren, dass Busse zu früh abfahren. Und jetzt? Erst mal abhassen, dann nen klaren Gedanken fassen, jippie, da vorne steht ein Taxi, aha, Fahrer ist Serbe. Naja, wenn's einer schafft, sich durch den Stadion-Abfahrts-Stau zu boxen, dann der. Für'n 10er drückt der kräftig auf die Tube, alles läuft wie geschmiert, weil halt auch mal rote Ampeln ignoriert werden ("Hoffentlich nix Blitzer kommen" - ein Kult!!) und so wird der Grazer Hbf 5 Minuten vor Abfahrt des Nachtzuges erreicht. Bestens, da kann ja noch kurz im Spar vorbeigeschaut werden und etwas Proviant rausgelassen werden, vor allem halt die leckeren Punsch-Krapfen, auf die ich schon als Kind in Innsbruck abgefahren bin. Ein nettes Plätzchen zwischen lauter Bosniern ist schnell gefunden (die nachts plötzlich anfangen, muslimische Melodien zu singen - Exotik pur, hehe) und 6:31 Uhr wird Feldkirch pünktlich erreicht. Rein in den Zug back to Germany, in Lindau noch ne Stunde bis 9 Uhr abflacken, bin das BW-Ticket gilt (was in Lindau alles andere als schwer ist, zumal der - in meinen Augen schönste in Deutschland - Hbf mitten auf ner Insel liegt) und gegen 14 Uhr ist die Heimat wieder erreicht. Über 17 Stunden Zugfahrt ballern zwar schon rein, dafür ist das Ganze aber schweine-billig und für das Spiel hat es sich gelohnt.
Bilder:
http://www.directupload.net/show/d/765/NSOf45Ye.jpg
Innsbrucker Mob
http://www.directupload.net/show/d/765/6FkTRH68.jpg
Grazer Intro
http://www.directupload.net/show/d/765/2uSQY8P9.jpg
Sightseeing...
http://www.directupload.net/show/d/765/478x7uPM.jpg
Bahnhof auf dem Weg nach Selzthal
http://www.directupload.net/show/d/765/OoylCp6b.jpg
Ne typische Straße in Graz
"Land der Berge, Land am Strome, Land der Äcker, Land der Dome. Arbeitsam und liederreich. Großer Väter freie Söhne, Volk begnadet für das Schöne, Vielgerühmtes Österreich." So beginnt die Nationalhymne Österreichs. Und in diesem Land beginnt für mich persönlich auch die Fußball-Saison 2006/2007. Denn vielgerühmt ist die Alpen-Republik nicht nur wegen der Berge, Strome, Äcker und Dome, sondern vor allem wegen des Ferien-Tickets der ÖBB. Und das kann im Vergleich zu Deutschland einiges mehr: gilt über 2 Monate lang, gilt nicht nur für einzelne Bundesländer, sondern fürs ganze Land und kostet gerade mal 50 Steine (für U20-Jährige sogar nur 20 Euro). Und das Beste ist: Für dieses Schüler-Ferien-Ticket muss man noch nicht mal Schüler sein, geschweige denn Österreicher. Nein, wer unter 26 Jahre alt ist und die Kröten beim ÖBB-Bahnhof seines Vertrauens auf den Tresen werfen kann, ist dabei. Einziger Haken: Man muss zusätzlich eine ÖBB-VorteilsCard kaufen. Die kommt unserer BahnCard gleich, gibt 50 % Ermäßigung in Österreich, weitere 25 % für Bahnfahrten im Ausland, kostet für U26-Jährige nur 19 Euro und gilt ein ganzes Jahr lang. Also auch keine schlechte Anschaffung. So, jetzt aber genug die Werbetrommel für die ÖBB gerührt, schließlich beginnt nach dem WM-Zauber in Europa wieder so nach und nach der Liga-Alltag. In Österreich ungewöhnlicherweise an einem Dienstag mit dem Spitzenspiel Austria Wien vs. Grazer AK. Zudem stehen am Mittwoch einige nette Spielchen auf dem Plan, darunter Mattersburg vs. Rapid Wien und Sturm Graz vs. Wacker Innsbruck. Was genau gefahren wird - beide Spiele versprechen interessant zu werden - soll das auf der Fahrt spontan entschieden werden. Dann mal los. Den ICE-Luxus über München gibt die Reisekasse natürlich nicht her, so geht es am Dienstag Morgen um 5:53 Uhr im Heimathafen MÖ-City los. Über Tübingen, Aulendorf, Friedrichshafen und Lindau ist die Ösi-Grenze binnen knapp 5 Stunden erreicht - so zumindest der Plan. Naja, wäre ich Blödmann nicht am Vorabend noch ne Runde im Nachtleben abgetaucht, was mir letztendlich nur 2 Stunden Nachtruhe einbrachte. Im Zug von Tübingen nach Aulendorf wird folgerichtig noch etwas abgeruht, allerdings eine Spur zu viel und von den Idioten im Zug sieht es natürlich keiner für nötig, mich zu wecken. Als ich so langsam mal wieder wach werde, ist der Zug mittlerweile wieder auf dem Weg zurück nach Tübingen. Wuuuaaah, Alptraum, oder was?? Kacke, wie kann das passieren? Am besten am nächsten Bahnhof raus, gegebenenfalls nach Lindau mit dem Taxi fahren oder was weiß ich was. Leider heißt der nächste Bahnhof Altshausen und liegt so ungefähr am Arsch der Welt. Taxis natürlich Fehlanzeige, Läden oder ähnliches gibt es nicht, am Bahnhof weist lediglich ein Schild darauf hin, dass man den Fahrkartenschalter (wohl mangels Kundschaft) abgeschafft hat, der Automat aber gerne weiterhelfen würde. Na prima. Kurzer Blick auf die Landkarte, Lindau vielleicht 70 km entfernt, das wäre für ein Taxi eh zu viel. Wenigstens kommt in 20 Minuten wieder ein Zug nach Aulendorf, das ist besser als nichts. Dummerweise scheinen an diesem sonnigen Dienstag sämtliche Schulklassen Baden-Württembergs den Bodensee zum Ausflugsziel auserkoren zu haben, die Züge lassen entsprechend auf sich warten. Auch in Aulendorf hat der Zug Verspätung, ich bin derweil kräftig am abhassen. Das geht ja alles schon mal gut los. Ursprünglich sollten in Wien 55 Minuten Zeit sein, um vom Westbahnhof zum Horr-Stadion zu kommen. Müsste eigentlich ausreichen, dieser Plan kann nun getrost zerrissen werden. Ab jetzt gilt es sich nach Gespür durchzuschlagen. Eigentlich ne feine Sache, aber mit Zeitdruck leicht hemmend. Eine Stunde dem Zeitplan hinterherhinkend erreiche ich dann endlich Feldkirch in Vorarlberg. Fehlinvestition des Tages war übrigens das BW-Ticket, wurde ich von Mötzingen bis nach Feldkirch nicht ein einziges Mal nach ner Fahrkarte kontrolliert. Naja, dafür wenigstens die Stunde von Lindau nach Feldkirch ohne Fahrschein unterwegs gewesen, das gleicht sich also wieder aus. Nächster Halt: Ferien-Ticket kaufen. Antrag ausfüllen, Lichtbild ist im Gepäck dabei, jetzt hab ich nur noch ne kleine Frage: Bei Herkunftsland sind drei Buchstaben hinzuschreiben, was soll ich da hinkritzeln? GER? DEU? Der Ösi-Bahn-Manne nimmt seinen ganzen Schmäh zusammen: „Gestern hieß es noch BRD. Oder hobt’s ihr seit heute Morgen wieder an Führer?“ Witzig, witzig, sag mir mal lieber, wann der nächste Zug nach Wien fährt! So recht will ich meinen Ohren nicht trauen, als der da was von „in über ner Stunde“ faselt. Wieder so’n Adolf-Witz? Nein, tatsächlich, von Feldkirch fährt tatsächlich nur alle zwei Stunden ein Zug in die Hauptstadt. Ankunft wäre dort dann 20:35 Uhr, Anstoß im Horr-Stadion 19:30 Uhr, das war’s dann wohl… Zum Beine vertreten erst mal ne runde um den Bahnhof drehen, alles sehr gemütlich hier, da lässt es sich aushalten. Am Imbiss erst mal ne Bosna-Spezial, im Billa 2 Dosen pfandfreien Almradler (Almdudler + Bier). Ist zwar leicht prollig um die Uhrzeit, aber hier kennt mich ja keiner, hehe… Den einzigen, den ich hier erwartet hätte, wäre Vorarlberg-Fan Albstädter, der vielleicht spontan ähnliche Ferien-Ticket-Gedanken hegen könnte und mir hier über den Weg läuft. War aber natürlich nicht so. Gegen 13 Uhr mal wieder in den Bahnhof geschlappt und völlig begeistert festgestellt: fährt von diesem kleinen Kaff aus doch tatsächlich ein Direkt-Zug nach Belgrad und einer nach Zagreb. Unfassbar. Aber zurück zu den aktuellen Problemen: Was jetzt machen? Die Schluss-Minuten im Horr-Stadion anschauen? Naja, ich weiß ja nicht. Kurzer Blick auf den Zugplan, aha, kurz vor 19 Uhr läuft der Zug am Linzer Hbf ein, mal gleich ne SMS an Schwandl schicken, vielleicht ist ja Testspiel-Terror in Linz. Ja, tatsächlich, 19 Uhr Union St. Florian gegen Vorwärts Steyr. Den Ground hab ich zwar schon, aber eine bessere Alternative als 10 Minuten Horr-Stadion, dazu dürfte es mit den Linzern abwechslungsreich werden, die sich den Kick des Liga-Konkurrenten ebenfalls anschauen wollen. Na gut, noch etwas pennen und die Boulevard-Blättchen „Kurier“ und „Krone“ durchblättern - ein Kult, die Welt aus der Sicht Österreichs - dann ist einige Stunden später mit dem modernen IC die Donaustadt Linz erreicht.
Testspiel am 18.7.2006
Union St. Florian vs. Vorwärts Steyr
1:0
Als ich aussteige, denke ich erstmal, in der falschen Stadt zu sein. Wow, der Hbf hat sich ja mächtig verändert. Aus der verkommenen, siffigen Dauerbaustelle ist ein riesiger Glaskomplex geworden, der eher an einen Flughafen erinnert. Überhaupt hat sich seit dem letzten Besuch einiges verändert, inzwischen gibt es in Linz sogar eine U-Bahn. Ok, 3 Stationen, aber immerhin ein Anfang. Nicht verändert haben sich hingegen Schwandl und Mario, die mit Sonnenbrille auf der Nase am Bahnsteig auf mich warten und bereits die Überwachungskameras inspizieren. Steht am Gleisaufgang doch ein Paket mit mutmaßlich wertvoller Fracht, das in der Sammlung noch fehlt, hehe. Weitere Entdeckung des Tages: Mario ist ein ziemlicher Rennfahrer am Steuer, vor dem würden wohl selbst die Autos in Belgrad ausweichen - und das will ja was heißen! Kurz wird über den Stand der Dinge in beiden Szenen philosophiert, dann geht es ab nach St. Florian. Eintritt wird keiner verlangt, dazu gibt es Käsekrainer mit Kartoffelsalat und Beilagen für nur 2,80 Euro. Das fetzt. Zuschauer sind etwa 200 da, darunter 50 (1 Zaunfahne) vom Sechstligisten aus Steyr. Der SK Vorwärts (größter Erfolg: Pokalfinale 1949; 2:5 gegen Austria Wien verloren) spielte bis 1999 sogar in der österreichischen Bundesliga, ihm wurde aber die Lizenz verweigert und man fing in der untersten Liga komplett neu an. Nach wie vor ist Vorwärts aber ein Fanmagnet, zumindest im Amateur-Fußball. Gegen den Regionalligisten aus dem Linzer Vorort St. Florian verliert man dennoch, wenn auch knapp. Einschätzung der Linzer nach dem Spiel: "Die sind für uns dieses Jahr keine Bedrohung." Naja, hoffen wir es mal. Wir gondeln zurück nach Linz, setzen Schwandl mal eben an der Straßenbahn ab (wohnt der doch tatsächlich an einer Haltestelle mit Namen "Herz-Jesu-Kirche" - wie passend, hehe), lassen uns am Döner-Laden noch ne Runde Stiegl-Bier raus und chilln uns dann vor Marios Fernseher, über dem in dem Moment die BBC-Dokumentation über Hooligans flimmert. Genächtigt werden darf auf dem Sofa der Pyromanen-Kult-WG (Mario wohnt inzwischen mit Raxi zusammen), die am Morgen ganz harmonische Züge annimmt. Geweckt werde ich nämlich mit feinem Kaffee-Duft, Mario macht dort weiter, wo er gestern aufgehört hat: mit Gastfreundschaft. Es wird gemütlich zusammen gefrühstückt, noch schnell ne Dusche nehmen und dann ab zur Straßenbahn - Danke Mario, auf bald. Noch schnell im Spar Proviant einkaufen, dann aber rein in den Zug nach…
Österreich 1. Liga am 19.7.2006
SK Sturm Graz vs. FC Wacker Innsbruck
2:3
Graz. Genau, die ehemalige Terminator-Arena soll es sein. Zwar verspricht der Rapid-Gästeanhang in Mattersburg massig Attraktivität (das immer noch von Österreich besetzte ungarische Burgenland ist nicht weit von Wien entfernt) und der Ground ist mit dem Gegner kaum besser zu machen, andererseits hab ich natürlich meine ganz besondere Beziehung zu Innsbruck: bin ja dort quasi aufgewachsen, kenne die Stadt und die Szene recht gut, habe als kleiner Junge viele Wacker-Spiele im alten Tivoli-Stadion gesehen. Außerdem sind Ferien, mit ner Busladung VK'91 sollte zu rechnen sein. Gut, machen wir es so. Durch malerische Landschaften geht es mit der Bimmelbahn bis zum Knotenbahnhof Selzthal, ein wahres Urlaubsparadies hier, folgerichtig klebe ich beinahe die ganze Fahrt am Fenster. Mit dem Intercity geht es weiter nach Graz, alles pünktlich erreicht, somit ist reichlich Zeit für Sightseeing. Die Stadt kann deutlich mehr als erwartet, die engen Gassen und Altbaufassen sind top, Moderne und Tradition sind gekonnt miteinander verknüpft. Bestes Beispiel dafür ist das top-moderne Kunstmuseum am Südtiroler Platz. Es können einige Fotos geschossen werden, am meisten natürlich rund um den Hauptplatz im I. Bezirk (wie auch in Wien sind die Stadtteile nach Zahlen durchnummeriert). Noch ein Foto zusammen mit Kollega Mozart, dann wird es aber Zeit für Erledigungen. Schließlich soll der Nachtzug „Zürichsee“ nach - na klar - Zürich schon um 21:35 Uhr fahren, die ÖPNV-Anreise zurück zum Hbf nach Spielende muss nahtlos geplant werden. Die Alternative wäre, hier 650 km von der Heimat entfernt am wohl unsympathischsten Bahnhof der Welt nächtigen zu müssen. Dummerweise fährt die Straßenbahn vom Stadion aus nicht in den Abendstunden, wegen Gleisarbeiten oder so werden Ersatzbusse eingesetzt. Naja, läuft mir nicht wirklich rein. Außerdem muss das Stadion somit 5 Minuten früher verlassen werden. Alternative wären zwar die Ultras Gelesenkirchen, die derzeit im Trainingslager in der Nähe verweilen, am Abend losfahren und mich mitnehmen würden bis Salzburg oder so. Allerdings müsste dann die Nacht in Salzburg verbracht werden, dazu wäre ich noch ein paar Stunden später zu Hause - aber trotzdem vielen Dank nach Schalke. So, jetzt aber erst mal aufs Spiel freuen. Schnell noch nen Apfelstrudel in "Heidis Café" verdrücken, dann ab zum ehemaligen Arnold-Schwarzenegger-Stadion, wo schon einiges vorm Stadion los ist. 6.000 Zuschauer sollen heute insgesamt kommen. Karten gibt es für die Haupttribüne für 12 Euro ermäßigt mit guter Sicht auf beide Blöcke, nach nem Ausweis fragt hier niemand - sehr schön. Zum Anpfiff ist der Bus der Verrückten Köpfe ´91 aus Innsbruck noch nicht eingetroffen, dafür machen die drei großen Grazer Gruppen (Sturmflut, Brigate und Jewels <<< alle zwischen 1994 und 1996 gegründet worden, somit hat die Ultrá-Kultur hier schon auffallend lange Fuß gefasst) schon ordentlich Alarm. Nach einer Schweigeminuten für einen Grazer Politiker geht es sofort los, ungewöhnlicherweise zwar gleich mit einem Wechselgesang, aber der kommt brachial laut rüber und wird 5 Minuten lang durchgesungen. Ist vielleicht auch Usus hier, keine Ahnung, jedenfalls überrascht mich das ganze doch sehr, hat Graz hierzulande ja nicht so den extremen Ruf. Lediglich die Freundschaft der Brigate zur Viole Maribor vom benachbarten NK Maribor aus Slowenien (ein Katzensprung hinüber ins ehemalige Jugoslawien) war mir bekannt. Nun gut, weiß ich also, dass sich ein Derby gegen den GAK sicherlich lohnen dürfte, wenngleich Sturm in Graz als Arbeiterverein gilt und die Massen anzieht, somit sicherlich ne Ecke mehr drauf hat als GAK. Nach 10 Minuten trifft endlich die Busladung der VK'91 unter lauten "Innsbrucker Arschlöcher"-Gesängen im Stadion ein. Die pöbeln ganz italia-like, es sind ja auch keine 20 Minuten mit dem Auto von Innsbruck bis Italien, zugleich ist man mit den Ultras von Atalanta Bergamo befreundet. Aus seiner extremen politisch linken Gesinnung macht man keinen Hehl, so muss es sein, 90 Minuten am Stück (!!) schwenkt man Che Guevara-, Palästina-, Bergamo- und Antifa-Fahnen, dazu eine Riesen-Schwenkfahne mit der Aufschrift "Verrückte Köpfe" - Respekt an die Oberarme des Schwenkers!! Vom Support her weit über die Hälfte italienisch, auch wenn die rund 70 Innsbrucker ein wenig untergehen bei der Lautstärke der Grazer. Hier macht nämlich stellenweise das ganze Stadion mit. Ich bin fast schon beeindruckt, das habe ich so nicht erwartet. Nervig allerdings dieser ganze Kommerz-Dreck im Stadion: massig Werbebanden, die Spieler sind rennende Littfasssäulen, ständig ballert einen die Anzeigetafel mit Werbeclips zu. Dafür fetzt das Spiel ziemlich, welches die Innsbrucker mit 3:2 gewinnen könne. Natürlich gönne ich es den Tirolern, auch wenn die Sturm-Equipe (ständig von Finanz-Problemen gebeutelt) von Franco Foda und Abwehr-Chef Frank Verlaat (aka Wanderhure) damit nach dem Punkabzug weiterhin -3 Punkte auf dem Konto hat. Schade vor allem, weil Sturm-Stürmer Oliver Nzuzi Niati Polo aus dem Kongo einfach mit das geilste ist, was ich je gesehen hab. Der Typ bei den Kickers und alle Probleme wären gelöst. Eine Gazelle, unglaublich, gewinnt jeden Zweikampf, so sieht Fußball aus. Trotzdem müssen so langsam die Segel gesetzt werden, 10 Minuten vor Abpfiff dreh ich noch mal schnell ne Runde ums Stadion zum Gästeblock hin, hier wird bereits alles hermetisch verriegelt, etwa 150 Polizisten warten schon mit Knüppel, Helm und Schildern, um die 70 Innsbrucker in den Bus zu stecken - die haben nun mal ihren Ruf, hehe. Dann ab zur Bushaltestelle, jetzt muss der Zeitplan funktionieren. Doch - aaaaaaaaaaaaaaaaaaah - fünf Minuten vor Abfahrt laut Fahrplan seh ich nur noch die Rücklichter vom Bus, das darf doch wohl nicht war sein bzw. in einer Stadt dieser Größe gar nicht passieren, dass Busse zu früh abfahren. Und jetzt? Erst mal abhassen, dann nen klaren Gedanken fassen, jippie, da vorne steht ein Taxi, aha, Fahrer ist Serbe. Naja, wenn's einer schafft, sich durch den Stadion-Abfahrts-Stau zu boxen, dann der. Für'n 10er drückt der kräftig auf die Tube, alles läuft wie geschmiert, weil halt auch mal rote Ampeln ignoriert werden ("Hoffentlich nix Blitzer kommen" - ein Kult!!) und so wird der Grazer Hbf 5 Minuten vor Abfahrt des Nachtzuges erreicht. Bestens, da kann ja noch kurz im Spar vorbeigeschaut werden und etwas Proviant rausgelassen werden, vor allem halt die leckeren Punsch-Krapfen, auf die ich schon als Kind in Innsbruck abgefahren bin. Ein nettes Plätzchen zwischen lauter Bosniern ist schnell gefunden (die nachts plötzlich anfangen, muslimische Melodien zu singen - Exotik pur, hehe) und 6:31 Uhr wird Feldkirch pünktlich erreicht. Rein in den Zug back to Germany, in Lindau noch ne Stunde bis 9 Uhr abflacken, bin das BW-Ticket gilt (was in Lindau alles andere als schwer ist, zumal der - in meinen Augen schönste in Deutschland - Hbf mitten auf ner Insel liegt) und gegen 14 Uhr ist die Heimat wieder erreicht. Über 17 Stunden Zugfahrt ballern zwar schon rein, dafür ist das Ganze aber schweine-billig und für das Spiel hat es sich gelohnt.
Bilder:
http://www.directupload.net/show/d/765/NSOf45Ye.jpg
Innsbrucker Mob
http://www.directupload.net/show/d/765/6FkTRH68.jpg
Grazer Intro
http://www.directupload.net/show/d/765/2uSQY8P9.jpg
Sightseeing...
http://www.directupload.net/show/d/765/478x7uPM.jpg
Bahnhof auf dem Weg nach Selzthal
http://www.directupload.net/show/d/765/OoylCp6b.jpg
Ne typische Straße in Graz
- TEUTONEN WILLY ON TOUR
- Kickers-Fan
- Beiträge: 775
- Registriert: Dienstag 19. August 2003, 15:01
- Wohnort: http://schurwald-richy-on-tour.beep.de jetzt mit groundpunkttauschbörse
- Kontaktdaten:
danke für den service
und schaltet den tim wieder frei
wenn man mit dem mund totmachen so anfängt dann gute nacht
stasi ist nen scheiss
schurwald richy on tour
und schaltet den tim wieder frei
wenn man mit dem mund totmachen so anfängt dann gute nacht
stasi ist nen scheiss
schurwald richy on tour
zitat schiri beim dorfkick walsdorf-fischbach
wie heißen sie????
geben sie mir den namen von dem mann...ansonsten pfeife
ich das spiel nicht wieder an :-D
wie heißen sie????
geben sie mir den namen von dem mann...ansonsten pfeife
ich das spiel nicht wieder an :-D
-
Mario LP`99
- Kickers-Fan
- Beiträge: 129
- Registriert: Montag 19. September 2005, 16:26
-
Überlinger
- barneygumble
- Kickers-Fan
- Beiträge: 6168
- Registriert: Dienstag 2. August 2005, 21:02
- Kontaktdaten:
Tims Reisebericht veröffentlicht ohne Zugang, daher "Tims"-Thread ohne sein "Anwesen", daher vielleicht die Äußerungen?
