STZ-Berichte zu ADM vom 08.04.2004

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BlauerHarry
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STZ-Berichte zu ADM vom 08.04.2004

Beitrag von BlauerHarry »

Trauerflor am Samstag

Zum Tode eines Grandseigneurs

Der Tod von Axel Dünnwald-Metzler hat nicht nur bei den Stuttgarter Kickers Spuren hinterlassen. Politiker, Sportler und Funktionäre trauern um den Ehrenpräsidenten des Fußball-Traditionsvereins aus Degerloch.

Bis zuletzt ist Axel Dünnwald-Metzler so etwas wie ein Hoffnungsträger bei den Stuttgarter Kickers gewesen. "Vielleicht kann er die Differenzen zwischen dem Präsidenten Hans Kullen und dem Hauptsponsor Eduardo Garcia ausräumen", sagte ein Vereinsmitglied noch dieser Tage. Dazu wird es nach dem Tod von ADM (wie in einem Teil unserer Ausgabe bereits berichtet) nicht mehr kommen, solcherlei persönliche Animositäten müssen nun andere aus der Welt schaffen.

Den Stellenwert des ehemaligen Kickers-Präsidenten dokumentiert der Ministerpräsident Erwin Teufel: "Mit ihm verliert Baden-Württemberg einen überzeugten Förderer des Sports und ein Vorbild für das so wichtige Engagement in unserem Land." 24 Jahre lang hat der Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande den Sport in Stuttgart mitgeprägt, das weiß auch der Oberbürgermeister Wolfgang Schuster: "Er war ein Grandseigneur des Sports und zugleich ein herzlicher, liebenswerter Mensch", sagte Schuster, der beim letzten Heimspiel selbst im Waldaustadion war. Ähnlich äußerte sich auch der Sportkreisvorsitzende Werner Schüle: "Wir haben einen großartigen Menschen, vorbildlichen Funktionär und einen guten Freund verloren, dem wir viel zu verdanken haben."

Vor allem natürlich die Stuttgarter Kickers. So sieht es auch der DFB-Präsident und langjährige Weggefährte Gerhard Mayer-Vorfelder. "Ohne ihn gäbe es die Kickers nicht mehr. Durch unsere freundschaftlichen Beziehungen ist auch - bei aller Konkurrenz - das Verhältnis zwischen den Kickers und dem VfB sehr persönlich geprägt worden."

Beim SV Stuttgarter Kickers hinterlässt der Tod Spuren. "Wir sind zutiefst bestürzt und erschüttert. Unser Mitgefühl gilt seiner lieben Frau Ursi, den beiden Kindern sowie allen trauernden Familienangehörigen", sagt der Präsident Hans Kullen. Auch dem Trainer Robin Dutt ging die Nachricht "sehr nahe. Er war schließlich derjenige, der mich hier eingestellt hat", sagte der 39-Jährige, dem vor allem eines haften blieb: "ADM hat es verstanden, mit sehr wenigen Worten deutlich zu machen, was er erwartet." Dass die sportlichen Erfolge zuletzt eher selten waren, dürfte Dünnwald-Metzler am meisten geschmerzt haben. Seit der Hauptversammlung im Sommer 2003 war er Mitglied des Aufsichtsrates, der durch den Todesfall nun auf die laut Satzung geforderte Mindestzahl von fünf Personen geschrumpft ist. Inwieweit das Auswirkungen auf die Handlungsfähigkeit des Vereins hat, wollte und konnte gestern noch niemand sagen. Der Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Jürgen Wetzel sagte nur: "Die Kickers waren ADM."

"Leider ist es in Mode gekommen, solche Leistungen im Nachhinein kleinzureden", sagt Gerhard Mayer-Vorfelder. "Deshalb sei noch einmal gesagt: Er hat sich für den deutschen Fußball und im Besonderen für die Stuttgarter Kickers sehr verdient gemacht."

