Man kann die Artikel nun doch noch im Internet finden: Die Leonberger Kreiszeitung hat die gleichen Artikel wie die Stuttgarter Nachrichten, und die Kickers-Homepage hat den Spielbericht aus der Stuttgarter Zeitung in der Presseschau archiviert!
Leonberger Kreiszeitung (StN):
Fußball-Regionalligist schlägt den SC Pfullendorf mit 3:1 - Präsident Kullen wertet Trainerwechsel als Erfolg
Der neue Trend: Die Kickers spielen wieder
Stuttgart - Die Stuttgarter Kickers spielen wieder Fußball. Der 3:1(1:0)-Erfolg des Regionalligisten gegen den SC Pfullendorf hat zudem gezeigt: Die Handschrift des neuen Trainers Robin Dutt ist deutlich zu erkennen.
VON DIRK PREISS
Es ist in den vergangenen Monaten nicht gerade oft vorgekommen, dass sich der Trainer des Gegners dazu hinreißen ließ, die Kickers zu loben. Es musste also etwas Besonderes passiert sein, als Günter Rommel nach dem Spiel erklärte: "Hut ab vor der Entwicklung der Kickers in den letzten drei Spielen.'' Das Beste an der Sache: Der Coach des SC Pfullendorf bezog sein Lob auf die spielerische Leistung der Blauen.
Und diese ist tatsächlich der augenfälligste Unterschied im Spiel der Stuttgarter Kickers, seit Robin Dutt das Ruder von Rainer Adrion übernommen hat. Die Blauen sind wieder in der Lage, Ball und Gegner über einen längeren Zeitraum zu kontrollieren - und den Zuschauern das Gefühl zu vermitteln, sich nicht zu einem Kreisligaspiel verirrt zu haben. Der neue Trend zieht sich durch alle Mannschaftsteile.
Die Abwehr: Wer zuletzt Alexander Malchow beim Spielaufbau beobachtet hatte, der vermutete englische Vorfahren bei dem 34-Jährigen. Lang und hoch nach vorne - das war's. Nun ist der Abwehrchef plötzlich das erste Glied im konstruktiven Spielaufbau und verteilt die Bälle vorwiegend auf die Außenpositionen. Auf rechts verteidigt Sascha Benda - der vor der Saison noch als Spielmacher galt. "Wir müssen einfach den Mut haben, technisch starke Spieler in der Defensive einzusetzen'', erklärt Dutt.
Das Mittelfeld: Mustafa Akcay bildet zusammen mit Heiko Gumper ein ideales Duo. Der zweikampfstarke Gumper erobert die Bälle, Akcay verteilt oder verteidigt sie. Statt zermürbender Steilpässe gibt es sicheres Kurzpassspiel zu sehen.
Der Sturm: Das Kombinationsspiel über mehrere Stationen nach vorne kommt den Stürmern entgegen. Den Spitzen fehlt es zwar noch immer an Durchschlagskraft und Zielsicherheit, doch immerhin erarbeiten sie sich zahlreiche Möglichkeiten. "An der Auswertung müssen wir noch arbeiten'', fordert Dutt. Gegen Pfullendorf vergab allein Eric Obinna gleich vier Großchancen.
Dafür sprangen Sascha Benda, Patrick Milchraum und Suad Rahmanovic in die Bresche. Der Erfolg gegen Pfullendorf hat gezeigt: Dutts Handschrift ist deutlich zu erkennen. Und das bestätigt die Vereinsführung in ihrer Entscheidung zum Trainerwechsel. Präsident Hans Kullen: "Es wird alles umgesetzt, was der Coach vorgibt - man kann sagen: Der Schritt hat sich gelohnt.''
Kickers: Köstel - Benda (90. Cast), Barth, Malchow, Stierle - Braun (81. Steinle), Gumper, Akcay, Milchraum - Mesic (77. Rahmanovic), Obinna.
http://www.leonberger-kreiszeitung.de/d ... 0070.shtml
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StZ:
Kickers: Ein Sponsor für die Tore - Beim 3:1-Sieg ist vieles anders - und auch die Handschrift des neuen Trainers ist schon zu erkennen
Das höchste Lob kommt vom Gegner. "Ich habe die Kickers zuletzt dreimal gesehen, jede Woche haben sie 20 Prozent zugelegt", sagt Pfullendorfs Trainer Rommel. Doch trotz des 3:1 bleiben die Blauen auf einem Abstiegsplatz in der Regionalliga.
