Nullfünfer unterliegen cleveren Kickers 1:3
Die Reutlinger unterlagen heute gegen die diszipliniert spielende zweite Mannschaft der Stuttgarter Kickers mit 1:3 (1:2). Vor 400 Zuschauern waren die Nullfünfer vor allem in der zweiten Halbzeit nahezu ständig in der Offensive. Die Kickers dagegen nutzten ihre Chancen und siegten.
[Alexander Thomys] - In der ersten Halbzeit entwickelte sich zunächst eine gute Partie mit Torchancen auf beiden Seiten. Nach einer Flanke von Jochen Weigl schoss Oliver Otto mit dem Rücken zum Tor voley ins lange Eck, doch Markus Kärcher klärte auf der Linie für seinen Torhüter. Kurze Zeit später entschärfte Michael Urban einen schnellen Angriff der Stuttgarter, indem er ein Zuspiel von Vincenzo Marchese abfangen konnte. Nach einem schlechten Rückpass von einem Reutlinger gab es die erste wirklich große Chance für die Kickers. Der schnelle Kickers-Angreifer Mohamed Abou Shoura erlief sich den Rückpass, schoss dann aber am Tor von SSV-Keeper Marco Langner vorbei. Später kam es durch einen Rückpass erneut zu einer solchen gefährlichen Situation. Da muss sich die Reutlinger Abwehr verbessern. Die zweite Mannschaft der Kickers spielte aber insgesamt recht defensiv und ließen die Reutlinger angreifen. Die Nullfünfer fanden aber lange keinen Weg gefährlich vor das Tor der Gastgeber zu kommen.
Durch eine Standardsituation fiel dann die Führung für die Stuttgarter. Kresimir Lukic knallte einen Freistoß in die Mauer der Reutlinger, Fabio Accardi reagierte am schnellsten und staubte zum 1:0 für die Kickers ab. Nur drei Minuten später vergaben die Nullfünfer eine große Chance zum Ausgleich. Kristian Tomasek erkämpfte einen Eckball für die Reutlinger. Der Eckball fand den Weg zu Andreas Rill, dessen Schuss wurde abgewehrt, Otto bekam das Spielgerät und versuchte ebenfalls zu schießen, erneut wehrten die Kickers ab, der Ball kam zu Haas, dieser schoss aber aus kurzer Distanz über das Tor der Gäste. Zehn Minuten vor der Pause sprach Schiedsrichter Tobias Fett den Kickers einen Strafstoß zu. Nikolaos Vassiliou war im Strafraum gefallen, die Elfmeterentscheidung erschien den meisten Zuschauern aber etwas fragwürdig. Marchese trat an und traf flach ins rechte Eck. Langer war chancenlos. Zwei zu Null für die Stuttgarter Kickers.
Die Reutlinger gaben aber nicht auf und kämpften um den Anschlusstreffer. Zunächst scheiterte Andy Rill nach einem sehenswerten Solo im Strafraum, doch dann gab Jochen Weigl den Nullfünfern und ihren etwa 170 mitgereisten Fans neue Hoffnung. Direkt vor der Pause nutzte Jochen Weigl eine Flanke von Christian Haas und traf per Kopf zum 2:1 Anschlusstreffer für die Reutlinger.
In der Pause reagierte SSV-Cheftrainer Peter Starzmann und wechselte Giuliano Saggiomo für den blass gebliebenen Kristian Tomasek ein. Die Schwarz-Rot-Weißen kamen motiviert aus der Kabine und waren entschlossen den Ausgleich zu erzielen.
Doch nur fünf Minuten nach der Pause stellten die Kickers den alten Vorsprung wieder her. Erneut nutzten die Gastgeber einen Freistoß. Kresimir Lukic traf mit einem Freistoß die Latte, die Reutlinger Abwehr reagierte zu spät und Erdal Koyuncu staubte zum 3:1 für die Kickers ab. Von nun an spielten nur noch die Reutlinger. Die Kickers verteidigten mit der gesamten Mannschaft das 3:1. Lange Zeit waren bis auf SSV-Keeper Marco Langner alle Spieler in der Hälfte der Stuttgarter. Dabei vergaben die Reutlinger hochkarätige Chancen. Nur gelegentlich kamen die Kickers zu Befreiungsschlägen in die Reutlinger Hälfte.