Wenn die Posts von Tim alle in diesem Ton ablaufen werden, ist wohl eine Freischaltung zumindest diskussionswürdig, wobei ich natürlich nicht weiß, was im Hintergrund abgelaufen ist,
und ich möchte es allerdings auch nicht erfahren.
Klasse Bericht.
Wenn die Posts von Tim alle in diesem Ton ablaufen werden, ist wohl eine Freischaltung zumindest diskussionswürdig, wobei ich natürlich nicht weiß, was im Hintergrund abgelaufen ist,
und ich möchte es allerdings auch nicht erfahren.
Klasse Bericht.
Erfolgreich zu sein, setzt zwei Dinge voraus: Klare Ziele und den brennenden Wunsch, sie zu erreichen.
- Johann Wolfgang von Goethe -
Die Mehrheit? Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn, Verstand ist stets bei wen'gen nur gewesen. Der Staat muß untergehen, früh oder spät, wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet.
- Friedrich Schiller -
Don't argue with idiots. They'll drag you down to their level and beat you with experience.
- empirische Untersuchungen -
- Johann Wolfgang von Goethe -
Die Mehrheit? Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn, Verstand ist stets bei wen'gen nur gewesen. Der Staat muß untergehen, früh oder spät, wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet.
- Friedrich Schiller -
Don't argue with idiots. They'll drag you down to their level and beat you with experience.
- empirische Untersuchungen -
-
Überlinger
Und es geht weiter:
Österreich 1. Liga am 23.7.2006
SK Rapid Wien vs. SK Sturm Graz
4:1
Und weiter geht der Ösi-Ferien-Ticket-Spaß. Mit dem Samstags-Spiel Pasching gegen Austria Wien war eigentlich wieder ein ganzes Wochenende in den Alpen geplant, aber unvermeidbar musste am Samstag Abend gearbeitet werden, somit blieb aber noch der Sonntag. Rapid, das hat mich schon als kleiner Junge bei den Spielen gegen die Grün-Weißen im alten Innsbrucker Tivoli fasziniert und hat bis heute nicht nachgelassen, immerhin der einzige österreichische Verein, der noch nie seine Namensrechte verkauft hat und seit Vereinsgründung im Jahre 1899 (auch das macht den Verein nicht unsympathisch) stets unter dem Namen "SK Rapid Wien" gespielt hat. Zudem ist man noch nie abgestiegen, seitdem man in Österreich die Meisterschaft ausspielt. Und das ist immerhin schon seit 1911. Mit 31 Meistertiteln und 17 Pokalsiegen, sowie dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft 1941 und dem deutschen Pokalsieg 1938 ist man daher logischerweise auch österreichischer Klassenprimus. So, dann mal auf in Richtung Wien. Ebenfalls mit von der Partie ist auch Mike, der auch Gefallen am Ösi-Ticket finden will. 5:45 Uhr ist Treffpunkt am Nebringer Kreisverkehr, kurz nach 6 Uhr laufe ich ein, für meine Verhältnisse die Verspätung somit immer noch in Grenzen gehalten, hehe. Heute soll die Reise an den Bodensee man mit dem Auto bestritten werden, damit ist man ja nicht nur flexibler und schneller, sondern in meinen Augen auch noch billiger unterwegs, als Sonntag und Montag ein Baden-Württemberg-Ticket kaufen zu müssen. Überpünktlich laufen wir gegen 8 Uhr in Bregenz ein, somit noch über ne halbe Stunde Zeit, bis der IC nach Innsbruck einläuft. Mike holt sein Ticket, Proviant und natürlich Almdudler wird besorgt und über die lustigen Zugnamen gelacht. Nennen die Ösis ihre Züge doch nicht bei uns nach berühmten Personen oder Regionen, sondern hat natürlich ganz ösi-like auch hier die Namensrechte verkauft. So kann man doch tatsächlich mit dem IC "Europäischer Computer-Führerschein" nach Wien fahren, da weiß man fast nicht, ob man weinen oder lachen soll. Im Zug regiert dann der Spaß, weil Mike seine Videokamera dabei hat und für reichlich Unterhaltung sorgt. Das ändert sich auch ab Innsbruck nicht, von wo aus man den IC zum Wiener Westbahnhof nimmt - nur mit dem Unterschied, dass jetzt auch ein paar Ottakringer Bierchen im Abteil sind. Na, auf den Video-Abend freu ich mich ja schon mal. Im Abteil finden wir auch Adem, der fleißig den Koran ließt. Er erzählt uns, wie toll er Deutschland findet, weil man dort viel freier seine Religion ausleben könne. Er selbst müsse deswegen jetzt von Bregenz bis Linz fahren, weil dort ein paar Islam-Experten seien, die ihn mal wieder eine ganze Woche schulen würde. Was ein wenig nach Al-Kaida-Ausbildungs-Lager klingt, bestätigt sich schon bald: Er lässt einige recht heftige Äußerungen vom Tisch in Sachen Schweinefleisch, Israel und wie sich Frauen zu verhalten haben. Bis Linz unterhalten wir uns noch angeregt, er teilt sogar sein Käsebrot mit uns, dann haben wir das Abteil für uns alleine und können gemütlich schlafen. Und dann sind wir endlich in Wien, in dieser wunderbaren 1,6-Millionen-Einwohner-Stadt. Folgerichtig werden die kommenden zwei Stunden in der Innenstadt verbracht, die Hofburg besichtigt, und, und, und… Mike ist dieser Kultur-Tour nicht ganz so aufgeschlossen („Verpiss Dich mal mit der Kultur-Scheiße, Du kennst hier doch eh schon alles), das waren wohl ein paar Ottakringer zu viel bei ihm, hehe. Naja, das ist einfach Pflicht in dieser Stadt, die Budapest in so vielen Punkten ähnelt: gleichnamige Stadtteile, die Stadt voller Altbau-Häusern statt Wolkenkratzern, viele Kaffee-Häuser, alles in Bezirke nach Nummern unterteilt und letztendlich die zwei erfolgreichsten Vereine mit der Farben Lila und Grün, wobei die Grünen Rapid und Ferencváros sogar beide im Jahre 1899 gegründet wurden und beide Fanszenen ja auch eine - wenn auch recht lose - Freundschaft bindet. Somit geht es nun mit der S-Bahn in den Stadtteil Hütteldorf, in dem sich das Gerhard-Hanappi-Stadion gleich unweit des Hütteldorfer Bahnhof befindet. Der Gang zum Stadion fasziniert komplett, erinnert mit all seinen Graffitis ebenfalls stark an Ferencváros und das Areal rund um die üllöi út: Alles voller „Ultras Rapid 1988“- und „A.C.A.B.“-Schmierereien (selbst an Bäumen), das beeindruckt einfach. Was auch beeindruckt ist der Frauen-Anteil hier. Alles recht schöne Hüpfer, da kann man sich wahrlich nicht beschweren. Genau genommen sind Mike und ich hin und weg, aber das tut ja nichts zu Sache, hehe. Als Eintrittskarte soll es auch heute wieder eine Haupttribünen-Karte sein, die besten Blick auf alle drei Blöcke verspricht. Mike ist dem ganzen preislich zwar nicht so angetan (24 Euro), aber da wir mal wieder auf den Spuren von "Hans im Glück" wandern, bietet uns jemand prompt die Karten für 10 Euro an. Hä, wo ist denn da der Haken? Aaahhh, Sponsorenkarten, der Knabe hat die Dinger umsonst bekommen, verscherbelt die hier halt jetzt für nen 10er. Alles klar, haben wir alle Vorteile von, dann mal ab auf die Haupttribüne. Drüben auf der Westtribüne singt man bereits eine halbe Stunde vor Anpfiff, das fetzt. Vor allem um den Rückkehrer und Ex-Kapitän Steffen Hofmann, der von 1860 wieder nach Wien wechselte, wieder hier ein Riesen-Tanz veranstaltet. Nachträglich bekommt er noch den Titel zum Spieler des Jahres 2005 überreicht, darf den legendären Rapid-Schal in das Tor vor der Westtribüne hängen. Ja, man kann sagen, dass sich der Deutsche hier gebührend feiern lässt, auch wenn er erst in drei Wochen wieder spielberichtigt sein wird. In der Westkurve bei den Ultras Rapid und in der Ostkurve bei den Lords Rapid (bei Rapid haben sich inzwischen - wie in Frankreich - zwei Kurven gebildet) laufen die Vorbereitungen für die Choreo bereits, schließlich sind beide Kurven eine der weinigen in ganz Europa, die zu jedem Spiel eine Choreo auf die Beine stellen. Bei den UR'88 wird es eine Festung sein (ähnlich der Choreo bei den Kickers damals) mit dem Spruch "Macht Hütteldorf wieder zu einer uneinnehmbaren Festung" und dahinter zahlreiche grün-weiße Fahnen, bei den Lords ist eine einfache Blockfahne in den Farben grün-weiß-orange.
Organe bildet in dem Fall die Farbe der Gruppe. Im Gästeblock ist noch nichts los, doch nach und nach trudeln die Leute ein, nach etwa 10 Minuten kommt der Grazer Anhang auf rund 350 Leute. Alle drei Kurven machen gut Feuer, allen voran natürlich die größte und älteste Gruppierung Österreichs, die UR'88. Einfach nur geil, was die Jungs da zaubern, das kann einfach auch europaweit mithalten. Wahnsinn. Auch das Stadion kann einiges, wird von den Fans hier aus religiösen Gründen übrigens nur "Sankt Hanappi" genannt. Da man nun auch aufwändig den Rasen verlängert hat, wird Rapid in Zukunft seine Europapokal-Spiele hier austragen dürfen und muss nicht mehr ins Happel-Stadion ausweichen. Das wird übrigens in der Halbzeit und lautstarkem Jubel der Fans verkündet. Auch das Spiel kann einiges, Tore fallen praktisch am Fließband, aber warum Sturm-Trainer Franco Foda meinen Liebling Oliver Nzuzi Niati Polo erst in der Schlussphase bringt, ist mir unerklärlich. So kann man es sich mit seinen treuen Fans (gemeint bin ich, bis jetzt immerhin schon alle Sturm-Spiele in dieser Saison live gesehen, hehe) auch verscherzen. Ach ja, und was macht Mike übrigens? Der entschließt sich ab der 10. Minute dazu, ein Nickerchen auf der Haupttribüne einzulegen und damit mal eben zur Attraktion der zehn Reihen vor uns zu werden - waren halt doch ein paar Ottakringer zu viel. Naja, muss er wissen. Sein Spruch "Fußball ohne Bier ist wie Sex ohne Schwanz" tangiert hingegen allerdings schon die Kult-Skala, hehe. Kurz vor der legendären Rapid-Viertelstunde wird Mike dann aber wieder wach. Und die lohnt sich natürlich. Zur 75. Minute fangen die Fans mehrere Male an wie wild einzuklatschen, alle stehen auf, da knistert es in der Luft. Die Rapid-Viertelstunde wird bereits seit 1919 von den Fans eingeleitet. In den letzten 15 Minuten konnte Rapid oftmals - aufgrund von Kraft und Ausdauer - ein Spiel noch drehen. Legendär ist das Spiel gegen den Wiener AC im Jahre 1921. Rapid lag zur Pause 1:5 hinten, kam bis zur vor der Rapid-Viertelstunde noch auf ein 3:5 ran und gewann am Ende 7:5. Heute bringt sie nicht viel, da Rapid ohnehin schon praktisch uneinholbar gegen Sturm führt. Gemütlich geht es nach Abpfiff rüber zum Hütteldorfer Bahnhof, noch ne knappe Stunde haben wir, bis unser Nachtzug nach Bregenz abfährt. Genug Zeit also, um sich noch mit dem nötigsten einzudecken. Leider kommen wir so erst rund 20 Minuten vor Zugabfahrt im Zug an, die gemütlichen Plätze sind aber schon längst vergeben. Schließlich war die ÖBB so schlau, nur zwei Sitzwagen an den Zug zu hängen, und das trotz Ferien und Rapid-Spiel. Der halbe Zug ist voll mit den Grün-Weißen, das kann ja heiter werden. Nein, die knapp 800 km bis zum Bodensee zu stehen, das kommt nicht in Frage. Wir legen uns einfach mal ganz frech in ein Schlafwagenabteil. Dauert aber nicht lange, dann fragt die Schaffnerin nach unseren Reservierungen, die können wir logischerweise nicht vorweisen, womit nun 70 Euro fällig werden würden. Ja, genau, auf Wiedersehen. Wir stellen uns in den Gang, warten, bis die Schaffnerin im nächsten Abteil verschwunden ist, und schleichen uns einen Waggon weiter nach vorne durch. Herrlich, hier ist alles frei, dazu stehen kostenlose Getränke zur Verfügung. Wir pennen gemütlich, ehe am Bahnhof von St. Pölten die Tür vom Abteil aufgeht und die Schaffnerin wieder vor uns steht: "Guten Abend, die Fahrscheine, ach, nee, Ihr schon wieder?" Wir machen wieder auf dumme Deutsche, würden nicht verstehen, warum man sich hier nicht reinlegen könne, wenn alles frei ist, der Zug hingegen doch total voll ist. Wir werden wieder rausgeschmissen, schleichen uns aber ebenfalls wieder weiter nach vorne und kommen in den Hotel-Waggon. Hier warten sogar richtige Kabinen mit separater Dusche. Bevor wir versuchen die Türen aufzukriegen kommt schon der Schaffner um die Ecke. Was wir hier suchen? Na, irgendwas zum pennen natürlich. Achso, hier dürfen wir nicht bleiben? Na, dann gehen wir halt wieder zurück. Leider bleibt der Kerl aber im Gang stehen, ein Durchkommen ist nicht möglich. Wir gehen einen Waggon zurück, halten uns im Gang auf, eine rauchen und die Rapid-Lieder nachsingen. Mit inzwischen schon roten Kopf kommt die Schaffnerin auf uns zu und will uns komplett aus dem Zug schmeißen. Weiter auf dummer Deutscher machen hilft nicht, aber Fakt ist, dass man ja wirklich nicht durch die hemmungslos überfüllten Sitzwagen kommt. Und das ist einfach nicht unser Fehler. Sie ermahnt, wir müssten es versuchen, sie hätte ihre Vorschriften. Bei so einer Bürokratie platzt mir immer recht gerne der Kragen, die Beschimpfungen in deutscher und ungarischer Sprache nehmen zu, jetzt würde also der Zug-Chef eingeschaltet werden. Naja, ich hätte es ja gerne drauf ankommen lassen, aber Mike zieht mich weg und wir quälen uns durch die Sitzwagen. Bis kurz hinter Linz herrscht Thrombose-Alarm im Gang, hier geht nichts vor und zurück. Übrigens auch nicht für unsere alte Schaffner-Freundin, die gerne durchkommen möchte. Unsere Bereitschaft, die Beine anzuziehen, hält sich natürlich in Grenzen, hehe. Tja, Fräulein, ist hier wohl Endstation, wir haben da nun mal auch so unsere Vorschriften. In Wels steigen auch die letzten Rapid-Fans aus, wir finden somit doch noch einen freien Platz. Mittelmäßig entspannt kommen wir somit pünktlich um kurz vor 8 Uhr am Bregenzer Hbf an, ab zum Auto und zurück in die Heimat. Vorher natürlich noch mehrere Liter Almdudler gekauft, müsste ja alles glatt laufen - doch denkste. Ich habe mein letztes Bargeld in den Erwerb der köstlichen Ösi-Brause gesteckt, Geldkarte ist nicht dabei. Mike hat auch kein Bargeld mehr und seine Geldkarte - wie wir beim Tanken in Vöhringen feststellen müssen - wird nicht akzeptiert. Wuuaaah, kurz der Alptraum. Der Tankwart kassiert meinen Autoschlüssel ein, den würde es erst zurück geben, wenn Geld da ist. Na toll. Mike verhandelt mit der Bank, funktioniert alles nicht wie gewünscht, keiner will uns so recht helfen in unserer Situation, Kumpels sind nicht zu erreichen und nach 2 Stunden Abhassen in Vöhringen versuchen wir unser Glück bei der Kirche. Tatsächlich, der Pfarrer ist zwar nicht da, so versuchen wir einem vom Pfarramt unsere Situation klar zu machen. Das Geld würde heute Abend noch gebracht, aber wir sitzen hier nun mal dezent in der Scheiße.
Der Typ jagt uns aber mehr oder weniger vom Hof, na toll, mein Vorurteil über die Kirche wurde mal wieder bestätigt. Was für Wichser! So treten wir noch mal in Verhandlungen mit dem Tankwart, Mike gibt seinen Ausweis, sein Handy und seine Videokamera ab, dafür dürfen wir weiterfahren. Na, Gott sei Dank, das ging noch mal gut und gleich am Nachmittag hat dann auch der Tankwart sein Geld. Im Grunde ein bisschen viel Abenteuer für 90 Minuten Rapid, aber so muss es ja sein.
Bilder:

Intro Rapid



Choreo der Lords Rapid

Gästemob
Österreich 1. Liga am 23.7.2006
SK Rapid Wien vs. SK Sturm Graz
4:1
Und weiter geht der Ösi-Ferien-Ticket-Spaß. Mit dem Samstags-Spiel Pasching gegen Austria Wien war eigentlich wieder ein ganzes Wochenende in den Alpen geplant, aber unvermeidbar musste am Samstag Abend gearbeitet werden, somit blieb aber noch der Sonntag. Rapid, das hat mich schon als kleiner Junge bei den Spielen gegen die Grün-Weißen im alten Innsbrucker Tivoli fasziniert und hat bis heute nicht nachgelassen, immerhin der einzige österreichische Verein, der noch nie seine Namensrechte verkauft hat und seit Vereinsgründung im Jahre 1899 (auch das macht den Verein nicht unsympathisch) stets unter dem Namen "SK Rapid Wien" gespielt hat. Zudem ist man noch nie abgestiegen, seitdem man in Österreich die Meisterschaft ausspielt. Und das ist immerhin schon seit 1911. Mit 31 Meistertiteln und 17 Pokalsiegen, sowie dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft 1941 und dem deutschen Pokalsieg 1938 ist man daher logischerweise auch österreichischer Klassenprimus. So, dann mal auf in Richtung Wien. Ebenfalls mit von der Partie ist auch Mike, der auch Gefallen am Ösi-Ticket finden will. 5:45 Uhr ist Treffpunkt am Nebringer Kreisverkehr, kurz nach 6 Uhr laufe ich ein, für meine Verhältnisse die Verspätung somit immer noch in Grenzen gehalten, hehe. Heute soll die Reise an den Bodensee man mit dem Auto bestritten werden, damit ist man ja nicht nur flexibler und schneller, sondern in meinen Augen auch noch billiger unterwegs, als Sonntag und Montag ein Baden-Württemberg-Ticket kaufen zu müssen. Überpünktlich laufen wir gegen 8 Uhr in Bregenz ein, somit noch über ne halbe Stunde Zeit, bis der IC nach Innsbruck einläuft. Mike holt sein Ticket, Proviant und natürlich Almdudler wird besorgt und über die lustigen Zugnamen gelacht. Nennen die Ösis ihre Züge doch nicht bei uns nach berühmten Personen oder Regionen, sondern hat natürlich ganz ösi-like auch hier die Namensrechte verkauft. So kann man doch tatsächlich mit dem IC "Europäischer Computer-Führerschein" nach Wien fahren, da weiß man fast nicht, ob man weinen oder lachen soll. Im Zug regiert dann der Spaß, weil Mike seine Videokamera dabei hat und für reichlich Unterhaltung sorgt. Das ändert sich auch ab Innsbruck nicht, von wo aus man den IC zum Wiener Westbahnhof nimmt - nur mit dem Unterschied, dass jetzt auch ein paar Ottakringer Bierchen im Abteil sind. Na, auf den Video-Abend freu ich mich ja schon mal. Im Abteil finden wir auch Adem, der fleißig den Koran ließt. Er erzählt uns, wie toll er Deutschland findet, weil man dort viel freier seine Religion ausleben könne. Er selbst müsse deswegen jetzt von Bregenz bis Linz fahren, weil dort ein paar Islam-Experten seien, die ihn mal wieder eine ganze Woche schulen würde. Was ein wenig nach Al-Kaida-Ausbildungs-Lager klingt, bestätigt sich schon bald: Er lässt einige recht heftige Äußerungen vom Tisch in Sachen Schweinefleisch, Israel und wie sich Frauen zu verhalten haben. Bis Linz unterhalten wir uns noch angeregt, er teilt sogar sein Käsebrot mit uns, dann haben wir das Abteil für uns alleine und können gemütlich schlafen. Und dann sind wir endlich in Wien, in dieser wunderbaren 1,6-Millionen-Einwohner-Stadt. Folgerichtig werden die kommenden zwei Stunden in der Innenstadt verbracht, die Hofburg besichtigt, und, und, und… Mike ist dieser Kultur-Tour nicht ganz so aufgeschlossen („Verpiss Dich mal mit der Kultur-Scheiße, Du kennst hier doch eh schon alles), das waren wohl ein paar Ottakringer zu viel bei ihm, hehe. Naja, das ist einfach Pflicht in dieser Stadt, die Budapest in so vielen Punkten ähnelt: gleichnamige Stadtteile, die Stadt voller Altbau-Häusern statt Wolkenkratzern, viele Kaffee-Häuser, alles in Bezirke nach Nummern unterteilt und letztendlich die zwei erfolgreichsten Vereine mit der Farben Lila und Grün, wobei die Grünen Rapid und Ferencváros sogar beide im Jahre 1899 gegründet wurden und beide Fanszenen ja auch eine - wenn auch recht lose - Freundschaft bindet. Somit geht es nun mit der S-Bahn in den Stadtteil Hütteldorf, in dem sich das Gerhard-Hanappi-Stadion gleich unweit des Hütteldorfer Bahnhof befindet. Der Gang zum Stadion fasziniert komplett, erinnert mit all seinen Graffitis ebenfalls stark an Ferencváros und das Areal rund um die üllöi út: Alles voller „Ultras Rapid 1988“- und „A.C.A.B.“-Schmierereien (selbst an Bäumen), das beeindruckt einfach. Was auch beeindruckt ist der Frauen-Anteil hier. Alles recht schöne Hüpfer, da kann man sich wahrlich nicht beschweren. Genau genommen sind Mike und ich hin und weg, aber das tut ja nichts zu Sache, hehe. Als Eintrittskarte soll es auch heute wieder eine Haupttribünen-Karte sein, die besten Blick auf alle drei Blöcke verspricht. Mike ist dem ganzen preislich zwar nicht so angetan (24 Euro), aber da wir mal wieder auf den Spuren von "Hans im Glück" wandern, bietet uns jemand prompt die Karten für 10 Euro an. Hä, wo ist denn da der Haken? Aaahhh, Sponsorenkarten, der Knabe hat die Dinger umsonst bekommen, verscherbelt die hier halt jetzt für nen 10er. Alles klar, haben wir alle Vorteile von, dann mal ab auf die Haupttribüne. Drüben auf der Westtribüne singt man bereits eine halbe Stunde vor Anpfiff, das fetzt. Vor allem um den Rückkehrer und Ex-Kapitän Steffen Hofmann, der von 1860 wieder nach Wien wechselte, wieder hier ein Riesen-Tanz veranstaltet. Nachträglich bekommt er noch den Titel zum Spieler des Jahres 2005 überreicht, darf den legendären Rapid-Schal in das Tor vor der Westtribüne hängen. Ja, man kann sagen, dass sich der Deutsche hier gebührend feiern lässt, auch wenn er erst in drei Wochen wieder spielberichtigt sein wird. In der Westkurve bei den Ultras Rapid und in der Ostkurve bei den Lords Rapid (bei Rapid haben sich inzwischen - wie in Frankreich - zwei Kurven gebildet) laufen die Vorbereitungen für die Choreo bereits, schließlich sind beide Kurven eine der weinigen in ganz Europa, die zu jedem Spiel eine Choreo auf die Beine stellen. Bei den UR'88 wird es eine Festung sein (ähnlich der Choreo bei den Kickers damals) mit dem Spruch "Macht Hütteldorf wieder zu einer uneinnehmbaren Festung" und dahinter zahlreiche grün-weiße Fahnen, bei den Lords ist eine einfache Blockfahne in den Farben grün-weiß-orange.
