Für Red Bull zieht Beckenbauer nach Salzburg um
Salzburg - Für Alexander Zickler sollte es ein neuer Anfang sein, in einem Interview mit dem "Kicker" träumte er vor wenigen Wochen sogar von der Rückkehr in die deutsche Nationalmannschaft und von der WM 2006. Doch der langjährige Stürmer des FC Bayern tut sich an neuer Wirkungsstätte schwer: Wenn Red Bull Salzburg am Dienstag beim Grazer AK in die österreichische Bundesligasaison startet, dann wird der Ex-Münchner nur Reservist sein. Auch Verteidiger Thomas Linke, der mit ihm gekommen ist vom deutschen Rekordmeister, fehlt; er ist verletzt.
Immerhin haben die Namen der beiden deutschen Ex-Nationalspieler schon mal geholfen, Aufmerksamkeit zu lenken auf den neureichen Klub, der bis vor kurzem noch Austria Salzburg hieß. Er war in Abstiegsgefahr und mit neun Millionen Euro verschuldet. Dass er mit neuer Identität, einem Landesrekordetat von 30 Millionen Euro und forsch formulierten Zielen loslegt, hat mit Didi Mateschitz zu tun. Der 62-Jährige ist Österreichs Wirtschafts-Star, mit dem Energiegetränk "Red Bull" machte er ein Vermögen. Auf 1,3 Milliarden Euro wird Mateschitz taxiert - er ist der reichste Österreicher.
Und nach Formel 1 - mit dem Red-Bull-Rennstall - macht er nun endlich auch in Fußball. Da lässt es Mateschitz krachen: 14 neue Spieler verpflichtete er, zum ersten Pressetermin ließ er Reporter mit dem Lear-Jet einfliegen, und im hauseigenen Hangar-7 kochte der sternendekorierte Eckart Witzigmann auf.
"Wir werden in Zukunft im Konzert der ganz Großen mitgeigen", erzählt der Brause-Fabrikant, Platz drei in der Liga ist das Ziel fürs erste Jahr, danach sollen Meisterschaft eingefahren und die Champions League aufgewirbelt werden. Weil es Mateschitz am Fußball-Fachwissen fehlt, hat er sich den Experten schlechthin als Berater geholt: Franz Beckenbauer. Für den Kaiser soll es nicht nur so ein Nebenbei-Job sein, demnächst will er seinen Wohnsitz aus den Kitzbüheler Bergen nach Salzburg verlegen.
"Wenn ein Mann wie Mateschitz ruft, kann man nicht absagen", sagt Beckenbauer. Natürlich regelte er den Transfer der Bayern Thomas Linke und Alexander Zickler. Auch die Besetzung des Trainerpostens geht auf seinen Rat zurück: Beckenbauer empfahl den in Kaiserslautern abgetretenen Kurt Jara. Der muss die richtige Mischung finden aus einheimischen Nationalspielern (Schopp, Mayrleb, Manninger, Mair, Kirchler) und Auslandsprofis. Sogar Vratislav Lokvenc (Bochum) war dem Lockruf des Geldes gefolgt - obwohl er ein Topangebot von Hertha BSC Berlin vorliegen hatte. Mit Aleksandr Knavs (Bochum) kam ein weiterer Bundesliga-Akteur.
Jara wird seine Schützlinge durch ein gnadenloses Ausleseverfahren jagen. Wer nicht siegt, der fliegt. Im Winter soll personell nachjustiert werden. Über Jara erzählt man, er sei ein "harter Hund", aber auch ein Trainer, der tief in die Kickerseelen blicken kann. Mit dem FC Tirol hatte er die Favoriten Rapid und Austria Wien sowie Sturm Graz gejagt. Nun zieht Jara selbst mit einer Millionärstruppe und als Favorit gegen eine Neidgenossenschaft von neun Teams in den Kampf um den Titel.
Salzburgs Verantwortliche versprechen: "Da passiert noch was ganz Großes." Bereits im Frühsommer wurden Weltstars wie Luis Figo oder Pavel Nedved mit Red Bull in Verbindung gebracht. Zusammengekommen ist man noch nicht. Doch in ein, zwei Jahren soll auch das möglich sein - mit Sponsoren vom Feinsten: Audi etwa oder adidas. Beckenbauers segensreiche Kontakte.
Red Bull soll Salzburgs Fußball Flügel verleihen und in ungeahnte Höhen befördern. Das Stadion soll in Zukunft Red-Bull-Arena heißen und 30 000 Fans Platz bieten. Es wurden bereits 7000 Dauerkarten und alle Sky-Boxen verkauft, die VIP-Karten sind vergriffen.
HUBERT WINKLBAUER