Nach einer Flanke von Thomas Scheuring köpfte Torjäger Christian Haas vorbei, Rill kam nicht heran. Kurze Zeit später scheiterte Haas erneut nach einer Flanke des agilen Abwehrspielers Scheuring. Trainer Starzmann wechselte nun mit Danijel Kovacevic einen weiteren frischen Angreifer ein. Doch auch mit Kovacevic konnten die Reutlinger den erneuten Anschlusstreffer nicht erzielen. In der Schlussphase kam die Reserve der Kickers noch einmal zu Konterchancen. Haris Avdic rettete dabei vor dem durchgegangenen Abou Shoura. Zehn Minuten vor dem Spielschluss konnte der starke Torhüter der Kickers, Manuel Salz, einen Freistoß von Saggiomo halten. Nach der regulären Spielzeit gab es gegen die Reutlinger noch einen Platzverweis. Giuliano Saggiomo sah nach einem Foul die gelb-rote Karte.
Nach dem Spiel war Thomas Scheuring sehr enttäuscht. "Wir hatten uns nach der Pause viel vorgenommen, haben dann aber leider gleich das dritte Gegentor hinnehmen müssen. Und dann wollte der Ball einfach nicht ins Tor", meinte der Abwehrspieler niedergeschlagen.
Die Nullfünfer haben nun die zweite Niederlage in Folge hinnehmen müssen. Die finanzielle Situation des SSV scheint auch an der Mannschaft nicht spurlos vorbeizugehen. Dennoch bleiben die Reutlinger Tabellendritter (Die Freiburger Amateure kamen gegen Sandhausen nur zu einem torlosen Unentschieden). Am kommenden Samstag erwarten die Reutlinger beim letzten Heimspiel die abstiegsbedrohten Freiberger.
Statistik zum Spiel
Reutlingen: Langner - Scheuring, Michnia (78. Colon), Urban, Avidc - Tomasek (46. Saggiomo), Otto, Rill, Weigl - Greco (72. Kovacevic), Haas
Kickers-II: Salz, Schreiber, Lukic, Accardi, Jelas, Kärcher, Koyuncu, Baradel (84. Matic), Abou Shoura (87. Yildiz), Marchese, Vassiliou (73. Gatzky)
Tore:
1:0 Accardi (27.)
2:0 Marchese (35./FE)
2:1 Weigl (45.)
3:1 Koyuncu (50.)
Gelb-Rot: Giuliano Saggiomo (90.)
Zuschauer: 400
Quelle: ssv-fans.de
Berichte: Kickers 2 - Reutlingen
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SSV Reutlingen - Die Lage bei den Nullfünfern spitzt sich zu. Starzmann will sich die Situation nicht mehr lange antun
Scheuring: Ich kann nachts nicht mehr schlafen
VON MANFRED KRETSCHMER
STUTTGART. Die Lage beim Fußball-Oberligisten SSV Reutlingen spitzt sich zu. »Das Umfeld des Vereins und die Stadt müssen sich in dieser Woche klar werden, was sie wollen«, formuliert Trainer Peter Starzmann. »Versprechungen und Worthülsen helfen uns nicht weiter. Jetzt muss die Region Farbe bekennen«, sagt SSV-Manager Wilfried Gröbner.
Gestern präsentierten sich die Reutlinger auf dem Rasen des Stuttgarter Gazi-Stadions. In der Partie bei der zweiten Mannschaft der Stuttgarter Kickers. Es fehlte allerdings nicht viel und die SSV-Kicker hätten dieses Spiel, das sie letztlich mit 1:3 (1:2) verloren, boykottiert. Grund: Die Mannschaft erhielt seit Februar keine Gehälter mehr überwiesen. Starzmann: »Am Samstag wollte die Elf nicht mehr.« Es sei deprimierend und niederschmetternd, so der Fußball-Lehrer, wenn am Rande der Trainingseinheiten die Spieler nur noch darüber diskutieren würden, ob sie ihr Auto voll tanken können. Bei einigen Akteuren soll es richtig ans Eingemachte gehen. Laut Gröbner sind bei manchen Spielern Konto und Telefon gesperrt.