Organe bildet in dem Fall die Farbe der Gruppe. Im Gästeblock ist noch nichts los, doch nach und nach trudeln die Leute ein, nach etwa 10 Minuten kommt der Grazer Anhang auf rund 350 Leute. Alle drei Kurven machen gut Feuer, allen voran natürlich die größte und älteste Gruppierung Österreichs, die UR'88. Einfach nur geil, was die Jungs da zaubern, das kann einfach auch europaweit mithalten. Wahnsinn. Auch das Stadion kann einiges, wird von den Fans hier aus religiösen Gründen übrigens nur "Sankt Hanappi" genannt. Da man nun auch aufwändig den Rasen verlängert hat, wird Rapid in Zukunft seine Europapokal-Spiele hier austragen dürfen und muss nicht mehr ins Happel-Stadion ausweichen. Das wird übrigens in der Halbzeit und lautstarkem Jubel der Fans verkündet. Auch das Spiel kann einiges, Tore fallen praktisch am Fließband, aber warum Sturm-Trainer Franco Foda meinen Liebling Oliver Nzuzi Niati Polo erst in der Schlussphase bringt, ist mir unerklärlich. So kann man es sich mit seinen treuen Fans (gemeint bin ich, bis jetzt immerhin schon alle Sturm-Spiele in dieser Saison live gesehen, hehe) auch verscherzen. Ach ja, und was macht Mike übrigens? Der entschließt sich ab der 10. Minute dazu, ein Nickerchen auf der Haupttribüne einzulegen und damit mal eben zur Attraktion der zehn Reihen vor uns zu werden - waren halt doch ein paar Ottakringer zu viel. Naja, muss er wissen. Sein Spruch "Fußball ohne Bier ist wie Sex ohne Schwanz" tangiert hingegen allerdings schon die Kult-Skala, hehe. Kurz vor der legendären Rapid-Viertelstunde wird Mike dann aber wieder wach. Und die lohnt sich natürlich. Zur 75. Minute fangen die Fans mehrere Male an wie wild einzuklatschen, alle stehen auf, da knistert es in der Luft. Die Rapid-Viertelstunde wird bereits seit 1919 von den Fans eingeleitet. In den letzten 15 Minuten konnte Rapid oftmals - aufgrund von Kraft und Ausdauer - ein Spiel noch drehen. Legendär ist das Spiel gegen den Wiener AC im Jahre 1921. Rapid lag zur Pause 1:5 hinten, kam bis zur vor der Rapid-Viertelstunde noch auf ein 3:5 ran und gewann am Ende 7:5. Heute bringt sie nicht viel, da Rapid ohnehin schon praktisch uneinholbar gegen Sturm führt. Gemütlich geht es nach Abpfiff rüber zum Hütteldorfer Bahnhof, noch ne knappe Stunde haben wir, bis unser Nachtzug nach Bregenz abfährt. Genug Zeit also, um sich noch mit dem nötigsten einzudecken. Leider kommen wir so erst rund 20 Minuten vor Zugabfahrt im Zug an, die gemütlichen Plätze sind aber schon längst vergeben. Schließlich war die ÖBB so schlau, nur zwei Sitzwagen an den Zug zu hängen, und das trotz Ferien und Rapid-Spiel. Der halbe Zug ist voll mit den Grün-Weißen, das kann ja heiter werden. Nein, die knapp 800 km bis zum Bodensee zu stehen, das kommt nicht in Frage. Wir legen uns einfach mal ganz frech in ein Schlafwagenabteil. Dauert aber nicht lange, dann fragt die Schaffnerin nach unseren Reservierungen, die können wir logischerweise nicht vorweisen, womit nun 70 Euro fällig werden würden. Ja, genau, auf Wiedersehen. Wir stellen uns in den Gang, warten, bis die Schaffnerin im nächsten Abteil verschwunden ist, und schleichen uns einen Waggon weiter nach vorne durch. Herrlich, hier ist alles frei, dazu stehen kostenlose Getränke zur Verfügung. Wir pennen gemütlich, ehe am Bahnhof von St. Pölten die Tür vom Abteil aufgeht und die Schaffnerin wieder vor uns steht: "Guten Abend, die Fahrscheine, ach, nee, Ihr schon wieder?" Wir machen wieder auf dumme Deutsche, würden nicht verstehen, warum man sich hier nicht reinlegen könne, wenn alles frei ist, der Zug hingegen doch total voll ist. Wir werden wieder rausgeschmissen, schleichen uns aber ebenfalls wieder weiter nach vorne und kommen in den Hotel-Waggon. Hier warten sogar richtige Kabinen mit separater Dusche. Bevor wir versuchen die Türen aufzukriegen kommt schon der Schaffner um die Ecke. Was wir hier suchen? Na, irgendwas zum pennen natürlich. Achso, hier dürfen wir nicht bleiben? Na, dann gehen wir halt wieder zurück. Leider bleibt der Kerl aber im Gang stehen, ein Durchkommen ist nicht möglich. Wir gehen einen Waggon zurück, halten uns im Gang auf, eine rauchen und die Rapid-Lieder nachsingen. Mit inzwischen schon roten Kopf kommt die Schaffnerin auf uns zu und will uns komplett aus dem Zug schmeißen. Weiter auf dummer Deutscher machen hilft nicht, aber Fakt ist, dass man ja wirklich nicht durch die hemmungslos überfüllten Sitzwagen kommt. Und das ist einfach nicht unser Fehler. Sie ermahnt, wir müssten es versuchen, sie hätte ihre Vorschriften. Bei so einer Bürokratie platzt mir immer recht gerne der Kragen, die Beschimpfungen in deutscher und ungarischer Sprache nehmen zu, jetzt würde also der Zug-Chef eingeschaltet werden. Naja, ich hätte es ja gerne drauf ankommen lassen, aber Mike zieht mich weg und wir quälen uns durch die Sitzwagen. Bis kurz hinter Linz herrscht Thrombose-Alarm im Gang, hier geht nichts vor und zurück. Übrigens auch nicht für unsere alte Schaffner-Freundin, die gerne durchkommen möchte. Unsere Bereitschaft, die Beine anzuziehen, hält sich natürlich in Grenzen, hehe. Tja, Fräulein, ist hier wohl Endstation, wir haben da nun mal auch so unsere Vorschriften. In Wels steigen auch die letzten Rapid-Fans aus, wir finden somit doch noch einen freien Platz. Mittelmäßig entspannt kommen wir somit pünktlich um kurz vor 8 Uhr am Bregenzer Hbf an, ab zum Auto und zurück in die Heimat. Vorher natürlich noch mehrere Liter Almdudler gekauft, müsste ja alles glatt laufen - doch denkste. Ich habe mein letztes Bargeld in den Erwerb der köstlichen Ösi-Brause gesteckt, Geldkarte ist nicht dabei. Mike hat auch kein Bargeld mehr und seine Geldkarte - wie wir beim Tanken in Vöhringen feststellen müssen - wird nicht akzeptiert. Wuuaaah, kurz der Alptraum. Der Tankwart kassiert meinen Autoschlüssel ein, den würde es erst zurück geben, wenn Geld da ist. Na toll. Mike verhandelt mit der Bank, funktioniert alles nicht wie gewünscht, keiner will uns so recht helfen in unserer Situation, Kumpels sind nicht zu erreichen und nach 2 Stunden Abhassen in Vöhringen versuchen wir unser Glück bei der Kirche. Tatsächlich, der Pfarrer ist zwar nicht da, so versuchen wir einem vom Pfarramt unsere Situation klar zu machen. Das Geld würde heute Abend noch gebracht, aber wir sitzen hier nun mal dezent in der Scheiße.
Der Typ jagt uns aber mehr oder weniger vom Hof, na toll, mein Vorurteil über die Kirche wurde mal wieder bestätigt. Was für Wichser! So treten wir noch mal in Verhandlungen mit dem Tankwart, Mike gibt seinen Ausweis, sein Handy und seine Videokamera ab, dafür dürfen wir weiterfahren. Na, Gott sei Dank, das ging noch mal gut und gleich am Nachmittag hat dann auch der Tankwart sein Geld. Im Grunde ein bisschen viel Abenteuer für 90 Minuten Rapid, aber so muss es ja sein.
Bilder:

Intro Rapid



Choreo der Lords Rapid

Gästemob
- barneygumble
- Kickers-Fan
- Beiträge: 6168
- Registriert: Dienstag 2. August 2005, 21:02
- Kontaktdaten:
nach oben?!
Gibts da Neuigkeiten, die die Öffentlichkeit angeht?
Gibts da Neuigkeiten, die die Öffentlichkeit angeht?
Erfolgreich zu sein, setzt zwei Dinge voraus: Klare Ziele und den brennenden Wunsch, sie zu erreichen.
- Johann Wolfgang von Goethe -
Die Mehrheit? Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn, Verstand ist stets bei wen'gen nur gewesen. Der Staat muß untergehen, früh oder spät, wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet.
- Friedrich Schiller -
Don't argue with idiots. They'll drag you down to their level and beat you with experience.
- empirische Untersuchungen -
- Johann Wolfgang von Goethe -
Die Mehrheit? Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn, Verstand ist stets bei wen'gen nur gewesen. Der Staat muß untergehen, früh oder spät, wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet.
- Friedrich Schiller -
Don't argue with idiots. They'll drag you down to their level and beat you with experience.
- empirische Untersuchungen -
- Blauer Bayer
- Ehren-Moderator
- Beiträge: 3994
- Registriert: Samstag 13. September 2003, 10:05
- Wohnort: Sportstadt München
- Kontaktdaten:
-
Überlinger
Österreich 1. Liga am 12.8.2006
Austria Wien vs. Rapid Wien
0:0
Wiener Derby, Austria trifft auf Rapid. Dass das wohl mit Abstand attraktivste Spiel des Landes in den August fällt war wohl mit ein Hauptgrund, sich das ÖBB-Ferien-Ticket anzuschaffen. Ähnlicher Meinung ist wohl auch Killerauge, der mit gleichem Ticket innerhalb der letzten Tage auch schon zweimal in der Alpenrepublik vorbeigeschaut hat. Logische Schlussfolgerung: Zum Kick Violett gegen Grün geht es gemeinsam. Und mit einem angehenden Lehrer gemeinsam unterwegs zu sein, zieht natürlich auch einen vollkommen anderen Standard nach sich, so rief mich Killerauge ein paar Tage vorm Derby an: „Ich hab da bereits ein straffes Kultur-Programm ausarbeitet: Kapuzinergruft, Heeresgeschichtliches Museum, Kunsthistorisches Museum.“ Alles klar, kommt mir nur entgegen, kulturinteressiert bin ich schließlich allemal, kommt so etwas doch leider meistens zu kurz. Der Haken an der Sache: Bereits um 5:48 Uhr soll bereits der Zug am Stuttgarter Hbf losrollen, zudem muss der geringfügig teurere Weg über München/Salzburg (Wochenendticket statt Baden-Württemberg-Ticket) in Kauf genommen werden. Da es nach Wien gehen soll, entschließe ich mich in der Nacht vorher mal wieder den Film „Der Dritte Mann“ in den DVD-Player einzulegen, sicherlich einer der besten Filme, den die Menschheit je produziert hat und obwohl er schon so alt ist, kann ich den Schinken einem jeden wärmstens empfehlen – und sowieso, wenn eine Reise nach Wien bevor steht. Der Schlaf bleibt dadurch zwar ein wenig auf der Strecke, aber da um 4:47 Uhr bereits die S-Bahn in Herrenberg erwischt werden muss, ist in der Nacht ohnehin nicht viel mit schlafen. Halb 6 Uhr am Samstag Morgen erinnert der Stuttgarter Hbf übrigens stark an die Discos, aus denen die Hälfte der Anwesenden wohl erst vor wenigen Minuten rausgekugelt wurde: Überall lümmeln sich besoffene Jugendliche auf den Treppen, hier und dort versucht der ein oder andere sogar einen Stich bei seiner Herzdame zu landen und eine Übernachtung bei selbiger auszuhandeln. Naja, sorgt allemal für Belustigung bei den nüchternden Anwesenden, zu denen ich mich in dem Fall zählen kann. Killerauge steigt wie verabredet in Waiblingen zu, kann derweil auch von seinen Erfahrungen berichten, half er doch einem stockbesoffenen Mexikaner dabei, sicher die Treppen am S-Bahnhof zu meistern. Bis München fährt der Zug komplett durch, da man wenig oder gar nicht geschlafen hat und ein paar nervige Kinder ein paar Reihen hinter uns ohnehin nur Sülze von sich geben, ruhen wir getrost noch ne Runde ab. In München ist wieder große Internationalität angesagt, vorbei an den abfahrbereiten Zügen nach Budapest und Rom steigen wir in den Bummelexpress nach Salzburg. Von da aus direkt via Wien Westbahnhof zur Hofburg. Erster Halt: Kunsthistorisches Museum. Und hier muss gleich mal passen. 6 Euro ermäßigt, das gibt die Reisekasse dann doch nicht her. Killerauge hingegen will unter allen Umständen die Reichskrone sehen, die jahrhundertelang von den Kaisern der Heiligen Römischen Reiches getragen wurde. Dem angehenden Geschichtslehrer kann man es nicht übel nehmen, der danach übrigens den ganzen Tag lang wie ein Honigkuchenpferd strahlt: „Ich habe sie gesehen…“ Meiner einer dreht in der Zeit noch eine Runde zum Stephansdom, unterwegs stoße ich auf die Pestsäule, auf der beim genauen Hinsehen doch tatsächlich das ungarische Wappen zu sehen ist (k.u.k.-Doppelmonarchie, wir erinnern uns ja alle…), was mich dann ebenfalls freudig stimmt. Schnell noch ein Erinnerungsfoto, dann Killerauge abholen, am Stephansplatz schnell noch an einer „Friedendemo gegen den zionistischen Weltterror“ teilnehmen (findet hier fast täglich statt), dann ab in die Kapuzinergruft. Hier sind sämtliche Särge der Familie Habsburg ausgestellt, hätte ich mir zwar etwas spektakulärer vorgestellt, die Sarg-Architektur (wie makaber…) macht aber schon was her und hier und dort sind sogar kleine ungarische Kränze oder Kerzen mit dem ungarischen Wappen zu sehen. Schön. Der Kultur-Durst ist damit gestellt, schnell noch bei Killerauges Stamm-Döner (tzzzz, zum dritten Mal hier und schon einen Osmanen seines Vertrauens gefunden) Kalorien eingeschoben, mit der Opernpassage mal eben den schäbigsten Ort von ganz Wien kennen gelernt (in der Nähe der Toilette sprechen einen Männer ständig mit den Worte „Haste Lust?“ oder „15 Minuten, 25 Euro“ an), eine Sacher-Torte in einem Café in Wien-Favoriten gehört auch noch dazu, dann ab zum Horr-Stadion. Hier ist schon eifriges Treiben angesagt. Die Ultras Rapid und Konsorten hängen schon längst in ihrem Sektor rum, veranstalteten heute mal wieder einen gemeinsamen Marsch zum Stadion. Somit ist hier vorm Stadion typische Bundesliga-Atmosphäre angesagt, Violett und Grün laufen friedlich nebeneinander her, bis auf vereinzelte Pöbeleien erinnert das hier eher an einen Familienausflug mit Picknick als an das beste Derby des Landes. Nun gut, die bestellten Karten abgeholt und ab auf die Tribüne. In beiden Blöcken singt man sich warm, zeigt die ersten Spruchbäder (bei Rapid: „Heute Heimspiel“), der Stadionsprecher liest die Mannschaftsaufstellungen vor, dann geht’s endlich los. Die Rapid-Choreo ist einfach erste Sahne (oder Schulnote 1, wie Killerauge in seinem Berufs-Slang zu sagen pflegt), ohne eine Lücke stecken die rund 3500 Hütteldorfer (laut Zeitung gingen alle 2800 Gästekarten weg, ein paar mehr Grüne stehen aber dennoch im Block) Zettel in den Farben grün, weiß, rot und blau in die Luft, dazu das Spruchband: „Die einzigen Farben unseres Wiens“. Als ob das nicht reicht taucht urplötzlich auch noch ein riesiges Rapid-Wappen mitten aus den Zetteln auf, inklusive Meister-Sterne. Und mit Ende der Choreo wirft man die Zettel nicht einfach weg, sondern baut quasi die Choreo von den oberen beiden Block-Ecken synchron wieder ab. Idee und Umsetzung der Hammer! Auch drüben bei den Violas lässt man sich nicht lumpen, rollt etliche Bahnen aus, die eine Mauer ergeben, dazu das Spruchband: „Wir durchbrechen jede Wand – leisten ewig Widerstand“ (vermutlich eine Anspielung darauf, dass man zahlenmäßig den Rapidlern eigentlich unterlegen ist). Nach einer Weile tauchen weitere Bänder unter den gezeigten auf, die ein Muster in den Vereinsfarben ergeben. Hüben wie drüben also große Klasse, Rapid aber mit Vorteilen. Das soll sich auch während dem Spiel in Sachen Support nicht ändern, obwohl der Gästeblock über keine Überdachung verfügt behält man hier die Oberhand. Auffallend ist, dass auf beiden Seiten ziemlich viele Hassgesänge gegen den Stadtrivalen angestimmt werden. Was bei Rapid einfach immer wieder genial aussieht, ist die Tatsache, dass ständig massig Fahnen in Bewegung sind, bei Austria sind es maximal 10, stellenweise gar keine – da kann man noch lernen. Schade auch, dass man immer wieder kleine Pause zwischen den Liedern einlegt, bei Rapid hingegen wird ständig etwas in amtlicher Lautstärke gesungen und vor allem sind es schöne Melodien, bei Austria ist mir alles ein wenig zu britisch angehaucht. Vor allem das „SK Rapid Wien, schalalalalalalala“ auf die Melodie von „Lambada“ erzeugt immer wieder Gänsehaut, weil einfach der gesamte Rapid-Mob am hüpfen ist. Einfach nur geil, in meinen Augen auch im internationalen Vergleich vorne mit dabei. Wie hier der ganze Mob mithüpft, auf Kommando die Arme hebt, den Schal in die Luft streckt oder andere optische Akzente setzen kann… Wahnsinn!! Bei Austria punktet man durch eine kleine Pyro-Show während der zweiten Hälfte, stimmt zudem unmittelbar vor der Rapid-Viertelstunde „Wer auf Rapid scheißt, der klatsche in die Hand“ an. Das ist treffend. Man muss aber auch sagen, dass die Austria-Kurve sich ein wenig im Protest übt, die Fahne der Hauptgruppe „Fedayn“ hängt zwar am Zaun, ist aber umgeklappt, davor hängt eine kleine Fahne „Nur für 10 Mann“. Grund des Protestes ist der Spieler Roman Wallner, der einst bei Rapid spielte und sich dort einige Aktionen geleistet hat, die den violetten Anhang kräftig auf die Palme gebracht haben. Finde ich gut und konsequent, was die Austrianer da machen. Killerauge und ich vermuten, dass man im Falle einer Auswechslung von Wallner die Fedayn-Fahne wieder umgeklappt hätte, aber das ist nur Spekulation. Spielerisch ist das ganze Spektakel leider extrem grottig, geht dementsprechend natürlich 0:0 aus. Fazit: Natürlich große Klasse, wenngleich irgendwie der entscheidende Impuls gefehlt hat, um wirklich von einem großartigen Derby zu sprechen. Zudem ist der für’s Wiener Derby typische Spruchband-Battle eher dezent ausgefallen. Auch der österreichische Buschfunk meldet, dass dies eines der schlechteren Derbys der letzten Jahre war, auch wenn es rund ums Spiel zu kleineren Scharmützeln gekommen sein soll. Davon bekommen wir allerdings recht wenig mit, lediglich das Polizeiaufgebot sticht ins Auge, wir hingegen müssen aber zusehen, unseren Nachtzug um 22:20 Uhr nach Bregenz zu bekommen. Das ganze geht sogar gut, mit vereinzelten Ultras Rapid im Waggon rollt der dieses Mal erfreulich leerere Zug in Richtung Bodensee.
