Die "S-Klasse" fährt hinterher
Fußball-Regionalligist Kickers Offenbach wollte mit Ex-Profis den Aufstieg erzwingen - die Zwischenbilanz ist ernüchternd
Von Andreas Hunzinger
Das Präsidium des Fußball-Regionalligisten Kickers Offenbach dürfte sich dieser Tage ein wenig wie die Bundesregierung vorkommen. Es muss die Kritiker davon überzeugen, dass seine Politik richtig ist, obwohl die aktuellen Resultate nicht dazu angetan sind, die verfolgte Strategie zu stützen. Denn der mit dem Ziel, den Aufstieg in die Zweite Bundesliga zu schaffen, angetretene Traditionsclub dümpelt nach dem jüngsten 2:2 beim VfR Aalen mit neun Punkten aus acht Saisonspielen auf Platz elf der Tabelle herum. Der Vorsprung vor den Abstiegsrängen beträgt gerade mal zwei Zähler, die zweite Liga ist in weite Ferne gerückt.
Dort will der OFC aber hin, und so sehen sich die Kickers-Oberen zurzeit in Erklärungsnot. Schließlich waren sie die Initiatoren des Unternehmens "Aufbruch zu neuen Ufern", haben im vergangenen April den nicht unumstrittenen Rüdiger Lamm (einstmals Arminia Bielefeld) als Manager nach Offenbach geholt. Anfangs schien die Maßnahme auch zu fruchten. Lamm konnte vor allem durch den Verkauf der Werberechte für sämtliche Heimspiele der Saison den Etat von 970 000 Euro auf 2,2 Millionen Euro aufstocken und insgesamt elf neue Spieler verpflichten. Darunter die Ex-Profis Bruno Akrapovic (einst Energie Cottbus), Steffen Menze (Union Berlin), Thorsten Judt (Rot-Weiß Oberhausen), Christian Hock (Mainz 05), Gustav Policella ( Greuther Fürth), Stefan Dolzer (einst LR Ahlen) und Sascha Licht (Waldhof Mannheim). Spieler der "S-Klasse", wie Lamm getönt hatte.
Tabellenstand und Leistung des OFC nach acht absolvierten Begegnungen werfen jedoch die Frage auf, ob die Strategie, auf ältere, namhafte und damit entsprechend kostspielige Fußballer anstatt wie zuvor auf junge Talente zu setzen, tatsächlich die richtige war. Zumal der bisher unbefriedigende Saisonverlauf bereits das erste Opfer gefordert hat. Nach der 1:2-Niederlage am vierten Spieltag beim SV Wehen musste Trainer Ramon Berndroth gehen. Auch die Startformation beim jüngsten Punktspiel in Aalen ließ vermuten, dass Zweifel am Konzept aufkommen. Bis auf Judt und Dolzer standen da lediglich Akteure auf dem Feld, die auch schon vergangenes Jahr in Offenbach waren.
Die OFC-Führungsetage weigert sich jedoch, den eingeschlagenen Weg in Frage zu stellen. "Die Momentaufnahme ist sicher negativ", räumt Vizepräsident Thomas Kalt ein, "aber Alternativen zum jetzigen Konzept gibt es nicht." Der Entschluss, bei der Zukunftsplanung in die Offensive zu gehen, sei nötig gewesen, "weil wir mit unserer Strategie einer jungen Mannschaft beim Publikum nicht mehr durchgekommen wären. Mit einer Zehnter-Platz-Politik wäre der Verein auf Dauer zum Scheitern verurteilt gewesen, weil dann die Zuschauer weggeblieben wären."
Zwar stehen die Kickers nun nur auf Rang elf der Südstaffel, doch Kalt glaubt, "dass die Mannschaft das Zeug hat, um vorne mitzuspielen". Lars Schmidt, nach der Entlassung von Berndroth vom Sportlicher Leiter zum Trainer befördert, sieht das genauso, will etwa im direkten Vergleich mit dem Titelaspiranten 1. FC Saarbrücken vor zehn Tagen (2:3) keine fußballerischen Nachteile seines Teams ausgemacht haben. "Die Unterschiede lagen im körperlichen Bereich", so der 38-Jährige, "einige Spieler sind nicht fit."
Schmidt bleibt allerdings wenig Zeit, die Mannschaft auf Vordermann zu bringen. Denn je länger der OFC schwächelt, desto unruhiger werden die nicht gerade für ihre Geduld bekannten Fans. Und die Käufer der Werberechte für die Liga-Heimspiele haben ausnahmslos Verlust gemacht. Damit sich ihr Einsatz von 65 000 Euro pro Spiel amortisiert, müssen jeweils 8600 Zuschauer zum Bieberer Berg kommen. Die Zahl wurde im Ligabetrieb kein einziges Mal erreicht. "Wir müssen aufpassen, dass die Sponsoren am Ende nicht die einzigen Verlierer sind", sagt Kalt. Verlieren kann auch der OFC. Den Aufstieg verfehlen hieße: DasKonzept ist gescheitert.
http://www.fr-aktuell.de/ressorts/sport ... cnt=310727
Zur Situation bei Kickers Offenbach
- McVillager
- Kickers-Fan
- Beiträge: 2959
- Registriert: Dienstag 26. August 2003, 09:30
- Wohnort: Königshofen
- Kontaktdaten:
- Steffen FFC
- Kickers-Fan
- Beiträge: 4962
- Registriert: Dienstag 19. August 2003, 00:44
- Wohnort: Stuttgart
- Kontaktdaten:
Re: Zur Situation bei Kickers Offenbach
Das neue Konzept hat wohl noch schlechter geklappt als das alte. :wink:McVillager hat geschrieben:... Mit einer Zehnter-Platz-Politik wäre der Verein auf Dauer zum Scheitern verurteilt gewesen, weil dann die Zuschauer weggeblieben wären."
Zwar stehen die Kickers nun nur auf Rang elf der Südstaffel, doch Kalt glaubt, "dass die Mannschaft das Zeug hat, um vorne mitzuspielen". ...
-
Sonnenberger
- Kickers-Fan
- Beiträge: 46
- Registriert: Montag 25. August 2003, 13:34
- Wohnort: Stuttgart-Sonnenberg
oder zum Beispiel Stuttgarter Kickers...MartinBB95 hat geschrieben:die müssen halt verdammt aufpassen , dass es ihnen nicht so geht wie bsp. TEBE Berlin . Jedes Jahr ne menge Geld reingebuttert , aber nicht aufgestiegen und schon ging es rapide abwärts...
Ein bisschen blau muss sein,
dann ist die Welt voll Sonnenschein!
dann ist die Welt voll Sonnenschein!
-
Blauerbengel
- Kickers-Fan
- Beiträge: 72
- Registriert: Samstag 13. September 2003, 20:29
- Wohnort: bei Stuttgart