»Bei uns liegen die Nerven blank«, verdeutlicht Abwehrspieler Thomas Scheuring, der von der finanziellen Misere des Klubs besonders hart betroffen ist. »Ich habe eine Frau und ein kleines Kind und kann mittlerweile nachts nicht mehr schlafen«, gewährt der vor Saisonbeginn vom VfL Kirchheim an die Kreuzeiche gekommene 23-Jährige Einblicke in sein Seelenleben.
Innerhalb der Mannschaft würde trotz der seit Monaten angespannten Situation im Verein eine »super Kameradschaft« herrschen, betonen Scheuring und Giuseppe Greco unisono. Das Team hat sich mittlerweile entschlossen, die Oberliga-Runde definitiv zu Ende zu spielen. Am Samstag gastiert Freiberg in Reutlingen, ehe der SSV am letzten Spieltag in Crailsheim antreten muss.
Die jetzige Situation wolle er sich »nicht mehr lange antun«, betont Starzmann, dem Anfragen von zwei Vereinen vorliegen. An Aufgeben denkt er allerdings noch nicht. »Wir leben noch.« Mit diesem Motto im Rücken ruft Starzmann die nächsten Tage zur »Woche der tausend Telefonate« aus. Dabei wirkt die Mannschaft auf allen Ebenen mit.
»Jetzt kommt die Woche der tausend Telefonate«
Falls in dieser Woche keinen Ruck gibt, dürfte das Aus perfekt sein. Dann würde auch die Mannschaft auseinander fallen, schließlich stehen vor allem die Leistungsträger Andreas Rill, Thomas Scheuring und Giuliano Saggiomo bei Regionalliga- und Oberliga-Klubs auf der Wunschliste.
Die Verantwortlichen des Vereins würden »an allen Ecken und Enden kämpfen«, erklärt SSV-Präsident Wolfgang Moeck. Es würden täglich »Summen kommen«. Präsidiumsmitglied Jörg Arnold verweist darauf, dass »ein kleiner Kreis von Leuten« erst vor wenigen Wochen einen Betrag von etwa 300 000 Euro gestemmt habe. Und diese Leute wären nun logischerweise nicht in der Lage, die für den Rest der Saison noch benötigten 200 000 Euro zu zahlen.
Vor dem Einreichen der Lizenzierungs-Unterlagen für die Regionalliga stellten die Wirtschaftsprüfer fest, dass die bilanzielle Überschuldung höher ist als angenommen. »Da sind in der Bilanz zwei Leichen aufgetaucht«, so Gröbner. Es handelte sich um eine Forderung an Ex-Präsident Dieter Winko in Höhe von 266 000 Euro und um einen Videowand-Leasingvertrag im Umfang von 50 000 Euro. Dieses Geld ist geflossen. Damit der SSV überlebt, muss allerdings ein weiterer Kraftakt her. (GEA)
Scheuring: Ich kann nachts nicht mehr schlafen
VON MANFRED KRETSCHMER
STUTTGART. Die Lage beim Fußball-Oberligisten SSV Reutlingen spitzt sich zu. »Das Umfeld des Vereins und die Stadt müssen sich in dieser Woche klar werden, was sie wollen«, formuliert Trainer Peter Starzmann. »Versprechungen und Worthülsen helfen uns nicht weiter. Jetzt muss die Region Farbe bekennen«, sagt SSV-Manager Wilfried Gröbner.