Am nächsten Morgen um 8 Uhr in der Hauptstadt Vorarlbergs angekommen steht die nächste Entscheidung an. Killerauge will unbedingt ins Burgenland zum Mattersburg-Heimspiel, ich wollte mir hier eigentlich in Wolfurt das Landesliga-Spiel gegen den SC Bregenz (Nachfolger von Schwarz-Weiß Bregenz, nachdem dieser insolvent ging (war sogar in den deutschen Wettskandal involviert, warum auch immer…)) anschauen. Im Nachhinein hätte sich das Spektakel am Bodensee auch gelohnt (700 Zuschauer, kleinere Choreos und Pyro auf beiden Seiten, nach Spielende sogar etwas Radau), zumal man gegen Mitternacht wieder zu Hause angekommen wäre, aber die Bundesliga bekommt letztendlich doch den Zuschlag. Zumal ich schon immer mal ins Burgenland wollte, gilt die Gegend doch als sehr verarmt. De facto ist das Burgenland noch immer von Österreich besetzt. Bis 1921 war es ungarisch gewesen, ehe es durch den Vertrag von Trianon Österreich zugesprochen wurde. Zwar fordern zahlreiche Parteien in Ungarn noch heute die Revision, doch das Burgenland ist noch der kleinste Teil, den Ungarn nach der Niederlage im 1. Weltkrieg verlor: Drei Viertel (!!!) seines Gebietes musste Ungarn durch diesen Skandal-Vertrag abtreten. Noch heute lebt ein Drittel der ungarischen Bevölkerung in den ehemaligen Gebieten (10 Millionen in Ungarn, 5 Millionen im ehemaligen Reichsgebiet), dazu gehören die heutige Slowakei, Siebenbürgen, Kroatien (mit Ausnahme von Dalmatien), die Karpato-Ukraine, Slawonien, Murland und die Vojvodina im Norden Serbiens. Diese Gebiete gehörten teilweise schon seit dem 11. Jahrhundert ununterbrochen zu Ungarn. Praktisch alle Ministerpräsidenten aller politischer Kolleur unterstreichen übrigens, dass sie der Ministerpräsident von 15 Millionen und nicht von 10 Millionen Ungarn seien. Auch in der ungarischen Bevölkerung sind entsprechende T-Shirts, die die Revision fordern oder die großungarische Landkarte zeigen, nicht ungewöhnlich. Bis 1938 hingen aufgrund der Gebietsabtretungen in ganz Ungarn die Flaggen übrigens auf Halbmast. Mit diesen Gedanken im Kopf wird also die Reise nach Nagymárton – heute: Mattersburg – angetreten.
Österreich 1. Liga am 13.8.2006
SV Nagymárton (Mattersburg) vs. SV Ried
0:0
Also geht es in Bregenz direkt wieder in den Zug nach Innsbruck. Eigentlich krank, mal eben 1550 Kilometer mit dem Zug von Wien nach Wien zu fahren, aber das war ja im Vorfeld so geplant, schließlich erspart uns das die Hotelkosten (man muss ja auch sehen, wo man bleibt, hehe). Die Vorfreude auf ein gemütliches, leeres Abteil wird allerdings schnell getrübt, denn während die Stuttgarter Jugend am Vorabend vermutlich wieder die Discos der Stadt unsicher gemacht hat, war scheinbar halb Österreich auf der Street-Parade in Zürich am raven. Der Zug ist auch nach dem Umsteigen in Innsbruck voll, nicht leicht, hier ein Auge zuzudrücken. Via Bahnhof Wien-Meidling landen wir in Wiener Neustadt, von da aus rein in den Zug ins ungarische Sopron. Kurz vor der Grenze steigen wir im 6000-Einwohner-Städtchen Nagymárton aus. Kult übrigens der Schaffner. Obwohl wir uns auf österreichischen Boden befinden, kontrolliert hier ein Schaffner der ungarischen Bahngesellschaft Gysév die Fahrkarten. Der wirft einen kurzen Blick auf unsere Ferientickets, murmelt nur kurz „oooh, ÖBB…“ und geht weiter. Haha, ein Kult, ein paar Kilometer weiter für ihr fast schon unverschämtes wirtschaften in die eigene Tasche bekannt (immer soll irgendwas nicht mit den Tickets stimmen), sind der Bande hier wenige Kilometer vor der Grenze die Hände gebunden. Schön. Angekommen in Nagymárton ist erst mal Tristesse geboten. Das Stadion liegt zwar fast direkt am Bahnhof (über ein Viadukt kommend hat man vom Zug aus beste Sicht aufs Pappelstadion), ansonsten ist hier allerdings wenig geboten. Unverkennbar ist der Baustil der Häuser hier, mit Österreich hat das alles herzlich wenig zu tun. Da viele Häuser außerhalb vom Zentrum auch in einem ziemlich schlechten Zustand sind und hier und dort auch Autos mit ungarischen Kennzeichen stehen, könnte man wirklich meinen, man sei mitten in Ungarn. Schön! Sehr schön sogar!! Zwischen Killerauge und mir entbrennt derweil eine Diskussion, glaubt er doch fest an germanische Wurzeln in der Stadt. Naja, wenn man ganz offen ist, dann sind es hier in Nagymárton jüdische Wurzeln. Die aus Sopron vertrieben Juden siedelten sich hier im 16. Jahrhundert an. Auf Befehl von Leopold I. wurden sie auch hier 1671 den Ort wieder verlassen, ehe sie vom ungarischen Fürsten Esterházy 7 Jahre später wieder eingeladen wurden. Klingt auf den ersten Blick human, war es aber nicht, denn die Juden mussten ihre alten Grundstück für Geld zurückkaufen. Für einige Jahrhunderte konnten die Juden hier leben, bis 1938 dann die Deutschen kamen. Seither gibt es keine Juden mehr in Nagymárton, allerdings erinnert ein Ort namens Kirjat Mattersburg in Israel noch an die jüdische Zeit. Das Zentrum von Nagymárton hat sich inzwischen schön entwickelt. Zwar ist alles nicht sonderlich groß und binnen weniger Minuten zu Fuß zu erkunden, aber die Häuser sind hier saniert und präsentieren sich hübsch bunt. Mitten im Ort findet sich auch eine Schnitzel-Fast-Food.Kette, wo wir für wenig Geld viel Fleisch bekommen und uns so richtig satt essen. Kurze Verdauungspause, dann auf zum Pappelstadion, mit einer Zuschauerkapazität von 18.000 sogar mit das größte Stadion der Bundesliga. Den Namen hat das Stadion vermutlich von den meterhohen Pappeln, die die Anlage umgeben. Auch so macht das Ding eigentlich was her, etwas zusammengeschustert allerdings und bei der großen Wiese hinterm Tor, die hier sogar offiziell einen Block darstellen will, drücken wir mal ein Auge zu. Allemal besser als das Horr-Stadion ist es allemal, das ist aber auch keine Kunst. Aus Ried finden sich etwa 30 Gästefans ein, die sich hinter einer großen, gar nicht mal so unschönen „Supras“-Fahne (und 5 weiteren) versammeln. Beim SVM ist es die „Grüne Horde“, die hier für Stimmung sorgt, jedoch sind die meisten halt auch noch grün hinter den Ohren oder inzwischen schon grau, die Darbietung am oberen Rand der Haupttribüne kann man somit lediglich als Ulk verbuchen. Killerauge stellt mit Blick auf den Anti-Wien-Doppelhalter vermutlich richtig fest: „Da reichen wahrscheinlich exakt zwei Wiener und der ganze Block wäre leer.“ Auf dem Rasen geht auch nicht wirklich grad der Punk ab, 0:0 und damit sind wir vermutlich auch noch gut bedient. Uns 10 Euro pro Nase abzunehmen, um dafür 90 Minuten lang auf einer Wiese dieses abermalige Aufeinandertreffen von Not gegen Elend anschauen zu müssen, grenzt an Frechheit. Hallo, ich möchte bitte einmal den Geschäftsführer sprechen… Da können auch die vielen Schönheiten im Stadion den Gesamteindruck nur unwesentlich verbessern. Nach Abpfiff schnell noch die örtliche Tankstelle beehrt (auch die Preise erinnern hier mehr an Ungarn) und ab zum Bahnhof. Hier heißt es noch ne halbe Stunde mit den seltsamsten Figuren totzuschlagen, eine Freak-Show scheint ihre Zelte in der Nähe aufgeschlagen zu haben. Kostprobe gefällig? Ein Penner, der ständig auf den Boden rotzt, ein total besoffener Jugendlicher, der sein Geld unter der Bahnhofsbank verliert und nicht mehr findet (Killerauge im Glück hingegen schon…) oder eine Abordnung von ein paar Nachwuchs-Ultras, die der Wiener Austria zuzuordnen sind (hättet mal lieber 24 Stunden vorher das Maul auch so weit aufbekommen…). Aber trotzdem geil, hier mitten in der Pampa zu stehen, und plötzlich kommt die Durchsage: „Achtung, der Expresszug von Budapest zur Weiterfahrt nach Wien fährt ein.“ Absolut geile Atmosphäre. Im Zug sind es dann die Rieder, die mit einer komplett abgefahrenen Diskussion Killerauge und mich bestens unterhalten. Es geht ums Thema „Legalisieren von Drogen“, bei dem ein Ried-Fan folgendes vorzutragen hat: „Also, wenn wir Drogen legalisieren, dann bricht unsere ganze geistliche Elite weg. Weil diese ganzen Studenten, die haben ja den ganzen Tag nichts anderes zu tun, als sich dumm und dämlich zu kiffen. Und wenn wir jetzt das Kiffen legalisieren, dann kiffen noch viel mehr und verblöden total, und dann haben wir in einigen Jahren zum Beispiel keine Lehrer und Journalisten mehr, weil die dann noch viel mehr kiffen.“ Alles klar, ansonsten aber keine Paranoia, oder? Auch die Behauptung, dass 95% aller Autofahrer, die schon mal betrunken gefahren sind, dies bewusst machen, also mit dem Gedanken in den Abend gehen, unbedingt im Suff fahren zu wollen, sorgt für reichlich Grinsen. Getoppt wird das nur noch von einem Japaner. Wie wir ja alle wissen, wirkt auf diese Volksgruppe die Stadt Wien unglaublich anziehend, weshalb sie ja zum Stadtbild wesentlich beitragen. Jedenfalls steigt ein Japaner am Hbf in Wiener Neustadt aus, schaut sich um, fasst sich selbstkritisch an den Kopf und stellt gerade noch rechtzeitig fest, dass das hier ja doch nicht Wien zu sein scheint. Totaler Kult. Schöne Pointe und jetzt mal ab in den Nachtzug nach Salzburg. Doch, denkste. Auf den Komponisten Kálmán Imre, auf dessen Namen der Nachtzug von Budapest nach München getauft ist, ist wie immer Verlass, 65 Minuten Verspätung werden schon jetzt angezeigt. Killerauge ist müde, will sich etwas am Bahnsteig rumlümmeln, während ich die unerwartete Freizeit nutze und noch eine Runde um Carré drehe. Die Zeit will schließlich genutzt werden, vielleicht gibt es ja hier irgendwo in der Nähe einen billigen Imbiss, bei dem beim nächsten Besuch mal angetischt werden könnte, zudem kann ich mich gleich mal vergewissern, ob die Jugendherberge hier noch existiert (was sie auch tut). In einer Seitenstraße sehe ich gerade, wie ein älterer Mann und eine aufreizend gekleidet junge Dame gerade Preise aushandeln, naja, es geht bestimmt um Armbanduhren oder so, hehe… Wieder am Westbahnhof angekommen sind es bei Kálmán Imre inzwischen schon 80 Minuten, kommt uns aber eigentlich nur entgegen, verkürzt sich dadurch ja die Wartezeit am Salzburger Hbf. Mit ner gepflegten Nacht im Abteil war’s dann auch wieder Essig, drei italienische Hühner mit extra-lautem Organ bequemen sich dazu und bringen vor allem Killerauge auf die Palme, der die mangelnden Sprach-Kenntnisse der Waschweiber mal eben schamlos ausnützt: „Drecks-Volk… Könnt ihr nicht mal die Fresse halten?“ – usw., wir müssen das sicherlich nicht weiter ausführen, hehe. Kurz bevor Killerauge das Licht ausknipsen will (den Lampen, nicht den drei Italienerinnen, versteht sich…), ziehen die natürlich in dem Moment ein Buch raus und bilden sich ein, die ganze Nacht lesen zu können. Zitat Killerauge: „Da sollte jetzt der Richie dabei sein. Der würde das Licht einfach ausmachen und bevor die was sagen könnten, hätten die alle schon eine in der Fresse.“ Naja, trotz ethnischer Konflikte im Abteil bleibt die Situation ruhig, letztendlich pennen die Hühner sogar und halten ihr eigentlich nimmer-ruhiges Maul. Gegen 4 Uhr nachts ist Salzburg erreicht, zwei Stunden später fährt erst der Zug nach Feldkirch. Zeit somit, noch etwas durch die Stadt zu schlappen (ist inzwischen schon Tradition geworden bei Killerauge und mir) und an unserer Stamm-Tanke die Zeit totzuschlagen. Im Zug Richtung Bodensee dann die Probe aufs Exempel, schließlich darf man mit dem Ferien-Ticket die Züge eigentlich erst ab 8 Uhr benutzen. Killerauge sieht sich fast schon wieder am nächsten Bahnhof stehen, reagiert der Schaffner aber – wie vorher auch schon von anderen gehört – sehr relaxed. Denn wenn man bereits seit vor Mitternacht unterwegs ist, darf man das Ticket auch schon vor 8 Uhr benutzen. Klingt auf den ersten Blick etwas kompliziert und ne Spur zu österreichisch, aber jedenfalls kann Killerauge runterbeten, wann wir wo losgefahren sind und wir können im Zug bleiben. Sehr schön, leichter als gedacht. Ab 10 Uhr heißt „Hofer“ dann wieder „Aldi“, „Zielpunkt“ wieder „Plus“ und jeder Schritt, wie Killerauge so schön zusammenfasst, mit dem Zug muss wieder überlegt werden – wir sind wieder in Deutschland. So Späße, wie mal eben von einem Ende des Landes zum anderen fahren, um sich eine Übernachtung im Hotel zu sparen, sind nicht mehr drin. Und so werden wir tatsächlich schon nach 5 Minuten im Zug von Lindau nach Ulm aus dem Zug geschmissen. Begründung: Das Baden-Württemberg-Ticket würde hier nicht gültig sein. Logik á la Deutsche Bahn: Wir müssen einen Bummelzug nehmen, der noch wenige Minuten vor dem eigentlichen Zug Memmingen erreicht, dort dürfen wir wieder in den ursprünglichen Zug einsteigen. Na dann… Um 16 Uhr ist dann endlich wieder Stuttgart erreicht. Rund 3.500 Kilometer Zugstrecke (!!!) liegen hinter uns, fast 30 Stunden haben wir an diesem Wochenende in irgendwelchen Zügen oder an Bahnhöfen verbracht. Damit hätte man theoretisch auch wer weiß wo landen können, letztendlich waren es aber doch nur zwei Fußballspiele in Österreich. Dennoch war die Tour a) billig, b) interessant und c) überaus lustig. Gerne wieder, vor allem mit Killerauge!
Bilder:
Rapid-Choreo: http://www.directupload.net/show/d/790/rW63R3ga.jpg
Austria-Choreo: http://www.directupload.net/show/d/790/oeVyw43r.jpg
Pyro Austria: http://www.directupload.net/show/d/790/L9CMbQ9a.jpg
Intro Mattersburg: http://www.directupload.net/show/d/790/9zRuYIHA.jpg
Intro Ried: http://www.directupload.net/show/d/790/s2U4QkaW.jpg
Mitten in Nagymárton: http://www.directupload.net/show/d/790/8249GAcw.jpg
Killerauge in der Kapuzinergruft: http://www.directupload.net/show/d/790/UFbOQzDD.jpg
Hoppen macht müde: http://www.directupload.net/show/d/790/n67GAa29.jpg
Abschlussfoto am Bahnhof Wien-Meidling vor dem Gysév-Expresszug Budapest-Wien: http://www.directupload.net/show/d/790/YyuXHMvr.jpg
Video:
http://www.tornadosrapid.at/videos/2006 ... -Rapid.wmv
Austria Wien vs. Rapid Wien
0:0
Wiener Derby, Austria trifft auf Rapid. Dass das wohl mit Abstand attraktivste Spiel des Landes in den August fällt war wohl mit ein Hauptgrund, sich das ÖBB-Ferien-Ticket anzuschaffen. Ähnlicher Meinung ist wohl auch Killerauge, der mit gleichem Ticket innerhalb der letzten Tage auch schon zweimal in der Alpenrepublik vorbeigeschaut hat. Logische Schlussfolgerung: Zum Kick Violett gegen Grün geht es gemeinsam. Und mit einem angehenden Lehrer gemeinsam unterwegs zu sein, zieht natürlich auch einen vollkommen anderen Standard nach sich, so rief mich Killerauge ein paar Tage vorm Derby an: „Ich hab da bereits ein straffes Kultur-Programm ausarbeitet: Kapuzinergruft, Heeresgeschichtliches Museum, Kunsthistorisches Museum.“ Alles klar, kommt mir nur entgegen, kulturinteressiert bin ich schließlich allemal, kommt so etwas doch leider meistens zu kurz. Der Haken an der Sache: Bereits um 5:48 Uhr soll bereits der Zug am Stuttgarter Hbf losrollen, zudem muss der geringfügig teurere Weg über München/Salzburg (Wochenendticket statt Baden-Württemberg-Ticket) in Kauf genommen werden. Da es nach Wien gehen soll, entschließe ich mich in der Nacht vorher mal wieder den Film „Der Dritte Mann“ in den DVD-Player einzulegen, sicherlich einer der besten Filme, den die Menschheit je produziert hat und obwohl er schon so alt ist, kann ich den Schinken einem jeden wärmstens empfehlen – und sowieso, wenn eine Reise nach Wien bevor steht. Der Schlaf bleibt dadurch zwar ein wenig auf der Strecke, aber da um 4:47 Uhr bereits die S-Bahn in Herrenberg erwischt werden muss, ist in der Nacht ohnehin nicht viel mit schlafen. Halb 6 Uhr am Samstag Morgen erinnert der Stuttgarter Hbf übrigens stark an die Discos, aus denen die Hälfte der Anwesenden wohl erst vor wenigen Minuten rausgekugelt wurde: Überall lümmeln sich besoffene Jugendliche auf den Treppen, hier und dort versucht der ein oder andere sogar einen Stich bei seiner Herzdame zu landen und eine Übernachtung bei selbiger auszuhandeln. Naja, sorgt allemal für Belustigung bei den nüchternden Anwesenden, zu denen ich mich in dem Fall zählen kann. Killerauge steigt wie verabredet in Waiblingen zu, kann derweil auch von seinen Erfahrungen berichten, half er doch einem stockbesoffenen Mexikaner dabei, sicher die Treppen am S-Bahnhof zu meistern. Bis München fährt der Zug komplett durch, da man wenig oder gar nicht geschlafen hat und ein paar nervige Kinder ein paar Reihen hinter uns ohnehin nur Sülze von sich geben, ruhen wir getrost noch ne Runde ab. In München ist wieder große Internationalität angesagt, vorbei an den abfahrbereiten Zügen nach Budapest und Rom steigen wir in den Bummelexpress nach Salzburg. Von da aus direkt via Wien Westbahnhof zur Hofburg. Erster Halt: Kunsthistorisches Museum. Und hier muss gleich mal passen. 6 Euro ermäßigt, das gibt die Reisekasse dann doch nicht her. Killerauge hingegen will unter allen Umständen die Reichskrone sehen, die jahrhundertelang von den Kaisern der Heiligen Römischen Reiches getragen wurde. Dem angehenden Geschichtslehrer kann man es nicht übel nehmen, der danach übrigens den ganzen Tag lang wie ein Honigkuchenpferd strahlt: „Ich habe sie gesehen…“ Meiner einer dreht in der Zeit noch eine Runde zum Stephansdom, unterwegs stoße ich auf die Pestsäule, auf der beim genauen Hinsehen doch tatsächlich das ungarische Wappen zu sehen ist (k.u.k.-Doppelmonarchie, wir erinnern uns ja alle…), was mich dann ebenfalls freudig stimmt. Schnell noch ein Erinnerungsfoto, dann Killerauge abholen, am Stephansplatz schnell noch an einer „Friedendemo gegen den zionistischen Weltterror“ teilnehmen (findet hier fast täglich statt), dann ab in die Kapuzinergruft. Hier sind sämtliche Särge der Familie Habsburg ausgestellt, hätte ich mir zwar etwas spektakulärer vorgestellt, die Sarg-Architektur (wie makaber…) macht aber schon was her und hier und dort sind sogar kleine ungarische Kränze oder Kerzen mit dem ungarischen Wappen zu sehen. Schön. Der Kultur-Durst ist damit gestellt, schnell noch bei Killerauges Stamm-Döner (tzzzz, zum dritten Mal hier und schon einen Osmanen seines Vertrauens gefunden) Kalorien eingeschoben, mit der Opernpassage mal eben den schäbigsten Ort von ganz Wien kennen gelernt (in der Nähe der Toilette sprechen einen Männer ständig mit den Worte „Haste Lust?“ oder „15 Minuten, 25 Euro“ an), eine Sacher-Torte in einem Café in Wien-Favoriten gehört auch noch dazu, dann ab zum Horr-Stadion. Hier ist schon eifriges Treiben angesagt. Die Ultras Rapid und Konsorten hängen schon längst in ihrem Sektor rum, veranstalteten heute mal wieder einen gemeinsamen Marsch zum Stadion. Somit ist hier vorm Stadion typische Bundesliga-Atmosphäre angesagt, Violett und Grün laufen friedlich nebeneinander her, bis auf vereinzelte Pöbeleien erinnert das hier eher an einen Familienausflug mit Picknick als an das beste Derby des Landes. Nun gut, die bestellten Karten abgeholt und ab auf die Tribüne. In beiden Blöcken singt man sich warm, zeigt die ersten Spruchbäder (bei Rapid: „Heute Heimspiel“), der Stadionsprecher liest die Mannschaftsaufstellungen vor, dann geht’s endlich los. Die Rapid-Choreo ist einfach erste Sahne (oder Schulnote 1, wie Killerauge in seinem Berufs-Slang zu sagen pflegt), ohne eine Lücke stecken die rund 3500 Hütteldorfer (laut Zeitung gingen alle 2800 Gästekarten weg, ein paar mehr Grüne stehen aber dennoch im Block) Zettel in den Farben grün, weiß, rot und blau in die Luft, dazu das Spruchband: „Die einzigen Farben unseres Wiens“. Als ob das nicht reicht taucht urplötzlich auch noch ein riesiges Rapid-Wappen mitten aus den Zetteln auf, inklusive Meister-Sterne. Und mit Ende der Choreo wirft man die Zettel nicht einfach weg, sondern baut quasi die Choreo von den oberen beiden Block-Ecken synchron wieder ab. Idee und Umsetzung der Hammer! Auch drüben bei den Violas lässt man sich nicht lumpen, rollt etliche Bahnen aus, die eine Mauer ergeben, dazu das Spruchband: „Wir durchbrechen jede Wand – leisten ewig Widerstand“ (vermutlich eine Anspielung darauf, dass man zahlenmäßig den Rapidlern eigentlich unterlegen ist). Nach einer Weile tauchen weitere Bänder unter den gezeigten auf, die ein Muster in den Vereinsfarben ergeben. Hüben wie drüben also große Klasse, Rapid aber mit Vorteilen. Das soll sich auch während dem Spiel in Sachen Support nicht ändern, obwohl der Gästeblock über keine Überdachung verfügt behält man hier die Oberhand. Auffallend ist, dass auf beiden Seiten ziemlich viele Hassgesänge gegen den Stadtrivalen angestimmt werden. Was bei Rapid einfach immer wieder genial aussieht, ist die Tatsache, dass ständig massig Fahnen in Bewegung sind, bei Austria sind es maximal 10, stellenweise gar keine – da kann man noch lernen. Schade auch, dass man immer wieder kleine Pause zwischen den Liedern einlegt, bei Rapid hingegen wird ständig etwas in amtlicher Lautstärke gesungen und vor allem sind es schöne Melodien, bei Austria ist mir alles ein wenig zu britisch angehaucht. Vor allem das „SK Rapid Wien, schalalalalalalala“ auf die Melodie von „Lambada“ erzeugt immer wieder Gänsehaut, weil einfach der gesamte Rapid-Mob am hüpfen ist. Einfach nur geil, in meinen Augen auch im internationalen Vergleich vorne mit dabei. Wie hier der ganze Mob mithüpft, auf Kommando die Arme hebt, den Schal in die Luft streckt oder andere optische Akzente setzen kann… Wahnsinn!! Bei Austria punktet man durch eine kleine Pyro-Show während der zweiten Hälfte, stimmt zudem unmittelbar vor der Rapid-Viertelstunde „Wer auf Rapid scheißt, der klatsche in die Hand“ an. Das ist treffend. Man muss aber auch sagen, dass die Austria-Kurve sich ein wenig im Protest übt, die Fahne der Hauptgruppe „Fedayn“ hängt zwar am Zaun, ist aber umgeklappt, davor hängt eine kleine Fahne „Nur für 10 Mann“. Grund des Protestes ist der Spieler Roman Wallner, der einst bei Rapid spielte und sich dort einige Aktionen geleistet hat, die den violetten Anhang kräftig auf die Palme gebracht haben. Finde ich gut und konsequent, was die Austrianer da machen. Killerauge und ich vermuten, dass man im Falle einer Auswechslung von Wallner die Fedayn-Fahne wieder umgeklappt hätte, aber das ist nur Spekulation. Spielerisch ist das ganze Spektakel leider extrem grottig, geht dementsprechend natürlich 0:0 aus. Fazit: Natürlich große Klasse, wenngleich irgendwie der entscheidende Impuls gefehlt hat, um wirklich von einem großartigen Derby zu sprechen. Zudem ist der für’s Wiener Derby typische Spruchband-Battle eher dezent ausgefallen. Auch der österreichische Buschfunk meldet, dass dies eines der schlechteren Derbys der letzten Jahre war, auch wenn es rund ums Spiel zu kleineren Scharmützeln gekommen sein soll. Davon bekommen wir allerdings recht wenig mit, lediglich das Polizeiaufgebot sticht ins Auge, wir hingegen müssen aber zusehen, unseren Nachtzug um 22:20 Uhr nach Bregenz zu bekommen. Das ganze geht sogar gut, mit vereinzelten Ultras Rapid im Waggon rollt der dieses Mal erfreulich leerere Zug in Richtung Bodensee.
