Sogar an den Linksverkehr gewöhnt
Wenn David Yelldell heute daran denkt, dass er vor knapp 15 Monaten noch bei der TSG Backnang in der Fußball-Landesliga zwischen den Pfosten stand, muss der 22-Jährige über die weitere Entwicklung seiner Karriere selbst staunen. Inzwischen ist er bei dem englischen Premier-League-Club Blackburn Rovers zum Ersatztorwart hinter US-Nationalkeeper Brad Friedel aufgestiegen.
Zuletzt zwang ihn eine Schulterverletzung zu einer Zwangspause, die der 1,94 Meter große Fußballer zum Kurzbesuch in der schwäbischen Heimat nutzte.
VON JÜRGEN KLEIN
Bereits in der Jugend zeigte Yelldell, der über seinen früheren Mitspieler Andreas Nickel sowie den aktuellen TSGKicker Adam Adamos immer noch über den Fußball im Raum Backnang informiert ist, sein großes Können. Zunächst beim Nachwuchs der Stuttgarter Kickers, dann im Talentschuppen des Etzwiesenclubs. Den Roten blieb er auch zu Beginn seiner Aktivenzeit treu, ehe ihn der Lockruf aus Degerloch ereilte. Der Wechsel zu den Blauen stand jedoch unter keinem guten Stern: Eine Chance im Regionalliga-Team der Kickers bekam er trotz glänzender Kritiken bei den Oberligaeinsätzen nie. Der Aspacher Spielerberater Uli Ferber reagierte und knüpfte Kontakte nach England. Die Blackburn Rovers suchten einen jungen, talentierten Keeper. Yelldell flog auf die Insel, überzeugte beim Probetraining und erhielt einen Vertrag ab Juli diesen Jahres.
Der Deutsch-Amerikaner machte sich auf eine lange Lehrzeit mit Torwarttrainer Roy Tunks gefasst, der jeden Tag ein hartes Programm durchzieht. Schließlich zählt neben Friedel auch der irische Nationaltorwart Alan Kelly zum Kader der Briten. Also schuftete und schwitzte David Yelldell zunächst nur bei Übungseinheiten: "Ein richtiges und regelmäßiges Torwarttraining hatte ich zuvor noch nie gehabt. Das war schon eine große Umstellung." Doch der dunkelhäutige Keeper mit der Konfektionsgröße XXL hängte sich mächtig rein und trat in der Nachwuchsrunde an: "Das sind starke Teams der PremierLeague-Clubs. In der Partie gegen Liverpool habe ich beispielsweise gegen den deutschen Nationalspieler Didi Hamann gespielt."
Der Lehrling überzeugte seinen Meister. Als sich Kelly verletzte, entschied sich Graham Souness, der Coach und Manager in Personalunion ist, keinen neuen zweiten Mann zu verpflichten, sondern den Jungspund auf die Bank zu setzen. "Das ist schon ein wahnsinniges Gefühl. Diese Atmosphäre, diese Stimmung. Das hat mich schon beeindruckt", sagt der 22-Jährige. Verständlich, wenn man allein an die Gesänge von über 32 000 Fans im Ewood Park von Blackburn denkt. Bei vier Partien der PremierLeague stand der ehemalige Landes- und Oberligaspieler im Kader der Rovers, ehe er sich im Training an der Schulter verletzte. Zwei Wochen Pause. Nun reagierte Ex-Nationalspieler Souness doch und verpflichtete mit Peter Enkelmann von Aston Villa einen neuen Ersatztorwart. Allerdings nur für einen Monat, was Yelldell als Vertrauensbeweis seines Trainers wertet: "Das heißt, ich habe nun zwei Wochen Zeit, um mich im Training wieder an das Team heranzukämpfen."
US-Olympiaauswahl:
Yelldell bei Lehrgang dabei
Offenbar setzt nicht nur Souness große Hoffnungen in den 87 Kilogramm schweren Torhüter. Glen Myernick, Trainer der amerikanischen Olympiaauswahl, sprach Yelldell bereits an und hat ihn zu einem Lehrgang eingeladen. Es ist zusätzliche Motivation, denn: "Olympiaauswahl oder Nationalmannschaft, das wäre das Größte." Kein Wunder, dass er im Rückblick auf den bisherigen Verlauf seiner Karriere "alles noch einmal genau so machen würde". Mittlerweile hat der Schwabe eine Zwei-Zimmerwohnung im Stadtteil Whally bezogen und sich richtig eingelebt. "Selbst mit dem Auto habe ich trotz des Linksverkehrs kaum noch Probleme", sagt der Schlussmann lachend. Nur noch die Slangs einiger englischer und schottischer Mitspieler bringen ihn hin und wieder in Schwierigkeiten. Mit den Bällen, die auf seinen Kasten zufliegen, hat er dagegen meist weniger Probleme.
Der Mann, der sich in seiner knapp bemessenen Freizeit mit Musik, Computer und Basketball beschäftigt, ist jedoch kein Träumer. Dafür geht im Fußballgeschäft alles viel zu schnell. Aber David Yelldell wirkt entschlossen genug, um sich weiter nach oben zu arbeiten: "Ich fühle mich in Blackburn wohl und werde weiter um meine Chance kämpfen."
http://www.bkz-online.de/modules/news/a ... ryid=37562
David Yelldell
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kleine Antwort: Weil man einem Spieler schlecht erklären kann, weshalb er bei einem drittklassigen Taubenzüchterverein auf der Bank hocken soll, wenn er das auch bei den Blackburn Rovers machen kann.südzecke hat geschrieben:kleine Frage:
Wieso haben die Kickers eigentlich diesen jungen talentierten Torwart abgegeben?
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Überlinger