Mainzer Fußball-Profis arbeiten intensiv und konzentriert, um sich wieder auf das Wesentliche zu besinnen
Vom 18.11.2003
Das schlechte Gefühl muss weg. Mainz 05 arbeitet dran. Der bärenstark in die Saison gestartete Zweitligist geht seit Sonntag in einem Kurztrainingslager in der Erbismühle gegen seinen momentanen Durchhänger vor. Nur ein Sieg in den letzten sechs Partien - das wurmt mächtig und nagt inzwischen am Selbstbewusstsein. Trainer Jürgen Klopp hat seine Kicker zusammengezogen, um ihnen nach der verblüffend schlechten Leistung beim 1:3 gegen Fürth eine Rückbesinnung auf das Wesentliche ihres Jobs zu ermöglichen.
Von unserem Redaktionsmitglied
Volker Schütz
Drei Tage Fußball pur, drei Tage rund um die Uhr zusammen mit den Kollegen - nicht jedermanns Sache, aber schließlich ist ja auch nicht jeder Fußballprofi. Für diesen Berufszweig stellen solche "Gruppenreisen" nichts besonders Dramatisches dar, auch wenn es beispielsweise bei den Bayern neulich bei einer ähnlichen Gelegenheit hieß, Trainer Ottmar Hitzfeld habe seine Mannschaft am Tegernsee "kaserniert".
Von "Kasernenhof" ist im Naturpark Hochtaunus nun wirklich nichts zu spüren. Klar, es ist intensiv, was die 05er fern des Bruchwegs betreiben. Zwischen Wolfsküppel (545 m), Pfaffenkopf (587 m) und Kuhbett (526 m) geht es rund. In der an der Weil gelegenen Erbismühle, in der schon Altbundestrainer Helmut Schön einst seine Nationalmannschafts-Schäfchen um sich versammelte, wird gewohnt, werden die müden Knochen gepflegt und ausgiebig per Videoanalyse am taktischen Konzept gearbeitet. Sonntagabend waren die Defensivkräfte dran, die anhand von Aufzeichnungen einer Hintertorkamera von Klopp vorgeführt bekamen, was ihm in der Partie gegen Fürth geschmeckt hatte und was nicht. Zwei Stunden gingen dabei locker drauf. Gestern Abend gab´s dann "Heimkino" für die Offensivkräfte - die hatten nun mal gegen die Fürther auch kaum was zusammengebracht.
Was angesprochen wird, kann gleich auf dem Rasen des TuS Weilnau in Riedelbach in die Tat umgesetzt werden. Gestern ging´s gleich zweimal zum fünf Kilometer entfernt gelegenen Gelände. "Es geht um das richtige gruppentaktische Verhalten", so Klopp, der das Training immer wieder unterbricht, um zu erklären und zu erklären und noch mal zu erklären. Teils lässt der Coach seine Mannen neun gegen sechs über das halbe Feld spielen, auf der einen Seite Christian Wetklo im Kasten, auf der anderen Seite wechseln sich Sven Hoffmeister und Dimo Wache ab. Klopp: "Man sieht, wie schwer es ist, sogar bei einer solchen Unterzahl Tore zu erzielen, wenn die Laufwege stimmen." Es geht höchst konzentriert zu - keine Diskussionen, kein Gemecker. Nur Klopps Stimme ist zu hören. Das reicht ja auch.
Am Nachmittag ist dann eine größere Trainingsgruppe zugange. Im Vergleich zum Vormittag sind Peter Neustädter, Torsten Ziegner, Stefan Kühne und Claudius Weber dabei. Das Quartett, das am Samstag noch im Amateurteam beim 2:2 in München gespielt hatten, war am Morgen unter anderem "durch die Hände" von Physiotherapeut Uli Märten gegangen. Auch Niclas Weiland, der nach seiner Verletzung langsam wieder ans Team herangeführt werden soll, hatte am Morgen noch pausiert. "Einmal am Tag - das soll für Niclas vorerst noch reichen", erklärte Teammanager Axel Schuster. Gar nicht ins Training eingreifen konnten Mimoun Azaouagh und Rajko Tavcar, die es bei Reha-Maßnahmen bewenden lassen müssen - und die natürlich auch in den Sitzungen dabei sind.
Heute ist mit dem "Intensivkurs" dann schon wieder Schluss: Noch eine Übungseinheit am Vormittag, dann noch eine Teamsitzung nach dem Mittagessen - und schon geht´s zurück nach Mainz. Schließlich wird der eine oder andere bereits am Mittwoch im Heimspiel der Regionalliga-Amateure gegen die Stuttgarter Kickers (19 Uhr) zu sehen sein. Und der "große Rest" wird fortan nur noch die Aufgabe am Freitag bei den Duisburger "Zebras" im Kopf haben. So stellt sich Klopp das jedenfalls vor. Damit das schlechte Gefühl weggeht...
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zum Glück spielt zumindest deren Erste schon am Freitag, so werden sie hoffentlich auch den ein oder anderen schonen. Schlimmer wär's, wenn die erst am Sonntag n Spiel hätten. Aber ich bleib dabei: Vor den Mainzer sollten wir uns nicht schon vor dem Spiel in die Hosen machen. Aus-Aus-Auswärtssieg