Am nächsten Morgen um 8 Uhr in der Hauptstadt Vorarlbergs angekommen steht die nächste Entscheidung an. Killerauge will unbedingt ins Burgenland zum Mattersburg-Heimspiel, ich wollte mir hier eigentlich in Wolfurt das Landesliga-Spiel gegen den SC Bregenz (Nachfolger von Schwarz-Weiß Bregenz, nachdem dieser insolvent ging (war sogar in den deutschen Wettskandal involviert, warum auch immer…)) anschauen. Im Nachhinein hätte sich das Spektakel am Bodensee auch gelohnt (700 Zuschauer, kleinere Choreos und Pyro auf beiden Seiten, nach Spielende sogar etwas Radau), zumal man gegen Mitternacht wieder zu Hause angekommen wäre, aber die Bundesliga bekommt letztendlich doch den Zuschlag. Zumal ich schon immer mal ins Burgenland wollte, gilt die Gegend doch als sehr verarmt. De facto ist das Burgenland noch immer von Österreich besetzt. Bis 1921 war es ungarisch gewesen, ehe es durch den Vertrag von Trianon Österreich zugesprochen wurde. Zwar fordern zahlreiche Parteien in Ungarn noch heute die Revision, doch das Burgenland ist noch der kleinste Teil, den Ungarn nach der Niederlage im 1. Weltkrieg verlor: Drei Viertel (!!!) seines Gebietes musste Ungarn durch diesen Skandal-Vertrag abtreten. Noch heute lebt ein Drittel der ungarischen Bevölkerung in den ehemaligen Gebieten (10 Millionen in Ungarn, 5 Millionen im ehemaligen Reichsgebiet), dazu gehören die heutige Slowakei, Siebenbürgen, Kroatien (mit Ausnahme von Dalmatien), die Karpato-Ukraine, Slawonien, Murland und die Vojvodina im Norden Serbiens. Diese Gebiete gehörten teilweise schon seit dem 11. Jahrhundert ununterbrochen zu Ungarn. Praktisch alle Ministerpräsidenten aller politischer Kolleur unterstreichen übrigens, dass sie der Ministerpräsident von 15 Millionen und nicht von 10 Millionen Ungarn seien. Auch in der ungarischen Bevölkerung sind entsprechende T-Shirts, die die Revision fordern oder die großungarische Landkarte zeigen, nicht ungewöhnlich. Bis 1938 hingen aufgrund der Gebietsabtretungen in ganz Ungarn die Flaggen übrigens auf Halbmast. Mit diesen Gedanken im Kopf wird also die Reise nach Nagymárton – heute: Mattersburg – angetreten.
Österreich 1. Liga am 13.8.2006
SV Nagymárton (Mattersburg) vs. SV Ried
0:0
Also geht es in Bregenz direkt wieder in den Zug nach Innsbruck. Eigentlich krank, mal eben 1550 Kilometer mit dem Zug von Wien nach Wien zu fahren, aber das war ja im Vorfeld so geplant, schließlich erspart uns das die Hotelkosten (man muss ja auch sehen, wo man bleibt, hehe). Die Vorfreude auf ein gemütliches, leeres Abteil wird allerdings schnell getrübt, denn während die Stuttgarter Jugend am Vorabend vermutlich wieder die Discos der Stadt unsicher gemacht hat, war scheinbar halb Österreich auf der Street-Parade in Zürich am raven. Der Zug ist auch nach dem Umsteigen in Innsbruck voll, nicht leicht, hier ein Auge zuzudrücken. Via Bahnhof Wien-Meidling landen wir in Wiener Neustadt, von da aus rein in den Zug ins ungarische Sopron. Kurz vor der Grenze steigen wir im 6000-Einwohner-Städtchen Nagymárton aus. Kult übrigens der Schaffner. Obwohl wir uns auf österreichischen Boden befinden, kontrolliert hier ein Schaffner der ungarischen Bahngesellschaft Gysév die Fahrkarten. Der wirft einen kurzen Blick auf unsere Ferientickets, murmelt nur kurz „oooh, ÖBB…“ und geht weiter. Haha, ein Kult, ein paar Kilometer weiter für ihr fast schon unverschämtes wirtschaften in die eigene Tasche bekannt (immer soll irgendwas nicht mit den Tickets stimmen), sind der Bande hier wenige Kilometer vor der Grenze die Hände gebunden. Schön. Angekommen in Nagymárton ist erst mal Tristesse geboten. Das Stadion liegt zwar fast direkt am Bahnhof (über ein Viadukt kommend hat man vom Zug aus beste Sicht aufs Pappelstadion), ansonsten ist hier allerdings wenig geboten. Unverkennbar ist der Baustil der Häuser hier, mit Österreich hat das alles herzlich wenig zu tun. Da viele Häuser außerhalb vom Zentrum auch in einem ziemlich schlechten Zustand sind und hier und dort auch Autos mit ungarischen Kennzeichen stehen, könnte man wirklich meinen, man sei mitten in Ungarn. Schön! Sehr schön sogar!! Zwischen Killerauge und mir entbrennt derweil eine Diskussion, glaubt er doch fest an germanische Wurzeln in der Stadt. Naja, wenn man ganz offen ist, dann sind es hier in Nagymárton jüdische Wurzeln. Die aus Sopron vertrieben Juden siedelten sich hier im 16. Jahrhundert an. Auf Befehl von Leopold I. wurden sie auch hier 1671 den Ort wieder verlassen, ehe sie vom ungarischen Fürsten Esterházy 7 Jahre später wieder eingeladen wurden. Klingt auf den ersten Blick human, war es aber nicht, denn die Juden mussten ihre alten Grundstück für Geld zurückkaufen. Für einige Jahrhunderte konnten die Juden hier leben, bis 1938 dann die Deutschen kamen. Seither gibt es keine Juden mehr in Nagymárton, allerdings erinnert ein Ort namens Kirjat Mattersburg in Israel noch an die jüdische Zeit. Das Zentrum von Nagymárton hat sich inzwischen schön entwickelt. Zwar ist alles nicht sonderlich groß und binnen weniger Minuten zu Fuß zu erkunden, aber die Häuser sind hier saniert und präsentieren sich hübsch bunt. Mitten im Ort findet sich auch eine Schnitzel-Fast-Food.Kette, wo wir für wenig Geld viel Fleisch bekommen und uns so richtig satt essen. Kurze Verdauungspause, dann auf zum Pappelstadion, mit einer Zuschauerkapazität von 18.000 sogar mit das größte Stadion der Bundesliga. Den Namen hat das Stadion vermutlich von den meterhohen Pappeln, die die Anlage umgeben. Auch so macht das Ding eigentlich was her, etwas zusammengeschustert allerdings und bei der großen Wiese hinterm Tor, die hier sogar offiziell einen Block darstellen will, drücken wir mal ein Auge zu. Allemal besser als das Horr-Stadion ist es allemal, das ist aber auch keine Kunst. Aus Ried finden sich etwa 30 Gästefans ein, die sich hinter einer großen, gar nicht mal so unschönen „Supras“-Fahne (und 5 weiteren) versammeln. Beim SVM ist es die „Grüne Horde“, die hier für Stimmung sorgt, jedoch sind die meisten halt auch noch grün hinter den Ohren oder inzwischen schon grau, die Darbietung am oberen Rand der Haupttribüne kann man somit lediglich als Ulk verbuchen. Killerauge stellt mit Blick auf den Anti-Wien-Doppelhalter vermutlich richtig fest: „Da reichen wahrscheinlich exakt zwei Wiener und der ganze Block wäre leer.“ Auf dem Rasen geht auch nicht wirklich grad der Punk ab, 0:0 und damit sind wir vermutlich auch noch gut bedient. Uns 10 Euro pro Nase abzunehmen, um dafür 90 Minuten lang auf einer Wiese dieses abermalige Aufeinandertreffen von Not gegen Elend anschauen zu müssen, grenzt an Frechheit. Hallo, ich möchte bitte einmal den Geschäftsführer sprechen… Da können auch die vielen Schönheiten im Stadion den Gesamteindruck nur unwesentlich verbessern. Nach Abpfiff schnell noch die örtliche Tankstelle beehrt (auch die Preise erinnern hier mehr an Ungarn) und ab zum Bahnhof. Hier heißt es noch ne halbe Stunde mit den seltsamsten Figuren totzuschlagen, eine Freak-Show scheint ihre Zelte in der Nähe aufgeschlagen zu haben. Kostprobe gefällig? Ein Penner, der ständig auf den Boden rotzt, ein total besoffener Jugendlicher, der sein Geld unter der Bahnhofsbank verliert und nicht mehr findet (Killerauge im Glück hingegen schon…) oder eine Abordnung von ein paar Nachwuchs-Ultras, die der Wiener Austria zuzuordnen sind (hättet mal lieber 24 Stunden vorher das Maul auch so weit aufbekommen…). Aber trotzdem geil, hier mitten in der Pampa zu stehen, und plötzlich kommt die Durchsage: „Achtung, der Expresszug von Budapest zur Weiterfahrt nach Wien fährt ein.“ Absolut geile Atmosphäre. Im Zug sind es dann die Rieder, die mit einer komplett abgefahrenen Diskussion Killerauge und mich bestens unterhalten. Es geht ums Thema „Legalisieren von Drogen“, bei dem ein Ried-Fan folgendes vorzutragen hat: „Also, wenn wir Drogen legalisieren, dann bricht unsere ganze geistliche Elite weg. Weil diese ganzen Studenten, die haben ja den ganzen Tag nichts anderes zu tun, als sich dumm und dämlich zu kiffen. Und wenn wir jetzt das Kiffen legalisieren, dann kiffen noch viel mehr und verblöden total, und dann haben wir in einigen Jahren zum Beispiel keine Lehrer und Journalisten mehr, weil die dann noch viel mehr kiffen.“ Alles klar, ansonsten aber keine Paranoia, oder? Auch die Behauptung, dass 95% aller Autofahrer, die schon mal betrunken gefahren sind, dies bewusst machen, also mit dem Gedanken in den Abend gehen, unbedingt im Suff fahren zu wollen, sorgt für reichlich Grinsen. Getoppt wird das nur noch von einem Japaner. Wie wir ja alle wissen, wirkt auf diese Volksgruppe die Stadt Wien unglaublich anziehend, weshalb sie ja zum Stadtbild wesentlich beitragen. Jedenfalls steigt ein Japaner am Hbf in Wiener Neustadt aus, schaut sich um, fasst sich selbstkritisch an den Kopf und stellt gerade noch rechtzeitig fest, dass das hier ja doch nicht Wien zu sein scheint. Totaler Kult. Schöne Pointe und jetzt mal ab in den Nachtzug nach Salzburg. Doch, denkste. Auf den Komponisten Kálmán Imre, auf dessen Namen der Nachtzug von Budapest nach München getauft ist, ist wie immer Verlass, 65 Minuten Verspätung werden schon jetzt angezeigt. Killerauge ist müde, will sich etwas am Bahnsteig rumlümmeln, während ich die unerwartete Freizeit nutze und noch eine Runde um Carré drehe. Die Zeit will schließlich genutzt werden, vielleicht gibt es ja hier irgendwo in der Nähe einen billigen Imbiss, bei dem beim nächsten Besuch mal angetischt werden könnte, zudem kann ich mich gleich mal vergewissern, ob die Jugendherberge hier noch existiert (was sie auch tut). In einer Seitenstraße sehe ich gerade, wie ein älterer Mann und eine aufreizend gekleidet junge Dame gerade Preise aushandeln, naja, es geht bestimmt um Armbanduhren oder so, hehe… Wieder am Westbahnhof angekommen sind es bei Kálmán Imre inzwischen schon 80 Minuten, kommt uns aber eigentlich nur entgegen, verkürzt sich dadurch ja die Wartezeit am Salzburger Hbf. Mit ner gepflegten Nacht im Abteil war’s dann auch wieder Essig, drei italienische Hühner mit extra-lautem Organ bequemen sich dazu und bringen vor allem Killerauge auf die Palme, der die mangelnden Sprach-Kenntnisse der Waschweiber mal eben schamlos ausnützt: „Drecks-Volk… Könnt ihr nicht mal die Fresse halten?“ – usw., wir müssen das sicherlich nicht weiter ausführen, hehe. Kurz bevor Killerauge das Licht ausknipsen will (den Lampen, nicht den drei Italienerinnen, versteht sich…), ziehen die natürlich in dem Moment ein Buch raus und bilden sich ein, die ganze Nacht lesen zu können. Zitat Killerauge: „Da sollte jetzt der Richie dabei sein. Der würde das Licht einfach ausmachen und bevor die was sagen könnten, hätten die alle schon eine in der Fresse.“ Naja, trotz ethnischer Konflikte im Abteil bleibt die Situation ruhig, letztendlich pennen die Hühner sogar und halten ihr eigentlich nimmer-ruhiges Maul. Gegen 4 Uhr nachts ist Salzburg erreicht, zwei Stunden später fährt erst der Zug nach Feldkirch. Zeit somit, noch etwas durch die Stadt zu schlappen (ist inzwischen schon Tradition geworden bei Killerauge und mir) und an unserer Stamm-Tanke die Zeit totzuschlagen. Im Zug Richtung Bodensee dann die Probe aufs Exempel, schließlich darf man mit dem Ferien-Ticket die Züge eigentlich erst ab 8 Uhr benutzen. Killerauge sieht sich fast schon wieder am nächsten Bahnhof stehen, reagiert der Schaffner aber – wie vorher auch schon von anderen gehört – sehr relaxed. Denn wenn man bereits seit vor Mitternacht unterwegs ist, darf man das Ticket auch schon vor 8 Uhr benutzen. Klingt auf den ersten Blick etwas kompliziert und ne Spur zu österreichisch, aber jedenfalls kann Killerauge runterbeten, wann wir wo losgefahren sind und wir können im Zug bleiben. Sehr schön, leichter als gedacht. Ab 10 Uhr heißt „Hofer“ dann wieder „Aldi“, „Zielpunkt“ wieder „Plus“ und jeder Schritt, wie Killerauge so schön zusammenfasst, mit dem Zug muss wieder überlegt werden – wir sind wieder in Deutschland. So Späße, wie mal eben von einem Ende des Landes zum anderen fahren, um sich eine Übernachtung im Hotel zu sparen, sind nicht mehr drin. Und so werden wir tatsächlich schon nach 5 Minuten im Zug von Lindau nach Ulm aus dem Zug geschmissen. Begründung: Das Baden-Württemberg-Ticket würde hier nicht gültig sein. Logik á la Deutsche Bahn: Wir müssen einen Bummelzug nehmen, der noch wenige Minuten vor dem eigentlichen Zug Memmingen erreicht, dort dürfen wir wieder in den ursprünglichen Zug einsteigen. Na dann… Um 16 Uhr ist dann endlich wieder Stuttgart erreicht. Rund 3.500 Kilometer Zugstrecke (!!!) liegen hinter uns, fast 30 Stunden haben wir an diesem Wochenende in irgendwelchen Zügen oder an Bahnhöfen verbracht. Damit hätte man theoretisch auch wer weiß wo landen können, letztendlich waren es aber doch nur zwei Fußballspiele in Österreich. Dennoch war die Tour a) billig, b) interessant und c) überaus lustig. Gerne wieder, vor allem mit Killerauge!
