Nur Karlsruhe kann Karlsruhes Aufstieg verhindern
Acht Punkte Vorsprung, 45 Zähler nach 19 Spielen - der Karlsruher SC dominierte bis zur Winterpause. Und dennoch, wäre die Saison jetzt beendet, der Aufsteiger in die Regionalliga hieße SSV Ulm.
Denn die große Unbekannte im Aufstiegsrennen ist das Profiteam des KSC. Sollte der Vorletzte der Zweiten Liga in die Regionalliga abstürzen, müssten die Amateure in der Oberliga bleiben. Und dann wird's richtig spannend. Denn die Verfolger Ulm, Freiburg, Reutlingen, Sandhausen und Crailsheim liegen nur fünf Punkte auseinander.
Das Topduo
Im Sommer schnappte Nöttingen dem Karlsruher SC die Meisterschaft auf der Zielgeraden weg. Dass dem KSC Ähnliches wieder passiert, befürchten nach einer beinahe fast perfekten Hinserie wohl nur die größten Pessimisten. Die Rasselbande von Trainer Edmund Becker beherrschte die Konkurrenz nach Belieben, blieb die ersten 15 Spiele ungeschlagen, erzielte die meisten Tore und kassierte die wenigsten. Nicht zu vergessen die 5:0- bzw. 4:1-Lehrstunden, die der KSC den direkten Verfolgern Ulm und Freiburg erteilte. Die Regionalliga ist zum Greifen nahe, wenn da nicht die eigenen Profis wären - es kann wohl nur Karlsruhe Karlsuhes Aufstieg verhindern. Der SSV Ulm 1846 spielt die dritte Saison in der Oberliga, für die Ansprüche des ambitionierten Ex- Bundesligisten zu wenig. Die Rücckehr in die Regionalliga lautet das ersehnte Ziel. Und die Saison begann gut für die "Spatzen". Die Mannschaft blieb die ersten neun Spiele ungeschlagen, verpasste aber die Big-Points. Die Vergleiche mit den direkten Konkurrenten gingen alle verloren. Positiv: Ulm überwintert auf Platz zwei und würde derzeit aufsteigen.
Die Nachhut
Eine Defensivtaktik und Torjäger Sanel Bradaric sollten dem FV Lauda einen einstelligen Tabellenplatz bescheren. Dieser Plan ging jedoch nicht auf. Zwar konnte Bradaric mit sieben Treffern den nach Reutlingen abgewanderten Christian Haas ersetzen, aber 33 Gegentore waren zu viel. Lauda hat mit nur elf Punkten den Anschluss schon etwas verloren. Trainer Pilipovic wollte in Villingen etwas aufbauen, ein Platz in der oberen Tabellenhälfte sollte es schon sein, mittelfristig die Regionalliga. Weit gefehlt. Wie schon beim letzten Gastspiel vor zwei Jahren ist der FCV im Souterrain der Tabelle zu Hause - nächste Ausfahrt Verbandsliga.
Die Trainerwechsel
Dass sich bis zum Jahreswechsel bei acht Klubs das Trainerkarussell drehte, ist beachtlich, aber nicht ungewöhnlich. Dass in fünf Fällen der Wechsel unabhängig vom sportlichen Erfolg erfolgte, verdient dagegen besondere Erwähnung. So beendete Waldhof-Coach Eugen Hach Anfang November sein Oberliga-Intermezzo und folgte dem Ruf von Zweitligist Oberhausen. Seitdem fungiert Sportdirektor Maurizio Gaudino auch als Trainer. Beim Stadtrivalen VfR spielten sportliche Gründe wohl auch keine Rolle als Gernot Jüllich - nach Vereinsangaben - zurücktrat. Der Übungsleiter, dem vom Präsidium Mängel in Taktik und Disziplin vorgeworfen werden, fühlt sich indes hinausgemobbt. Bis ein Nachfolger gefunden ist, übernimmt Miguel da Silva den Trainerposten. Spektakulär auch die Wechsel in Ulm und Heidenheim. Quasi über Nacht eisten die "Spatzen" vor vier Wochen Markus Sorg vom Heidenheimer SB los. Grund: Sorg verfüge über die nötige Erfahrung, um die Ulmer Ziele zu erreichen. In Heidenheim war die Überraschung über die Nacht-und-Nebel-Aktion groß. Die Kuriosität wurde Anfang dieser Woche perfekt, als der Ex-Ulmer-Coach Dieter Märkle Sorg in Heidenheim beerbte. Crailsheims Martin Hägele gab seinen Abschied zum Jahresende früh bekannt. Die Ziele des Vereins passten nicht mehr zu seiner Philosophie. Mit Helmut Dietterle ist bereits ein Nachfolger gefunden. In Ludwigsburg warf Klaus Mirwald nach zwölf Spielen hin, Armin Scheiffele sitzt nun auf der Bank. "Klassische" Entlassungen wegen Erfolglosigkeit gab es nur in Villingen und Freiberg, wo Milorad Pilipovic durch Dieter Hahn ersetzt wurde bzw. Markus Wenninger Willi Entenmann ersetzte.
Der Zuschauerboom
Exakt 138 313 Anhänger (= 814 pro Spiel) verfolgten die 170 Begegnungen. Damit ist das Zuschauerinteresse weiter ungebrochen (abgelaufene Runde 803). Wie schon in der Vorsaison hielten vor allem die Fans vom SV Waldhof, Reutlingen und Ulm ihrem Klub die Treue und sorgten jeweils für einen Schnitt von mehr als 2000 Zuschauern pro Heimspiel. Aber auch auswärts sind die drei Ex-Profiklubs Zuschauermagneten und bescheren sogar den "Mauerblümchen" ansprechende Kulissen. So rutschte kein Verein unter die Marke von 300 Fans im Schnitt.
Die Goalgetter
Letzte Saison war er der Senkrechtstarter beim KSC. In seiner ersten Oberligasaison traf Daniel Reule 13 Mal und kam sogar zu zwei Profi-Einsätzen. In der aktuellen Runde konnte der Vollblutstürmer die guten Leistungen bestätigen und trug mit 16 Treffern maßgeblich zum Karlsruher Alleingang bei. Der 21-Jährige bestach auch als Freistoßschütze. Wenn der Instinktfußballer noch an seiner Technik feilt, steht einer Profikarriere kaum etwas im Wege. Insgesamt zappelte der Ball 515 Mal im Netz (= 3,03 Tore pro Spiel).
Die Torjägerliste
16 Reule (Karlsruher SC)
14 Sameisla (SSV Ulm)
13 Atik (SV Sandhausen)
12 Raaf (Heidenheimer SB)
12 Radojevic (Heidenheim)
11 Rubio-Sanchez (Waldhof)
Die bösen Buben
Es ging mitunter ziemlich farbig zu. So schickten die Schiedsrichter bereits 67 Mal (44 Mal Gelb-Rot, 23 Rote Karten) Akteure vorzeitig zum Duschen. Dabei blieben die Kicker aber deutlich unter der Marke des Winters 2003, als es 79 Platzverweise gab. Als besonders fair erwies sich der TSV Crailsheim, der nur ein Mal in Unterzahl geriet. Rau sind dagegen die Sitten in Hoffenheim mit sieben Platzverweisen (drei Mal Gelb-Rot, vier Mal Rot) und Bahlingen (acht Ampelkarten).
Martin Bauer, kicker.de