ADM war vor neun Jahren auch maßgeblich am Aufbau des "Kickers-Treffs" für die älteren Vereinsmitglieder beteiligt, der sich heute (17.30 Uhr) zu Ehren Dünnwald-Metzlers im Klubheim zusammenfinden wird. Außerdem wird die Regionalligapartie am Samstag gegen Feucht wie geplant ausgetragen, nachdem kurzfristig eine Absetzung erwogen worden war. "Ich denke, das ist in seinem Sinne", sagt Robin Dutt, dessen Mannschaft mit Trauerflor auflaufen wird. Außerdem wird es eine Gedenkminute geben. ump

08.04.2004 - aktualisiert: 08.04.2004, 06:15 Uhr





Der Tod von ADM - ein Schock für die Kickers

Der Verein war Axel Dünnwald-Metzlers Leben: ob als Spieler oder im Präsidentenamt, das er im vergangenen Sommer nach 24 Jahren abgegeben hat

Die Stuttgarter Kickers und der Sport in der Landeshauptstadt beklagen den Tod von Axel Dünnwald-Metzler. Der Ehrenpräsident der Blauen verstarb im Alter von 64 Jahren an Lungenkrebs.

Von Joachim Klumpp

Sein nummerierter Sitz auf der Haupttribüne ist in dieser Saison stets leer geblieben. Er war tabu. Die anderen Kickers-Honoratioren wagten sich allenfalls in die Nähe von Axel Dünnwald-Metzlers Stammplatz genau auf Höhe der Mittellinie. Irgendwie schwebte über alledem der Wunsch, der Ehrenpräsident würde wiederkommen nach Degerloch - und zu den Heimspielen. Doch diese Hoffnung starb mit seinem Tod am Dienstag. Der Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Jürgen Wetzel sagt stellvertretend: "Das ist ein Schock für uns alle." Für die Mitglieder, die Spieler, die Trainer, die Freunde des Vereins. Den Kickers fehlt nun ihre Galionsfigur. Fast ein Vierteljahrhundert lang stand ADM, wie ihn alle Welt nur nannte, an der Spitze des Klubs, von dem er einmal sagte: "Die Kickers sind mein Leben." Und sein Lebenswerk.

Niemand wusste das besser als seine Familie: die beiden erwachsenen Kinder Alexandra und Alexander - und natürlich seine Frau Ursi, die im Waldaustadion häufig neben ihrem Gatten saß und ihre Liebe zum Verein mit den blau lackierten Fingernägeln prägnant zum Ausdruck brachte. ADM gehörte zu Degerloch wie der Fernsehturm. Erst hielt er als Verteidiger Ende der fünfziger Jahre die Knochen für die Kickers hin, seit 1979 als Präsident den Kopf. Unvergessen bleibt in diesem Zusammmenhang seine Antwort auf die Frage: wie wird man Millionär? "Wenn man Multimillionär ist - und dann Präsident der Stuttgarter Kickers wird."

Bereits an seinem ersten Tag als Kickers-Chef, so ist es überliefert, soll er mit 600 000 Mark auf der Geschäftsstelle aufgekreuzt sein, um die größten Finanzlöcher zu stopfen. Nach und nach steigerte sich sein Engagement auf einen zweistelligen Millionenbetrag, mit dem er seine Blauen vor noch mehr roten Zahlen bewahrte - auch wenn zuletzt nur durch den Verkauf des Vereinsgeländes die Insolvenz vermieden werden konnte.

Geld war eben schon immer ein knappes Gut auf Degerlochs Höhen. Dabei sprach der Volksmund der Stadt im Zusammenhang mit den Kickers gerne vom blauen Adel. Und der verpflichtet - das wusste auch der Sohn eines Staatskapellmeisters an der Stuttgarter Oper. In ADMs Amtszeit fällt eine vorbildliche Nachwuchsarbeit mit bekannten Namen, allen voran Jürgen Klinsmann, Karl Allgöwer oder Guido Buchwald. Immer wieder führte Dünnwald-Metzlers persönlicher Draht die Aushängeschilder zurück auf die Waldau, der Weltmeister Buchwald sprang sogar vorübergehend als sportlicher Berater ein. Ehrenamtlich, wohlgemerkt. Oder anders ausgedrückt: dem Präsidenten zuliebe. Wahrscheinlich waren es solche Erfahrungen, die Axel Dünnwald-Metzler gerne anführte, wenn er von seiner Kickers-Familie sprach.