Bilder:
Rapid-Choreo: http://www.directupload.net/show/d/790/rW63R3ga.jpg
Austria-Choreo: http://www.directupload.net/show/d/790/oeVyw43r.jpg
Pyro Austria: http://www.directupload.net/show/d/790/L9CMbQ9a.jpg
Intro Mattersburg: http://www.directupload.net/show/d/790/9zRuYIHA.jpg
Intro Ried: http://www.directupload.net/show/d/790/s2U4QkaW.jpg
Mitten in Nagymárton: http://www.directupload.net/show/d/790/8249GAcw.jpg
Killerauge in der Kapuzinergruft: http://www.directupload.net/show/d/790/UFbOQzDD.jpg
Hoppen macht müde: http://www.directupload.net/show/d/790/n67GAa29.jpg
Abschlussfoto am Bahnhof Wien-Meidling vor dem Gysév-Expresszug Budapest-Wien: http://www.directupload.net/show/d/790/YyuXHMvr.jpg
Video:
http://www.tornadosrapid.at/videos/2006 ... -Rapid.wmv
- Killerauge
- Kickers-Fan
- Beiträge: 1108
- Registriert: Mittwoch 2. März 2005, 12:00
-
Kai
Länderspiel in Graz am 16.8.2006
Österreich vs. Ungarn
1:2
Statt am Montag Morgen gedanklich „Auf Wiedersehen, Österreich“ zu sagen, hätte es wohl besser „Bis gleich!“ heißen sollen. Denn keine 48 Stunden später geht es mit Killerauge abermals nach Ösiland: Länderspiel Österreich gegen Ungarn. Kurz noch den Standard-Witz: „Wer spielt heute?“ - „Österreich-Ungarn.“ - „Aha, und gegen wen?“ und schon können wir einsteigen. Ausnahmsweise heute mal zunächst nicht in den Zug, sondern in meinen Fiesta, schließlich gilt das Baden-Württemberg-Ticket erst ab 9 Uhr und um die Zeit sollen wir ja schon längst im Intercity von Bregenz nach Graz sitzen. Also trifft man sich Punkt 6:13 Uhr am Herrenberger Bahnhof und schießt hinunter in Richtung Bodensee. Für Killerauge springt mit der Grazer UPC-Arena heute ein neuer Ground raus, für mich ist es magyarische Pflicht das Länderspiel anzuschauen. Dementsprechend weniger kulturell eingestellt geht es Punkt 8:41 Uhr in den Intercity. Für Graz hab ich mir ja bereits ausführlich Zeit genommen, der Ground ist auch schon eingefahren, also dürfen heute auch mal ein paar Büchsen pfandfreies Schwechater Bier im Rucksack begrüßt werden. Die Fahrt ist natürlich scheiß-langweilig, beim vierten Besuch innerhalb von wenigen Wochen in Österreich stellen halt auch die malerischen Alpen-Landschaften keine Besonderheit mehr da (bei mir ohnehin nicht, da ja ein Stück weit in Innsbruck aufgewachsen). Was inzwischen schon zum Standard gehört ist irgendeine Veranstaltung, zu der die halbe österreichische Jugend fährt - und das auch noch mit dem Zug. Was neulich noch die Street-Parade in Zürich war, ist dieses mal ein Festival in Salzburg, was die Leute in den Abteilen wieder eng zusammen rücken lässt. Hass. In Graz darf ich ein wenig Reiseleiter für Killerauge spielen, schnurstracks geht es zum Hauptplatz, wo bereits einige Ungarn Erinnerungsfotos samt Flagge schießen, die Ungarn mit denen ich mich treffen wollte sind allerdings schon weiter gezogen in irgendeine Kneipe, wie mir via Handy mitgeteilt wird. Also heißt es nun die besagte Straßenbahn-Haltestelle in Graz zu finden, was sich nicht sonderlich leicht gestaltet. Killerauge klinkt sich unterwegs aus, hat zudem das Schreiben für seine bestellte Karte im Schließfach vergessen und zieht nun als Einzelkämpfer durch Graz. Endlich die besagte Haltestelle gefunden, fällt die Suche nicht mehr schwer. Die Meldung „Du hörst uns dann schon“ trifft voll und ganz zu, aus der Kneipe klingt bereits ein lauter „Hansa Rostock, Hansa Rostock“-Gesang. Häh? Wieso das denn? Die Antwort folgt prompt, denn Kollega Dániel hat aus seinem Studien-Wohnort Dresden einen Hansa-Fan erster Güte mitgebracht, der die Kneipe samt anwesenden Ungarn bereits bestens unterhält. Das Bier scheint in der Zwischenzeit bestens gelaufen zu sein (seit 2 Uhr morgens ist man schon in der Stadt), ein netter Mix aus Leuten der Ultrá-Szene von Ferencváros und Zalaegerszeg (beide bindet eine Freundschaft) ist schon gut am Party machen. Zusammen geht es zu Fuß zum Stadion, die ersten Lieder dürfen schon mal gegrölt werden. Bei den Eintrittskarten hat sich der ÖFB heute mal ein sehr „tolles“ System einfallen lassen: Ermäßigte Karten gibt es nur, wenn man mindestens eine Karte zum Vollpreis kauft. Sinn? Keine Ahnung. Geldmacherei dürfte dabei aber keine unwesentliche Rolle einnehmen. Im Stadion dann etwa 12.000 Zuschauer, 2.000 davon (so schätze Killerauge von seinem Sitzplatz aus) aus Ungarn. Hätte eigentlich mehr Zuschauer erwartet, sowohl Ösis, als auch Ungarn. Naja. Dafür ist der Gästeblock schön gefüllt, viele Fahnen hängen, direkt vorm Block übrigens eine „Felvidék“-Fahne (so nennen die Ungarn den besetzten ungarischen Teil der Slowakei) samt großungarischer Landkarte. Dass die Ungarn ein sehr respektvolles Volk sind, zeigt sich bei den Hymnen. Denn als wenige Ungarn bei der Nationalhymne Österreichs zu pfeifen anfangen, werden diese umgehend vom Rest des Blocks zur Ruhe ermahnt, gleiches gilt für die Schweigeminute für einen österreichischen Funktionärs direkt nach Anpfiff. Ein Land, das so viel Leid erfahren hat, weiß schließlich um die Bedeutung des Wortes „Nation“ wohl bestens bescheid, ein Pfeifkonzert wird man wohl höchstens gegen Rumänien oder die Slowakei geben. Bei Österreich gibt es leider keinen organisierten Support, lediglich in einer Ecke werden ständig ein paar Landesflaggen geschwenkt und beim Tor fliegen zwei Bengalos auf den Platz. Anders bei den Ungarn. 90 Minuten Dauer-Support, am häufigsten natürlich das bekannte „ria-ria-Hungária“. Wie in Ungarn üblich gibt es etliche Supports mit nationalem Hintergrund, darunter zum Beispiel „Buzi MSzP“ („Schwule MSzP“; die MSzP (Magyar Szocialista Párt) ist die ungarische Sozialisten-Partei und bildet derzeit zusammen mit der SzDSz die Regierungskoalition), „Vesszen Trianon“ („Verpiss dich, Trianon“; der Vertrag von Trianon nahm Ungarn nach den 1. Weltkrieg Dreiviertel des Reichsgebiets), „Fehér Magyarország“ („Weißes Ungarn“) oder „Ki nem ugrál büdös román“ („Wer nicht hüpft ist stinkender Rumäne“). Zudem waren heute viele Gesänge gegen die Slowakei zu hören und eine Slowakei-Fahne verbrannt. Hintergrund: Geleitet wurde die Partie vom slowakischen Schiedsrichter Harvilla und dass sich Slowaken und Ungarn nach dem Vertrag von Trianon nicht leiden können ist ja kein Geheimnis. Die Stimmung ist natürlich durch den Spielstand alles andere als schlecht, die Tore erzielten Gera und Horváth bereits in der ersten Halbzeit. Als Kuljic für Österreich einen Elfmeter vergibt, den Gábor Király (ja, den gibt es auch noch…) halten kann, entflammt sich sogar ein Bengalo, gleiches nach Spielende. Entdeckung des Tages ist für Dániel und mich Dori, die ja mal einst in Budapest nachts in der Straßenbahn getroffen wurde und Mitglied bei den UVB (Ultra Viola Bulldogs; Ultras von Újpest) ist. Tatsächlich ist sie heute auch im Stadion, sie steht aber natürlich bei ihren UVB-Leuten, Dániel und ich bei den Ferencváros-Leuten, ein Gespräch ist somit nicht drin, hehe. Schade. Im Block torkelt übrigens auch der Rostocker rum, der mit seinen deutschen Beschimpfungen in Richtung Ordner für ordentlich Party im Block sorgt. Stellenweise stimmt er hier sogar die Gesänge an, zu geil!! Noch geiler wird es aber nach Spielende. Eigentlich hab ich mir nicht gedacht, dass man sich vollkommen frei ums Stadion bewegen könnte und man auf einige Österreicher der sportlichen Seite trifft. Speziell die Hools vom GAK haben ja in letzter Zeit immer wieder auf sich aufmerksam gemacht und haben ja sogar beim Champions League-Spiel zwischen Salzburg und dem FC Zürich mitgemischt. Und heute? Nur ein paar Österreicher der Sorte „Oje, böse Osteuropäer sind in unserer Stadt!!“. Und was die Stunde nach Spielende abging war einfach der totale Hammer. Zunächst wurden erst mal die Bierstände angezapft und im gebrochenen Deutsch ein wenig nach Bier für umsonst angefragt. Ein paar freundliche Österreicher öffneten ihren Geldbeutel und taten etwas für die Völkerverständigung. Ein einfaches „Ember, grátisz sör?? Nur eins Schluck…“ reichte vollkommen aus und schon war der Becher wieder voll, gleiches auch beim Zigaretten-Konsum. Hab ich noch nie erlebt. Geben wir den Ungarn was sie wollen und haben dafür unsere Ruhe. Haha… Entsprechend sternhagelvoll verabschiedet man sich voneinander, die Fradi-Leute fahren wieder zurück nach Budapest, Dániel ab nach Dresden und meiner einer zieht mit dem etwas grimmigen Killerauge (fand das alles wohl nicht so witzig) zu Fuß zum Hauptbahnhof. Orrr, was da so alles passiert ist, weiß ich auch nicht mehr. Die Erinnerung setzt erst wieder ein, als mich Killerauge mitten in der Nacht vorm Bahnhof weckt und verdutzt fragt: „Du hast eben nicht ernsthaft auf dem Gehweg geschlafen, oder?“ Muss wohl ein Bild für die Götter gewesen sein, wie da ein Assi mit Ungarn-Schal vorm Bahnhof liegt und wartet, bis dieser wieder seine Pforten öffnet. Um 4 Uhr nachts ist es dann endlich so weit, einen Warteraum gibt es leider nicht, die Bänke eignen sich dank Lehne auch nicht wirklich zum Schlummern, also muss wieder der Fußboden herhalten. Naja, zumindest so lange, bis der Wachdienst einen wieder ermahnt, dass das nicht erlaubt sein. „Bocsi? Ich nix sprechen Deutsch…“ Kurz nach 6 Uhr läuft dann endlich der Zug ein. Und gleich mal der erste Skandal. Will der Schaffner trotz Ferienticket tatsächlich knapp 15 Euro von uns. Schließlich zählt das Ticket ja unter der Woche erst ab 8 Uhr. Wir erzählen, wir seien bereits vor Mitternacht in Spielfeld eingestiegen, womit das Ticket ja doch zählen würde. Der Schaffner - auch nicht gerade der freundlichste seiner Sorte - stellt auf stur und murmelt was von „Die Daitschn wieder…“ vor sich hin. Killerauge zahlt breitwillig, ich lass es drauf ankommen und weiger mich, womit ich in den nächsten Tagen scheinbar Post von der ÖBB bekomme. Na, das werden wir ja noch sehen, ob ich zahle. Der nächste Terror dann im Zug nach Innsbruck, wo sich so ne aufgetakelte Muschel - Marke: Sonnenbrille auch im Tunnel und zum Shoppen mal eben nach Wien - über den Geruch meiner Füße beschwert. Naja, kann gut sein, dass die nach 24 Stunden mal müffeln, aber wenn es dir nicht passt, kannst du dich ja immer noch beim Schaffner beschweren. Macht die Alte auch, der versichert aber, dass er nichts tun könnte, somit verlässt sie wutentbrannt das Abteil. Strike! Genau so hab ich mir das vorgestellt, die Hütte gehört komplett uns, lang machen ist wieder angesagt. Killerauge ist abermals nicht ganz erfreut, sucht er im Abteil doch ohnehin immer ganz gerne das Gespräch mit den Einheimischen. Na, das ist mir jetzt grad mal total Latte, ich will hier pennen. Dazu ist genug Zeit, denn in einem hinteren Waggon ist die Klimaanlage ausgefallen und dadurch eine Leitung durchgeschmort, weswegen wir ne Weile in der Pampa stehen. Und wenn wir schon mal bei Ärgernissen sind: Zurück in Bregenz klebt doch tatsächlich ein Knöllchen an meinem Auto. War doch am Vortrag nicht wirklich viel Zeit, um einen kostenlosen Parkplatz zu finden, so wurde mal ganz frech kein Parkschein gelöst. 20 Euro für fast zwei Tage, das geht sogar fast noch und allemal billiger als auf dem Parkplatz direkt vorm Bahnhof. Fast schon ein Schnäppchen, hehe. Im örtlichen Billa erliegen wir noch mal kurz dem Kaufrausch, Killerauge marschiert mit zwei Paletten pfandfreien Dosenbier aus dem Laden, für mich dürfen es ein paar Liter Almdudler ein. Abschlussessen bei einem Thai-Imbiss bei Friedrichshafen, dann ist auch der Ausflug beendet. Die Stimmung im Stadion war absolut geil, die Ereignisse nach dem Spiel mit das witzigste, was ich in letzter Zeit erlebt habe, und überhaupt war es mal wieder eine herrliche Zeit zusammen mit lauter Ungarn. Ganz klar Note 1+!! Hajrá Magyarország!!! Und ein ganz dicker Gruß geht an Dániel raus!
BILDER:




Österreich vs. Ungarn
1:2
Statt am Montag Morgen gedanklich „Auf Wiedersehen, Österreich“ zu sagen, hätte es wohl besser „Bis gleich!“ heißen sollen. Denn keine 48 Stunden später geht es mit Killerauge abermals nach Ösiland: Länderspiel Österreich gegen Ungarn. Kurz noch den Standard-Witz: „Wer spielt heute?“ - „Österreich-Ungarn.“ - „Aha, und gegen wen?“ und schon können wir einsteigen. Ausnahmsweise heute mal zunächst nicht in den Zug, sondern in meinen Fiesta, schließlich gilt das Baden-Württemberg-Ticket erst ab 9 Uhr und um die Zeit sollen wir ja schon längst im Intercity von Bregenz nach Graz sitzen. Also trifft man sich Punkt 6:13 Uhr am Herrenberger Bahnhof und schießt hinunter in Richtung Bodensee. Für Killerauge springt mit der Grazer UPC-Arena heute ein neuer Ground raus, für mich ist es magyarische Pflicht das Länderspiel anzuschauen. Dementsprechend weniger kulturell eingestellt geht es Punkt 8:41 Uhr in den Intercity. Für Graz hab ich mir ja bereits ausführlich Zeit genommen, der Ground ist auch schon eingefahren, also dürfen heute auch mal ein paar Büchsen pfandfreies Schwechater Bier im Rucksack begrüßt werden. Die Fahrt ist natürlich scheiß-langweilig, beim vierten Besuch innerhalb von wenigen Wochen in Österreich stellen halt auch die malerischen Alpen-Landschaften keine Besonderheit mehr da (bei mir ohnehin nicht, da ja ein Stück weit in Innsbruck aufgewachsen). Was inzwischen schon zum Standard gehört ist irgendeine Veranstaltung, zu der die halbe österreichische Jugend fährt - und das auch noch mit dem Zug. Was neulich noch die Street-Parade in Zürich war, ist dieses mal ein Festival in Salzburg, was die Leute in den Abteilen wieder eng zusammen rücken lässt. Hass. In Graz darf ich ein wenig Reiseleiter für Killerauge spielen, schnurstracks geht es zum Hauptplatz, wo bereits einige Ungarn Erinnerungsfotos samt Flagge schießen, die Ungarn mit denen ich mich treffen wollte sind allerdings schon weiter gezogen in irgendeine Kneipe, wie mir via Handy mitgeteilt wird. Also heißt es nun die besagte Straßenbahn-Haltestelle in Graz zu finden, was sich nicht sonderlich leicht gestaltet. Killerauge klinkt sich unterwegs aus, hat zudem das Schreiben für seine bestellte Karte im Schließfach vergessen und zieht nun als Einzelkämpfer durch Graz. Endlich die besagte Haltestelle gefunden, fällt die Suche nicht mehr schwer. Die Meldung „Du hörst uns dann schon“ trifft voll und ganz zu, aus der Kneipe klingt bereits ein lauter „Hansa Rostock, Hansa Rostock“-Gesang. Häh? Wieso das denn? Die Antwort folgt prompt, denn Kollega Dániel hat aus seinem Studien-Wohnort Dresden einen Hansa-Fan erster Güte mitgebracht, der die Kneipe samt anwesenden Ungarn bereits bestens unterhält. Das Bier scheint in der Zwischenzeit bestens gelaufen zu sein (seit 2 Uhr morgens ist man schon in der Stadt), ein netter Mix aus Leuten der Ultrá-Szene von Ferencváros und Zalaegerszeg (beide bindet eine Freundschaft) ist schon gut am Party machen. Zusammen geht es zu Fuß zum Stadion, die ersten Lieder dürfen schon mal gegrölt werden. Bei den Eintrittskarten hat sich der ÖFB heute mal ein sehr „tolles“ System einfallen lassen: Ermäßigte Karten gibt es nur, wenn man mindestens eine Karte zum Vollpreis kauft. Sinn? Keine Ahnung. Geldmacherei dürfte dabei aber keine unwesentliche Rolle einnehmen. Im Stadion dann etwa 12.000 Zuschauer, 2.000 davon (so schätze Killerauge von seinem Sitzplatz aus) aus Ungarn. Hätte eigentlich mehr Zuschauer erwartet, sowohl Ösis, als auch Ungarn. Naja. Dafür ist der Gästeblock schön gefüllt, viele Fahnen hängen, direkt vorm Block übrigens eine „Felvidék“-Fahne (so nennen die Ungarn den besetzten ungarischen Teil der Slowakei) samt großungarischer Landkarte. Dass die Ungarn ein sehr respektvolles Volk sind, zeigt sich bei den Hymnen. Denn als wenige Ungarn bei der Nationalhymne Österreichs zu pfeifen anfangen, werden diese umgehend vom Rest des Blocks zur Ruhe ermahnt, gleiches gilt für die Schweigeminute für einen österreichischen Funktionärs direkt nach Anpfiff. Ein Land, das so viel Leid erfahren hat, weiß schließlich um die Bedeutung des Wortes „Nation“ wohl bestens bescheid, ein Pfeifkonzert wird man wohl höchstens gegen Rumänien oder die Slowakei geben. Bei Österreich gibt es leider keinen organisierten Support, lediglich in einer Ecke werden ständig ein paar Landesflaggen geschwenkt und beim Tor fliegen zwei Bengalos auf den Platz. Anders bei den Ungarn. 90 Minuten Dauer-Support, am häufigsten natürlich das bekannte „ria-ria-Hungária“. Wie in Ungarn üblich gibt es etliche Supports mit nationalem Hintergrund, darunter zum Beispiel „Buzi MSzP“ („Schwule MSzP“; die MSzP (Magyar Szocialista Párt) ist die ungarische Sozialisten-Partei und bildet derzeit zusammen mit der SzDSz die Regierungskoalition), „Vesszen Trianon“ („Verpiss dich, Trianon“; der Vertrag von Trianon nahm Ungarn nach den 1. Weltkrieg Dreiviertel des Reichsgebiets), „Fehér Magyarország“ („Weißes Ungarn“) oder „Ki nem ugrál büdös román“ („Wer nicht hüpft ist stinkender Rumäne“). Zudem waren heute viele Gesänge gegen die Slowakei zu hören und eine Slowakei-Fahne verbrannt. Hintergrund: Geleitet wurde die Partie vom slowakischen Schiedsrichter Harvilla und dass sich Slowaken und Ungarn nach dem Vertrag von Trianon nicht leiden können ist ja kein Geheimnis. Die Stimmung ist natürlich durch den Spielstand alles andere als schlecht, die Tore erzielten Gera und Horváth bereits in der ersten Halbzeit. Als Kuljic für Österreich einen Elfmeter vergibt, den Gábor Király (ja, den gibt es auch noch…) halten kann, entflammt sich sogar ein Bengalo, gleiches nach Spielende. Entdeckung des Tages ist für Dániel und mich Dori, die ja mal einst in Budapest nachts in der Straßenbahn getroffen wurde und Mitglied bei den UVB (Ultra Viola Bulldogs; Ultras von Újpest) ist. Tatsächlich ist sie heute auch im Stadion, sie steht aber natürlich bei ihren UVB-Leuten, Dániel und ich bei den Ferencváros-Leuten, ein Gespräch ist somit nicht drin, hehe. Schade. Im Block torkelt übrigens auch der Rostocker rum, der mit seinen deutschen Beschimpfungen in Richtung Ordner für ordentlich Party im Block sorgt. Stellenweise stimmt er hier sogar die Gesänge an, zu geil!! Noch geiler wird es aber nach Spielende. Eigentlich hab ich mir nicht gedacht, dass man sich vollkommen frei ums Stadion bewegen könnte und man auf einige Österreicher der sportlichen Seite trifft. Speziell die Hools vom GAK haben ja in letzter Zeit immer wieder auf sich aufmerksam gemacht und haben ja sogar beim Champions League-Spiel zwischen Salzburg und dem FC Zürich mitgemischt. Und heute? Nur ein paar Österreicher der Sorte „Oje, böse Osteuropäer sind in unserer Stadt!!“. Und was die Stunde nach Spielende abging war einfach der totale Hammer. Zunächst wurden erst mal die Bierstände angezapft und im gebrochenen Deutsch ein wenig nach Bier für umsonst angefragt. Ein paar freundliche Österreicher öffneten ihren Geldbeutel und taten etwas für die Völkerverständigung. Ein einfaches „Ember, grátisz sör?? Nur eins Schluck…“ reichte vollkommen aus und schon war der Becher wieder voll, gleiches auch beim Zigaretten-Konsum. Hab ich noch nie erlebt. Geben wir den Ungarn was sie wollen und haben dafür unsere Ruhe. Haha… Entsprechend sternhagelvoll verabschiedet man sich voneinander, die Fradi-Leute fahren wieder zurück nach Budapest, Dániel ab nach Dresden und meiner einer zieht mit dem etwas grimmigen Killerauge (fand das alles wohl nicht so witzig) zu Fuß zum Hauptbahnhof. Orrr, was da so alles passiert ist, weiß ich auch nicht mehr. Die Erinnerung setzt erst wieder ein, als mich Killerauge mitten in der Nacht vorm Bahnhof weckt und verdutzt fragt: „Du hast eben nicht ernsthaft auf dem Gehweg geschlafen, oder?“ Muss wohl ein Bild für die Götter gewesen sein, wie da ein Assi mit Ungarn-Schal vorm Bahnhof liegt und wartet, bis dieser wieder seine Pforten öffnet. Um 4 Uhr nachts ist es dann endlich so weit, einen Warteraum gibt es leider nicht, die Bänke eignen sich dank Lehne auch nicht wirklich zum Schlummern, also muss wieder der Fußboden herhalten. Naja, zumindest so lange, bis der Wachdienst einen wieder ermahnt, dass das nicht erlaubt sein. „Bocsi? Ich nix sprechen Deutsch…“ Kurz nach 6 Uhr läuft dann endlich der Zug ein. Und gleich mal der erste Skandal. Will der Schaffner trotz Ferienticket tatsächlich knapp 15 Euro von uns. Schließlich zählt das Ticket ja unter der Woche erst ab 8 Uhr. Wir erzählen, wir seien bereits vor Mitternacht in Spielfeld eingestiegen, womit das Ticket ja doch zählen würde. Der Schaffner - auch nicht gerade der freundlichste seiner Sorte - stellt auf stur und murmelt was von „Die Daitschn wieder…“ vor sich hin. Killerauge zahlt breitwillig, ich lass es drauf ankommen und weiger mich, womit ich in den nächsten Tagen scheinbar Post von der ÖBB bekomme. Na, das werden wir ja noch sehen, ob ich zahle. Der nächste Terror dann im Zug nach Innsbruck, wo sich so ne aufgetakelte Muschel - Marke: Sonnenbrille auch im Tunnel und zum Shoppen mal eben nach Wien - über den Geruch meiner Füße beschwert. Naja, kann gut sein, dass die nach 24 Stunden mal müffeln, aber wenn es dir nicht passt, kannst du dich ja immer noch beim Schaffner beschweren. Macht die Alte auch, der versichert aber, dass er nichts tun könnte, somit verlässt sie wutentbrannt das Abteil. Strike! Genau so hab ich mir das vorgestellt, die Hütte gehört komplett uns, lang machen ist wieder angesagt. Killerauge ist abermals nicht ganz erfreut, sucht er im Abteil doch ohnehin immer ganz gerne das Gespräch mit den Einheimischen. Na, das ist mir jetzt grad mal total Latte, ich will hier pennen. Dazu ist genug Zeit, denn in einem hinteren Waggon ist die Klimaanlage ausgefallen und dadurch eine Leitung durchgeschmort, weswegen wir ne Weile in der Pampa stehen. Und wenn wir schon mal bei Ärgernissen sind: Zurück in Bregenz klebt doch tatsächlich ein Knöllchen an meinem Auto. War doch am Vortrag nicht wirklich viel Zeit, um einen kostenlosen Parkplatz zu finden, so wurde mal ganz frech kein Parkschein gelöst. 20 Euro für fast zwei Tage, das geht sogar fast noch und allemal billiger als auf dem Parkplatz direkt vorm Bahnhof. Fast schon ein Schnäppchen, hehe. Im örtlichen Billa erliegen wir noch mal kurz dem Kaufrausch, Killerauge marschiert mit zwei Paletten pfandfreien Dosenbier aus dem Laden, für mich dürfen es ein paar Liter Almdudler ein. Abschlussessen bei einem Thai-Imbiss bei Friedrichshafen, dann ist auch der Ausflug beendet. Die Stimmung im Stadion war absolut geil, die Ereignisse nach dem Spiel mit das witzigste, was ich in letzter Zeit erlebt habe, und überhaupt war es mal wieder eine herrliche Zeit zusammen mit lauter Ungarn. Ganz klar Note 1+!! Hajrá Magyarország!!! Und ein ganz dicker Gruß geht an Dániel raus!
BILDER:




- barneygumble
- Kickers-Fan
- Beiträge: 6168
- Registriert: Dienstag 2. August 2005, 21:02
- Kontaktdaten:
Super, wieder einmal vielen Dank für deinen Erfahrungsbericht!
Mehr davon.
Grüße
Mehr davon.
Grüße
Erfolgreich zu sein, setzt zwei Dinge voraus: Klare Ziele und den brennenden Wunsch, sie zu erreichen.
- Johann Wolfgang von Goethe -
Die Mehrheit? Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn, Verstand ist stets bei wen'gen nur gewesen. Der Staat muß untergehen, früh oder spät, wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet.
- Friedrich Schiller -
Don't argue with idiots. They'll drag you down to their level and beat you with experience.
- empirische Untersuchungen -
- Johann Wolfgang von Goethe -
Die Mehrheit? Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn, Verstand ist stets bei wen'gen nur gewesen. Der Staat muß untergehen, früh oder spät, wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet.
- Friedrich Schiller -
Don't argue with idiots. They'll drag you down to their level and beat you with experience.