Gestern präsentierten sich die Reutlinger auf dem Rasen des Stuttgarter Gazi-Stadions. In der Partie bei der zweiten Mannschaft der Stuttgarter Kickers. Es fehlte allerdings nicht viel und die SSV-Kicker hätten dieses Spiel, das sie letztlich mit 1:3 (1:2) verloren, boykottiert. Grund: Die Mannschaft erhielt seit Februar keine Gehälter mehr überwiesen. Starzmann: »Am Samstag wollte die Elf nicht mehr.« Es sei deprimierend und niederschmetternd, so der Fußball-Lehrer, wenn am Rande der Trainingseinheiten die Spieler nur noch darüber diskutieren würden, ob sie ihr Auto voll tanken können. Bei einigen Akteuren soll es richtig ans Eingemachte gehen. Laut Gröbner sind bei manchen Spielern Konto und Telefon gesperrt.
»Bei uns liegen die Nerven blank«, verdeutlicht Abwehrspieler Thomas Scheuring, der von der finanziellen Misere des Klubs besonders hart betroffen ist. »Ich habe eine Frau und ein kleines Kind und kann mittlerweile nachts nicht mehr schlafen«, gewährt der vor Saisonbeginn vom VfL Kirchheim an die Kreuzeiche gekommene 23-Jährige Einblicke in sein Seelenleben.
Innerhalb der Mannschaft würde trotz der seit Monaten angespannten Situation im Verein eine »super Kameradschaft« herrschen, betonen Scheuring und Giuseppe Greco unisono. Das Team hat sich mittlerweile entschlossen, die Oberliga-Runde definitiv zu Ende zu spielen. Am Samstag gastiert Freiberg in Reutlingen, ehe der SSV am letzten Spieltag in Crailsheim antreten muss.
Die jetzige Situation wolle er sich »nicht mehr lange antun«, betont Starzmann, dem Anfragen von zwei Vereinen vorliegen. An Aufgeben denkt er allerdings noch nicht. »Wir leben noch.« Mit diesem Motto im Rücken ruft Starzmann die nächsten Tage zur »Woche der tausend Telefonate« aus. Dabei wirkt die Mannschaft auf allen Ebenen mit.
»Jetzt kommt die Woche der tausend Telefonate«
Falls in dieser Woche keinen Ruck gibt, dürfte das Aus perfekt sein. Dann würde auch die Mannschaft auseinander fallen, schließlich stehen vor allem die Leistungsträger Andreas Rill, Thomas Scheuring und Giuliano Saggiomo bei Regionalliga- und Oberliga-Klubs auf der Wunschliste.
Die Verantwortlichen des Vereins würden »an allen Ecken und Enden kämpfen«, erklärt SSV-Präsident Wolfgang Moeck. Es würden täglich »Summen kommen«. Präsidiumsmitglied Jörg Arnold verweist darauf, dass »ein kleiner Kreis von Leuten« erst vor wenigen Wochen einen Betrag von etwa 300 000 Euro gestemmt habe. Und diese Leute wären nun logischerweise nicht in der Lage, die für den Rest der Saison noch benötigten 200 000 Euro zu zahlen.
Vor dem Einreichen der Lizenzierungs-Unterlagen für die Regionalliga stellten die Wirtschaftsprüfer fest, dass die bilanzielle Überschuldung höher ist als angenommen. »Da sind in der Bilanz zwei Leichen aufgetaucht«, so Gröbner. Es handelte sich um eine Forderung an Ex-Präsident Dieter Winko in Höhe von 266 000 Euro und um einen Videowand-Leasingvertrag im Umfang von 50 000 Euro. Dieses Geld ist geflossen. Damit der SSV überlebt, muss allerdings ein weiterer Kraftakt her. (GEA)
SSV Reutlingen - Die Lage bei den Nullfünfern spitzt sich zu. Starzmann will sich die Situation nicht mehr lange antun
Scheuring: Ich kann nachts nicht mehr schlafen
VON MANFRED KRETSCHMER
STUTTGART. Die Lage beim Fußball-Oberligisten SSV Reutlingen spitzt sich zu. »Das Umfeld des Vereins und die Stadt müssen sich in dieser Woche klar werden, was sie wollen«, formuliert Trainer Peter Starzmann. »Versprechungen und Worthülsen helfen uns nicht weiter. Jetzt muss die Region Farbe bekennen«, sagt SSV-Manager Wilfried Gröbner.