Doch die blieb von Rückschlägen nicht verschont - der Klub stieg bis in die Niederungen der Regionalliga ab, eine bittere Wahrheit, die für den Vereinsgranden nur schwer zu akzeptieren war. Axel Dünnwald-Metzler und seinen diversen Präsidiumskollegen ist es nicht gelungen, die Fußballer im Profibereich zu etablieren. Der sportliche Weg glich einer Achterbahnfahrt: Pokalendspiel 1987 in Berlin; ein Jahr später der lang ersehnte Aufstieg in die Bundesliga und postwendend der Abstieg; zweite Liga, aber nicht auf Dauer; wieder hoch (1991) und doch gleich wieder runter; Abstieg in die dritte Liga (1994), Wiederaufstieg danach - seit drei Jahren nun Dauergast in der dritten Liga. Und ein Ende ist nicht absehbar.

Die zweite Geige spielte der Verein ja immer schon im Schatten des beinahe übermächtigen Lokalrivalen VfB. Doch das war noch zu verkraften, zumal der Kickers-Präsident mit seinem Kollegen Gerhard Mayer-Vorfelder stets ein freundschaftliches Verhältnis pflegte. Zum offiziellen Abschied nach 24 Jahren als Präsident der Kickers im Juli vergangenen Jahres hielt MV eine flammende Hommage auf den Duzfreund. Der Tenor: "Ohne ihn wären in Degerloch schon lange die Lichter ausgegangen."

Allen Unwägbarkeiten zum Trotz konnte ADM immer wieder Erfolge vorweisen. Der Ausbau des Waldaustadions in ein Schmuckkästchen wurde unter seiner Regie verwirklicht, auch wenn der Präsident vor der Einweihung der überdachten Gegengeraden an seine Pappenheimer dachte und mit der ihm eigenen Ironie orakelte: "Ich warte auf den Tag, an dem einer kommt und sich beschwert, dass er jetzt während des Spiels im Schatten stehen muss."

Axel Dünnwald-Metzler stand häufig im Mittelpunkt, ein wenig Eitelkeit gehört eben auch zu einem Fußball-Funktionär. Zumal, wenn er es in den Gremien des Deutschen Fußball-Bundes und später der Deutschen Fußball-Liga zu bundesweiter Reputation gebracht hat. Letztendlich galt sein Hauptaugenmerk aber stets den Blauen, erst recht nachdem der Inhaber einer Firma für exklusive Brillen (ADM Silhouette) den Vertrieb vor einigen Jahren eingestellt hatte.

Eine gewisse Zeit lang wickelte er im Stammhaus in Fellbach noch einmal wöchentlich die Geschäfte ab, meist am Montag. Viel wichtiger aber war Axel Dünnwald-Metzler ein anderer Termin: der "heilige Mittwoch", den er wenn irgendwie möglich auf der Anlage des Tennisklubs Rot-Weiß in Heslach verbrachte, zum Beispiel bei einer Runde Skat und einem (oder auch zwei) Schorle. Vielleicht schöpfte er aus diesen Stunden am Waldesrand seine Kraft, die Kickers so lange über Wasser zu halten. Der ehemalige Manager Kahraman Erdin jedenfalls zeigte sich immer wieder aufs Neue beeindruckt von Dünnwald-Metzlers Engagement: "Er ist ein Kämpfer - er hat nie aufgegeben."

Bis ihn der Krebs jetzt besiegte.

Aktualisiert: 08.04.2004, 06:15 Uhr
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