- empirische Untersuchungen -
-
n-o-r-d-0711
- Kickers-Fan
- Beiträge: 824
- Registriert: Samstag 24. Juni 2006, 21:33
Hajra Magyarország!! War ein klasse Spiel mit noch besserem Ergebnis, das ich kurzfristig ebenfalls im Stadion in Graz angeschaut habe, da ich sowieso in Österreich im Urlaub war.Kai hat geschrieben:Länderspiel in Graz am 16.8.2006
Österreich vs. Ungarn
1:2
Statt am Montag Morgen gedanklich „Auf Wiedersehen, Österreich“ zu sagen, hätte es wohl besser „Bis gleich!“ heißen sollen. Denn keine 48 Stunden später geht es mit Killerauge abermals nach Ösiland: Länderspiel Österreich gegen Ungarn. Kurz noch den Standard-Witz: „Wer spielt heute?“ - „Österreich-Ungarn.“ - „Aha, und gegen wen?“ und schon können wir einsteigen. Ausnahmsweise heute mal zunächst nicht in den Zug, sondern in meinen Fiesta, schließlich gilt das Baden-Württemberg-Ticket erst ab 9 Uhr und um die Zeit sollen wir ja schon längst im Intercity von Bregenz nach Graz sitzen. Also trifft man sich Punkt 6:13 Uhr am Herrenberger Bahnhof und schießt hinunter in Richtung Bodensee. Für Killerauge springt mit der Grazer UPC-Arena heute ein neuer Ground raus, für mich ist es magyarische Pflicht das Länderspiel anzuschauen. Dementsprechend weniger kulturell eingestellt geht es Punkt 8:41 Uhr in den Intercity. Für Graz hab ich mir ja bereits ausführlich Zeit genommen, der Ground ist auch schon eingefahren, also dürfen heute auch mal ein paar Büchsen pfandfreies Schwechater Bier im Rucksack begrüßt werden. Die Fahrt ist natürlich scheiß-langweilig, beim vierten Besuch innerhalb von wenigen Wochen in Österreich stellen halt auch die malerischen Alpen-Landschaften keine Besonderheit mehr da (bei mir ohnehin nicht, da ja ein Stück weit in Innsbruck aufgewachsen). Was inzwischen schon zum Standard gehört ist irgendeine Veranstaltung, zu der die halbe österreichische Jugend fährt - und das auch noch mit dem Zug. Was neulich noch die Street-Parade in Zürich war, ist dieses mal ein Festival in Salzburg, was die Leute in den Abteilen wieder eng zusammen rücken lässt. Hass. In Graz darf ich ein wenig Reiseleiter für Killerauge spielen, schnurstracks geht es zum Hauptplatz, wo bereits einige Ungarn Erinnerungsfotos samt Flagge schießen, die Ungarn mit denen ich mich treffen wollte sind allerdings schon weiter gezogen in irgendeine Kneipe, wie mir via Handy mitgeteilt wird. Also heißt es nun die besagte Straßenbahn-Haltestelle in Graz zu finden, was sich nicht sonderlich leicht gestaltet. Killerauge klinkt sich unterwegs aus, hat zudem das Schreiben für seine bestellte Karte im Schließfach vergessen und zieht nun als Einzelkämpfer durch Graz. Endlich die besagte Haltestelle gefunden, fällt die Suche nicht mehr schwer. Die Meldung „Du hörst uns dann schon“ trifft voll und ganz zu, aus der Kneipe klingt bereits ein lauter „Hansa Rostock, Hansa Rostock“-Gesang. Häh? Wieso das denn? Die Antwort folgt prompt, denn Kollega Dániel hat aus seinem Studien-Wohnort Dresden einen Hansa-Fan erster Güte mitgebracht, der die Kneipe samt anwesenden Ungarn bereits bestens unterhält. Das Bier scheint in der Zwischenzeit bestens gelaufen zu sein (seit 2 Uhr morgens ist man schon in der Stadt), ein netter Mix aus Leuten der Ultrá-Szene von Ferencváros und Zalaegerszeg (beide bindet eine Freundschaft) ist schon gut am Party machen. Zusammen geht es zu Fuß zum Stadion, die ersten Lieder dürfen schon mal gegrölt werden. Bei den Eintrittskarten hat sich der ÖFB heute mal ein sehr „tolles“ System einfallen lassen: Ermäßigte Karten gibt es nur, wenn man mindestens eine Karte zum Vollpreis kauft. Sinn? Keine Ahnung. Geldmacherei dürfte dabei aber keine unwesentliche Rolle einnehmen. Im Stadion dann etwa 12.000 Zuschauer, 2.000 davon (so schätze Killerauge von seinem Sitzplatz aus) aus Ungarn. Hätte eigentlich mehr Zuschauer erwartet, sowohl Ösis, als auch Ungarn. Naja. Dafür ist der Gästeblock schön gefüllt, viele Fahnen hängen, direkt vorm Block übrigens eine „Felvidék“-Fahne (so nennen die Ungarn den besetzten ungarischen Teil der Slowakei) samt großungarischer Landkarte. Dass die Ungarn ein sehr respektvolles Volk sind, zeigt sich bei den Hymnen. Denn als wenige Ungarn bei der Nationalhymne Österreichs zu pfeifen anfangen, werden diese umgehend vom Rest des Blocks zur Ruhe ermahnt, gleiches gilt für die Schweigeminute für einen österreichischen Funktionärs direkt nach Anpfiff. Ein Land, das so viel Leid erfahren hat, weiß schließlich um die Bedeutung des Wortes „Nation“ wohl bestens bescheid, ein Pfeifkonzert wird man wohl höchstens gegen Rumänien oder die Slowakei geben. Bei Österreich gibt es leider keinen organisierten Support, lediglich in einer Ecke werden ständig ein paar Landesflaggen geschwenkt und beim Tor fliegen zwei Bengalos auf den Platz. Anders bei den Ungarn. 90 Minuten Dauer-Support, am häufigsten natürlich das bekannte „ria-ria-Hungária“. Wie in Ungarn üblich gibt es etliche Supports mit nationalem Hintergrund, darunter zum Beispiel „Buzi MSzP“ („Schwule MSzP“; die MSzP (Magyar Szocialista Párt) ist die ungarische Sozialisten-Partei und bildet derzeit zusammen mit der SzDSz die Regierungskoalition), „Vesszen Trianon“ („Verpiss dich, Trianon“; der Vertrag von Trianon nahm Ungarn nach den 1. Weltkrieg Dreiviertel des Reichsgebiets), „Fehér Magyarország“ („Weißes Ungarn“) oder „Ki nem ugrál büdös román“ („Wer nicht hüpft ist stinkender Rumäne“). Zudem waren heute viele Gesänge gegen die Slowakei zu hören und eine Slowakei-Fahne verbrannt. Hintergrund: Geleitet wurde die Partie vom slowakischen Schiedsrichter Harvilla und dass sich Slowaken und Ungarn nach dem Vertrag von Trianon nicht leiden können ist ja kein Geheimnis. Die Stimmung ist natürlich durch den Spielstand alles andere als schlecht, die Tore erzielten Gera und Horváth bereits in der ersten Halbzeit. Als Kuljic für Österreich einen Elfmeter vergibt, den Gábor Király (ja, den gibt es auch noch…) halten kann, entflammt sich sogar ein Bengalo, gleiches nach Spielende. Entdeckung des Tages ist für Dániel und mich Dori, die ja mal einst in Budapest nachts in der Straßenbahn getroffen wurde und Mitglied bei den UVB (Ultra Viola Bulldogs; Ultras von Újpest) ist. Tatsächlich ist sie heute auch im Stadion, sie steht aber natürlich bei ihren UVB-Leuten, Dániel und ich bei den Ferencváros-Leuten, ein Gespräch ist somit nicht drin, hehe. Schade. Im Block torkelt übrigens auch der Rostocker rum, der mit seinen deutschen Beschimpfungen in Richtung Ordner für ordentlich Party im Block sorgt. Stellenweise stimmt er hier sogar die Gesänge an, zu geil!! Noch geiler wird es aber nach Spielende. Eigentlich hab ich mir nicht gedacht, dass man sich vollkommen frei ums Stadion bewegen könnte und man auf einige Österreicher der sportlichen Seite trifft. Speziell die Hools vom GAK haben ja in letzter Zeit immer wieder auf sich aufmerksam gemacht und haben ja sogar beim Champions League-Spiel zwischen Salzburg und dem FC Zürich mitgemischt. Und heute? Nur ein paar Österreicher der Sorte „Oje, böse Osteuropäer sind in unserer Stadt!!“. Und was die Stunde nach Spielende abging war einfach der totale Hammer. Zunächst wurden erst mal die Bierstände angezapft und im gebrochenen Deutsch ein wenig nach Bier für umsonst angefragt. Ein paar freundliche Österreicher öffneten ihren Geldbeutel und taten etwas für die Völkerverständigung. Ein einfaches „Ember, grátisz sör?? Nur eins Schluck…“ reichte vollkommen aus und schon war der Becher wieder voll, gleiches auch beim Zigaretten-Konsum. Hab ich noch nie erlebt. Geben wir den Ungarn was sie wollen und haben dafür unsere Ruhe. Haha… Entsprechend sternhagelvoll verabschiedet man sich voneinander, die Fradi-Leute fahren wieder zurück nach Budapest, Dániel ab nach Dresden und meiner einer zieht mit dem etwas grimmigen Killerauge (fand das alles wohl nicht so witzig) zu Fuß zum Hauptbahnhof. Orrr, was da so alles passiert ist, weiß ich auch nicht mehr. Die Erinnerung setzt erst wieder ein, als mich Killerauge mitten in der Nacht vorm Bahnhof weckt und verdutzt fragt: „Du hast eben nicht ernsthaft auf dem Gehweg geschlafen, oder?“ Muss wohl ein Bild für die Götter gewesen sein, wie da ein Assi mit Ungarn-Schal vorm Bahnhof liegt und wartet, bis dieser wieder seine Pforten öffnet. Um 4 Uhr nachts ist es dann endlich so weit, einen Warteraum gibt es leider nicht, die Bänke eignen sich dank Lehne auch nicht wirklich zum Schlummern, also muss wieder der Fußboden herhalten. Naja, zumindest so lange, bis der Wachdienst einen wieder ermahnt, dass das nicht erlaubt sein. „Bocsi? Ich nix sprechen Deutsch…“ Kurz nach 6 Uhr läuft dann endlich der Zug ein. Und gleich mal der erste Skandal. Will der Schaffner trotz Ferienticket tatsächlich knapp 15 Euro von uns. Schließlich zählt das Ticket ja unter der Woche erst ab 8 Uhr. Wir erzählen, wir seien bereits vor Mitternacht in Spielfeld eingestiegen, womit das Ticket ja doch zählen würde. Der Schaffner - auch nicht gerade der freundlichste seiner Sorte - stellt auf stur und murmelt was von „Die Daitschn wieder…“ vor sich hin. Killerauge zahlt breitwillig, ich lass es drauf ankommen und weiger mich, womit ich in den nächsten Tagen scheinbar Post von der ÖBB bekomme. Na, das werden wir ja noch sehen, ob ich zahle. Der nächste Terror dann im Zug nach Innsbruck, wo sich so ne aufgetakelte Muschel - Marke: Sonnenbrille auch im Tunnel und zum Shoppen mal eben nach Wien - über den Geruch meiner Füße beschwert. Naja, kann gut sein, dass die nach 24 Stunden mal müffeln, aber wenn es dir nicht passt, kannst du dich ja immer noch beim Schaffner beschweren. Macht die Alte auch, der versichert aber, dass er nichts tun könnte, somit verlässt sie wutentbrannt das Abteil. Strike! Genau so hab ich mir das vorgestellt, die Hütte gehört komplett uns, lang machen ist wieder angesagt. Killerauge ist abermals nicht ganz erfreut, sucht er im Abteil doch ohnehin immer ganz gerne das Gespräch mit den Einheimischen. Na, das ist mir jetzt grad mal total Latte, ich will hier pennen. Dazu ist genug Zeit, denn in einem hinteren Waggon ist die Klimaanlage ausgefallen und dadurch eine Leitung durchgeschmort, weswegen wir ne Weile in der Pampa stehen. Und wenn wir schon mal bei Ärgernissen sind: Zurück in Bregenz klebt doch tatsächlich ein Knöllchen an meinem Auto. War doch am Vortrag nicht wirklich viel Zeit, um einen kostenlosen Parkplatz zu finden, so wurde mal ganz frech kein Parkschein gelöst. 20 Euro für fast zwei Tage, das geht sogar fast noch und allemal billiger als auf dem Parkplatz direkt vorm Bahnhof. Fast schon ein Schnäppchen, hehe. Im örtlichen Billa erliegen wir noch mal kurz dem Kaufrausch, Killerauge marschiert mit zwei Paletten pfandfreien Dosenbier aus dem Laden, für mich dürfen es ein paar Liter Almdudler ein. Abschlussessen bei einem Thai-Imbiss bei Friedrichshafen, dann ist auch der Ausflug beendet. Die Stimmung im Stadion war absolut geil, die Ereignisse nach dem Spiel mit das witzigste, was ich in letzter Zeit erlebt habe, und überhaupt war es mal wieder eine herrliche Zeit zusammen mit lauter Ungarn. Ganz klar Note 1+!! Hajrá Magyarország!!! Und ein ganz dicker Gruß geht an Dániel raus!
BILDER:
-
Kai
Österreich 3. Liga am 25.8.2006
FC Blau-Weiss Linz vs. SV Spittal
3:0
Seit fast einer Woche nicht mehr in Österreich gewesen? Das darf ja wohl nicht wahr sein. Korrekterweise geht es um 6:18 Uhr in Herrenberg und via Tübingen, Aulendorf, Friedrichshafen, Lindau und Bregenz ist der Knotenbahnhof Feldkirch wieder schnell erreicht. Naja, sofern man fünf Stunden als „schnell“ bezeichnen kann. Gott sei Dank scheint heute kein Ereignis die österreichische Jugend in irgendeiner Weise besonders zu mobilisieren, somit kein Thrombose-Alarm im Abteil. Um 17 Uhr holt mich Schwandl samt Freundin Sternchen wie verabredet am Linzer Hbf ab. Seit über einem Monat turne ich jetzt schon durch Ösi-Land, ein Besuch bei den Eisernen aus Linz war aber noch nicht drin. Schande. Aber das sollte sich ja heute ändern. Nachdem es im ersten Heimspiel gegen den SAK Klagenfurt kam es zu Zwischenfällen, nachdem ein Linzer eine Dose aufs Spielfeld warf und den Klagenfurter Alexander Lessnigg traf, brach der Schiedsrichter das Spiel ab. Obwohl die Linzer 3:2 führten, wurde das Spiel mit 3:0 für den SAK gewertet. Gleichzeitig bekam der Verein 1000 Euro Strafe (weniger schlimm…) und erhält für drei Spiele ein Platzsperre (schon deutlich schlimmer…). Die Spiele werden daher im Leichtathletikstadion zu Traun ausgetragen, ein Vorort von Linz, dessen größte Attraktion wohl die Einflugschneise des Linzer Flughafens sein dürfte. Aus diesem Grund dürfen trotz Flutlichtspiel auch keine Bengalos gezündet werden. Das dürfte aber die wenigsten Linzer interessieren, denn für diesen Spielort empfindet man nur eins: Hass. Wie lautete ein schönes Zitat des heutigen Abends: „Das ist kein Heimspiel, das ist kein Auswärtsspiel, das ist einfach nur Scheiße.“ Die Stimmung ist dementsprechend schlecht, wenngleich gegen Ende zunehmend besser (tzzzz, großdeutsches Gedankengut beim Lied „…von der Donau bis zur Elbe“, hehe). Bei dem Spielstand aber auch verständlich… In der Halbzeitpause übergibt das Stahlstadt-Kollektiv (Übergruppierung in der Fanszene) übrigens einen Scheck über 2500 Euro an den Verein. Das in der Fanszene gesammelte Geld soll für die Strafe verwendet werden, die der Verein vom Verband aufgebrummt bekommen hat. Gäste aus Spittal sind auch ein paar angereist, machen aber nicht sonderlich auf sich aufmerksam. Naja, wenigstens heute Abend einen schönen Non-League-Ground mitgenommen und die bekannten Linzer mal wieder gesehen (noch keine 2 Minuten im Stadion drin und schon mit dem Claudio ewig am labern über dessen Südamerika-Tour - dass Hopper auch nicht mal über das Wetter, Popstars oder das schwedische Königshaus quatschen können…). Der Abend ist aber noch lange nicht beendet. Wieder in Linz geht es zusammen mit Schwandl und Italo-Josef (der heißt nicht wirklich so, aber ich nenn den halt so) zum Würstl-Stand. Die Speise-Karte ist übrigens ein Relikt vergangener k.u.k.-Zeiten, egal ob Bosna, Lángos oder Debreziner - hier wird klar, welch Großreich Österreich einst war. Zusammen mit einigen bekannten Linzern macht man die Altstadt unsicher bis in die frühen Morgenstunden, einfach sich mal wieder gepflegt die Birne wegknallen, hehe. Rein ins Taxi und irgendwann um 4 Uhr morgens darf ich auf der Schwandlschen Couch Platz nehmen. Neben dem nächtlichen Asyl gibt es am nächsten Morgen noch einen Vöest-Seidenschal (der FC BW Linz ist der Quasi-Nachfolge-Verein vom SK Vöest Linz (Meister 1974), der 1997 mit dem Stadtrivalen LASK fusioniert ist und ihm daher folgerichtig der Rücken von den Fans gekehrt wurde) obendrauf, dazu Pins und Fanzines. Unglaubliche Gastfreundschaft mal wieder in Linz, die mir fast schon peinlich ist. Phantastisch, mit welch offenen Armen man als Stuttgarter in Linz immer empfangen wird. Und das kann man auch nicht mit einem einfachen „Danke“ quittieren. Gibt auf jeden Fall ne Revanche in Stuttgart!! Vielen Dank!
Österreich 3. Liga am 26.8.2006
SV Seekirchen vs. VfB Hohenems
4:1
Der Österreich-Ausflug ist aber noch lange nicht beendet. Etwas zu lange beim Schwandl rumgetrödelt, so wird die Straßenbahn zum Hbf verpasst. Aha, noch 10 Minuten, bis die nächste kommt, da kann man ja getrost die Strecke laufen und noch etwas Stadtflair einatmen. Muss ehrlich sagen, dass mir diese Stadt immer besser gefällt. Architektonisch kann sie ja ohnehin einiges, ist im Gegensatz zu anderen österreichischen Städten nicht so sehr schicki-micki, sondern hat wirklich Style. Und je mehr ich hier bin, desto mehr erfährt man davon, dazu noch die Erzählungen der Linzer… hier fühle ich mich wirklich wohl. Wie sagte einst auch schon der Albstädter: „Wenn ich Österreicher wäre, dann wäre ich bestimmt Linzer.“ Mit dem nächsten Intercity geht es ab nach Salzburg. Bis die Bimmelbahn nach Seekirchen am Wallersee kommt, streicht noch etwas Zeit ins Land, die für einen Sparziergang im Bahnhofsviertel genutzt wird. Viel zu sehen gibt es hier nicht, die Sightseeing-Tour im Stadtkern ist ohnehin erst für den Abend geplant. Gigantische 15 Minuten brauch die Bahn bis zum Wallersee, kein Akt also. Dort angekommen findet man einen sehr idyllischen und vom Klassenkampf unberührten Ort vor. Hier dürfte die ÖVP sicherlich die absolute Mehrheit haben, hehe. Haarsträubend wird es, als die Einheimischen nach dem Weg zum Stadion befragt werden. Über einen Feldweg soll es anscheinend gehen. Bitte was?? Und tatsächlich. Kurz nach dem letzten Haus des Ortes auf einer Anhöhe beginnt ein rund 20-minütiger Fußmarsch. Naja, kann man sicher auch in 10 Minuten schaffen, aber irgendwie war ich zu sehr von diesem Panorama angetan: Satte Wiesen, herrliche Luft, Alpen-Landschaft… wie im Heimatfilm! Also, T-Shirt aus und ein wenig Wallersee-Feeling tanken. Ja, da kommt selbst ein Stadtmensch wie ich ins Schwärmen. Ins Schwärmen kann man auch beim Stadion kommen. An und für sich ist das Teil nichts besonderes, Tribüne und drumrum nix. Allerdings handelt es sich hier um eine Doppel-Tribüne, die sich zwischen Haupt- und Nebenplatz befindet und in beide Richtungen mit Sitzschalen ausgestattet ist. Nicht übel… Hier wird übrigens 3 Tage später das U19-Länderspiel zwischen Österreich und Deutschland ausgetragen, worauf bereits zahlreiche Plakate hinweisen. Dürfte hier sicherlich ein echtes Highlight werden. Zumindest von der Torausbeute her ist auch der heutige Kick der Regionalliga West ein echtes Highlight, auch wenn Schwandls Fanzines hin und wieder doch deutlich spannender sind. Wenige Minuten vor dem Abpfiff setze ich schon die Segel, schließlich soll die Bimmelbahn noch erreicht werden.