Gestern präsentierten sich die Reutlinger auf dem Rasen des Stuttgarter Gazi-Stadions. In der Partie bei der zweiten Mannschaft der Stuttgarter Kickers. Es fehlte allerdings nicht viel und die SSV-Kicker hätten dieses Spiel, das sie letztlich mit 1:3 (1:2) verloren, boykottiert. Grund: Die Mannschaft erhielt seit Februar keine Gehälter mehr überwiesen. Starzmann: »Am Samstag wollte die Elf nicht mehr.« Es sei deprimierend und niederschmetternd, so der Fußball-Lehrer, wenn am Rande der Trainingseinheiten die Spieler nur noch darüber diskutieren würden, ob sie ihr Auto voll tanken können. Bei einigen Akteuren soll es richtig ans Eingemachte gehen. Laut Gröbner sind bei manchen Spielern Konto und Telefon gesperrt.
»Bei uns liegen die Nerven blank«, verdeutlicht Abwehrspieler Thomas Scheuring, der von der finanziellen Misere des Klubs besonders hart betroffen ist. »Ich habe eine Frau und ein kleines Kind und kann mittlerweile nachts nicht mehr schlafen«, gewährt der vor Saisonbeginn vom VfL Kirchheim an die Kreuzeiche gekommene 23-Jährige Einblicke in sein Seelenleben.
Innerhalb der Mannschaft würde trotz der seit Monaten angespannten Situation im Verein eine »super Kameradschaft« herrschen, betonen Scheuring und Giuseppe Greco unisono. Das Team hat sich mittlerweile entschlossen, die Oberliga-Runde definitiv zu Ende zu spielen. Am Samstag gastiert Freiberg in Reutlingen, ehe der SSV am letzten Spieltag in Crailsheim antreten muss.
Die jetzige Situation wolle er sich »nicht mehr lange antun«, betont Starzmann, dem Anfragen von zwei Vereinen vorliegen. An Aufgeben denkt er allerdings noch nicht. »Wir leben noch.« Mit diesem Motto im Rücken ruft Starzmann die nächsten Tage zur »Woche der tausend Telefonate« aus. Dabei wirkt die Mannschaft auf allen Ebenen mit.
»Jetzt kommt die Woche der tausend Telefonate«
Falls in dieser Woche keinen Ruck gibt, dürfte das Aus perfekt sein. Dann würde auch die Mannschaft auseinander fallen, schließlich stehen vor allem die Leistungsträger Andreas Rill, Thomas Scheuring und Giuliano Saggiomo bei Regionalliga- und Oberliga-Klubs auf der Wunschliste.
Die Verantwortlichen des Vereins würden »an allen Ecken und Enden kämpfen«, erklärt SSV-Präsident Wolfgang Moeck. Es würden täglich »Summen kommen«. Präsidiumsmitglied Jörg Arnold verweist darauf, dass »ein kleiner Kreis von Leuten« erst vor wenigen Wochen einen Betrag von etwa 300 000 Euro gestemmt habe. Und diese Leute wären nun logischerweise nicht in der Lage, die für den Rest der Saison noch benötigten 200 000 Euro zu zahlen.
Vor dem Einreichen der Lizenzierungs-Unterlagen für die Regionalliga stellten die Wirtschaftsprüfer fest, dass die bilanzielle Überschuldung höher ist als angenommen. »Da sind in der Bilanz zwei Leichen aufgetaucht«, so Gröbner. Es handelte sich um eine Forderung an Ex-Präsident Dieter Winko in Höhe von 266 000 Euro und um einen Videowand-Leasingvertrag im Umfang von 50 000 Euro. Dieses Geld ist geflossen. Damit der SSV überlebt, muss allerdings ein weiterer Kraftakt her. (GEA)
Scheuring: Ich kann nachts nicht mehr schlafen
VON MANFRED KRETSCHMER
STUTTGART. Die Lage beim Fußball-Oberligisten SSV Reutlingen spitzt sich zu. »Das Umfeld des Vereins und die Stadt müssen sich in dieser Woche klar werden, was sie wollen«, formuliert Trainer Peter Starzmann. »Versprechungen und Worthülsen helfen uns nicht weiter. Jetzt muss die Region Farbe bekennen«, sagt SSV-Manager Wilfried Gröbner.
