"Du musst das Gefühl haben, der schafft das"
Wolfgang Overath erklärt, was ein Führungsspieler ist
Herr Overath, wissen Sie, was ein Führungsspieler ist?
Ja, sicher.
Mit anderen Worten: Es gibt ihn also.
Warum sollte es ihn nicht geben?
Weil Führungsspieler nur noch wie ein plattes Modewort wirkt. Jeder ruft nach ihm, so wie jetzt
der FC Bayern, wo Verteidiger Sagnol kritisierte, Stefan Effenberg habe viel besser geführt als
Michael Ballack. Nur konnte keiner bislang erklären, was ein Führungsspieler genau macht.
Sie haben Recht, dass viel zu oft nach ihm gerufen wird. Das ist meist ein verlässliches Signal
für eine Krise. Wenn s gut läuft, ruft keiner.
Aber was ist denn jetzt ein Führungsspieler?
Mir fallen mindestens drei Eigenschaften ein. Erstens: die Leistung. Die anderen Spieler
wissen, dass dieser Führungsspieler im Normalfall besser ist als sie, auch wenn sie das nicht
gerne zugeben.
Okay. Zweitens?
Zweitens muss er eine gewisse Ausstrahlung haben.
Das ist auch so ein abstraktes Wort.
Ausstrahlung heißt: Vertrauen. Wenn es eng wird, musst du das Gefühl haben, der kann das
Spiel noch herumreißen. Der schafft das. Drittens muss der Führungsspieler auch abseits des
Platzes als Ansprechpartner anerkannt sein. Die Spieler müssen wissen: Zu dem kann ich
auch kommen, wenn ich privat Mist gebaut habe. Natürlich nützt es mir auf dem Platz nicht
direkt, wenn der mir helfen kann, dass ich mit meiner Frau wieder Frieden habe - aber als
Führungsfigur wird er auch an so was gemessen. Der Führungsspieler muss kein Sympath
sein, er muss auf dem Platz auch mal böse werden - aber trotzdem müssen die Kollegen das
Gefühl haben, dass er sie nicht kaputtmachen, sondern ihnen helfen will.
Gibt es heute weniger Führungsspieler als früher?
Auf jeden Fall. Das ist die gleichmacherische Zeit, in der wir leben: Schauen Sie sich um, es
gibt auch in Wirtschaft und Politik immer weniger charismatische Kapitäne.
Sehen Sie von der Tribüne, wer Führungsspieler ist?
Sofort. Man sieht, ob einer führt oder nur führen will - ob er nur herumfuchtelt wie ein
Verkehrspolizist, aber keinen Ball kriegt oder ob ihn die Mannschaft wirklich sucht.
Und was heißt das jetzt für den FC Bayern? Ist Ballack ein Führungsspieler? War Effenberg
einer?
Führungsfigur war Effenberg eindeutig. Er war zum Schluss zwar nicht mehr der überragende
Spieler, der man in dieser Rolle eigentlich sein muss, aber vielleicht war das bei diesem gut
besetzten FC Bayern in der Phase gar nicht so wichtig.
Und Ballack?
Bei ihm ist noch nicht sicher, ob er mal ein Führungsspieler wird - oder ob er einfach ein großer
Fußballer ist, der entscheidende Tore vorbereitet und schießt, ohne Führungsfigur zu sein.
Dann wäre er ein anderer Typ, das ist ja nichts Negatives. Ich glaube, man wird sehr bald
merken, wo Ballacks Weg hingeht - wahrscheinlich schon in den nächsten
Champions-League-Wochen.
Gespräch: Christof Kneer
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ballack wurde und wird immer noch zu sehr, sowohl beim fc bayern als auch in der nationalelf zu sehr in diese führungsrolle hineingedrängt. er ist sicherlich ein großer spieler und unsre hoffnung für die WM 2006, doch bis dahin wird er sich noch weiter entwickeln und noch ein ganz großer werden, deshalb sollte man ihn einfach spielen lassen, das kommt mit der zeit, da bin ich mir sicher!
Kickers Stuttgart allez !