Österreich 1. Liga am 26.8.2006
Red Bull Salzburg vs. FC Wacker Innsbruck
4:0
15 Minuten später ist der Salzburger Hbf erreicht. So, noch rund 3 Stunden bis zum Abpfiff im Salzburger EM-Stadion, nutzen wir doch die Zeit um mal am Salzach-Ufer schon mal einen kleinen Blick auf das Stadtbild zu erhaschen. Zwar bin ich bereits zum 6. Mal in dieser Stadt, aber das erste Mal bei Tageslicht. Und da präsentiert sich so eine Stadt bekanntlich immer ganz anders, hehe. Mit dem Bus geht es an den Salzburger Stadtrand, wo sich das EM-Stadion Wals-Siezenheim (welch kreativer Name…) befindet. Ein wenig als „Dosistan“ belächelt macht das Stadionumfeld nicht wirklich viel her. Lediglich ein riesiges Einkaufszentrum mit Namen „Europark“ bildet hier den zweifelhaften Höhepunkt. Zum Tiefpunkt des Abends kommt es definitiv am Kassenhaus, als ich eine Karte kaufen will: „Alles ausverkauft!“ Ach du scheiße. Hab mir schon gedacht, dass es hier voll werden dürfte (1. gegen 2. in der Tabelle, dazu bildet das Aufeinandertreffen beider Mannschaften das so genannte West-Derby (welches wohl recht gut gewesen sein muss, bevor Red Bull hier die Fanszene zerstört hat)), aber ausverkauft? In dem Moment bietet mir ein Japaner für 9 Euro eine Karte für die Haupttribüne an, ich kann mein Glück noch gar nicht fassen, da hat bereits ein anderer zugegriffen. Orrr, das darf nicht wahr sein. Gut, schauen wir uns mal um, vielleicht gibt es hier ja einen funktionierenden Schwarzmarkt. Aber leider aussichtslos, hier ist jeder damit beschäftigt, sich noch einen Schal aus der Red Bull-Kollektion um den Arm zu binden, sehr traurig das ganze. Nun gut, dann versuchen wir es halt am Gästeblock. Mache ich zwar sehr ungern, zwar bekommt man nicht alles perfekt von der Stimmung mit, aber bei einem Verein ohne Heimfans würde man ja eh nichts verpassen und so krieg ich ein wenig was von den Strukturen in der Innsbrucker Ultrá-Szene mit. Der Gästeblock ist bereits großräumig abgeriegelt, Unmengen an gepanzerten Cops prägen das Bild. Karten für den Gästeblock gibt es tatsächlich noch, dafür muss man aber durch die Polizisten durch. Dummerweise oute ich mich als neutraler Fan. Da hilft auch der deutsche Akzent nichts, die lassen einen nicht durch. Nun gut, auf der anderen Seite mache ich einen auf extremer Wacker-Fan und werde durchgelassen. Für 7 Euro ist man dabei, das ist unerwartet günstig. In diesem Moment kommen fünf Busse aus Innsbruck an, übel, wie plötzlich Scharen an Ultras mit Sonnenbrille, Kapuze über dem Kopf und stellenweise vermummt aus dem Bus stürzen. Geiles Bild. Mit dabei wohl auch einige Freunde der Ultras Frankfurt und aus Bergamo. Zudem hab ich einen Schal der Freak Brothers von Ternana entdeckt, das kann aber auch Zufall sein. Die Innsbrucker Ultras (Verrückte Köpfe 91, Nordpol, i furiosi) machen bereits ordentlich Rabatz, der italienische Stil bei Kleidung, Gesängen und Verhalten ist einfach nur geil. Doch erst mal schieben die Ordner Stress: Bis zu den Schuhen wird jeder Innsbrucker durchsucht (ich hab schon deutlich Panik, hab ich doch einen Linzer Schal im Rucksack, der nicht unbedingt gesehen werden wollte) und einzeln (!) fotografiert. Also auch Frauen, Kinder und Rentner. Da auch die Zaunfahnen nicht mit in den Block genommen werden dürfen, steht die Eskalation bereit. Die Capos stellen sich auf die Absperrungen und fordern alle Innsbrucker via Megaphon auf, das Stadion nicht zu betreten. Die meisten halten sich auch daran und treten zurück. Jedoch scheint man bei den Salzburgern besonnen und lässt die Fahnen dann doch rein, also alles wieder anstellen. Die Prozedur braucht extrem lange (ich selbst stehe weit über eine Stunde an und bin erst in der 20. Minute im Stadion), einigen Innsbruckern wird das zu bunt und sie klettern die Mauern (!!) vom Stadion hoch. Naja, die Tiroler sind halt ein Bergsteiger-Volk, aber trotzdem… Hammer! Oben wartet zwar schon die Polizei, der dann natürlich einige Gegenstände um die Ohren fliegen. Summa summarum ist hier also schon ne Menge los, was Vorfreude auf mehr macht. Noch mal kurz in die Kamera des Salzburger Ordnungsdienstes lächeln, dann darf auch ich rein. Insgesamt etwa 2000 Innsbrucker im Block (ist aber immer schwer das zu schätzen, wenn man mittendrin steht), die ordentlich Feuer machen. 90 Minuten Dauer-Support, schöne Melodien, ständig mehrere Fahnen in Bewegung, richtig geiler Italo-Style. Ständig gehen Böller in die Luft, Anfang der zweiten Hälfte gibt es noch ein Bengal-Tifo und gegen Ende des Spiels werden plötzlich mehrere Dutzend Doppelhalter in die Luft gehalten. Erstaunlich ist das vor allem auch, weil die Innsbrucker Mannschaft hier ja förmlich abgeschossen wurde. Im Endeffekt bin ich sehr zufrieden mit dem Gesehenen, auch wenn natürlich der Gegner auf den Rängen fehlt. Nach der Übernahme von Red Bull und dem Verändern der Vereinsfarben gründete der alte Austria-Anhang den Verein bekanntlich neu, die Salzburger Ultrá-Szene (Tough Guys 92, Ultras Unione 99) fährt seitdem ein paar Ligen weiter unten dem Verein hinterher. Auch heute hätte man am Nachmittag übrigens gespielt, allerdings ein Auswärtsspiel in der Pampa ohne gescheiten Zug- oder Busanschluss, somit für mich nicht erreichbar. Vorbei an Palästina-, Che Guevara- oder Antifa-Fahnen geht es für mich nach einigen Minuten Sinnieren im Stadion wieder raus auf die Straße, kurz die Polizei überzeugen, dass man nur zum Bahnhof und zurück nach Deutschland will, und ab zum Europark-Bahnhof. Nach „langer“ dreiminütiger Zugfahrt ist der Salzburger Hbf erreicht, bis der Nachtzug um 0.45 Uhr nach Feldkirch fahren soll ist somit noch etwas Zeit. Also, wieder ab zur Salzach und die Stadt anschauen. Mozart-Geburtshaus, Dom und die beeindruckenden kleinen Gassen fetzen schon, keine Frage. Vor allem der ständige Blick hinauf zur Salzburg und die kunstvolle Einbettung der alten Gebäude in die Berglandschaft (teilweise zieht sich direkt hinter den Häusern eine steile Felswand empor) überzeugen durchaus. Doch im Vergleich zu Linz punktet Salzburg nicht. Salzburg ist schön, Linz hat Stil - das ist für mich der klare Unterschied. Noch schnell an der Killerauge-Gedenk-Tankstelle Almdudler für die Fahrt gekauft, ein Käsekrainer darf es auch noch sein und dann ab zum Bahnsteig.
In diesem Moment fährt der Orient-Express nach Stuttgart ein, naja, kurz am überlegen ob ich einsteigen soll, aber mit nur noch abgezählten 17 Euro für das Baden-Württemberg-Ticket in der Tasche schwindet die Illusion, zehn Stunden früher zu Hause sein zu können, schließlich rechne ich einer Fahrt als blinder Passagier nicht viel Chancen ein. Die Nachtzug-Verbindung zum Bodensee ist zweifelsohne trotzdem eine gute Alternative, schließlich rollt der Zug in Feldkirch genau dann ein, wenn dort bereits schon der erste Zug nach Deutschland fährt. Da passt der Fahrplan einfach wie die Faust aufs Auge. Via Lindau und Ulm ist die Heimat somit am späten Vormittag wieder erreicht. Vermutlich war dies die letzte Fahrt mit dem ÖBB-Ferien-Ticket, die Zeit lässt keine weiteren Ösi-Ausflüge mehr zu. Wie ich meine habe ich das Ticket gut ausgenutzt und bis auf Pasching und Ried ist die österreichische Bundesliga sogar komplettiert. Wenn das mal kein schöner Sommer war…
FC Blau-Weiss Linz vs. SV Spittal
3:0
Seit fast einer Woche nicht mehr in Österreich gewesen? Das darf ja wohl nicht wahr sein. Korrekterweise geht es um 6:18 Uhr in Herrenberg und via Tübingen, Aulendorf, Friedrichshafen, Lindau und Bregenz ist der Knotenbahnhof Feldkirch wieder schnell erreicht. Naja, sofern man fünf Stunden als „schnell“ bezeichnen kann. Gott sei Dank scheint heute kein Ereignis die österreichische Jugend in irgendeiner Weise besonders zu mobilisieren, somit kein Thrombose-Alarm im Abteil. Um 17 Uhr holt mich Schwandl samt Freundin Sternchen wie verabredet am Linzer Hbf ab. Seit über einem Monat turne ich jetzt schon durch Ösi-Land, ein Besuch bei den Eisernen aus Linz war aber noch nicht drin. Schande. Aber das sollte sich ja heute ändern. Nachdem es im ersten Heimspiel gegen den SAK Klagenfurt kam es zu Zwischenfällen, nachdem ein Linzer eine Dose aufs Spielfeld warf und den Klagenfurter Alexander Lessnigg traf, brach der Schiedsrichter das Spiel ab. Obwohl die Linzer 3:2 führten, wurde das Spiel mit 3:0 für den SAK gewertet. Gleichzeitig bekam der Verein 1000 Euro Strafe (weniger schlimm…) und erhält für drei Spiele ein Platzsperre (schon deutlich schlimmer…). Die Spiele werden daher im Leichtathletikstadion zu Traun ausgetragen, ein Vorort von Linz, dessen größte Attraktion wohl die Einflugschneise des Linzer Flughafens sein dürfte. Aus diesem Grund dürfen trotz Flutlichtspiel auch keine Bengalos gezündet werden. Das dürfte aber die wenigsten Linzer interessieren, denn für diesen Spielort empfindet man nur eins: Hass. Wie lautete ein schönes Zitat des heutigen Abends: „Das ist kein Heimspiel, das ist kein Auswärtsspiel, das ist einfach nur Scheiße.“ Die Stimmung ist dementsprechend schlecht, wenngleich gegen Ende zunehmend besser (tzzzz, großdeutsches Gedankengut beim Lied „…von der Donau bis zur Elbe“, hehe). Bei dem Spielstand aber auch verständlich… In der Halbzeitpause übergibt das Stahlstadt-Kollektiv (Übergruppierung in der Fanszene) übrigens einen Scheck über 2500 Euro an den Verein. Das in der Fanszene gesammelte Geld soll für die Strafe verwendet werden, die der Verein vom Verband aufgebrummt bekommen hat. Gäste aus Spittal sind auch ein paar angereist, machen aber nicht sonderlich auf sich aufmerksam. Naja, wenigstens heute Abend einen schönen Non-League-Ground mitgenommen und die bekannten Linzer mal wieder gesehen (noch keine 2 Minuten im Stadion drin und schon mit dem Claudio ewig am labern über dessen Südamerika-Tour - dass Hopper auch nicht mal über das Wetter, Popstars oder das schwedische Königshaus quatschen können…). Der Abend ist aber noch lange nicht beendet. Wieder in Linz geht es zusammen mit Schwandl und Italo-Josef (der heißt nicht wirklich so, aber ich nenn den halt so) zum Würstl-Stand. Die Speise-Karte ist übrigens ein Relikt vergangener k.u.k.-Zeiten, egal ob Bosna, Lángos oder Debreziner - hier wird klar, welch Großreich Österreich einst war. Zusammen mit einigen bekannten Linzern macht man die Altstadt unsicher bis in die frühen Morgenstunden, einfach sich mal wieder gepflegt die Birne wegknallen, hehe. Rein ins Taxi und irgendwann um 4 Uhr morgens darf ich auf der Schwandlschen Couch Platz nehmen. Neben dem nächtlichen Asyl gibt es am nächsten Morgen noch einen Vöest-Seidenschal (der FC BW Linz ist der Quasi-Nachfolge-Verein vom SK Vöest Linz (Meister 1974), der 1997 mit dem Stadtrivalen LASK fusioniert ist und ihm daher folgerichtig der Rücken von den Fans gekehrt wurde) obendrauf, dazu Pins und Fanzines. Unglaubliche Gastfreundschaft mal wieder in Linz, die mir fast schon peinlich ist. Phantastisch, mit welch offenen Armen man als Stuttgarter in Linz immer empfangen wird. Und das kann man auch nicht mit einem einfachen „Danke“ quittieren. Gibt auf jeden Fall ne Revanche in Stuttgart!! Vielen Dank!
Österreich 3. Liga am 26.8.2006
SV Seekirchen vs. VfB Hohenems
4:1
Der Österreich-Ausflug ist aber noch lange nicht beendet. Etwas zu lange beim Schwandl rumgetrödelt, so wird die Straßenbahn zum Hbf verpasst. Aha, noch 10 Minuten, bis die nächste kommt, da kann man ja getrost die Strecke laufen und noch etwas Stadtflair einatmen. Muss ehrlich sagen, dass mir diese Stadt immer besser gefällt. Architektonisch kann sie ja ohnehin einiges, ist im Gegensatz zu anderen österreichischen Städten nicht so sehr schicki-micki, sondern hat wirklich Style. Und je mehr ich hier bin, desto mehr erfährt man davon, dazu noch die Erzählungen der Linzer… hier fühle ich mich wirklich wohl. Wie sagte einst auch schon der Albstädter: „Wenn ich Österreicher wäre, dann wäre ich bestimmt Linzer.“ Mit dem nächsten Intercity geht es ab nach Salzburg. Bis die Bimmelbahn nach Seekirchen am Wallersee kommt, streicht noch etwas Zeit ins Land, die für einen Sparziergang im Bahnhofsviertel genutzt wird. Viel zu sehen gibt es hier nicht, die Sightseeing-Tour im Stadtkern ist ohnehin erst für den Abend geplant. Gigantische 15 Minuten brauch die Bahn bis zum Wallersee, kein Akt also. Dort angekommen findet man einen sehr idyllischen und vom Klassenkampf unberührten Ort vor. Hier dürfte die ÖVP sicherlich die absolute Mehrheit haben, hehe. Haarsträubend wird es, als die Einheimischen nach dem Weg zum Stadion befragt werden. Über einen Feldweg soll es anscheinend gehen. Bitte was?? Und tatsächlich. Kurz nach dem letzten Haus des Ortes auf einer Anhöhe beginnt ein rund 20-minütiger Fußmarsch. Naja, kann man sicher auch in 10 Minuten schaffen, aber irgendwie war ich zu sehr von diesem Panorama angetan: Satte Wiesen, herrliche Luft, Alpen-Landschaft… wie im Heimatfilm! Also, T-Shirt aus und ein wenig Wallersee-Feeling tanken. Ja, da kommt selbst ein Stadtmensch wie ich ins Schwärmen. Ins Schwärmen kann man auch beim Stadion kommen. An und für sich ist das Teil nichts besonderes, Tribüne und drumrum nix. Allerdings handelt es sich hier um eine Doppel-Tribüne, die sich zwischen Haupt- und Nebenplatz befindet und in beide Richtungen mit Sitzschalen ausgestattet ist. Nicht übel… Hier wird übrigens 3 Tage später das U19-Länderspiel zwischen Österreich und Deutschland ausgetragen, worauf bereits zahlreiche Plakate hinweisen. Dürfte hier sicherlich ein echtes Highlight werden. Zumindest von der Torausbeute her ist auch der heutige Kick der Regionalliga West ein echtes Highlight, auch wenn Schwandls Fanzines hin und wieder doch deutlich spannender sind. Wenige Minuten vor dem Abpfiff setze ich schon die Segel, schließlich soll die Bimmelbahn noch erreicht werden.
Österreich 1. Liga am 26.8.2006
Red Bull Salzburg vs. FC Wacker Innsbruck
4:0
15 Minuten später ist der Salzburger Hbf erreicht. So, noch rund 3 Stunden bis zum Abpfiff im Salzburger EM-Stadion, nutzen wir doch die Zeit um mal am Salzach-Ufer schon mal einen kleinen Blick auf das Stadtbild zu erhaschen. Zwar bin ich bereits zum 6. Mal in dieser Stadt, aber das erste Mal bei Tageslicht. Und da präsentiert sich so eine Stadt bekanntlich immer ganz anders, hehe. Mit dem Bus geht es an den Salzburger Stadtrand, wo sich das EM-Stadion Wals-Siezenheim (welch kreativer Name…) befindet. Ein wenig als „Dosistan“ belächelt macht das Stadionumfeld nicht wirklich viel her. Lediglich ein riesiges Einkaufszentrum mit Namen „Europark“ bildet hier den zweifelhaften Höhepunkt. Zum Tiefpunkt des Abends kommt es definitiv am Kassenhaus, als ich eine Karte kaufen will: „Alles ausverkauft!“ Ach du scheiße. Hab mir schon gedacht, dass es hier voll werden dürfte (1. gegen 2. in der Tabelle, dazu bildet das Aufeinandertreffen beider Mannschaften das so genannte West-Derby (welches wohl recht gut gewesen sein muss, bevor Red Bull hier die Fanszene zerstört hat)), aber ausverkauft? In dem Moment bietet mir ein Japaner für 9 Euro eine Karte für die Haupttribüne an, ich kann mein Glück noch gar nicht fassen, da hat bereits ein anderer zugegriffen. Orrr, das darf nicht wahr sein. Gut, schauen wir uns mal um, vielleicht gibt es hier ja einen funktionierenden Schwarzmarkt. Aber leider aussichtslos, hier ist jeder damit beschäftigt, sich noch einen Schal aus der Red Bull-Kollektion um den Arm zu binden, sehr traurig das ganze. Nun gut, dann versuchen wir es halt am Gästeblock. Mache ich zwar sehr ungern, zwar bekommt man nicht alles perfekt von der Stimmung mit, aber bei einem Verein ohne Heimfans würde man ja eh nichts verpassen und so krieg ich ein wenig was von den Strukturen in der Innsbrucker Ultrá-Szene mit. Der Gästeblock ist bereits großräumig abgeriegelt, Unmengen an gepanzerten Cops prägen das Bild. Karten für den Gästeblock gibt es tatsächlich noch, dafür muss man aber durch die Polizisten durch. Dummerweise oute ich mich als neutraler Fan. Da hilft auch der deutsche Akzent nichts, die lassen einen nicht durch. Nun gut, auf der anderen Seite mache ich einen auf extremer Wacker-Fan und werde durchgelassen. Für 7 Euro ist man dabei, das ist unerwartet günstig. In diesem Moment kommen fünf Busse aus Innsbruck an, übel, wie plötzlich Scharen an Ultras mit Sonnenbrille, Kapuze über dem Kopf und stellenweise vermummt aus dem Bus stürzen. Geiles Bild. Mit dabei wohl auch einige Freunde der Ultras Frankfurt und aus Bergamo. Zudem hab ich einen Schal der Freak Brothers von Ternana entdeckt, das kann aber auch Zufall sein. Die Innsbrucker Ultras (Verrückte Köpfe 91, Nordpol, i furiosi) machen bereits ordentlich Rabatz, der italienische Stil bei Kleidung, Gesängen und Verhalten ist einfach nur geil. Doch erst mal schieben die Ordner Stress: Bis zu den Schuhen wird jeder Innsbrucker durchsucht (ich hab schon deutlich Panik, hab ich doch einen Linzer Schal im Rucksack, der nicht unbedingt gesehen werden wollte) und einzeln (!) fotografiert. Also auch Frauen, Kinder und Rentner. Da auch die Zaunfahnen nicht mit in den Block genommen werden dürfen, steht die Eskalation bereit. Die Capos stellen sich auf die Absperrungen und fordern alle Innsbrucker via Megaphon auf, das Stadion nicht zu betreten. Die meisten halten sich auch daran und treten zurück. Jedoch scheint man bei den Salzburgern besonnen und lässt die Fahnen dann doch rein, also alles wieder anstellen. Die Prozedur braucht extrem lange (ich selbst stehe weit über eine Stunde an und bin erst in der 20. Minute im Stadion), einigen Innsbruckern wird das zu bunt und sie klettern die Mauern (!!) vom Stadion hoch. Naja, die Tiroler sind halt ein Bergsteiger-Volk, aber trotzdem… Hammer! Oben wartet zwar schon die Polizei, der dann natürlich einige Gegenstände um die Ohren fliegen. Summa summarum ist hier also schon ne Menge los, was Vorfreude auf mehr macht. Noch mal kurz in die Kamera des Salzburger Ordnungsdienstes lächeln, dann darf auch ich rein. Insgesamt etwa 2000 Innsbrucker im Block (ist aber immer schwer das zu schätzen, wenn man mittendrin steht), die ordentlich Feuer machen. 90 Minuten Dauer-Support, schöne Melodien, ständig mehrere Fahnen in Bewegung, richtig geiler Italo-Style. Ständig gehen Böller in die Luft, Anfang der zweiten Hälfte gibt es noch ein Bengal-Tifo und gegen Ende des Spiels werden plötzlich mehrere Dutzend Doppelhalter in die Luft gehalten. Erstaunlich ist das vor allem auch, weil die Innsbrucker Mannschaft hier ja förmlich abgeschossen wurde. Im Endeffekt bin ich sehr zufrieden mit dem Gesehenen, auch wenn natürlich der Gegner auf den Rängen fehlt. Nach der Übernahme von Red Bull und dem Verändern der Vereinsfarben gründete der alte Austria-Anhang den Verein bekanntlich neu, die Salzburger Ultrá-Szene (Tough Guys 92, Ultras Unione 99) fährt seitdem ein paar Ligen weiter unten dem Verein hinterher. Auch heute hätte man am Nachmittag übrigens gespielt, allerdings ein Auswärtsspiel in der Pampa ohne gescheiten Zug- oder Busanschluss, somit für mich nicht erreichbar. Vorbei an Palästina-, Che Guevara- oder Antifa-Fahnen geht es für mich nach einigen Minuten Sinnieren im Stadion wieder raus auf die Straße, kurz die Polizei überzeugen, dass man nur zum Bahnhof und zurück nach Deutschland will, und ab zum Europark-Bahnhof. Nach „langer“ dreiminütiger Zugfahrt ist der Salzburger Hbf erreicht, bis der Nachtzug um 0.45 Uhr nach Feldkirch fahren soll ist somit noch etwas Zeit. Also, wieder ab zur Salzach und die Stadt anschauen. Mozart-Geburtshaus, Dom und die beeindruckenden kleinen Gassen fetzen schon, keine Frage. Vor allem der ständige Blick hinauf zur Salzburg und die kunstvolle Einbettung der alten Gebäude in die Berglandschaft (teilweise zieht sich direkt hinter den Häusern eine steile Felswand empor) überzeugen durchaus. Doch im Vergleich zu Linz punktet Salzburg nicht. Salzburg ist schön, Linz hat Stil - das ist für mich der klare Unterschied. Noch schnell an der Killerauge-Gedenk-Tankstelle Almdudler für die Fahrt gekauft, ein Käsekrainer darf es auch noch sein und dann ab zum Bahnsteig.
In diesem Moment fährt der Orient-Express nach Stuttgart ein, naja, kurz am überlegen ob ich einsteigen soll, aber mit nur noch abgezählten 17 Euro für das Baden-Württemberg-Ticket in der Tasche schwindet die Illusion, zehn Stunden früher zu Hause sein zu können, schließlich rechne ich einer Fahrt als blinder Passagier nicht viel Chancen ein. Die Nachtzug-Verbindung zum Bodensee ist zweifelsohne trotzdem eine gute Alternative, schließlich rollt der Zug in Feldkirch genau dann ein, wenn dort bereits schon der erste Zug nach Deutschland fährt. Da passt der Fahrplan einfach wie die Faust aufs Auge. Via Lindau und Ulm ist die Heimat somit am späten Vormittag wieder erreicht. Vermutlich war dies die letzte Fahrt mit dem ÖBB-Ferien-Ticket, die Zeit lässt keine weiteren Ösi-Ausflüge mehr zu. Wie ich meine habe ich das Ticket gut ausgenutzt und bis auf Pasching und Ried ist die österreichische Bundesliga sogar komplettiert. Wenn das mal kein schöner Sommer war…