Gestern präsentierten sich die Reutlinger auf dem Rasen des Stuttgarter Gazi-Stadions. In der Partie bei der zweiten Mannschaft der Stuttgarter Kickers. Es fehlte allerdings nicht viel und die SSV-Kicker hätten dieses Spiel, das sie letztlich mit 1:3 (1:2) verloren, boykottiert. Grund: Die Mannschaft erhielt seit Februar keine Gehälter mehr überwiesen. Starzmann: »Am Samstag wollte die Elf nicht mehr.« Es sei deprimierend und niederschmetternd, so der Fußball-Lehrer, wenn am Rande der Trainingseinheiten die Spieler nur noch darüber diskutieren würden, ob sie ihr Auto voll tanken können. Bei einigen Akteuren soll es richtig ans Eingemachte gehen. Laut Gröbner sind bei manchen Spielern Konto und Telefon gesperrt.
»Bei uns liegen die Nerven blank«, verdeutlicht Abwehrspieler Thomas Scheuring, der von der finanziellen Misere des Klubs besonders hart betroffen ist. »Ich habe eine Frau und ein kleines Kind und kann mittlerweile nachts nicht mehr schlafen«, gewährt der vor Saisonbeginn vom VfL Kirchheim an die Kreuzeiche gekommene 23-Jährige Einblicke in sein Seelenleben.
Innerhalb der Mannschaft würde trotz der seit Monaten angespannten Situation im Verein eine »super Kameradschaft« herrschen, betonen Scheuring und Giuseppe Greco unisono. Das Team hat sich mittlerweile entschlossen, die Oberliga-Runde definitiv zu Ende zu spielen. Am Samstag gastiert Freiberg in Reutlingen, ehe der SSV am letzten Spieltag in Crailsheim antreten muss.
Die jetzige Situation wolle er sich »nicht mehr lange antun«, betont Starzmann, dem Anfragen von zwei Vereinen vorliegen. An Aufgeben denkt er allerdings noch nicht. »Wir leben noch.« Mit diesem Motto im Rücken ruft Starzmann die nächsten Tage zur »Woche der tausend Telefonate« aus. Dabei wirkt die Mannschaft auf allen Ebenen mit.
»Jetzt kommt die Woche der tausend Telefonate«
Falls in dieser Woche keinen Ruck gibt, dürfte das Aus perfekt sein. Dann würde auch die Mannschaft auseinander fallen, schließlich stehen vor allem die Leistungsträger Andreas Rill, Thomas Scheuring und Giuliano Saggiomo bei Regionalliga- und Oberliga-Klubs auf der Wunschliste.
Die Verantwortlichen des Vereins würden »an allen Ecken und Enden kämpfen«, erklärt SSV-Präsident Wolfgang Moeck. Es würden täglich »Summen kommen«. Präsidiumsmitglied Jörg Arnold verweist darauf, dass »ein kleiner Kreis von Leuten« erst vor wenigen Wochen einen Betrag von etwa 300 000 Euro gestemmt habe. Und diese Leute wären nun logischerweise nicht in der Lage, die für den Rest der Saison noch benötigten 200 000 Euro zu zahlen.
Vor dem Einreichen der Lizenzierungs-Unterlagen für die Regionalliga stellten die Wirtschaftsprüfer fest, dass die bilanzielle Überschuldung höher ist als angenommen. »Da sind in der Bilanz zwei Leichen aufgetaucht«, so Gröbner. Es handelte sich um eine Forderung an Ex-Präsident Dieter Winko in Höhe von 266 000 Euro und um einen Videowand-Leasingvertrag im Umfang von 50 000 Euro. Dieses Geld ist geflossen. Damit der SSV überlebt, muss allerdings ein weiterer Kraftakt her. (GEA)