Es ist in letzter Zeit bei den Stuttgarter Kickers viel von Sponsoren die Rede gewesen. Den Worten folgten nun Taten, wie die 2680 Zuschauer am Samstag deutlich vernehmen konnten. Denn die Tore wurden erstmals von einem Werbepartner präsentiert - verbal. Dessen Einstand hätte nicht besser sein können, vier Treffer gab es diese Saison schließlich noch nie im Waldaustadion, und hätte Stürmer Eric Obinna seine hundertprozentigen Chancen besser genutzt, wäre es für die Firma LEG die Krönung gewesen. Das war es für Pfullendorfs Günter Rommel so oder so: "Ich habe die Kickers jetzt dreimal hintereinander gesehen, und jede Woche haben sie zwanzig Prozent zugelegt", sagte er nach der 1:3-Niederlage seiner Mannschaft, "das gegen uns war sicher das Sahnehäubchen."
Abgesehen von der Chancenauswertung war denn auch der Kickers-Trainer Robin Dutt zufrieden, dessen Handschrift schon nach drei Spielen erkennbar wurde - und zwar ohne einen Grafologen zu bemühen.
Zum Beispiel an der Aufstellung von Sascha Benda. Der Torjäger der vergangene Saison wurde kurzerhand auf die rechte Seite der Viererkette beordert. Dutts Begründung: "Wenn wir spielerisch besser werden wollen, müssen wir akzeptieren, dass wir technisch starke Leute auf defensiven Positionen aufstellen." Zumal es der Spieler auf die ihm eigene Art akzeptierte. "Die Position habe ich beim KSC auch schon gespielt." Und die Tore muss er dann eben aus Standards machen. Vor dem Freistoß zum Führungstreffer bewies der Trainer beinahe hellseherische Qualitäten, wie sich später herausstellte: "Ich habe zum Stadionsprecher gesagt: Schreib auf, eins zu null, 45. Minute, Benda." Dass sich Dutt in dieser Situation vom Spielfeld abwandte, nennt man blindes Vertrauen.
Ein blindes Huhn findet zwar auch mal ein Korn, doch auf Zufall war das Spiel der Kickers am Samstag wahrlich nicht abgestellt. "Wir haben im Training unheimlich viel Kurzpassspiel geübt", sagte Marvin Braun, der unter Dutt förmlich aufblüht. Und in den klein gewachsenen Gumper und Akcay haben die Kickers eben auch zwei (Mittelfeld-)Akteure, denen diese Spielweise auf den Leib geschnitten ist. Hinzu kommt, dass Benda und Braun (rechts) sowie Stierle und Milchraum (links) das zuletzt recht lahme Flügelspiel enorm beleben. Wobei Milchraum seine starke Vorstellung mit dem vorentscheidenden 2:0 krönte.
Der Mittelfeldspieler ist ja zum Objekt der Begierde geworden, gewissermaßen der Kevin Kuranyi der Regionalliga, obwohl der 19-Jährige selbst betont: "Eigentlich will ich nicht vorzeitig von den Kickers weg." Doch wenn es unbedingt sein muss - dann ist der VfB nicht die schlechteste Adresse. "Der setzt ja auf die Jugend, da wäre ich nicht abgeneigt." Wobei der Präsident Hans Kullen nach dem Spiel eine neue Variante mit dem Junioren-Nationalspieler Milchraum ins Spiel brachte. "Vielleicht gibt es ja eine Lösung, dass er nach der Winterpause trotzdem bei uns weiterspielt." Er denkt wohl daran, eine Art Vorvertrag abzuschließen.
Zuletzt hatte Kullen sich ja eine gewisse Übung in Vertragsauflösungen angeeignet, doch inzwischen fühlt er sich diesbezüglich bestätigt: "Ich bin überzeugt, dass sich diese Schritte auszahlen werden. Und wenn das Sportliche stimmt, läuft auch das andere. Sie wissen schon, was sich meine." Die Werbemaßnahmen zum Beispiel. Denn inzwischen werden nicht nur die Tore von einem Sponsor präsentiert, sondern auch die Auswechslungen. Ob deshalb Joachim Cast in der 90. Minute noch als dritter Spieler von der Bank auf den Platz musste? Immerhin hieß es dadurch noch einmal so nett: "Novadentis macht schöne Zähne zahlbar."
Bleibt zu hoffen, dass sich das auch für die Kickers auszahlt.
Joachim Klumpp