Erstmal Ruhe vor der Revolte!
Verfasst: Mittwoch 11. Mai 2005, 11:50
Ruhe vor der Revolte
In der Kickers-Führung heißt es: Präsident gegen den Rest
Stuttgart - Bei den Stuttgarter Kickers ist ein erbitterter Machtkampf entbrannt. Auf der einen Seite steht Präsident Hans Kullen, auf der anderen ein großer Teil des Präsidiums und des Aufsichtsrates. Statt bei der Sponsorensuche von der Gunst des sportlichen Höhenfluges in der Fußball-Regionalliga zu profitieren, machen sich die "Blauen" das Leben mal wieder selbst schwer.
Von Sigor Paesler
Gestern früh flatterte eine Presseerklärung auf den Tisch, unterschrieben von Aufsichtsrat Joachim Bayh. Darin heißt es, die derzeitigen Spannungen seien von Präsidium und Aufsichtsrat diskutiert worden: "Die persönlichen Unstimmigkeiten zwischen den Beteiligten werden im Interesse der Kickers intern geklärt." Die Erfahrung sagt: So eine Presseerklärung wird nur herausgegeben, wenn es lichterloh brennt. Gerüchten zufolge könnte es zur Revolte kommen, sobald die fehlenden Lizenzunterlagen am 10. Juni abgegeben worden sind. Kullen, der bei der Sitzung nicht anwesend war, soll demnach gehen und Aufsichtsrat-Chef Hans-Jürgen Wetzel - zumindest als Übergang - übernehmen. Der dementiert freilich. "Ich habe kein Interesse", sagt Wetzel und beschwört, die Unstimmigkeiten seien von einer Qualität, "wie sie in jeder Familie vorkommen." Am Ende steht aber auch da manchmal die Scheidung.
Schon lange herrscht im Umfeld Unmut über das oft polternde Auftreten Kullens, das so gar nicht zum "blauen Adel" passt. Als dieser die Gremiumsmitglieder vergangene Woche offen fragte, ob ihr finanzieller Beitrag groß genug sei und wenig später Präsidiumsmitglied Bernd Klingler wegen einer öffentlichen Äußerung zur finanziellen Situation mit derben Worten geißelte, war das Fass übergelaufen. "Ich war immer loyal, aber ich bin die ständigen Beleidigungen leid", sagt Klingler, "ich habe ein Problem mit jemandem, der den Primus gibt und alle anderen Arschlöcher nennt."
Kullen ist sich keiner Schuld bewusst. "Ich habe die Herren lediglich an ihren Versprechungen gemessen", sagt er und fügt hinzu: "Herr Klingler hat in den vergangenen zwei Jahren keinen Cent beigesteuert." Lediglich Aufsichtsrat Edgar Kurz und Präsidiumsmitglied Michael Hofstetter nimmt Kullen von seiner Generalkritik aus.
Finanzielles Engagement
Das Problem: Viele bei den Kickers würden gerne ohne Kullen weitermachen, auch Hauptsponsor Eduardo Garcia. Aber kein potenzieller Nachfolger kann an Kullens Stelle treten, was das finanzielle Engagement betrifft. Weit mehr als eine halbe Million Euro hat er in den Verein gesteckt. Ohne ihn, das bestreitet niemand, wäre der Verein längst pleite. Und das auch, weil er einige alte und von manchen liebgewordene Zöpfe abschnitt. Wetzel, immer Diplomat, drückt es so aus: "Seine Verdienste überwiegen gegenüber dem, was nicht so optimal gelaufen ist." Doch das, so scheint es, ist die offizielle Version, so lange die Lizenzfrage noch offen ist.
"Wir brauchen jetzt erst einmal Ruhe", sagt auch Klingler. Kullen dagegen könnte seinerseits offenbar getrost auf die Gremien verzichten: "Was glauben sie, was für den Verein schlechter ist: Wenn die samt und sonders zurücktreten, oder wenn ich gehe und den Geldhahn zudrehe?" Wer den Machtkampf gewinnt, ist offen. Sicher ist nur, dass der Zwist dem Verein
Quelle: EZ
In der Kickers-Führung heißt es: Präsident gegen den Rest
Stuttgart - Bei den Stuttgarter Kickers ist ein erbitterter Machtkampf entbrannt. Auf der einen Seite steht Präsident Hans Kullen, auf der anderen ein großer Teil des Präsidiums und des Aufsichtsrates. Statt bei der Sponsorensuche von der Gunst des sportlichen Höhenfluges in der Fußball-Regionalliga zu profitieren, machen sich die "Blauen" das Leben mal wieder selbst schwer.
Von Sigor Paesler
Gestern früh flatterte eine Presseerklärung auf den Tisch, unterschrieben von Aufsichtsrat Joachim Bayh. Darin heißt es, die derzeitigen Spannungen seien von Präsidium und Aufsichtsrat diskutiert worden: "Die persönlichen Unstimmigkeiten zwischen den Beteiligten werden im Interesse der Kickers intern geklärt." Die Erfahrung sagt: So eine Presseerklärung wird nur herausgegeben, wenn es lichterloh brennt. Gerüchten zufolge könnte es zur Revolte kommen, sobald die fehlenden Lizenzunterlagen am 10. Juni abgegeben worden sind. Kullen, der bei der Sitzung nicht anwesend war, soll demnach gehen und Aufsichtsrat-Chef Hans-Jürgen Wetzel - zumindest als Übergang - übernehmen. Der dementiert freilich. "Ich habe kein Interesse", sagt Wetzel und beschwört, die Unstimmigkeiten seien von einer Qualität, "wie sie in jeder Familie vorkommen." Am Ende steht aber auch da manchmal die Scheidung.
Schon lange herrscht im Umfeld Unmut über das oft polternde Auftreten Kullens, das so gar nicht zum "blauen Adel" passt. Als dieser die Gremiumsmitglieder vergangene Woche offen fragte, ob ihr finanzieller Beitrag groß genug sei und wenig später Präsidiumsmitglied Bernd Klingler wegen einer öffentlichen Äußerung zur finanziellen Situation mit derben Worten geißelte, war das Fass übergelaufen. "Ich war immer loyal, aber ich bin die ständigen Beleidigungen leid", sagt Klingler, "ich habe ein Problem mit jemandem, der den Primus gibt und alle anderen Arschlöcher nennt."
Kullen ist sich keiner Schuld bewusst. "Ich habe die Herren lediglich an ihren Versprechungen gemessen", sagt er und fügt hinzu: "Herr Klingler hat in den vergangenen zwei Jahren keinen Cent beigesteuert." Lediglich Aufsichtsrat Edgar Kurz und Präsidiumsmitglied Michael Hofstetter nimmt Kullen von seiner Generalkritik aus.
Finanzielles Engagement
Das Problem: Viele bei den Kickers würden gerne ohne Kullen weitermachen, auch Hauptsponsor Eduardo Garcia. Aber kein potenzieller Nachfolger kann an Kullens Stelle treten, was das finanzielle Engagement betrifft. Weit mehr als eine halbe Million Euro hat er in den Verein gesteckt. Ohne ihn, das bestreitet niemand, wäre der Verein längst pleite. Und das auch, weil er einige alte und von manchen liebgewordene Zöpfe abschnitt. Wetzel, immer Diplomat, drückt es so aus: "Seine Verdienste überwiegen gegenüber dem, was nicht so optimal gelaufen ist." Doch das, so scheint es, ist die offizielle Version, so lange die Lizenzfrage noch offen ist.
"Wir brauchen jetzt erst einmal Ruhe", sagt auch Klingler. Kullen dagegen könnte seinerseits offenbar getrost auf die Gremien verzichten: "Was glauben sie, was für den Verein schlechter ist: Wenn die samt und sonders zurücktreten, oder wenn ich gehe und den Geldhahn zudrehe?" Wer den Machtkampf gewinnt, ist offen. Sicher ist nur, dass der Zwist dem Verein
Quelle: EZ